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t Berlin, 9. Mai. Deutscher Reichstag. Vor fast leeren Bänken, die sich im Lause ver Verhandlungen stark füllen, eröffnet Präsident Dr. Simson die heutige 31. Plenarsitzung um 12*/4 Uhr. Das Haus tritt sofort in die Tages­ordnung ein.

1) Dritte Lesung des Gesetzes, betreffend die Redaction des Strafgesetzbuchs für den norddeutschen Bund als Strafgesetzbuch für das deutsche Reich. Das­selbe wird ohne Debatte definitiv genehmigt.

2) Dritte Lesung des Gesetzes über die Kriegsdenkmünze für das Reichs- Heer. Schmidt (Stettin) will gegen die Bewilligung der geforderten Summe nichts etnwenden, kann jedoch nicht umhin, hier auszusprechen, daß die Thätigkeit der Marine in dem jetzigen Kriege nicht den gehegten Erwartungen entsprochen hat, denn außer demMeteor", der in den havannestschen Gewässern ein glänzen­des Gefecht bestand, kamen nur dieNymphe" in der Ostsee und dieGrille" bei Rügen in unbedeutende Action, während man doch annehmen durfte, Ver König Wilhelm" allein werde die feindliche Flotte durchbrechen, ohne einen Kanonen­schuß abzufeuern. Da man nun dem Vernehmen nach bei der Vertheilung der Kriegsdenkmünze einen Unterschied zwischen den Besatzungstruppen und denjenigen zu wachen beabsichtige, welche auf französischem Boden kämpften, wünsche er einen gleichen Unterschied zwischen der Mannschaft desMeteor" und der der anderen Schiffe. Minister Delbrück. Ich habe nicht erwartet, daß die gegenwärtige Vorlage Anlaß geben wird zu einer vergleichenden Kritik der Leistungen des Land­heeres mit denen der Flotte; die Ungunst der Verhältnisse bat der Marine nicht gestattet, sich in dem Maße Lorbeern zu erwerben, wie das Landheer, aber trotz­dem glaube ich nicht, daß diese Gelegenheit zu einer solchen Kritik auffordert. Der Herr Abgeordnete hat ja selber zugegeben, daß ein Theil der Marine in würdigster Weise mit-dem Landhecre wetteiferte; ich will deshalb nicht weiter da­rauf eingehkn, muß aber nochmals hervorheben, daß die Marine sich ihren Ka­meraden vom Landhecre ebenbürtig zur Seite stellte. Dr. Braun (Gera) glaubt Nameys des Hauses constatiren zu dürfen, daß die Marine ihre Schuldigkeit nicht minder gethan hat, wie das Landheer. (Bravo!) Graf Eulenburg (Flatow) ist überrascht, aus Stettin eine Stimme zu hören, die sich in solcher Weise über die Marine äußert, da unsere kleinen Schiffe sich ganz außerordentlich be­währt haben. Es dürfte doch dem Abgeordneten jür Stettin nicht ganz unbekannt sein, daß derKönig W lhelm" nur deshalb nicht kräftiger eingriff, weil ihm kurz vor dem Kriege eine Maschine laidirt war, zu deren Reparatur uns noch die An­stalten fehlen. Uebrigens bleibt es immer noch ein Problem, mit einem einzigen Schiffe ein ganzes Panzergeschwader zu durchbrechen. v. Bernutb. Er habe die Erweiterung des Gesetzes auf die Marine hauptsächlich darum beantragt, weil allgemein anerkannt werde, daß die Flotte mehr durch ihre defensive Haltung als durch ihre kleinen Erfolge zum Schutze unserer Küsten beitrug. Schmidt (Stettin). Es sei nicht entfernt seine Absicht, die Marine herunlerzusetzen; er wolle nur daran erinnern, welch großer Contrast zwischen dem kühnen Vorgehen unserer kleinen Schiffe im dänischen Kriege und der gänzlichen Unthätigkeit unse­rer großen Panzerschiffe gegenüber der schlecht ausgerüsteten französischen Flotte im gegenwärtigen Feldzüge herrscht. Er müsse nochmals constatiren, baß die Marine die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hat. v. Winter (Marien­werder). Er sehe aus der Debatte, daß man noch immer nicht den richtigen Maßstab für die Beurtheilung der Leistungsfähigkeit unserer Marine finden kann," daß man stets vergißt, baß das französische Panzergeschwader mehrere Schiffe von der Größe, Stärke und Ausrüstung desKönig Wilhelm" besaß. In Frankreich erwartete man zuversichtlich einen energischen Angriff auf Danzig, und nur der reservirten, bedrohenden Haltung unserer Flotte verdanken es die Danziger, daß sie vor dem Unheil eintd Bombardements bewahrt blieben. Dort beurtheile man die Leistungen der Marine auch ganz anders wie in Stettin, bedauert aber ebenso, daß die Leistungsfähigkeit nicht großer ist. v. Kusserow erinnert daran, daß die Operirfähigkeit desKönig Wilhelm" durch den Maschinenschaden behindert wurde, dessen Reparatur nach den englischen Aomiralltätsgesetzen nicht mehr mög­lich war. Uebrigens gehöre ein nicht geringerer Muth dazu, der Versuchung des Angriffs zu widerstehen, als sich glänzend zu schlagen. Nach kurzen Bemerkungen der Abgg. Grumbrecht und Harkort wird das Gesetz nach dem Beschlüsse der zweiten Lesung fast einstimmig angenommen.

