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pflogenenen Besprechungen eine Identität der beiderseitigen Interessen und Bestre­bungen klar gestellt habe, und daraus der Entschluß hervorgegangen sei, alle sich darbieienden politischen Fragen nach vorgängiger Verständigung im Sinne der Wahrung des europäischen Friedens gemeinsam zu behandeln; sie versichert endlich, daß auch entfernt nichts verhandelt oder beschlossen worden, was irgend einem fremden Staat als eine Bedrohung oder als eine Quelle der Beunruhigung erscheinen konnte, sondern daß die angestrebte und erzielte Festigung der vom Grafen Beust von den Delegationen gezeichneten Politik gleichmäßig allen Staaten eine weitere moralische Fliedensbürgschaft biete. DaS Rundschreiben trägt das Datum vom 12. September. Ihm voraus sind übrigens mehrere Depeschen gegangen, welche speciell den Botschafter in Paris in den Stand setzen sollten, schon von vornherein der französischen Regierung über den eminent friedlichen Character der damals noch im Zuge befindlichen Besprechungen die bündigsten und beruhigendsten Aufschlüsse zu geben.

In Irland scheinen die geheimen Exercierübungen der Fenier wieder in vollem Gange zu sein. Die Polizei horte in einer der nördlichen Vorstädte von Cork Schüsse fallen, und als sie die Richtung verfolgte, traf sie auf fünf Bursche, die unter dem Rufe:Da kommen sie!'' mit Revolvern auf sie feuerten. Als die Polizei das Feuer erwiederte, nahmen die Bursche Reißaus. Aber einer von ihnen wurde abgefangen und man fand sechszehn Patronen bei ihm. Später am Tage verbaftete die Polizei noch drei junge Leute, welche verdächtig sind, an den Exer- clerübungen und dem Angriffe auf die Polizei Theil genommen zu haben.

Aus Konstantinopel vom 2. October w^rd telegraphirt: Emin Bey ist zum zweiten Sccretär des Sultans ernannt worden. Letzterer beschäftigt sich täglich vier Stunden mit Staatsgeschäften und hat gestern zum Großvezier gesagt: Trachten wir alle unsere Völker zufrieden zu stellen, nur so kann das Reich neugrstaltet werden. Die Armenier bereiten eine Dankadresse an den Grcßvezier vor für dir ihrem Rechte so günstige Lösung der armenischen Kirchenfrage. Auch die bul­garische Kirchenfrage wird demnächst in gleicher Weise ihre Erledigung finden. Die Gesundheitsbeyörde hat ein Stadtviertel von Pera, in welchem die Cholera besonders heftig wüthet, eng absperrcn lassen. Niemand darf hinüber oder her­über. Wie viele täglich sterben, wird amtlich gar nicht angezeigt. Die Hitze ist ungeheuer. __________________

Darmstadt, 2. Oktober. Das in Aussicht stehende einjährige Budget pro 1872 (schreit dieMainztg.") wird keinensalls vor Mitte November den Ständen vorgelegt werden können und daher ist eine Prolongation des laufenden Finanz- gcsetzes für die ersten drei Monat.- des nächsten Jahres wohl nicht zu umgehen. Der am Sonntag in der Stadtcapelle von Herrn Hieronymi gehaltene kirch­liche Vortrag war sehr zahlreich besucht. Redner begründete in demselben seine sympathische Stellung zum Protestantenvcrein und begrüßte demgemäß den in diesen Tagen hier zusammentretenden fünften deutschen Protestantentag, welcher ihn eingeladen hat, den Versammlungen als Ehrengast persönlich beizuwohnen.

