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die lästige Doppelbesteuerung des Hausirgewcrbcs aufhrben, andererseits die Ma-l trtkularbeiträge der Einzelstaaten wesentlich reduciren würde. Bundeskommissar Geh. Rath Dr. Michaelis. Der Heraushebung einzelner Steuerzweige aus der Competenz der Einzelregierungen und der Herüberführung derselben in die Bun- descompetenz ständen mannigfache Schwierigkeiten entgegen, welche im vorliegen­den Falle noch dadurch vermehrt werden, daß der Haustrgewerbebetried gar oft mit dem stehenden Gewerbebetrieb zufammenfäüt. Der Ertrag der Steuer würde übrigens bei den Matrtkularumlagen kaum ins Gewicht fallen. Der norddeutsche Bundesrath habe sich schon im vorigen Jahre mit dem Gedanken beschäftigt, die gesammte Besteuerung des Gewerbes als Bundessteuer zu behandeln; durch den Krieg wurden die Verhandlungen unterbrochen, und sind dieselben der Erweiterung des Bundes wegen noch nicht wieder ausgenommen, aber auch nicht ganz fallen gelassen. Die Bundesregierung werde zu geeigneter Zeit darauf zurückkommen. Dr. Braun (Gera) hält die Unificirung der gefammten auf das Gewerbe ge­legten Steuern für durchaus nothwendig, um die Freiheit auf volkswirthschast- ltchem Gebiete zur Wahrheit zu machen; zur Zeit werde namentlich das Hausir- gewerbe in jedem einzelnen Territorium verschieden und oft ganz willkürlich be­handelt. Nach den heutigen Erklärungen von Seiten des Bundesraths ziehe er jedoch in Uebereinstimmung mit den übrigen Antragstellern den Antrag zurück. Mosle (Bremen) tritt ter Bemerkung des Vorredners entgegen, in Bremen sei durch die Specialgesetzzebung über das Haustrgewerbe die Bundesgewerbeord­nung verletzt worden; wenn dort das Hauflren in den Häusern verboten sei, so geschah dies, weil daselbst gewohnheitsmäßig alle Häuser offen stehen, einen Mangel an Bundestreue dürfe man daraus nicht herleiten. Dr. Braun (Gera). Das sei ihm auch nicht eingefallen, aber er könne doch nicht die Ansicht unterdrücken, daß man die Häuser nicht offen stehen lasse, um Nie- mand hineinzulassen, sonst könne man sie ja lieber schließen. Damit ist diese Angelegenheit erledigt.

2) Zweite Lesung des Gesetzes über die Einführung norddeutscher Bundes- gesetzt in Baiern. Dasselbe wird fast ohne DiScusston in allen seinen Thetlen genehmigt. Zu §. 2, Nr. 12, welche das Gesetz wegen der Eheschließung und der Beurkundung des Personenstandes von Bundesangehörigen im Auslände in Baiern einführt, haben mehrere baierische Abgeordnete, darunter Prof. Greil (Passau) und Frhr. v. Hafenbrädl (Deggendorf) auf dem Präsidium eine Er­klärung niedergelegt, nach welchem sie diesem Gesetz nicht zustimmen können.

Schluß l3/» Uhr. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Tagesordnung: Erste Lesung des Gesetzes über die Verbindlichkeit zum Schadenersatz für die bei dem Betriebe von Eisenbahnen, Bergwerken rc. herbeigeführten Tödtunzen und Körper­verletzungen , Wahlprüfungen, dritte Lesung des Gesetzes über die Einführung norddeutscher Bundesgesetze in Baiern.

Paris, 10. April, 1 Uhr. Die Verluste der Föderirten vom Samstag be­tragen 225 Todte und 435 Verwundete. Es wird heute ein Angriff der Ver­sailler Truppen auf der Seite von Montrouge gefürchtet. Vermorel, Mitglied der Commune^soll gestern geblieben sein.

