Kronprinzen, welche beide von allen Klaffen der Bevölkerung in hohem Ansehen gehalten werden. Auch scheint der bevorstehende Abzug der Garnison sie nicht sonderlich zu erbauen, denn diese hat während der Besetzung ungeheuer viel Geld in der Stadt verzehrt. (Daily Tel.)
•*4 Dem 5. Jägerbataillon (Garnison Görlitz) ist wegen seiner hervorragenden Tapferkeit der Ehrennahme „Kaiserjäger" beigelegt worden. Das Bataillon ist bestimmt, beim Einzuge in Berlin unter den Ersten vertreten zu sein.
Paris, 7. März. Ein Anschlag an der Börse fordert die in Frankreich naturalisirten Deutschen, sowie die Oesterreicher, welche dieses Institut besuchen, im Interesse ihrer persönlichen Sicherheit auf, ihre Legitimationspapiere stets bei sich zu führen. Kein Wunder, denn noch gestern ließ das „Mot d'ordre" folgenden Hitzartikel los: „Die Deutschen fangen wieder an, an die Börse zu kommen. Letzten Freitag sah man ihrer drei, welche Noten nahmen und Aufträge gaben. Der edle Wechselagent Böranger hatte die Ehre, diese Aufträge auszuführen. Alle diese Deutschen sind barfuß nach Paris gekommen; sie haben hier eine gute Aufnahme und einen unglaublichen Credit gesunden. Natürlich machten sie nichts als Prellereien. Inde Fortuna." Hieran schließt das Organ Roche- fort's eine lange Liste deutscher Bankiers, Stern und Erlanger an der Spitze, welche es der öffentlichen Entrüstung empfiehlt.
„Daily Telegraph" meldet, die Armeen, welche Frankreich bis zur vollständigen Zahlung der Kriegsentschädigung besetzt halten sollen, würden die Nordarmee und die Südarmee heißen. Das Hauptquartier der letzteren werde in Dijon sein.
Wie dem „Frkf. Journ." gemeldet wird, sollte die Uebergabe der Festung Bitsch am 7. März erfolgen. Die Garnison zieht unter klingendem Spiel mit allen Handwaffen ab. Nur das zur Festung gehörende Material bleibt zurück. Das Cernirungscorps wird in Paradestellung die tapferen Vertheidiger des Platzes vorüberziehen lassen. Das Verhältniß zwischen den beiderseitigen Truppen ist das freundschaftlichste von der Welt.
Der bekannte Cremer, welcher unter dem Kaiserreich Capitän war und von Gambetta zum General befördert worden, hat folgenden Tagesbefehl erlassen;
Soldaten! Lothringer und Elsäßer. Ich komme, um euch mein letztes Lebewohl zu sagen. Ich bin nicht mehr euer General. Der berühmte General Leflü, der Minister dessen, was man den Krieg nannte, hat mich durch den General de Polhos, einen der Sieger von Mentana, ersetzt. Ich bin das Opfer bonapartistifcher, elericaler und legitimistischer Jntriguen. Man hat mich ver- urtheilt, ohne mich anzuhören. Eure Brüder, eure Kinder werden die preußischen Insignien und Abzeichen tragen; die Vettern von Bismarck werden euren Schwestern zulächeln. Wir müssen bleiben, was wir sind. Lebt wohl, aber auf Wiedersehen. Wie ihr, bin ich Republikaner; ich habe eine Flinte, ihr habt die euren. Im Augenblick der Gefahr werdet ihr mich an eurer Seite finden, um den Eindringling zu bekämpfen; wenn ich nicht als euer Führer kämpfe, so werde ich als Soldat kämpfen. Brüder! Man gibt uns auf; wir können uns aber allein vertheidigen. Schwören wir alle Tod den Preußen, Tod den Ver- räthern und Feiglingen, die uns verrathen und überliefert haben. Es lebe die Republik! Tod den Preußen und den Feiglingen!
