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Expedition : Lanzletberg
SIL B. Nr. 1
Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Hießen.
Ne. L28. Dienstag dm 6. Juni 1871,
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haben der Herzog von Aumale und der Prinz dem Manifest des Grafen de Chambord erklärt, die Fusion der Legitiw'sten und der Orleanisten
Auch die Bataillone der mitgewirkt Huben (viele werden
für freilich kann das deutjche Parlawent nicht verantwortlich gemacht werden, wenn ihm die materielle Macht, die hunderttausende von Bayonnetten fehlen, über welche die Regierung jederzeit gebieten kann, wohl aber würde da- Parlament ein größeres Ansehen behaupten und darum einen größeren Respect einflößcn können, wenn es sich mehr mit dem Gedanken vertraut machen wollte, daß die Souveränetät bei der Nation, der Gesammtvertrctung derselben ruhen muß, und der Reichstag nicht allein seine Aufgabe darin zu suchen hat, die Negierung zu stützen, sondern daß die Regierung vielmehr die Pflicht hat, die Beschlüsse des deutschen Parlament- zur Ausführung zu bringen. Natürlich würde dem Bunde-rath und der Bundesregierung eine solche Theorie sehr seltsam erscheinen, fall- der Reichstag sie geltend machen wollte. Der Bundesrath und die Bundesregierung haben die Macht; Fürst Bismarck verfügt außerdem über bedeutende moralische Mittel; er hat den Erfolg und was noch wehr ist, die Macht der Gewohnheit für sich, d^s preußische Volk und die Mehrzahl der deutschen Nation ist gewohnt, von dem König und seinen Rathgebern regiert zu werden und nicht von dem Reichstage oder dem Abgcordnetenhause.
So wie die Sachen heute liegen, sind Heer und Volk iw Großen und Ganzen für die Regierung und die öffentliche Meinung würde wahrscheinlich, wer fi< seihst die Wahl hätte zwischen Negierung und Parlament, sich für die erstere entscheiden. Die Waffen sind also zur Zeit ganz ungleich zwischen dem Parlament und der Bundesregierung und es bedarf einer ganz anderen Tactik von Seiten de- ersteren, wenn es in den Anschauungen der deutschen Nation über da- Der- hältnig von Regierung und Volksvertretung einen vollständigen Umschwung erzielen will.
Nur wenn das Parlament eine geraume Zeit hindurch die Herrschaft geführt und bewiesen hätte, daß es seine Macht nickt mißbraucht, dann würde ihm die öffentliche Meinung und damit auch bk Macht zur Seite stehe». Jedoch sind die- zur Zeit noch Ideale, deren Verwirklichung noch sehr fern zu liegen schernt.
Nichtsdestoweniger könnte der Reichstag eine achtunggebietende Stellung ein- nehmen, wenn er das Formelwesen und die Principienreiterei bei Seite werfen , und mehr das reale Leben, die schweren Mißbräuche und ungeheueren Mißstände, I auf die man bei jedem Schritt und Tritt in unsere» öffentlichen Staat-leben stößt, in- Auge fassen wollte. Der Reichstag braucht keine Socialpolikik zu frei* ! btn, aber er könnte gleichwohl, um die Masse für sich zu gewinnen, die socialen Mißstände mehr hervorheben, die ungerechte Vertheilung der Steuerlasten schärfer betonen, der Armee eine bessere Verpflegung schaffen, die Aufhebung de- privile- girten Gerichtsstände- der Armee, die Beseitigung der zum Theil noch heute existirenden körperlichen Züchtigung in derselben dringend verlangen rc. Er würde dann wenigsten- die Gemüther für sich gewinnen nnd damit wäre für die Nation, ! sowie für die freiere Stellung der letzteren schon viel erreicht.
Nationalgarde, die zur Herstellung der Ordnung es nicht sein, denn in den Kämpfen wurde ihrer
gar nicht erwähnt), werden entwaffnet und da-Tragen der Uniform der Nationalgarde ist verboten. Noch am 30» kamen Schüsse au- Fenstern vor, und strenge Maßregeln wurden angeordnet, sowie die Hausgenossen verantwortlich gemacht. Die Hauptstadt ist in vier Militärkommandos eingetheilt: Oft unter Vinoy (Hauptquartier im Kloster von Pi'cpuS), Nordwest unter Ladmirault (Hauptquartier in iden Elyseeischen Feldern), Süd unter Cissey (Hauptquartier im Petit Luxembourg), icndlich Ceutrum unter Douay (Hauptquartier Place Vendome). Alle Vollmachten der Civilbehörden wurden auf die Militärbehörde übertragen. Die summarischen Hinrichtungen dauerten auch am 30. noch „im großen Maßstabc" fort; Hinrichtungen wurden in Masse auf dem Pere Lachaise und iw Hofe de- Gefängnisse- der Roquerte am 29. und 30. vollzogen. Sämmtliche Soldaten, die sich der Commune angcschloffen, werden erschossen. „Le Siecle" vergleicht die jüngsten Straßenkämpse von Pari- mit den Metzeleien der Bartholomäusnacht, nur daß jetzt zu der Wuth, womit der Franzose den Franzosen abschlachtete, noch alle Hilfsmittel der modernen Zerstörungskunst genommen feien und man wie von Sinne» gewesen sei in dem Gedonner und Gekrach und in der von Pulverdampf und Petroleumsqualm geschwängerten Atmosphäre.