In der gestrigen Versammlung der Anhänger desBundes der Vertheidiger der Rechte von Paris" wurden ve.sailler Nachrichten mitgetheilt, wonach Thiers noch immer zur Versöhnlichkeit gestimmt ist, aber Rücksichten gegen die Majorität der National-Versammlung habe, welche die Niederschlagung des Aufstandes ver­lange; tndeß habe Thiers drei Pässe für drei Delegirte desBundes" zu Dienstag versprochen. Die von demBunde" ernannten drei Männer wollten jedoch der dringenden Verhältnisse wegen die Gelcitscheine nicht abwarten und gehen heute auf eigene Gefahr nach Versailles. Zwei andere Buudesbrüder wollen mit Peyrat nach Versailles gehen, damit dieser seine College» von der Linken über die Lage von Paris unterrichte. Peyrat soll veranlaßt werden, der National-Versammlung das Manifest vorzulesen, das derBund" in seiner Sitzung einstimmig angenommen hat.

Paris, 10. April, Abends. Die Delegirten der Union Republicaine konnten heute nicht abgehen, da die Executiv-Commisston der Commune einige Einwürfe gegen die Ertheilung von Passtrscheinen erhoben hatte. Man glaubt, daß die Schwierigkeiten noch heute gehoben sein werden. Amouroux, Mitglied der Com- mune, ist verhaftet worden; man versichert, baß seit gestern eine Zwistigkeit zwi­schen der Commune und dem Central-Comite besteht, bezüglich auf die wichtigen Maßregeln, welche zur Fortsetzung des Kampfes erforderlich sind.

Zwei starke Barrikaden sind in der Rue Royale und der Rue de Rivoli errichtet. Die Kanonade hat seit diesen Morgen schon nachgelassen. Die Zug­brücke der Porte Maillot ist von der Versailler Artillerie zusammengeschossen worden.

Marsaille, 10. April. Die Stadt ist vollständig ruhig, die Ruhestörer sind bestürzt und niedergeschlagen. Die Verhaftungen dauern fort. Die Ent- waffnung nimmt ihren Verlauf. Die Polizei ist mit der Uebernahme der KriegS- waffen betraut.

Madrid, 10. April. Aus Zorrilla wurde, während er auf der Nordbahn reiste, geschossen, ohne ihn jedoch zu verletzen.

Telegraphische Depeschen.

Hamburg, 13. April. Die Zeitungen veröffentlichen folgende anschei­nend osficiöse Mittheilung: Nach neuerdings eingegangenen Nachrichten verpflichtet sich die französische Negierung nunmehr förmlich, die nicht condemnirten deutschen Schiffe nebst Ladungen herauszugeben, eventuell für die nicht mehr vorhandenen Entschädigung zu leisten.

+ Lagny, 13. April. General Fabrice verlegte das Hauptquartier von Rouen nack Sotsy.

Versailles, 12. April. Thiers macht die Entwaffnung der Insurgenten zur Basis der Unterhanolungen. In Paris herrscht allgemeine Mutlosigkeit; die Lebensmittel fangen an rar zu werden.

Versailles, 13. April. In einem Circular an die Präfecten dementirt Thlers die von der Commune verkündeten Siege. Den Delegirten der Liga ant­wortete er: daß der Bestand der Republik gesichert sei. Die Arbeitersubstdien würden für den Augenblick beibehalten. Paris werde den allgemeinen Municipal- rechten unterstellt, jedoch jede Succession unterdrückt.

Paris, 12. April, Abends. Seit heute Morgen ist längs Jssy, Vanvreo und Montrouge an allgemeines Gefecht engagirt. Die Föderirten erleiden schwere Verluste. Die Truppen der Regierung avancirten bis in die Laufgräben;

wurden aber dann wieder zurückgcworfen bis in den Park von Jssy, wo sie sich behaupteten.