Darmstadt, 3. October. Die Delegirtenversammlung des fünften deutschen Protest^ntentags beschloß eine Resolution, betreffend das Dogma der Unfehlbarkeit, welche besagt, daß, insofern das Dogma dazu dienen soll, im Sinne der Jesuiten a) die Souoeränetät des modernen Staates überhaupt und des deutschen Reiches, sowie der deutschen Staaten insbesondere anzugreifen; b) den konfessionellen Frieden in Deutschland zu gefährden; c) die Geistes- und Gewissensfreiheit und unsere ganze Cultur zu bedrohen: die deutschen Protestanten und das ganze deutsche Volk veranlaßt und verpflichtet sind, dieser Bedrohung des Staates, des Friedens und des modernen Geisteslebens entschieden entgegenzutreten und auf Beseitigung dieser ernsten Gefahren entschlossen und sorgsam hinzuw-rken. Die Versammlung beschloß ferner eine Resolution bezüglich dcS Jesuitenordens, welche dahin lautet: Die Sicherheit der Rechtsordnung und der Autorität der Gesetze und der Staats­gewalt, die Wohlfahrt der bürgerlichen Gesellschaft, die Wahrung des confcssio- nellen Friedens und der Schutz der Geistesfreiheit und GeisteScultur erfordern das staatliche Verbot des Jesuitenordens in Deutschland. Der Protestantenverein be­trachtet es als eine ernste Pflicht der deutschen Protestanten und der ganzen deut­schen Nation, mit aller Kraft dahin zu wirken, daß jede Wirksamkeit in Schule und Kirche den Angehörigen und Affiliirten des Jesuitenordens verschloffcn werde.

Darmstadt, 4. October. Nachdem sich gestern Nachmittags der engere und weitere Ausfluß des Protestantenverein- versammelt, fand um 6 Uhr in der Stadt­kirche ein sehr zahlreich besuchter Abendgottesdienst statt, bei welchem die Predigt von Dr. Karl Manchot aus Bremen gehalten wurde. Um 8 Uhr versammelten sich die Delegirten und Gäste, sowie die hiesigen Mitglieder und Freunde de- Protistantenvereins im Saale des Schützenhofs. HofgerichtSadvocat Dr. O. Hof­mann begrüßte die Versammlung mit einer herzlichen Ansprache, welche von Prof. T>r. Schenkel erwidert wurde. Professor Schenkel wies in seiner Erwiderung auf die Ereignisse, welche den Zusammentritt des Protestantentags im vorigen Jahre verhinderten »nd auf die Umstände hin, unter welchen er heute seinen Einzug hier gehalten; ein mächtiges deutsches Reich sei entstanden, unter dessen Auspicicn der Protcstantenverein seine Thätigkcit beginne, es sei dies um so verheißungsvoller, als das neue Reich nur bann eine Bürgschaft des Erfolgs für sich habe, wenn es ein Reich der Geistessreiheit sei. Schenkel schloß mit einem Hoch auf die Männer des Protestantenvcreins von Darmstadt, die es möglich gemacht, daß diese Versammlung hier in Darmstadt zu Stande gekommen sei. HofgerichtSadvocat Ohly erwiderte NamenS des Protestantenvereins und schloß mit einem Hoch auf Professor Schenkel. Professor Lange aus Zürich beglückwünschte die Versammlung Namens der schweizerischen protestantischen Vereine, welche gleiche Zwecke wie der deutsche Protestantenverein verfolgen. Er sei überzeugt, daß das deutsche Volk, das soeben einen noch nie dagewesenen Kampf gegen einen mächtigen, herrschsüch- tigen Fe,nb ruhmvoll durchgeführt, auch den großen Kampf für die geistige Frei­heit zu einem siegreichen Ende führen werde. Als ein gutes Omen erscheint es dem R dner, daß der fünfte deutsche Protestantentag in dem Lande jenes kleinen Landgrafen zusammrntrcte, der muthig den Kampf mit Rom und den weltlichen Fürsten ausgenommen. Redner schließt mit einem Hoch auf den Landgrafen Phitipp den Großmüthigen und die geistig freie Kirche, die er in das Leben rufen wollte.

D>e Stimmung der Versammlung war eine sehr animirte. Unter den Reden, welche Der zuletzt erwähnten noch folgten, erwähnen wir das von Hrn. Fabrikant Graff aus Bingen den Lehrern auSaebrachte Hoch, deren Aufgabe es sei, durch die Erziehung den verbündeten Feinden des Staate« und der Kirche, denSchwarzen" und denRothen" entgegenzuarbelten. Prediger Richter von Berlin, die häus­liche Erziehung in bas Auge fassend, gedachte der deutschen Frauen.

Während den Pausen zwischen den einzelnen Reden trug der heute von Hrn.

Musiklehrer Hahn geleitete Männerchor de« Mozartvereins geeignete Gesänge vor, welche sich sowohl durch das vortreffliche Stimmmaterial, als auch durch die Prä- cision und Reinheit, mit welcher sie vorgetragen wurden, den Beifall sämmtllcher Zuhörer erwarben.

