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Vie gegen seine geheiligte Persönlichkeit geschleudert werden könnten. Wahrlich, es wäre höchste Zeit, daß man im deutschen Reiche gegen solche RcchtSabnormitäten ein entschiedenes Veto einlegte und endlich die so oft verlangte Aufhebung der allen modernen Begriffen widerstreitenden Institution der akademischen Gerichtsbarkeit ausspräche.
Die Vorlage, betreffend die Civilehe, hat jetzt die Scala von der Riesengroße der obligatorischen Form durch die Mittelschule der fakultativen Form bis hinab zu einer embryonischen Gestalt glücklich durchgemacht. Wie jetzt die „Kreuz- zeitung" meldet, handelt es sich bei der etwaigen Vorlage an den Landtag nur um — die bürgerliche Trauung in Rothfallen I
Der große Schiller muß sich im Grabe umdrehen, wenn er vernimmt, wie sein Andenken von den Vatern der Stadt der Intelligenz maltraitirt wird. Be- kenntlich soll Berlin nach zwölfjähriger Erwartung endlich am 10. November^ das Schauspiel erleben, baß das Standbild des LieblingSdichterS des deutschen Volkes aus der Bretterbude vor dem k. Schauspielhause befreit wird. MagistratuS will indeß die Enthüllung in sehr hausbackener Form, ohne Sang und Klang, vor sich gehen lassm und Berlin die Ueberraschung lassen, eines schönen Morgens beim Erwachen zum allgemeinen Erstaunen das Standbild ausgcpflanzt zu sehen. Die Berliner Stadtverordneten waren pietätvoller, sie hielten den Magistratsantrag für eine Versündigung an dem Namen des Dolksdichters und adoptirten in gewischter Deputation ein Festprogramm, das eine angemessene Ausschmückung des Denkmals, Festzug. Reden, Musik, Theilnahme des Kaisers und des kaiserlichen Haufis, sowie der Koryphärcn in Kunst und W ffenfchaft umfaßte. Der Magistrat hat jedoch dies Project nicht acceptirt, er besteht vielmehr ,au< Princip" auf seinem ersten Antrag, er hat aber, um das Odium der Ablehnung von sich abzuwälzen, für den schlimmsten Fall der eventuellen Festdeputation 20,000 Thaler zur Verfügung ge- hellt. Allah ist groß, der Berliner Magistrat aber ist größer!
Paris, 3. Oktober. Seit 1. Oktober werden in Paris von jedem Billard jährlich 60 Fr. Steuer und vom 15. Oktober ab wird ein Zuschlag von 10pEt. zu den Fahrbilletten auf Eisenbahnen, öffentlichen Fuhrwerken, Schiffen rc. erhoben.
Paris, 4. Oktober. Die „Agence HavaS" meldet: Zufolge eines neuen UebrrcinkommenS mit dem deutschen Commandirenden soll Letzterer die gänzliche Räumung des Departements Oise angeordnet haben.
Bukarest, 3. Oktober. Der ehemalige Polizeipräfect MiholeScu wurde wegen Mschulv an den Exccssen gegen die Deutschen am 22. März d. I. zu sechs- monatlichem Arrest verurtheilt.
Vermischtes.
Von der Lahn, 30. September. Bei den vielen Versteigerungen von Militärpferden, welche im Bereich deS ehemaligen HerzsgthumS Nassau stattfinden, wird eS von Interesse sein, auf Folgendes aufmerksam zu machen. Der MüitärfiScuS läßt bei seinen Versteigerungen immer b;t Versteigerungsbedingung aufnebmen, daß der Käufer auf alle und jede Garantie wegen heimlicher Mängel verzichte, urd man hört deshalb vielfach die Anficht, daß dadurch jeder Rückgriff mf den Staat und insbesondere die Wandelungsklage ausgeschlossen sei. Allein diese Anficht ist irrig. Nach §. 10 der Nassauischen VrehhandelSordnung ist ein solcher Verzicht nichtig und un- I verbindlich. Sollte deshalb Jemand auf einer der Pferde-Auctionen ein Militärpferd fauf-n , das ßch innerhalb der nächsten 29 Tage als mit einem gesetzlichen Hauptfehler (z. B. Rotz) behaftet hrrausstellt, so braucht er nur ganz in der sonstigen Weise den Handel bei seinem Bürgermeister <u kündigen und kann dann (im Nvtbfalle im Rechtswege) vom MilitärfiS.us Auflösung deS Handels, Rückgabe des Kaufpreise« und Entschädigung für die BefichtigungS- , Fütterung-, rc. Kosten ver, langen, ohne daß ihm jene bei der Versteigerung gesetzte Bedingung im Wege steht.