Darmstadt, 13. März. Seine Königliche Hoheit der Großherzog werden, wie wir vernehmen, sich am Mittwoch zur Begrüßung Seiner Majestät des Kaisers und Königs, Seiner Kaiser!. Hoheit des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, sowie Ihrer König!. Hoheiten der Prinzen Kar! und Albrecht von Preußen, Höchstwelche für Ihre Rückkehr, statt Karlsruhe, die Route Saarbrücken gewählt haben, nach Bingen begeben und die Höchsten und Ho-hen Herrschaften über Mainz nach Frankfurt begleiten, woselbst Dieselben im Großherzoglichen Palais auf der Zeil absteigen und Nachtquartier nehmen werden.
Ihre GroßherzoglichKöniglichen Hoheiten der Prinz und die Frau Prinzessin Karl, sowie die Frau Prinzessin Ludwig werben zur Begrüßung der hohen Kaiserlichen und Königlichen Verwandten am Mittwoch Mittag in Frankfurt eintreffen und des Abends wieder hierher zurückkehren. Seine Königliche Hoheit der Großherzog wird am Donnerstag Seinen hohen Gästen das Geleite bis Gießen geben. (D.Z )
Darmstadt, 13. März. Ueber eine neue Formation der Großherzoglichen Division sind, wie uns versichert wird, noch keine Verhandlungen eingeleitet, und ist also auch oie Auflösung dieses ober jenes Truppentheiles noch nicht in Betracht gezogen. Richtig ist nur, baß die früher bezeichneten drei Bataillone nach Mainz in Garnison kommen werden.
-l Aus dem Felde erfahren wir, baß vie Division am 5. sich in Marsch setzte und das Hauptquartier am Abend dieses Tages sich in Herbault befand. Am 6. wurde das Hauptquartier nach Marchenoir und am 7. nach Binar (sämmtlich im Arrondissement Blois gelegen) verlegt, woselbst die Division den Rasttag hatte. Am 9. wurde der Marsch bis Patay (Arrond. Orleans) fortgesetzt. Am 10. ging es über Chevilly in die Gegend von Pithivier, wo die Division wieder einige Ruhetage haben wirb, fo daß dieselbe schwerlich vor dem 26. in Troyes ein- tresfen wird.
Saarbrücken, 11. März. Aus Schloß Ferneres wird unterm ll. gemeldet: Nach der am 7. März stattgehabten großen Heerschau bei Villiers hielt der Kaiser an die versammelten Kommandeure der bayerischen, sächsischen und württcmbergi- schen Truppen folgende direct an den Kronprinzen von Sachsen gerichtete Ansprache : „Es gereicht Uns zur besonderen Genugthuung und Freude, heute auch einen großen Theil der Maasarmee und der dritten Armee am Schluffe dieses glorreichen Krieges versammelt und nach so vielen blutigen und entscheidenden Schlachten in einer so vortrefflichen Verfassung gefunden zu haben. Mit Stolz kann derjenige Theil der Truppen, welcher auf diesen blutgetränkten Feldern gefochten, bas Zeugniß derselben für ihre Tapferkeit, für ihre Ausdauer und da- rum für ihren Sieg in Anspruch nehmen. Gleichzeitig mit unseren Siegen über den Femd haben wir aber auch in unserem Vaterland einen Erfolg erreicht, der so schnell und so vollständig kaum vorauszusehen war, denn Deutschland ist gc- eintgt und hat Mich an seine Spitze berufen. Jetzt wird es darauf ankommen, tm Frteden den Bau weiter zu führen, dessen Grundstein auch Sie mit Ihrem Blute und Ihrer Treue gekittet. An den Erfolgen der deutschen Waffen haben lLure Konigl. Hoheit als Corps- und Armeecommandeur, unterstützt von Ihrem konigl. Bruder Georg, einen eben so großen als wirksamen Antheil. Möge Ihnen und den commandirenden Generalen von der Tann und von Obernitz, Mein Händedruck auch Meinen Dank und Meine volle Anerkennung aussprcchen. Leben Sie Alle wohl bis auf Wiedersehen in der deutschen Heimath
v München, 11. März. Der König hat dem Kriegsminister Fehrn, v. Pranckh das Großkreuz des Militärverdienstorbens verliehen.
v Augsburg, 10. März. Der „Augsburger Abendzeitung" wird aus München vom 9. Marz geschrieben, die preußische Regierung habe auf eine vertrauliche Anfrage aus Rom unzweideutig zu verstehen gegeben, es wäre ihr unerwünscht, wenn der Papst sein freiwilliges Asyl in eine Stadt der Rheinprovinz Verlegen wollte.