Darmstadt. Die erste Kammer der Stände tritt am Mittwoch, 1t. October 1871, Vorm. 10 Uhr, zu einer Sitzung zusammen. Die Tagesordnung umfaßt die Berathung und Abstimmung über: 1) den Antrag der Abgeordneten Herren Hallwachs, Kraft, Kempff und Bindewalo, die Vorlage eines revibirten Wahl­gesetzes der Wahl der Abgeordneten beider Kammern betr.; 2) die Vorlage Groß- herzoglichen Ministeriums des Innern, die Erhöhung des der polytechnischen Schule zu Darmstadt gewährten Staatsbeitrags für das Jahr 1871 um den Betrag von 13,500 fl. betr.; 3) Den Antrag Der Abgeordneten Herren Heß und Binbewald, die Errichtung eines Gebäudes für Die technischen Fächer an der Landesuniversität Gießen betr.; 4) den Antrag Des AbgeorDneten Herrn Curtmann, die Aufbeffe- rung Der aus Der Schullehrer-Wittwenkasse zu zahlenden Pensionen betr.; 5) Den Antrag des Abgeordneten Herrn Keil von Fürth, die Erhöhung der Besoldungen und Gehalte der Volksschullehrer aus Staatsmitteln betr.; 6) den Antrag des AbgeorDneten Herrn Kolb, Die Vermehrung Des für die Realschule in Alsfeld be­willigten Zuschusses aus Staatsmitteln berr.; 7) den Antrag des AbgeorDneten Herrn Golvmann auf Vorlage eines Gesetzes, die Ausgleichung der Kriegsleistungen betr.; 8) den Antrag des Abgeordneten Herrn Volhard auf Vorlage eines Ge- setzesentwurfs, die Befreiung Der Unteroffiziere und SolDaten des stehenden Heeres, mit einem Gesammteinkommen unter 1500 fl., von der Einkommensteuer während der Zeit ihrer Mobilmachung betr.; 9) die Eingabe des HandelsvercinS für Darm­stadt und Beffungen, Die Helbeiziehung der Acriengesellschaften zu den Communcrl- lasten betr.; 10) Die Eingabe des HandelSoereinS für Darmstadt und Beffungen, die Heranziehung des gesammten Einkommensteuercapitals zu den Communallasten betr.; 11) Das Gesuch mehrerer HauptzollamlSassistenten zweiter Klasie, Gehalts­erhöhung betr.; 12) die Vorstellung mehrere.- Steueraufseher Der Provinzen Starken­burg unD Rheinhessen, Gehaltserhöhung betr.; 13) den Antrag Des Abgeordneten Huy, Die Erbauung Der Odenwaldbahn betr.

Frankfurt, 5 October. Das folgende Telegramm des Herrn Dr. Peter- mann in Gotha an den hiesigen Verein für Geographie und Statistik ist soeben eingelaufen:Payer's Nordpol-Expedition, zu welcher Frankfurt freigebigst bei­steuerte , ist am 3. d. M. sehr erfolgreich nach Tromsö zurückgekehrt. Offenes Meer östlich von Spitzbergen und günstigsten Weg zum Nordpol entdeckt! Peter- mann."

Mainz, 3. Oktober. Seit gestern wird durch einen besonders hierzu von Berlin gekommenen höheren Ingenieur - Offizser eine eingehende Inspektion der Festung, namentlich auch rücksichtlich des Umbaues derselben, und die Prüfung der hierzu ausgearbeiteten Projectionen an Ort und Stelle vorgenommen. Vor einigen Tagen hat sich auch der Gemeinderath mit einem, diese Angelegenheit berührenden Punkte auf Anregung der Regierung zu beschäftigen gehabt. Ob es sich um den Gesichtspunkt des Dumont-Oechsner'schen Antrags (käufliche Ueberlaffung des frei werdenden Festungsterrains an die Stadtgemeinde) , oder um allgemeinere, der noch nöthigen Uebereinkunft zwischen unserer Regierung und der Reichsbehörde zu Grunde zu legende Punkte handelte, läßt sich nicht recht erkennen. Daß aber eine Angelegenheit, welche so tief und so vollständig nicht allein die Interessen der Stadt im Ganzen, sondern auch die wohlberechtigten einzelnen einer großen Masse Bürger berührt und deren letzte Wirkungen schließlich auf diese zurückfallen müssen, beharrlich im Halbdunkel gehalten wird, erregt wenig Zutrauen. Während so in den oberen Regionen unsere StadterweiterungS-Angelegenheit noch immer theo­retischer Behandlung unterliegt, sind bei dem gegenwärtigen Quartaltermin gegen 80 Familien wieder aus verschiedenen Ursachen wobnungSloS geworden, unter denen aber immerhin der Mangel an kleineren Wohnungen die hervorstechendste ist. Ebenso bezeichnend für die hiesigen Zustände ist, daß, während man aus allen Nachbar- städten, ja selbst den kleineren, von Eisenbahnen berührten Landorten von außer­ordentlich lebhafter Bauthätigkeit hört, hier außer den Eisenbahnbauten nur ein einziges Privatgebäude bescheidenen UmsangS in Angriff genommen ist.