Paris, 12. April. DasMot d'Ordrc" schreibt: Trotz der thatsäch. lichen Gefahr, welche in diesem Augenblick ein Spaziergang in den Champs Elysee- darbietet, sieht man dort eine ungeheure Menschenmenge, welche sich geberdet, als wenn sich diese prächtige Avenue der vollkommensten Sicherheit erfreue. Die Vor­sichtigeren halten sich auf der Höhe der Avenue der Alma, wo zahlreiche Gruppen mit Entrüstung den tiefen Riß betrachten, welchen eine von den Versailler Truppen nach Paris geschossene Kugel in dem Haus Nr. 70 der Avenue der Cyamps Elysees hervorgebracht hat. Das Parterre dieses Hauses, in welchem sich eine Bierwirth- schäft befindet, ist hermetisch verschlossen. Die Einwohner haben alle bas Haus verlassen, um anderweit einen Zufluchtsort gegen die Demonstrationen der Ord­nung zu finden. Diese Unglücklichen haben sich selbst nicht einmal die Zeit genom­men, die Läden der Fenster ihrer Zimmer zu schließen. In dec Rue Marboeuf sind zwei Compagnien Consöderirter gleich alter TroupicrS, bereit, auf das erste Signal abzumarschiren, damit beschäftigt, in Eile eine Suppe zu kochen. Einige Schritte von ihnen liegt ein Candelaber, welchen eine Bombe einen Meter über dem Boden zerschmettert hat. Bah! sagte ein kaum 15 Jahre alter Gassenjunge, sie haben gut die Laternen Haußmann's umwersen; sie werden nicht verhindern, daß das Volk trotzdem klar sieht. Dieser Witz erhielt einstimmigen Beifall. Von diesem Punkte aus wagen die Spaziergänger nur noch den Häusern entlang zu gehen. Das Ueberschreiten der Avenue muß mit beschleunigten Schritten unter­nommen werden. Einige hier postirte Funktionärs fordern die Passanten mit einer Höflichkeit, welche man an den Agenten Pietn's nicht gewohnt war, auf, nach dem Rondpoint herabzugehen. Indessen ist die Circulation an dieser Stelle formell nicht untersagt. Man hört mit kurzen Unterbrechungen den dumpfen Donner der Kanonen. Indem wir die Avenue herabwandern, begegnen wir dem Bürger Cluseret zu Pferde, in der blauen Kapuze der Nationalgarde mit dem Zeichen eines Obersten (5 Streifen) versehen. Zwei Eichen- und Lorbeerzweige, auf der Vorderseite seines Käppis gekreuzt, das außerdem mit 5 Streifen geziert ist, unter­scheiden ihn allein von den Chefs der anderen föderirten Legionen. Der Kriegs- minister trägt ferner »och die rothe Schärpe der Commune. Er ist von einem Adjutanten und zwei Ordonnanzen begleitet. Am Eingang der Rue Royal, auf dem Concordienplatz sind Geniesoldaten beschäftigt, die gepflasterte Chaussee aufzu­reißen, um eine Barrikade zu bauen. Gleiche Arbeiten finden an der Ecke der Straße Rivoli und St. Florentin, der Orangcrieterrasse gegenüber statt, lieber dem Portale der Kirche St. Laurent, welche in Folge der Verhaftung des Pfarrers DuSquenay geschloffen ist, liest man: Bude zu vermicthen.

A Paris, 12. April, Nachts. Seit 24 Stunden finden mörderische, je- doch unentschiedene Kämpfe im Westen und Süden der Umgebung von Paris statt. Der Communalgerichtehof hat Bergeret und Assy gestern verurtheilt. Das Urtheil ist unbekannt. Der Erzbischof von Parts und der Pfarrer der Kirche St. Madeleine haben Briefe an Thiers gerichtet, in welchen sie diesen beschwören, dem Bürgerkrieg ein Ende zu machen.