3) Dritte Lesung des HaftpflichtgesetzeS. Sämmtliche Amendements, welche auf die prineipielle Aenderung der in zweiter Berathung gefaßten Beschlüsse ab- zielen, werden nach langer, ermüdender Debatte abgelehut, einzelne unbedeutende Modificationen genehmigt. Bei der großen soeialen Wichtigkeit des Gesetzes theilen wir den Wortlaut desselben nach dem Ergebniß der dritten Le­sung mit.

Schluß 43/4 Uhr. Nächste Sitzung morgen 11 Uhr.

Versailles, 4. Mai. Zu dem Eentral-Eomite und der Commune erhielt Paris nun auch noch einen Wohlfahrts - Ausschuß. Alles wie 1793, fehlt nur noch die Erschießung der Reactionäre. Die Sprache derRevolution" bereitet

haben werden. Aber Hoffen und Harren macht Manchen zum Narren, sagt das Sprüchwort. Zu meinem Berichte über das gestrige Gefecht auf dem Bahn­hofe von Clamart muß ich noch hinzufügen, daß die Pariser überrascht wurden und es sich dann herausstellte, die Mehrzahl sei berauscht. Die Verwundeten blieben ohne allen Beistand und noch am Morgen horte man das Klagen und Stöhnen der Unglücklichen, die auf den benachbarten Feldern umher lagen, und als die Jäger, welche die Bahnhofsgebäude besetzt hatten, Leute herausschickten, wurden dieselben von den Parisern mit Schüssen zurückgetrieben, so daß die Ver­lassenen rettungslos blieben. Ueberhaupt nimmt der Bürgerkrieg zusehends grau­samere Formen an, und leider sind es die Versailler Truppen, welche das schlimme Beispiel geben; sie wollen den Pariserneine gute Lehre" geben (infliger une bonne le<?on aux Parisiens) und sie vergessen, daß sie der Welt ein schlechtes Beispiel bieten und daß sie schließlich derselben Grausamkeiten, die sie sich erlauben, gewärtig sein müssen. (K. Z.)

Florenz, 9. Mai. Es wird gemeldet, daß der italienische Gesandte Cardorna durch Nigra ersetzt werde.

Pesth, 9. Mai. Gerüchtweise verlautet, daß die Nachricht von einer Minister- crisiS müßige Erfindung sei.