(Mittelrhein. Ztg.)
Von Darmstadt wird Nachstehendes zur Warnung mitgetheilt: Dieser Tagt wollte sich ein in der Altstadt wohnhafter Bürger ein Streichholz anzünden, allein dasselbe brach beim Anstreichen ab und der Kopf deS Hölzchens sprang in eine unbedeutende Wunde. Sofort stellten fich die charakteristischen Erscheinungen der Phosphorvergiftung, zunächst Anschwellung der Hand, resp. des Arms, Schwärzung desselben u. f. w. ein, und in kurzer Zeit war der Unglückliche, ehe noch ärztliche Hülfe zur Hand war, eine Leiche.
Am 25. September g»riethen aus einer unbewachten Schafherde bei Lehmingen ungefähr 80 Stück unter den früh 4 Uhr nach Nürnberg fahrenden Güterzug und wurden aufs Gräßlichste verstümmelt. Theile der Körper wurden an den Wagenrädern noch ein Paar Stationen fortge- schleift. Der Schaden wird auf wenigstens 900 fl. berechnet. Der betreffende Schäfer soll während dieser Zeit noch in einem benachbarten Dorfe auf der Kirchweihe gewesen sein.
Frisch bä ckrr ? u Gießen.
Sonntag den 8. Oktober. Christian Lampus auf dem Seltersweg, Christian Jughardt in der Wallthorstraße und Carl Wallenfels an der Wettergasse.
kirchliche Anzeige
der evangelischen Genleinde zu Gießen.
Gottesdienst.
Am 8. Oktober:
f Morgens: Pfarrer Landmann.
( Nachmittags: Pfarrer Dr. Seel.
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 8. bis 14. Oktober besorgt Pfarrer Landmann.
Oberhessen
781/s
Oestr. 1858r 1860r 1864r
Borseunachrichten.
5. October 1871.
A eilen.
Frankf. Bank 133
Frankf. Vereins-Kasse 1 IO*/, Darmst. Bankact. 419*/a
Wien Bankactien 751 Galizien 2537/ö
A eilen.
Oest. Creditact. 2843/4 50/0 östr. F. St. E. B. 376
Lombard. Bahn 192
Ludwigsh.-Beibaoh 1883/4
Maxbahn 13 4%
Bayer. Ostbahn 136
Hess. Ludwigsb.-Act. 163
Rhein-Nahebahn-Act. —
fl. 250 v. 1854 761/4
Prioritätsloose 1821/,
Loose 845/8
„ 135
steuerf. — 1881r 99>/g 1882r 951/g 1885r 96
„ . 6% M. Amerik. Bonds
Braunschweiger 185/s
Stadt Florenz 831 /2
, n 1887r 96i/8 Spanier, neuest. 3°/q 333/g
Preuss. 4i/z0/g Oblig. 991/2 Frankf. 31/2% Obi. 81 Nass. 41/30 0 Obi. 973/g Kurhess. 4% „ 91 Gr. Hess. 5"/g Obi. 1031/4
, n 40/0 „ 96
„ n 31/iO/o n 911/4 Bayer. 5% „ 100 >/2
„ 41/2% 1jährige 100
„ 40/o 1jährige 941/4 Würtemb. *1/2% Obi. 98‘/2 Baden 4i/2u/0 Obi. o. E. L. 98^ Oosterr. Silberrente 57i/2
„ Papierrente 483/4
Prlorlt&ten.
3O/o öster.Stsb.-Prior. 563/< 3°/0 öst. s. Lombard 76i/g 3% Livomeser 357/s 5O/o Tosoaner 54
5% Elisabeth.-Prior. 80 do. H. Emlss. 791/2
Anlehensloose.
Kurh. 40 ThJr. Loose 67 Nassau 25 fl. 403/4 4O/o bayr. Präm.-AnL 113 Ansbacher 7 fl. 12 4% badische Loose 111 Badische fl. 35 Loose 69
Wechsel.
