Anzeige- und Amtsblatt für den Lreis Hießen
Nr. 129
Mittwoch den 7. Juni
1871
Gießen, den 3. Juni 1871.
5. Juni
fr
Die Eadinetskrisis in Frankreich geht langsam voran, aber sie geht voran,
Preis Uecuija&rlp 1 fl. 12 ft. mit Üriirgrrlohn- Durch die Post öeroaen dierttlsährig i fi. 27 fr.
Betreffend: DieErhebung^ der Forst- und Fcldstrafen bei dem Großh. Rentamt- Gießen von 1871.
f Di- Beschluß- d°-Neich«.age. vom 3. P. gaben dem Gesetz/treffend die ist ein uudedeüte^r Geneka/ D-reimzu-ig von Elsass und Lothriugen mit dem deutschen Reiche, nachstehenden ehrlicher Republikaner. vL 0 Fi l Q ll [ ♦
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ürichctnt täglich, mit Lus. nähme Montags.
Lxpeditton : Canz leib erg Ltt. B. Nr. 1.
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Zeln stehnil.au i muug), bfrar / 7 epesche ihrar lort :c mir! mmungen der allen bei bra litt werden, i in bit £änbe ' Tüllen kennen,, r bie Depesche:
bei unrecomr ■
rzler.
Wir Wilhelm rc.
§• von Frankreich durch den Art. 1 ces Präliminarfriedens vom 26. Februar 1871 abgetretenen Gebiete Els,stß und Lothringen werden in d,r burch ven Artikel 1 des FricdenScertrages vom 10. Mai 1871 und d»u dritten Zusatzartikel zu diesem Vertrage frstgestellten Begrenzung mit dem deutschen Reiche für immer vereinigt.
§• 2. Die Verfassung des deutschen Reiche» tritt in Elsaß und Lothringen am 1. Januar 1873 in Wirksamkeit. Durch Verordnung des Kaisers mit Zu- st.iwmung des Bundesraths können einzelne Theile ter Verfassung schon srüyer eingesühit werden. Die erforderlichen Aenderungen und Ergänzungen der Vrr- fassung bedürfen der Zustimmung des Reichstages. Artikel 3 der Reichsverfaffnna tritt sofort in Wirksamkeit. " *
§• $•, Staatsgewalt in Elsaß und Lothringen übt ddr Kaiser aus. BlS zum Eintritt der Wirksamkeit der Reichsverfassung ist der Kaiser bei Aue» ubung der Gesetzgebung an die Zustimmung des Bundesrath- und bei der Auf- nähme von Anleihen oder Uebernahme von Garantien für Elsaß und Lothringen, durch welche irgend eine Belastung des Reichs herbeigeführt wird, auch an die Zust'mmung des Reichstage» gebunden. Dem Reichstage wird für diese Zelt ubrr Vic erlassenen Gesetze und allgemeinen Anordnungen und über den Fortgang der Verwaltung jährlich Mittheilung gemacht. Nach Einführung der Reichsver- fassung steht bt» zu anderweiter Regelung durch Re'chsgesctz da» Recht der Gesetz- gedung auch in den der Reichsgesetzgebung tn den Bundesstaatm nicht unterliegenden Angelegenheiten dem Reiche zu.
K4; mic Anordnungen und Verfügungen de« Kaiser« bedürfen zu ihrer Giltigkeit der Gegenzeichnung de« Reichskanzler«, der dadurch Bie Verantwortlich, kett übernimmt
Urkundlich rc.
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flf9Cllt)fl II Einheitsstaates läuft.
...........u........M, b.v. .U..B|U,U vv.un, uucr |IC gkyr voran,
10 t»s ? ‘ ®lnna^mt von Pari«: die Rechte scheint entschlossen, Thier- jetzt, nach.
11 ' .Ihr, r g ($0lnmun« niedergeschlagen, zurufen zu wollen: Die Republik hat ihre
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4J,en|tc gethan, die Republik kann gehen, und die Scptembermäliner, die sie ge^ \ rfnc”z l*r *oran! Thiers opfert seine „Freunde", aber er fühlt sich unheimlich
dabet und sucht cte Opfer mit fetten Aeattern abzufinden: es bestätigt sich, daß ?icard Banlvirector wird und dem General Leflo ist eine große Ambassade ver-
. a» [ämmtlidjr Grotzher)0llUche Bürgermeistereien des Rentsmtbbenrks.
nm„ W°,"d7 ' *•*i,,e ®elwXTrf1“" *”**l871-•* i™ '»• »• «s. *« M-h.
?Le einz I l,f einer ÖUnen setz st.
lnb bittet ^ en.
Darmstadt, 2. Juni. Die gestern erschienene Nr. 18 des Großh. Regierungsblatts enthält:
1- Bekanntmachung Großherzoglichen Ministerium» des Großherzoglichen Dauses und d,s Aeußern, die Anstellung eines Kaiserlich Brasilianischen General- conjul« sur das Großherzogthum betreffend.
H. Ueberstcht eer für das Jahr 1871 von Großherzoglichem Ministerium e/ <vCrn 6^bhmigten Umlagen zur Bestreitung von Bedürfnissen in den israelitischen Religionsgemeinben des Kreises Gießen.
III. Ucbersicht der für da» Jahr 1871 genehmigten Umlagen zur Be- irettunq von Eommunalbedürfniffen in den Gemeinden des Kreises Oppenheim.
