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Die Reinigung der Straßen zur Winterszeit betreffend.

Die hinsichtlich der Straßen - Reinigung bestehenden Vorschriften werden von Vielen erst dann befolgt, wenn sie von Polizei-Ofsicianten daran erinnert werden. Da es aber nicht immer möglich ist, jeden Säumigen an das Nothwendige zu erinnern, so werdeii wir künftig jede Nichtbefolguna der bezüglich der Reinhaltung der Straßeii bestehenden Vorschriften zur Bestrafung anzeigeii müssen.

Die Vorsteher, Verwalter, Pächter und Nutznießer von öffentlichen Gebäuden sind, ebenso wie die Besitzer der Privathäuser, zur Reiniqunq der L-traßen verpflichtet; es ist ihre Sache, sich über etwaige Vergütung an ihre Vorgesetzten zn wenden.

Auch die vor den Stadt-Thoren und in der neuen Anlage wohnenden Hausbesitzer müssen bei Schneeanhäufungen Fußpfade kehren und bei Glatteis Sand oder Asche streuen lassen. Die vor den Stadt-Thoren angelegten gepflasterten Fußwege müssen wöchentlich eben so regelmäßig gereinigt werden, wie die Straßen innerhalb der Stadt.

Gießen, den 7. Januar 1871. Großherzogliche Polizei-Verwaltung.

PoLitis cher Thcil.

7. Januar.

Obwohl Die deutsche Reichsverfassung den neu hinzutretenden süddeutschen Staaten die Verpflichtung, ihre besonderen Diplomatischen Vertreter im Auslande einzuziehen, nicht auferlegt, kommt von Wien die Nachricht, die dortigen Gesandten Badens, Hessens und Württembergs seien beauftragt worden, bis zu der binnen Kurzem erfolgenden Auflösung der Gesandtschaften vie Geschäfte fortzuführen, sich aber weiterer politischer Berichte zu enthalten.

Unter dem TitelLa Crise" ist in TourS eine Broschüre erschienen, deren Verfasser in energischer Weise für den Frieden plaidirt; er sieht für Frank­reich kein Heil mehr, wenn sich nicht auswärtige Allianzen finden lasten. Er be­zeichnet die gegenwärtige Regierung als eine ganz illegale, welche nur zur Ver­schlimmerung der Situation beiträgt; wenn nicht mit ihr, so müsse auch gegen diese Regierung Frankreich auftreten und sich selbst in den Besitz und die Aus- Übung seiner unveräußerlichen Rechte setzen.Wenn Frankreich schließt der ungenannte Verfasser nicht Die Energie hat, die Anarchie und die Dictatur zurückzuweisen, so wird es alle Uebel erdulden, welche die Folgen einer solchen Situation sind. Wir werden den Feind auf unserem Gebiete, auf anderer Seite den Bürgerkrieg und über dies Alles Preußen sehen, welches, unsere Verlegen- heiten benützend, nach dem endlichen Siege uns Die größte aller Schanden anthun wird, in Dem von ihm besetzten Theile des LanDes mit einer Regierung seiner Wahl zu unterhandeln. Wir werden dann das Kaiserreich im Norden, Die republikanische Anarchie im Süden und vielleicht sogar die legitimistische Monarchie in ver Bretagne haben.

