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vierttljLhrig 1 fl. 12 fr. M Brtngerlohn. Durch di« Gost bezogen vierteljährig

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Oltßentr Anztiger.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Montags.

Expedition : Canzletberg eit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis chiefen.

Ur. 63. Mittwoch den 15. März 1871.

Bestellungen auf ven Gietzener Anzeiger bei allen Post-Expeditionen un^ ben Land-^ostboten entgegen genommen.

Abonnenten, melcke den Anzeiger bei der Erpedition abholen lassen, erhalten denselben für den Monat März zu 20 kr.

M. Die Kriegsentschädigung.

Die fünf Milliarden Francs, welche unseren heutigen Gegnern neben der Verbalstrafe an Territorialavlretung als Geldbuße für ihre freventliche Provoka­tion des Krieges auferlegt sind, beziehungsweise die Aufbringung derselben macht den Franzosen wohl kaum so viel Kopfschmerzen, wie uns biederen und gründlichen Deutschen die Verwendung dieser Summe, deren formidable Ziffer unsere besten Rechenmeister uns an allerlei Erempeln begreiflich zu machen suchen.

Neuerdings hat ein hoffnungsvoller Dase ausgerechnet, daß, wenn die Ver- thrilung der Kriegecontribution nach denselben Grundsätzen erfolgte, welche bei der Kriegsbeute in Anwendung kamen, Norddeutschland ohne Hessen 3815 Millionen Francs oder 1017,3 Millionen Thaler, Bayern 650 Mill. Fr. oder 173,2 Mell. Thaler oder 303,2 Mill. Gulden rheinisch, Württemberg 240 Mill. Fr. oder 64 Mill. Thaler oder 112 Mill. Gulden, Baden 190 Mill. Fr. oder 50,7 Mill. Thaler oder 88,7 Mill. Gulden, Hessen 105 Mill. Fr. oder 28 Mill. Thaler oder 49 Mill. Gulden erhalten müßte. Auf jeden Kopf der Bevölkerung entfielen dann 34,6 Thaler, auf jede Familie 173 Thaler.

Wir wollen den offenbaren Unrichtigkeiten dieser Rechnung ihrer ziemlich willkürlichen Zahlengruppirung hier nicht weiter nachspüren, weil wir das ganze Exewpel für ein durchaus mäßiges halten. Wir theilen auch nicht die Furcht des großen Volkswirths Faucher, die Zahlung der Kriegsentschädigung werbe das ftnbnzielle Gleichgewicht Deutschlands stören, indem sie den normalen Caffenbestand jedes einzelnen Deutschen unverhaltnißmäßig erhöhe und ihn so zur Angewöhnung kivcS übeiflüßigen und schädlichen Luxus verleite. Sollten die Besorgnisse des Herrn Faucher eintr'ffen, so müßte zunächst der Eassenbestand in der Tasche jedes Einzelnen von uns zunächst auf das Normale gebracht werden, d. h. Jeder müßte im Stande fein, seine nothdurstigsten Ledensbedürfmffe baar bcstreiten zu fbnntit> Uun daß dies jetzt bereits der Fall ist, toi re selbst Herr Faucher trotz seiner großen vKkSwirthschaftlichen Gelehrsamkeit nicht behaupten wollen.

Wir sind vielmehr der Ansicht, daß ter deutsche Nationalreichthum durch die fünf Milliarden Kriegsentschädigung wenig gefördert wird, baß das Volk als solches gar keinen Vottheil von derselben hat. Ziehen wir von der Summe von 133373 Millionen preußischer Thaler, so riesig groß dieselbe auch auf den ersten Blick erscheint, zunächst die Schulden ab, welche Deutschland zur Führung des Krieges contrahiren mußte, kapitalisiren wir ferner die verlorene Arbeitskraft in Form von Jnvalibengehältern unb Pensionen für die Hinterbliebenen der Gefalle- mn, bringen wir weiter in Anrechnung die Kosten des verbrauchten Kriegsmaterials unü der nothwendig gewordenen Umgestaltung der Armatur des deutschen Kriegs- Heeres, endlich die Entschädigung für das vernichtete Privateigenthum unb der stichigen Verluste im Gefolge des Krieges, bann werben wir uns gratuliren kön­nen, wenn wir alle diese unbedingt nothwenbigen Ausgaben mit jenen fünf Mil­liarden zu bestreiten im Stande sind.