Amsterdam
k. S. 98 V,
Augsburg Berlin Bremen Brüssel
Hamburg Leipzig London Lyon Paris Wien ditto ditto
Disconto
k. S. 993/4 k. 8. 105 <. s. 951/4 k. 8. 921/2 k. 8. 867/8 k. 8. 105 k. 8. 1171/2 k. S. 9H/2 k. 8. 911/2 k. 8. 983/4 m. 8. —
1. 8. -
4 0/o
GeldMorten. fl. kr.
Pr. Friedrdor 9 58—59 Pistolen . . 9 40—42
„ doppelte 9 40—42 Holl. fl. lOSt. 9 52—54 Ducaten . . 5 33—35 20 Frankenst. 9 17—81 Engi. Sover. 11 44—46 Russ. Imper. 9 41—43 Dollar in Gold 2 24—25
Allgemeiner Anzeiger
Besondere Bekanntmachungen.
Ausstellung von Zeichnungen aus den inländischen Hand- mrkcrschulen und von Schüler^eichnungen aus den Grost- hrrzogUchnr Gymnasien und Realschulen.
4090) Die diesjährige öffentliche Ausstellung von Zeichnungen der Schüler aus inländischen Handwerkerschulett, welche mit dem Landes- gewerbverein in Verbindung stehen, findet in (ließen statt.
Großherzogliches Ministerium hat genehmigt und Großherzogliche Ober- Studien-Direction hat veranlaßt, daß, hiermit in Verbindung, auch eine Aus- slellung von Zeichnungen der Schüler aus sämmtlichen inländischen Gymnasien und Realschulen abgehalten wird.
Das gemeinsame Ausstellungslocal für diese Zeichnungen ist die städtische Turnhalle in Gießen.
Die Ausstellung wird Sonntag den 1. October eröffnet und dauert bis incliis. Sonntag den 15. October. Während dieser Zeit ist das Ausstellungslocal täglich von Morgens 9 bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 5 Uhr geöffnet. — Der Zutritt ist jedem Interessenten, 06 Mitglied oder Nichtmitglied des Landesgewerbvereins, unentgeldlich gestattet.
Wir beehren uns, auf diese Ausstellung aufmerksam zu machen und zu recht zahlreichem Besuche derselben einzuladen.
Darmstadt, den 24. September 1871.
Großherzogliche Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein.
Schleiermacher. Fink.
Oeffentliche Aufforderung.
4228) Ausweislich des Gefälle-Katasters °er Gemarkung Trohe ist die dort gelegene bg- Stippische Mühle des Philipp Rühl Jon Trohe iin Grundbuche unter Flur I w- 197a, 198, 199, 200 eingetragen, nodj; Jit folgenden nicht abgelösten Grundlasten glastet und zwar:
l> mit 8 Mltrn. 1 Smr. 3 Kpf. 2 Mäsch.j Korn und 121/2 fr. Grundzins an die Neichwald'schen Erben zu Giessen,
«) mit 2 Mltrn. 1 Kpf. 3 Gesch. Korn> und 31/» fr. Grundzins an Frau Obrist Sievers zu Giessen,
3) mit 6 Mltrn. 1 Smr. 1 Kpf. 1 Gesch.
1 Mäsch. Korn und 9VZ fr. Grundzins an die Negierungsrath Fech'schen Erben -u Giessen und
4) mit 6 Mltrn. 3 Smrn. 2 Mäsch. Korn und 10 fr- Grundzins an die Negte- rungsrath Heerth'schen Erben, modo Buchhändler Wilhelm Heyer zu ‘/2 und Frau Pfarrer Lobstein zu Vs-
Rühl hat mittelst Urkunden bescheinigt, dass er den grössten Theil der Interessenten bezüglich deren Berechtigung abgckaust, er vermag solchen Nachweis dagegen nicht zu liefern bezüglich des C. W- Eckstein in Ain fterrain, der Erben der Johannette Hens- ler und der Atathschösf Hastischen Erben von Giessen, welche als Erben der ursprünglichen Berechtigten bei diesen Grundlasten ebenfalls betheiligt sind. Uebrigens hat derselbe hinsichtlich solcher wahrscheinlich gemacht, dass sie auf ihre Ansprüche verzichtet, dass er wenigstens an sie seit Jahren schon keinen Grundzins entrichtet, daß sic auch
keinen von ihm gefordert, und um endlich die Löschung dieser Reallasten in den öffentlichen Büchern herbeiführen zu können, werden hiermit auf Antrag Nühl's alle Diejenigen, welche noch Ansprüche an oben gedachte Grundlasten zu bilden haben, hiermit aufgcfordert, solche sogewiß binnen drei Monaten von heule an bei dem unterzeichneten Gerichte anzumelden, widrigenfalls die oben genannten Reallasten als erloschen erklärt und deren Löschung in den öffentlichen Bücher angeordnet werden wird.