Zur Kennzeichnung Der Leistungsfähigkeit Der gegenwärtigen Pariser Heroen im Schimpfen sei das Vorwort, welches Henry Rochefort Der neuen Auflage seiner Laterne" beigegcben hat, möglichst voll'tändig w.edergegeden. Auf den unbe­fangenen L.ser wird cs genau dieselbe Wirkung machen, Die Henry Rochefort über Die kaiserliche Wirthschaft empfunden haben will. Er schreibt:Bevor ich in meinem Vaterlande, für das sie geschrieben sind, diese Blatter publicire, au Denen ich in Der Fremde Woche für Woche das Buch unserer Schande und des Schmutzes des Empire geführt bade, muß ich mich vor dem Publikum beugen und um Verzeihung bitten. Alles, was die 7 Millionen 350,000 Ja, die das Plebiscit offenbart hat, Verworfenes, MalhonnetteS, Scrupuloses enthalten, ist wütyend über mich hergefallen. Ich lese die Eorrecturbogen meiner Pamphlete wieder Durch, ich vergleiche sie mit Den Schaudern, Durch Die uns das Kaiserreich hat passiren lassen, mit Dem EnDe, zu Dem es uns geführt hat, und ich begreift nicht, wie ich so milde habe sein können. Diese Leute JntrigantS, Marktschreier, selbst Spitzbuben zu nennen, ist noch viel zu gut für sie; man müßte in Den japanischen AlbumS Die richtige Strafe, in den Wörterbüchern Der Teufelsbanncr Die richtigen Flüche für sie suchen. Das Empire ist nie eine Regierung gewesen. Die Siesta, welche vollgetrunkene Wüstlinge zwanzig Zadre lang im ersten Stock­werke Der Tuilerien gehalten haben, war nie ein Regime.Rein, nie wirst du Eintritt in die Geschichte haben, Bandit", hat Victor Hugo gesagt. Von allen Diesen moralischen und politischen Obsconitäten bleibt nur eine Art übler Geruch, Den unsere KleiDer eingesogen, eine Art chemischen Präcipltat, da» man Verminat Der Infamie, Crapulat de- Despotismus nennen konnte, übrig. War e- da, mußte ich mich fragen, nicht vielleicht unpatriotisch, den täglichen Fortschritt der unsagbaren Krankheit, Die uns so lange zernagt yat, Der Nation vorzulcgen? Der Grund, weshalb ich es gleichwohl gethan, ist, daß es unerträglich wäre, wenn Die Welt geglaubt hätte, daß nicht nur dreißig Millionen menschlicher Wesen zwanzig Jahre lang blind gewesen seien. Wenn man später dieses Aben­teuer Des Heerstraßenraubs liest, dar sich Kaiserreich genannt hat, |o werden selbst Die am wenigsten nervösen Menschen auflrufen: Wie! Die Franzosen haben diese Hanswursterei länger als »ierunvzwanzig Stunden ertragen V Wie'! ernsthafte Männer haben sich von diesem Bleistiskhändlec Ehrenkreuze an Die Brust heften lassen? Wie! als es diesem Menschen eines Tages einfiel, sich an Die Spitze einer Armee zu stellen, Die er sich Den Anstrich gab, zur Befreiung Italiens zu führen, konnte das Volk ihm die Pferde vor feinem Wagen ausspannen? Wenn nach vielen Jahren Der Großvater seinen vor Entsetzen bleichen Enkeln sagen wird: Seht Den allen Menschen Da, der sich mühsam dahinjchleppt, er war auch einer von denen, Die so einfältig waren, eine von Bonaparte Decretine Anleihe zu zeichnen; wenn Die kommende Generation nicht ihren Ohren glauben wird Da scheint es nur tröstend, Daß Der Geschichtsschreiber antworten kann: Es ist wahr, aber leset vieChatimenls, lesetNapoleon den Kleinenkjet DieGe­schichte des 2. Dccember", leset selbst DieLaterne', und ihr werdet sehen, daß Den schmutzigen Tatzen Der Pietnö, Dem Stockyaus Der Pinad- Die öffentliche Entrüstung entschlüpft ist und draußen Soldaten für das wahre Frankreich ge­worben hat. Es gab Todte, Verzweifelte, Stumpft, aber e- gab auch Wache, de, welche Die Stunde erkannten unD von Denen jeder Hieb Der Hacke, jeder Feder­strich, jede Revolverkugel Die Oeffnung erweiterte, aus der Die Republik hervor­gehen sollte .... Es giebt für BaS-Empire- nur drei Arten Untergang: eine Militärrevolution, ein VolksausstanD, eine Invasion Des FeindtS. Stets vorsichtig hat Napoleon Der Dritte gewählt. Es ist Die grausamste für uns, aber für ihn unbestreitbar die beste. Er ist Der einzige, Der nicht von Der Belagerung zu lei­den hat. Denn Dieser Comödiant Der Bannmeile hat nicht einmal Die Courage gehabt, seine Kaiserrolle bis ans Ende durchzuspielen .... Er, Der das ent­setzliche Unheil und die Krupp'schen Kanonen über uns gebracht, wagte vor einem englischen Offizier unser Volk zu beklagen, daß es sich in Anarchie gestürzt habe. Sein Onkel, Der erste Napoleon, Der auch nicht weniger Banvit war, verstand es wenigstens, feine Unverschämtheit mit Phrasen, wie die:Ich wünsche, daß meine Asche am User Der Seine ruht inmitten des Volkes, Das ich so sehr geliebt habe"