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1974) Ans der; Wffl .Oberförsterei Ejteigerung -

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schon darauf vor; im Jahre 1871 stellt man die Guillotine nicht wieder her, dieselbe wurde am Rande einer großen Grube verbrannt, die Kohlen hinein ge­worfen und damit abgemacht. Uebrigens hat sich das Schicksal von P^ris durch die Ersetzung Cluserct's durch Rossel nicht gebessert. Die Executiv - Commission fand Claseret'ö Erlasse zu mild gegen die Fahnenflüchtigen, Rossel ist in solchen Dingen als unerbittlich bekannt. Die Periode des Schreckens steht vor der Thür, und es wird noch harte Zeiten geben, wenn cs den Versaillern nicht bald gelingt, den Ausstand niederzuschlagen. Aber wird es gelingen? Jeden Morgen steht dcr Versailler mit der Erwartung auf, das Fort von Jssy sei genommen, jeden Abend hort man Ott Versicherung wiederholen, in der nächsten Nacht werde der große gelingen, und nun stellt sich sogar heraus, daß die Pariser noch drei MltralUeufen, mehrere Geschütze ins Fort gebracht und Le Moulin de Pierre, Lc- Moulineaux und den Kirchhof von Jssy beschossen haben. Die enorme Bresche h ft mon fcetl Trancheen des Moulin de Pierre deutlich sehen, sie hat min- ot|t n« 20 Fuß O.ffnung und man unterscheidet deutlich die Erdsäcke, welche die e agcrten aufgeschichtet haben, um sich dahinter vor den Bomben verbergen zu

ich ^nen entscheidenden Angriff erwartete, war ich in Moulin de ^nme' in Mantel gehüllt, der Dinge, die da kommen fh.Vfpti aber mch^, nur daß in dcr zweiten Hälfte der Nacht eine Batterie fLLP " 0 cinc mondhelle Nacht. Bald entstand auch Gewehr-

L- H* Cr die Insurgenten eine Reihe Wagen mit Verwun-

Telegraphische Depeschen.

Frankfurt a. M., 10» Mai. Der Friede ist soeben 2V2 "hr Nachmittags definitiv unterzeichnet worden.

A Frankfurt a. M., 10. Mai, Abends. DieFrankfurter Presse" theilt mit: Wie wir hören, wird Fürst Bismarck morgen nach Berlin zurückkchren. Die französischen Bevollmächtigten wollten noch heute abreisen.

4- Berlin, 10. Mui. DieProvinzialcorrespondenz" sagt in einem Leit­artikel: Die Frankfurter Verhandlungen werden hoffentlich von entscheidender Be­deutung für das definitive Friedenswerk sein; man darf Überzeugt sein, daß Bis­marck sein persönliches Ansehen eventu.ll einsetzte, um alle Zweifel und Bedenken, weiche gegenüber den Präliminarien noch möglich erscheinen, endgiltig zu beseitigen und somit die vorläufigen Friedensgrundlagen als Bestimmungen des wirklichen Friedens zu gestalten und zu ergänzen. Nicht nur um die Beseitigung einzelner Schwierigkeiten kann cs sich jetzt handeln, sondern um allseitige vollständige An­bahnung des wirklichen Friedens. Favre bewies bei den früheren Waffenstillstands- Verhandlungen, daß er sich über die Lage Frankreichs keinen Täuschungen mehr hingibt; er wird seinen Patriotismus gewiß auch jetzt bewähren, indem er ohne weiteres Zögern diejenigen Schritte thut, welche zu Frankreichs Rettung nöthig sind.

A Versailles, 9. Mai, 3 Uhr Nachmitt. Fort Jssy wurde heute besetzt. Rente 54.30.

4- Versailles, 9. Mai, Abends. Picard bestätigte in der Nationalversamm­lung die Besitzung des Forts Jssy. Näheres fehlt noch; doch wird gemeldet, daß kein Gefangener gemacht wurde, da die Aufständischen bei Nacht, nach anderen Behauptungen sogar auf unterirdischem Wege, abgezogen seien. Die Versailler Truppen haben ihre Arbeiten bei Boulogne und Bclancourt bis 300 Meter vor der Enceinte vorgeschoben.