Giessen, den 1. Oktober 1871.
Grossherzogliches Landgericht Gießen.
_____________Bötticher.___________
Das Schuldenwesen über den 9tacllass des Gottlieb Panzer von Garbenteich.
Oeffentliche Aiiffordening.
4229) Nachdem die Mehrheit der ge- richtsbekannten Gläubiger des überschuldeten Nachlasses des Gottlieb Panzer von Garbenteich behufs Abwendung oes förmlichen Concurses gerichlliches llebcrcin- koinmen getroffen, werden die unbekannten Gläubiger desselben unter Verstattung der Acteneinsicht hiermit aufgefordert, binnen 4 Wochen ihre Forderungen anzumelden, und bet Meldung Ausschlusses etwaige Einwendungen gegen fragliches Ucbereinlommcn dahier vorzubringcn.
Giessen, den 30. September 1871. Grosshcrzoglichcs Stadtgericht Giessen.
M u h l, S t a m m lev, Stadtrichter. Stadtger.-Assessor.
und Veräußerung betrifft, angenommen, dass sie den Beschlüssen der Mehrheit der Erschienenen beigetreten seien.
Grünberg, am 28. August 1871.
Großherzogliches Landgericht Grünberg. Erdmann, Dr. Trapp, Landrichter. Landger.-Asseffor.
Versteigerungen.
Verqebunq von Slraßenbauarbeiten.
4209) Die zur Erbauung eines Thcils der Wilhelmstrasie auf dem Seltersberg erforderlichen Arbeiten und Lieferungen, als: fl. fr.
Erd- und Planirarbeit, eknschl.
des Erdtransports, veranschl.
zu..........1061 27
Steinbrecherlohn, veranschl. zu 146 49
Steinfuhrlohn, „ „ 478 45
Kieslielerung, „ „ 122 52
Chaussir- und Handarbeit, ver
anschlagt zu...... 493 56
Pflasterarbeit, veranschlagt zu 672 48V,
Allfbruch von alter Cbaussirung und Pflasterung, einschl. des Materialtransports, veranschlagt zu.......109 161/,
werden „ „ „
Montag den 9. Oktober L I., Vormittags 8 llbr, auf dem Ratbhause durch öffentliche Versteigerung in Accord gegeben.
Gießen, den 5. Oktober 1871.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. V o g t.
Oeffentliche Aufforderung
3745) Nach erkanntem Eoncurse über das Vennögen des Georg Horst V. von Gross-Eichen werden dessen Gläubiger zur Annleldulig und Begründung ihrer Ansprüche und VorzllgSrechte auf
Montag den 30. Oktober c., Vormittag 9 Uhr, bet Meldung Ausschlusses geladen. Jin Termin wird die Güte versucht und von nicht erschienenen ober nicht vertretenen Gläubigern, sowohl was ein Arrange" ent als die Beschlüsse über Massevcrwaltung
B e k a u n t m a ch u n fl.
4220) Am Donnerstag, den 12. Oktober cr., von Vormittags 10 Uhr ab,
sollen auf dem hiesigen Bahnhofe, in der bisherigen Militär - Speisehallc: 12 Stück grosse kupferne Kessel, ein jeder circa 600 Schoppen enthaltend, 5 Stück Wasserfässer und eine Ouantität eiserne Wasserleitungü- röhren, sowie verschiedene Baulichkeiten, welche der Käufer bald abzubrechen hat, öffentlich meistbietend gegen sofortige haare Zahlung versteigert werden, wozu Kauflustige hiermit etngeladcn werden.