aufzuputzen. Der Neffe ist Darauf reDucirt, Die Nation zu verleumden, Die er zu bestialisiren versucht batte. Ja, Dieser WieDerkauer, Den Die Moray, Persigny, Maupas, Troplong, in Den Tuilerien auf Die Weide führten, besaß nicht einmal die für sein ^Handwerk nötbigen Qualitäten. Als Die Panduren, Die ihn einge- fangen, Die Schlinge ein wenig lockerten, und er allein gehen mußte, zeigte er so- fort, daß er nie aufgehört hatte zu (ein, was er war, ein V eh. Soll ich es sagend Als ich in meinem Buch einen Rückblick auf Die Etappen dieser via scelerata warf, fand ich Die Namen mehrerer jener Richter, Die von Napoleon III. Die Wurde von Galeerensträflingshütern erhallen hatten und trotzdem noch jetzt die glänzendsten richterlichen Functionen übten. Gar manche dieser durch ihre pestilenzialischen Beschlüsse beflecten Richter haben sich krampfhaft an ihre Sessel geklammert und lämmerlich geschrieen: Entehrt mich, aber jagt mich nicht fort! 22äre ich Herr gewesen, so hätte ich auf Der Stelle am 5. September den Preußen oorgi'chlagen, iynen all dieses Volk für einige Scheffel Kartoffeln zu geben. Leider habe ich nichts thun können, als sie auf ihren Plätzen lassen und Den mein gen zu verlassen."

KriegSnacdrichten.

Bezeichnend für Die französische -Kriegführung sind nachstehende Angaben Der neuesten Verlustlisten:Rheinisches Ulanenregiment Nr. 7, Patrouille q. gen Peronne am 4. resp. 8. Dccembcr 1870. Rittm ister und Escadronsches Adolph Jouanne aus Britz, Provinz Brandenburg. Verm. Als Parlamentär in Peronne zurück­behalten. Sec.-Lieutenant d. Res. Georg Ligniez aus Saarlouis. Verm. Als Parlamentär n Peronne zurückbehalten. Trompeter Christian Zimmermann aus üZeißensee. Verm. Als Parlamentär in Peronne zurückbehalten.

Lillc, 4. 3an. Im gestrigen Gefechte zwischen B hagnies und Bapaume sind beide Ortschaften vollständig zerstört worden. Die Verluste sollen beiderseits erheblich sein; Genaueres fehlt noch. Die Festung Prronne wirb von den Preußen bombarDirt und ist fast ganz zerstört.