A Versailles, 9. Mai. In der orleaniflischen Partei scheint eine Schei­dung vorgehen zu sollen und zwar aus folgenden Gründen. Die Frage in Be­treff des Herzogs von Aumale und des Prinzen von Joinville dürfte in der Na­tionalversammlung zur Sprache kommen. Die Fürsten, ehe sie sich für ein Depar­tements entschieden, da sie in mehreren gewählt sind, haben erklärt, daß sie ohne die Zustimmung des Hauses der Familie, das heißt des Grafen von Chambord, nichts thun werden. Diese Entscheidung beweist, daß die Fusion der Familie Orleans zu gewissen Bedingungen, welche nicht nach Jedermanns Geschmack sind, abgeschlossen ist. Eine Anzahl der Orleanisten würde in diesem Falle sich den gemäßigten Republikanern anschließen und diese hierdurch an Stimmen uno Ein- fluß gewinnen.

A Versailles, 9. Mai. Alle Journale betrachten die Proclamation von Thiers als das Zeichen, daß der Augenblick gekommen, wo ein entscheidender An- griff unternommen wurde.

+ Paris, 9. Mai, Abends. Seit 7 Uhr hat die Kanonade fast ganz auf­gehört. Unter den Anhängern der Commune herrscht große Entmuthigung und es heißt, daß ernste Zerwürfnisse zwischen Rossel und dem Wohlfahrtsausschüsse der Commune ausgebrochen seien. Die Potte d'Auteuil ist vollkommen zerstört.

+ Paris, 9. Mai. Die Versailler mochten heute einen lebhaften Angriff aus Montrouge; das Ergebniß ist noch unbekannt.

A Paris, 9. Mai. Die Commune hat gestern eine geheime Sitzung in Folge der M.ttheilungen des Generals Fabrice abgehalten. Girardin zeigt in feinerUnion Francaife" an, daß sich ein neues Comite bilden werde. Alle Mit­glieder desselben gehörten der Internationale an.

A St. Germain, 9. Mai. Die hier erscheinendeTemps" sagt: Es fehlt m Pans der Wille und die Macht, sich auf Verhandlungen einzulassen. Die

Commune giebt es nicht zu, mit der legalen Regierung zu unterhandeln. Wenn sie es auch thun wollte, so würden ihre Anhänger ihr ein Ende bereiten. Jeder- mann, d-r von V-rsöhnung sprich,, ist ein V-rrather", sagte ein Arbeiter lu'einem Communemitglied. Und jetzt, sobald man in Paris von Verrath spricht ist t« mit t>er WJoft über die Stadt bald zu Ende. Da« Berhängnißvolle der Lage bestM darin, daß bte vernünftige und ehrlich- Majorität nicht conststuirt ist, feine Macht besitzt uno auch nicht im Stande ist, sie wieder zu erhalten

A St. Gcrmnin, 9. Mai. Die .Lcherte" schreibt: Man theilt uns mit B-stimmthett mit, daß der Herzog von Aumale seit mehreren Tagen in Ver. sailleS sei.

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A Nonen, 9. Mai. DieNouoelliste", Organ Pouyer Quettier'S, meldet, daß der Herzog von Chartres, welcher sich dis zum Einzug der Preußen in Rouen befand, stets den Namen Robert Lefort führte, und später unter das Commando Chancy's als Escadronchef trat, am 8. d. Mts. aus Anlaß seiner getreuen Pflicht­erfüllung zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden sei.

A Nonen, 9. Mai. DasJournal de Rouen* meldet, daß in Versailles eine bonapartlstlfche Verschwörung entdeckt worden sei. Die Regierung habe eS für ihre Pflicht gehalten, nach dieser Seite hin ihre besondere Aufmerksamkeit zu richten, mdeß sind bis jetzt noch keine strenge Maßregeln ergriffen worden.--

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