Bleibt jedoch wider Erwarten ein namhafter Betrag übrig, desto besser die Furcht vor sybaritifchem Luxus soll uns so lange nicht gruselig machen, bis nicht alle diejenigen Institutionen in unserem öffentlichen Leben geschaffen sind, welche wir mit vollem Rechte vom Staate verlangen dürfen. Mir wollen heute nicht daran erinnern, wie viel noch für das öffentliche Schulwesen und für die Rechtspflege zu thun ist, wir wollen vorerst nur den Blick hinlenken auf unsere Chausseen und Vicinalwege, die sich im allgemeinen in einem geradezu jämmer­lichen Zustande befinden, auf die weiten Distrikte im Osten unseres Vaterlandes, welche der ungenügenden Eisenbahnverbindung wegen von Jahr zu Jahr immer mehr verarmen. Zur Hebung dieses schreienden Nothstanbes sind noch Millionen über Millionen auszuwendcn. Es geht keine Session der Kammern ins Land ohne dir stereotypen Klagen wegen ungenügender Betriebsmittel der Eisenbahnen, die Frachttarife und bas Personengelb auf den Schienenwegen sind viel zu hoch für die heutigen Verhältnisse, die erbärmliche Einrichtung der Eisenbahn-Personen- befördcrung, die im verflossenen Winter greller denn jt zu Tage trat, gibt uns dem Spotte des Auslandes preis.

Das blutige Zerstörungswerk des Krieges ist vollbracht, der Friede mit sei­ner erwerbenden Thätigkeit wieder über uns gekommen. Möge die deutsche Bun­desverwaltung dabei sich zunächst ein Vorbild nehmen an den herrlichen Commu- nicationswegen, welche sie in Frankreich vorfand, sowie durch Ergänzung des SchienennetzeS, Ablösung sämmtlicher Privateifenbahngesellschaften und (Überführung tc« Eigenthums derselben aus den Bund den Ansprüchen der Zeit zu genügen suchen, denn die möglichste Ueberwindung der Entfernungen ist die Vorbedin­gung zur Entfaltung von Handel und Wandel.

Wie lange die Occupation der französischen GebietStheile dauern wird, hängt von den Verhältnissen in Frankreich und von der Erfüllung der Zahlungsverbind­lichkeiten ab, welche Frankreich in dem Friedensschlüsse übernommen hat. Darnach Verden sich auch die verschiedenen Occupotionsstadten richten. In dem nächsten Stadium soll, den neuesten Bestimmungen zufolge, die Occupation in der Weise |ur Ausführung gelangen, daß die Nordarmee, d. i. das 1. und 8. Armeecorps unter Göben, die Lanbestheile an der untern Seine besetzen; von dem Einfluß der

Aabe in die Seine bis zum Cote d'or wird die Armee des Prinzen Friedrich Karl ihre Aufstellung nehmen. Den linken Flügel der Aufstellung bildet die bis­herige Südarmce unter Manteuffel, jedoch wird bas zumeist aus Landwehren zu­sammengesetzte 14. Armeecorps aufgelöst und an seiner Statt das 5. Armeecorps zur Ergänzung der Südarmee beigegeben werden. Das 7. und 12. Armeccorpr sind zur Disposition des großen Hauptquartiers gestellt und sollen im Centrum der ganzen Aufstellung ihre Position nehmen. Die in diesem Occupationsstadium gebildete große Linie wird sich mithin von Rouen bis nach Dijon hin auS- vehnen.

Die Garnisonbataillone, sowie die interimistischen Besatzungstruppen sind bereits ausgelö't; ebenso ist die DeSarmirung der Festungen wie der Küstenbefesti­gungen schon in diesen Tagen angeordnet worden.

Die durch die Zeitungen laufende Nachricht, daß die bisherige Truppen- inspection von Mainz von der hessischen Division gestellt werden soll, ist nur inso­weit begründet, als das hessische Kontingent bloS ein einziges Regiment zu der Besatzung von Mainz abgibt, während die beiden übrigen Regimenter nach wie vor aus der preußischen Armee entnommen werden.