Alls Lothringen, 2. Jan. Die Kapitulation von Mezieres, welche der Telegraph schon in Deutschland bekannt gemacht haben wird, ist ein höchst bedeut^ r'amcS und erfreuliches Ereigniß. Wir haben Dadurch eine wichtige E.senbahnlinie gewonnen. Das Unwesen Der Franktireurs in Dortiger Gegend hört auf, und die 14. Infanterie-Division (Regimenter 39, 74, 53 und 77 vom 7. westfälischen Armeecorpö), welche dort verwandt wurde, wird für andere Zwecke disponibel. Und wir können unsere Truppen jetzt nur zu reichlich in Frankreich gebrauchen. Mezieres hat d.s Bombardement^nur zwei Tage auSgehaltcn und dann nach theilweiser Zerstörung Der armen totaDt capitulirt. Es ist stets Die gleiche Ge- lächle mit allen diesen französischen Festungen Verdun, Toul, Schlettstadt, Breisach, Soissons, Thionville, Montmevy u. s. w. ohne Außenforts. Die Commandanten halten es ihrer Ehre zuwider, zu capituüren; bevor Die Stadt ganz oder doch wenigstens Haid zerstört ist, was durch die weit und sicher schießenden schweren Geschütze stets in wenigen Tagen geschieht, sobald das Bombardement erst einmal begonnen hat, und wenn dann so und so viele Häuser zerstört und Familien vernichtet sind, nfolgt Die Kapitulation sehr bald. Und Doch giebt es auch bei uns in DeutschlanD noch immer Anhänger Des scheußlichen Systems, Städte zu Festungen zu machen.

Brüssel, 4. Jan. Auszüge aus Pariser Ballon-CorresponDenzen melden: Paris, 28. Dec. An verschiedenen Puntten Der äußeren Arrondissements von Paris fanDen Ruhestörungen statt, indem Volkshaufen Verwüstungen vornahmen; Patrouillen zerstreuten die Ruhestörer. Das olficielle Journal veröffentlicht ein angeblich deutscherseits den Vorposten übergebenes Schreiben, welches die Nieder­lage der Nordarmee vom 30. D c. meldet. Correspondenzen vom 30. Dec. mel- oen: Starke Abtheilungen Der sedentären Nationalgarde sind seit gestern consignirk. Die Beschießung Des Forts Rosny ist feit dem 29. Dec. von furchtbarster Wir- kung; d'.e für bombenfest gehaltenkn Kasematten wurden von Kugeln durchbohrt.

Brüssel, 4. Jan. DerNord" veröffentlicht eine Ballon-Coirtsponvenz aus Paris vom 30. Dccembcr, wonach die Journale, namentlichPatne" und Temps", Trochu anzugreifen beginnen und verlangen, daß derselbe durch Aus­fälle Die immer drückender werdende Lage ver Hauptstadt beseitige. Vingy wird als Nachfolger Trochu's genannt. Die Widerstandskraft von Paris scheine zu erlahmen.

Brüssel, 5. Jan. Die Preußen rückten gestern in Rocroy ein. Als die Besatzung Die (Kapitulation von Mezieres erfuhr, gab sic Den Widerstand auf und zog sich nach Givet zurück. Die Preußen marschiren auf Vireux, in eer Absicht, sich Der Eisenbahn in Den ArDennen za bemächtigen.

Darmstadt, 5. Januar. Das Gesetz, betreffenD den Uebergang zu Dem für Den Nordveutichen Bund erlassenen Strafgesetzbuche, lautet:

Ludwig III. von Gottes Gnaden Großberzog von Hessen und dei Rhein rc. k. Da das aai 31. Mai 1870 für den Norddeutschen Bund erlassene Strafgesehbuch mit dem 1. Ja­nuar 1871 im ganzen Umfange deö Bundesgebiets in Kratt tritt, so verordnen Wir, In Betracht des zugleich mit diesem Gesetzduch in Wirksamkeit tretenden BundeSeinführungSgeseheS, mit Zu­stimmung Unserer getreuen Stände, hierdurch wie folgt:

I. Strafgesepliche Bestimmungen.

§. 1. Mit dem 1. Januar 1871 werden

das Strafgesetzbuch des GroßherzogthumS vom 17. September 1841 einschließlich bet dazu gehörigen EinsührungSgesetzeS

und die seit dem 17. September 1841 wegen Verbrechen und Vergehen ergangene« Gesetze

! außer Wirksamkeit gesetzt, vorbehältlich der in den §§. 4 bis 10 enthaltenen Bestimmungen.