Zürich, 11. März. Die Friedensfeier der Deutschen in Zürich wurde gestern Nacht in ganz unerhörter Weise gestört. In Folge specieller Einladung durch besondere Einladungskarten hatten sich gegen tausend Deutsche, Herren und Damen, in dem großen Saale der Tonhalle versammelt, um in traulichem Kreise die Neubegründung des deutschen Reiches zu feiern. Nachdem der Festpräsident, Professor Wislicenus, ein Hoch auf das deutsche Reich und das deutsche Volk', Professor Johs. Scherr ein Hurrah dem deutschen Heere gebracht hatte, und nachdem einige Festlieder vorgetragen worden waren, drang plötzlich eine Schaar von 40 internirten Officieren mit Waffen nach Sprengung der geschloffenen Thüre auf die Gallerie, wo die Musik und seitwärts den Saal entlang die Damen Platz genommen. Ungeheure Aufregung: die Männer zerbrechen die Stühle und die Musikpulte und stürzen den Eindringlingen entgegen, treiben sie in blutigem Kampf die Treppe hinab und zum Lokal hinaus. Außen rings um die Tonhalle hatte sich eine ungeheure Volksmenge angesammelt, welche mit den Franzosen im Einverständniß war. Der wüthende Pöbel stürmte nach allen Thüren heran, um in den Saal zu dringen, die deutschen Arbeiter und Stu- deuten leisteten tapferen Widerstand. Endlich kam Militär und besetzte die Ein- gänge, aber was konnten 200 Mann gegen 8000 ihrer wüthenden Landsleute ausrichten? Mit Mühe sie zurückhalten! Die wüthende Menge unterhielt nun fünf Stunden lang ein unausgesetztes Steinbombardement gegen die Fenster der Tonhalle; schutzlos flohen die Damen von einer Ecke zur andern, man schob Tische und Bretter vor, um sie vor den herabfallenden Steinen zu schützen. Erst gegen zwei Uhr Morgens verlief sich die Menge und die Versammlung konnte unter militärischer Escorte truppweise sich in ihre Privatwohnungen zurückziehen. Zehn Deutsche sind durch Säbelhiebe und Werfen mit den Biergläsern verwundet, drei lebensgefährlich; von den Franzosen blieb ein Sergeant für todt auf dem Platze und wurde röchelnd fortgetragen; zwei OfficierSmützen und Degen wurden erbeutet und im Triumph von den verwundeten Kämpfern der Gesellschaft vorgezeigt. (D. Ztg.)
Telegraphische Depeschen.
△ Berlin, 12. März. Betreffs der Kriegsgefangenen, welche den an Deutschland abgetretenen Gebieten Frankreichs angehören, sind Anordnungen ge- troffen worden, welche auf die verschiedenen Kategorien Rücksicht nehmen. — E- sollen nämlich Diejenigen von ihnen, welche an dem bisherigen Ort ihrer Inter- nirung oder Beschäftigung zu verbleiben wünschen, gegen protokollarische Erklärung ihres Wunsches sofort in Freiheit gesetzt werden, falls kein polizeiliches Bedenken im Wege steht. Diejenigen, welche sich in ihre Heimath begeben wollen, sollen ebenso behandelt werden wie die gegen Revers entlassenen Offiziere; sie sollen auf den Etappenwegen sofort befördert werden, mit der Maßgabe, daß sie sich nach Eintreffen in ihrer Heimath bei den Ortsbehörven müden. Endlich' werden Diejenigen, welche in französischem Militärdienst zu bleiben gedenken, wie die andern Kriegsgefangenen den Bestimmungen des Friedensvertrages gemäß behandelt.