DerA. A. Ztg." wird aus Madrid geschrieben: Wie gefährdet immer noch die Lage dcr Regierung ist, beweist der neuliche Mordansall auf den HanbelS- trinifler Ruiz Zorrilla, der im engsten Zusammenhang mit dem früheren Mord­anfall auf den Minister des Innern Sagasta und mir der Ermordung Prims steht. Niemand zweifelt mehr an dem Bestand einer Verschwörung, welche d.e Beseiti­gung aller Staatsmänner zum Zweck hat, die für die Thronerhebung Amadeo'S gewirkt. Da Vie Verbrecher stets unentdeckt und ungestraft bleiben, so kann sich der politische Meuchelmord frier zu Land noch zu einer nationalen Einrichtung empc-, schwingen. So ist es aber auch begre flich, daß das Gerücht von der Mit­schuld höchstgestellter Männer tote Serrano und Montpensier sprecht. Gonzalez Bravo hat es für nöthig gehalten, in öffentlichen Blättern die Anschuldigung zu- rückzuweisen, daß er die Mörder Prims gedungen habe. Gonzalez legt eben jetzt wieder einen neuen Beweis seines Muthcs ab, indem er hierher kommt und sich um einen Sitz in den Cortes bewirbt. Man erinnert sich, welche Verlegenheit dieser unermüdliche Kämpfer der Moderados den Unionisten fünf Jahre hindurch in der Kammer bereitet hat; er dürfte auch jetzt den vereinigten Progrefsisten und Unionisten genug zu schaffen machen.

Aus dem Felde.

In den 180 Tagen, in welchen das Kriegsdrama wirklich spielte, haben die deutschen Heere (56 mehr oder minder bedeutende Gefechte bestanden, 17 größere Schlachten geschlagen, 26 fiste Plätze genommen, 11,650 Offiziere, 363,000 Mann Gefangene gemacht, über 6700 Geschütze und 120 Adler oder Fahnen erbeutet. Die deutschen Heere haben demnach in jedem der sechs Monate wirklicher Kriegs­führung durchschnittlich 26 Gefechte unb 3 Schlachten durchkämpft, 4 Festungen genommen, 1950 Offiziere unv 60,500 Mann gefangen und 1110 Geschütze und 20 Adler ober Fahnen erbeutet. Es kommen somit beinahe auf jeden Tag des Krieges ein Gefecht, auf jeden neunten Tag eine Schlacht, auf jeden sechsten Tag eine eingenommene Festung; ferner cuf jeden Tag an Kriegsgefangenen 65 Offi­ziere und 2070 Mann, an Geschützen 38 Stück, an Fahnen oder Adlern eine rt(p. einer auf je zwei von drei Tagen.

Versailles, 7. März. Die Abreise des Kaisers sand in aller Stille statt. Die Stunde war den sranzösischen Behörden gegenüber geheim gehalten worden, und nur ein paar hundert Einwohner von Versailles hatten sich vor der Neuvelle Presccture versammelt, um den Monarchen scheiden zu sehen, der seit fünf Mo­naten unter ihnen gelebt hat. Eine Menge deutscher Osficicre jedoch hatten sich eingefunden, und als der Kaiser mit seinem Wagen unter dem Bogengang her- votkam, wurde er mit begeistertem Hoch empfangen. Die Officiere in voller Gala-Unifotm schwenkten ihre Helme und Federbüsche in die Lust und riefen: Es lebe unser Kaiser, hoch!" Von der Präfectur bis zum Stadtthor waren die Straßen von Truppen, die mit ihren Seitengewehren bewaffnet, eingefaßt. Der Kaiser, in einfacher Feldmütze und Pelzrock stieg Punkt 83/4 Uhr in den offenen, von 4 Pferden gezogenen Wagen, und sobald er die Stadt verlassen, wurde die deutsche Flagge auf dem Präsecturgebäude eingezogen; bald daraus wurde die französifche Flagge an ihrer Statt ausgehißt. Eine Abtheilung deut- scher Soldaten ging indessen sofort, um die Trikolore einzuzichen, und diese ver- fchwand denn auch bald, nachdem sie etwa eine halbe Stunde lang über dem Gebäude geweht hatte. Ein Besuch in den Räumen, welche der Kaiser, fein zahlreicher Stab und die Mitglieder des Hoshaltes so lange Zeit inne gehabt hatten, zeigte keinen sehr glänzenden Anblick. Mit Ausnahme der drei Zimmer, vie Oer Kaiser selbst inne gehabt hatte ein Schlafzimmer, Arbeitszimmer unv Ausspruchszimmer, alle im linken Flügel, die in guter Ordnung waren sah es in Den kostbaren Räumlichkeiten, Vic erst kurze Zeit vorher mit einem Kosten­aufwande von 20,000 L. restaurirt worden waren, sehr traurig aus. Zerstört war kaum etwas worden, aber fast Alles war ganz verdorben. Die Bewohner von Versailles zeigen nur wenig Jubel ob der Abreise des Kaisers und des