Brüssel, 12. April. Seit heute werden keine FahrbilletS nach Paris ausgegeben. Die auö Paris hierher geflüchteten berichten, daß die Kirchen Notre- Dame und de Larette am Dienstag beraubt wurden und daß die Nationalgardcn -seit Mittwoch einen Tagessoll) von 3 Frcs. beziehen. Die NatioualgarUsten wollen selbst Ausländer zum Dienst zwingen und tnsultiren alle nicht unisormirten Männer.

+ London, 12. April. Napoleon ist unwohl und hütet seit einigen Tagen das Zimmer.

London, 13. April. Die Morgenblätter melden, daß der Kaiser Na- poleon augenblicklich wegen Unwohlsein feit mehreren Tagen keine Besuche mehr empfange. Gleichzeitig circulirt das Gerücht, daß von Napoleon eine Landung in einem Hafen des westlichen Frankreichs beabsichtigt sei.

Rouher befürwortete lebhaft diesen Plan.

A London, 13. April. DieTimes" meldet: Paris, 12. April, Mitt. Seit 6 Uhr Morgens haben die Föderirten aus den schwersten gestern zur Be­schießung von Clichy unv Asnieres auö Paris gebrach n Geschützen ein Feuer auf diese Punkte unterhalten. In Betreff des letztnächtlichen Angriffs auf die Süd- sortS wird berichtet, daß sich die GenSd'armen und päpstlichen Zuaven, 15,000 Mann stark, im Walde von Meudon gesammelt hatten. Ihre Absichten aus die Forts wurden jedoch entdeckt und in der Linie der Forts eine Armee von 80,000 Föderirten zur Abwehr des Angriffs ausgestellt. Eudes gestattete die Annäherung der Versailler Truppen bis zum Glacis von Jssy, worauf ein Kreuzfeusr aus Jssy und Montrouge erfolgte. Die RegierungStruppen wurden blutig zurückgeschlagen. DombrowSky, welcher sich schweigsam, unerschrocken und unentmuthigt im stärksten Feuer benimmt, wird täglich bei den föderirten Truppen beliebter. Wie es heißt, sollen Nationalgarden die Häuser von Gallifet und Lafitte in der letzten Nacht geplündert haben.

A London, 13. April. Die Föderirten haben 3000 Mann der Versailler Truppen auf dem rechten Ufer der Seine, AsniereS gegenüber, abgefchnitten. Thiers wiedersteht entschieden den Aufforderungen, eine entscheidende Handlung vorzunehmen, ehe nicht wenigstens weitere 50,000 Mann in Versailles einge­troffen seien.

4- Stockholm, 12. April. Die Stadt Stettin hat der schwedischen Krone einen Vergleich angeboten, wonach letztere 116,838 schwedische Reichsthaler zahlen und erstere ihre uralte, jetzt eingeklagte Forderung dagegen quittiren würde. Die Regierung hat jetzt dem Reichstage eine Vorlage gemacht und dessen Gutachten eiugefordert.

4- 9kW=?)orf, 12. April. Zwischen amerikanischen und mexikanischen Truppen, welche letztere eine indianische Räuberbande über die Unionsgränze ver­folgt hatten, kam es zu einem Gefechte, in welchem dec Commandant des ameri­kanischen Forts Grodwiu mit 40 Unionssoldaten getödtet wurden.

A ConstlUltinopel, 12. April. Die Nomadenstämme am Tigris haben sich erhoben und die türkische Regierung hat daher auö Messel Truppen dahin abgesandt, um den Aufstand im Keime zu unterdrücken.

A Odessa, 12. April. Während der russischen Ostcrfeiertage plünderte der Pöbel 3 Tage lang die Häuser der Juden. Läden und Comptoirs wurden er­brochen und denselben enormer Schaden zugesügt. lieber diese Vorfälle hat sich unter den Juden allgemeiner Schrecken verbreitet. Die Behörden sind scheinbar machtlos. Man befürchtet allgemein die Wiederholung dieser Vorfälle.

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