4 + Wiesbaden, 13. März. Marschall Mac Mahon ist heute nach Paris abgereist.
v + Zürich, 12. März, Nachts. Gestern Abend wurde an die hier internirten Franzosen ein Bulletin vertheilt, worin von den Socialisten zum Vorgehen gegen t-ic Bourgeoisie aufgefordert wird. Heute Nachmittag fanden bedenkliche Ansammlungen statt, wurden aber sofort durch Truppen zerstreut. Die Straßen sind sehr belebt. Zu einem Conflict ist es nicht gekommen. Zwei Bataillone St. Galler rückten heute Nachmittag 5 Uhr in die Stabt ein. Bis zum Abgänge des Tcle- gramms herrschte vollständige Ruhe.
4 + Zürich, 12. März. Der eidgenössische Commiffär Bing ist gestern Abend in Zürich angekommen. Des Nachts wiederholten sich die Unordnungen. Vor dem Rathhause fand eine Zusammenrottung statt, die jedoch gesprengt wurde. Um Mitternacht fand ein Angriff auf die Strafanstalt statt, welcher von dem Militär- posten daselbst abgeschlagen wurde. Die Truppen feuerten in die Ruhestörer, wodurch 9 verwundet und 2 getödtet wurden.
△ Paris, 11. März. Die „Semaine finaneiere" meldet: „Nach den UNS über den Stand der Bank von Frankreich zugegangenen Mittheilungen soll sich die totale Summe der in Circulation befindlichen Banknoten heute nicht über zwei Milliarden belaufen. — Börse geschäftslos. Schlußeourfe, Rente 51.
Paris, 11. März. Börse geschäftslos. Schlußcourse: Rente 51. Emprunt 51,75. Italiener 53,95 ; Staatsbahn 787—357 (?) Der „Se- matne finaneiere" zufolge beträgt die Gesammtsumme der umlaufenden Noten nunmehr nicht ganz 2 Milliarden.
△ Paris , 12 März. Französische Truppen sind in Versailles eingezogen. Die Deutschen haben die Stadt geräumt; sie befanden sich in der letzten Nacht noch auf der Halbinsel Gennevillers (nördlich vom Mont Valerien). General Wnoy hielt eine Revue ab und legte den Truppen die kritischen Zustände in yarig dar; es lei Pflicht, die Unordnungen in Paris zu unterdrücken. — Ein Decret Thiers löst die gesummte Specialarmee auf. — Thiers reist Montag nach
°b. Er gab heute noch ein diplomatisches Diner und empfing Nigra und
Paris, 12. März. Man meldet, das Haus Rothschild habe beschlossen, keine deutschen Commis mehr zu beschäftigen, d. h. in Paris. Es wird sie ohne Zweifel nach feinen deutschen Sucursalen, nach England, Italien rc. schicken. Das „Journal des DebatS" meint, man möge die Deutschen durch Elsässer er* ft/”* llibt es nicht genug Elsässer, um alle Stellen damit zu versehen. Allein man muß sich mit ihnen begnügen, denn die Deutschen werden nicht länger mehr geneigt sein, Frankreich zu nützen, so wenig wie die Franzosen gewillt sind, ihre Dienste in Anspruch zu nehmen,
+ Puris, 12. März. Das . Journal officiev" veröffentlicht eine Verordnung Bu oy s vom gestrigen Tage, der kraft des ihm durch den Belagerungszustand übertragenen Rechtes sechs Journalen zu erscheinen verbietet, nämlich Mot d'ordre, Ens du peuple, Carricaturc, Pere Duchcne, Vengeur und Bonche de fer. Außer- bem wacht er bekannt, daß bevor der Belagerungszustand aufgehoben sei, keine neuen politischen Journale ausgegeben werden dürfen. Der Verordnung geht eine