t Berlin, 4. Oct. Der Kaiser wird nach den jetzigen endgiltigen Bestim­mungen am Donnerstag Baden-Baden verlassen und Tags darauf in Berlin ein» treffen. Fürst Bismarck kehrt schon am Donnerstag hierher zurück.

t Berlin, 4. Oct. Der vorgestern verstorbene Geh. Obcrjustizrath Dr. von und zur Mühlen war, wie dieGermania" in elegischer Stimmung berichtet, der einzige katholische Rath im Justizministerium, ferner das einzige katholische Mitglied des Staatsrathcs und des Gerichtshofes zur Entscheidung der Coache« tenzconflicte. Unter sämmtlichen Mitgliedern des Staatsministeriums, unter sämmt- lichcn Ministerialdirectoreu, unter sämmtlichen Rächen der Ministerien Der aus­wärtigen Angelegenheiten und des Innern, endlich unter sämmtlichen wirklichen Regierungspräsidenten befindet sich kein Katholik.

t Berlin, 4 Oct.Wir sind Den Süddeutschen zu liberal", so lautete bekanntlich ein geflügeltes Wort des Fürsten Bismarck. Ob die abzugroße Libera­lität nach der glücklichen Ueberbrückung des Mains ein ganz überflüssiges Ding geworden, wagen wir nicht zu entscheiden, thatsächlich passiren ober in Der Haupt­stadt des deutschen Reiches täglich Dinge, Die nicht nur von Liberalität weit ent­fernt ftnD, fonDern Die das Kainszeichen eines veralteten Zopfthums sehr deutlich auf Der Stirne tragen. Ein charakteristisches Beispiel hierzu liefert die neue Auf­lage der Demazogenhetze, welche Der Rector hiesiger Universität gegen eine Anzahl hiesiger Studenten a.rangirt hatte, welche sich erkühnten, trotz Des Einspruchs des Rectorats, den Versuch zur Gründung einesstudentischen Ausschusses" zu w-gen. Die jungen Leute, welche f. Z. nach einer fast mittelalterlichen Inquisition mit dem consilium abeundi per Schub von hier entfernt wurden, sind thatsächlich für vogelfrei erklärt worden und befinden sich außerhalb der Rechte eines deutsche« Staatsbürgers, einzig und allein in der Willkür des allgewaltigen Univerffräts- richters, Herrn Lehnert. Nach der DiSciplinaruntersuchung haben zwei Der Be- theiligten bereits am 10. August auf dem Cultusministerium ein RccurSgefuch ein- gereicht, sehr bezeichnend ist aber bis heute, also nach mehr als sechs Wochen, noch kein Bescheid ergangen! Das Rectorat bekümmert sich übrigens auch gar nicht um Die betretene höhere Instanz, fonDern hat, auch in Den Fällen, Die noch in Der Recursinstanz schweben, den Vätern der Constliirten die Maßregelungwegen Widersetzlichkeit und Auflehnung gegen den Senat" als unumstößliche« fait accompli hingestellt. Der UniversitätSrichter geht indeß noch weiter und verweigert den Ver- urtheiltcn rundweg eine Abschrift des Erkenntnisses, kurz, der unfehlbare Mann schaltet und waltet ganz nach seinem Belieben, je nachdem cs ihm bequem ist, und er benutzt Den Mantel des Senats als willkommene Schutzwehr gegen alle Angriffe,

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Paris, 4. Dctobi HrrcilikoinllienS mit d 'iiimunq des Dtpartemi

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