IV. Desgi. in den Gemeinden des Kreises Heppenheim.
V. Desgl. in den Gemeinden des Kreises Friedberg.
VI. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Mainz, die Umlagen für die Stadt Mainz pro 1871 betreffend.
VII. Namensveränderung. Seine Königliche Hoheit der Großherroa haben allcrgnädigst geruht: am 10. Mai der Marie Listmann aus Meiches zu gestatten, daß dieselbe künftighin statt ihres bisherigen den Familiennamen Rahner führe. T
VIII. Dienstnachrichten. Stint Königliche Hoheit der Grossherzoa K «ln.1J,aeTl,6i8|i am 1 Mai Pen von dtn Obervorstchcrn Pf ritler. schaftlichen Kausunger Slist-fonb- auf Pie erledigte Stelle eine« Hauptrechner«
BeKeiiEgen auf sei, Gießener Mazeirzer LMLLfL!»“«
Abvmrenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abholen lassen, erhalten denselben für den Monat Juni zu 20 fr -- ----L
ung von E-. L Mager. Vincent St.
Tas zweite )t Trager. - riffle. Nr. 5. ausgenommen Händler und Bon Z. v. H- eres Krieges, shn C)lr. 17)
Nr. 21 des NeichS-GesetzblatteS des Deutschen Reiches, ausaeaeben zu Beilin am 25 Mai 1S7I enthält •
(Nr- 616.) aihrtMfteV’er^afe '187b betreffenb’bte^bä'nbfrunß1 escVe£i^>Iiunabetly?brbVUt'|d’e"t19- Mai 1871.
v. Starck.
t Wie uns auf’« Bestimmteste versichert wird, bat der Hietzmger Hof je«, _------ sr>nkn Frieden mit dem deutschen Reiche gemach». Der Exkönig verzichp t
[ Wiedereinsetzung, sein Sohn Prinz Georg erkennt die Aechtmatzigküt
der Preussischen Herrschaft über Hannover an, und Preussen verpflichtet sich ca- i ketne Einwendungen gegen die Nachfolge desselben in ter braunschweigischen - ^uccessionsfolge zu erheben. Für die nationale Partei in Hannover und Deutsch- r,„f, ‘?nb diese« Arrangement eine keineswegs erfreuliche Tha,fache, als gefährlich li)r ®?lcni ’M 'Ur die nationale Entwickelung kann taffclde allerdings heutzutage nicht mehr er I AchUt werden, wenn es dieselbe auch nicht grade zu fordern geeignet erscheint. , s-ssakst-! I ^cncn man kann sich damit trösten, dass noch viel Wasser bie Leine hiuuuter- I wird, bis jene« Abkommen perfekt wird; die AnnexionSdebatte im Reich«, tage ha, ja auf« Neue gezeigt, wie die deutsche Bewegung per Erhaltung der Kleinstaaten nicht günstig gestimmt ist, vielmehr entschiedeu in der Richtung de« l yinhrilAiirt*«»* ( X.. Ci
sprochen, die in Petersburg zumal, wenn man ihn dort angenehm findet. Leflo n tin ii« und Politiker, aber ein wohlmeinender Mensch und
, - Die Eabinelfknsis wurde schließlich durch eine gemachte
cctne tn der Nationalversammlung herbeigefuhrt, nachdem sie längst vorbereitet und ^orherglsagt tour. Gener tt Ducrot, der als politischer Faiseur tapferer tst, denn als General, doch als Militär wie Abgeordneter stets das große Wort führt lnterpellirte wegen der letzten Wahlen im Departement der Nievre den Minister de» Innern in einer insolenten Weise; er machte den Minister, den Präfecten und die republikanische Linke für die Unglückvfälle Frankreichs in einer Weise verank-
‘ l7* Plcard wild wurde und den Präfrcten eahgnp als einen ausae- ze chneten Beau,ten vertyetdigte, der Beförderung verdient habe und den er, der 2Ntnißer, befördern werde. Lebhafter Beifall der Linken, Sturm und Wuth auf Der Rechten nnd nach der Sitzung eine Auseinandersetzung mit dem Ches der Exkeuttve, durch welche d»e Cabinctskrisis thatfächlich' gemacht und der Rechten eine Abschlagszahlung geleistet wurde. Die Generale fp'.elcn in der Nationalversammlung mit jedem Tage mehr die Herren und Meister. Wie Ehangarnier ^cgcn der Belagerung von Metz wieder aufs Tapet gebracht hat, wie Trochu alle schuld für das Unglück Frankreichs der Linken und ihren Freunden in der Regierung zuschreibt, so hat Trochu der Nationalversammlung das Ge- h-lmnch anvertraut, daß an den Niederlagen der französischen Heere einzig und allein „der englische Luxus" und „die italienische Corruption", die ,das Land angcsrefsen haben", schuld sind. Die Franzosen sind ein so schlichtes, biederes und einfaches Volk, hätten sie die prunksüchtigen Engländer und Cie corrumpirten Jtahener nicht so nahe, so wurden sic es mit der ganzen Welt haben aufnehmen onnen. Diese Fanfaronsden der militärischen Politiker in der Nationalversammlung waren nur als wunderliche Auswüchse de» französischen Esprit zu belachkln, wrnn sie n cht ein leidige- Zeugniß cblegten, daß da» Phrasenwescn dem Ernst der ^eit zum Trotz noch immer die öff ntliche Meinung in Frankreich behtrrscht und neue Katastrophen vorbereitet.