Der „Figaro" veröffentlicht ein namentliche- Verzeichniß von 49 Ausländern, welche der Commune Hilfe geleistet haben oder selbst zu ihren Mitgliedern gehörten. Es finden sich darunter 22 Polen, 8 Italiener, 7 Deutsche, je 2 Spanier, Wallachen, Portugiesen, Amerikaner und je 1 Egypter, Belgier u?.d Holländer. Die ausgezählten deutschen Namen sind: Eschenlaub, Fränkel, Hertzfeld, Syncck, Thaller, Wetze» und Zengerle.
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Ucber die Massenhinrichtungen in Paris schreibt ein Berichterstatter der „Time-" in Versailles.- Obwohl ich die Nachricht be.weifle, daß 1800 Gefangene hlnausgeführt wurden, um ei sse von Mltrailleusen niedergemäcrt zu werten, so höre ich von ausgezeichneter Autorität, daß an ernem der letztverwichencn Tage nicht weniger als tausend Communisten nach ihrer Gefangennahme in verschiedenen Theilen von Paris erschossen worden sind. Die Gesammtziffer derjenigen, die auf diese Weise ihr Ende gefunden, wird schwerlich jemals erwittelt werden.
Der „Monde" zufolge de Joinville ihren Beitritt zu Dasselbe Journal meldet, baß vollendet ist.
Wenn Paris auch äußerlich nach den letzten Nachrichten allmählig sein gewohntes Ansehen annimmt, so wird es doch noch längere Zeit währen, bi- auch die innere Ruhe in der Stadt hcrgestellt ist. Während einerseits die Militärbehörden von Mordversuchen melden, die von Weibern au- dem Volk gegen Soldaten gemacht werden, dauern andererseits die Hinrichtungen in Masse fort, und man vollzieht sie nicht allein an Insurgenten, welche mit den Waffen in der Hand ergriffen wurden, sondern auch an Personen, die mit Recht oder Unrecht denun- cirt sind, daß sie mit dem Aufstande gemeinsame Sache gemacht haben.
Man fängt in Pari- jetzt schon an, sich der verbrechen zu schämen, deren | Ungeheuerlichkeit sich in keiner Periode der Weltgeschichte wiederfindet. Um der I Telbstverachtung, der Verzweiflung an der nationalen Ehre und Vernunft zu ent- I gehen, sucht man die Schuld aus die Fremden, auf da- Ausland abzuwälzen, z „Jene Verbrechen", schreit das Siecle, „sind nicht französisch; sie sind eine — !preußische Jmportation." „Die Revolution", sagt man im Publikum, „ging von der Londoner Internationale au-, welche einen bonapartisttschen Ursprung hat und mit ihrem Präsidenten eine deutsche Agentur wurde." „Die Deutschen", heißt e- scrner im Publikum» „haben St. Cloud u. s. w. mittel- Petroleums verbrannt livd das Recept der Commune mitgetheilt. Der Reid der Fremden hat Paris .den Untergang zugeschworen; die Ausländer haben das verbrechen verübt; der ß rsremdenhaß wird zu einem Rettung-mittel für die Nation." In so wahnsinnigen llkden sucht man einen unmöglichen Trost, ein unmögliche- Selbstvertrauen. Es 'st zu befürchten, daß die Commune ihr Gehetmniß in'- Grab mttnimmt, wenn Die Hinrichtungen ohne die geringste Voruntersuchung fortdauern. Thiers ist cs »der Wahrheit und der Geschichte schuldig, durch einen gerichtlichen, von der Oeffent-
fid) von fs'mann
Lit. v
Darmstadt, 3. Juni. Nach weiter hier eingelangten Nachrichten wird sich da- Hauptquartier der Großherzoglich Hessischen (25.) Division am 3. und 4. Juni in Lüncville, am 5. und 6. in Saarburg, am 7. in Zabern, am 8. und 9. in Hochfeloen, am 10., 11. und 12. in Weißenburg, am 13. und 14. in Landau und am 15., 16. und 17. in Mannheim befinden.
Mainz, 30. Mai. Da- Fr. Journ. erzählt: „Stadtgespräch ist die gestern vom B'schof Ketteler im Dom vor den Firmlingen unv einem zahlreichen Publikum gehaltene Predigt, die, wie ich selbst bezeugen kann, in ihrem letzten Theile höchst merkwürdig war. Nachdem die Bedeutung der Handlung erklärt, der „katholische" Glaube als das wahre Licht der menschlichen Vernunft dargestellt worden , kam der Redner auf die Pflege des Seelenheils durch Gebet und Kirchenbesuch. In immer heftiger werdender Sprache wurde den Firmpathen dies zu Gemüthe geführt. Den Gipfelpunkt der Ausbruche aber bildeten die ..im ganzen Großherzogthum angelegten (Sonntag-.) Zeichenschulen" — diese „Schulen der Sabbathschändung und Anstalten der Sonntag-entheiligung" , welche die Jünglinge dem Besuch de- Gottesdienstes entzögen. Den Handwcrk-lehrlingen werde keine Zeit gegönnt, al- nur jene, wo sie am Sonntage Gott mehr als den Menschen dienen sollten. Da seien aber diese „teuflischen Zeichenschulcn", denen auch auf dem Lande die Lehrlinge stundenweit zuflrömten, dem Besuch der Kirche entlaufend. Dazu habe man diese Schulen der Gottlosigkeit gerade so und nicht ander- gemacht. So sei e- im „ganzen Grvßherzogthum". Wenn ihn der Teufel fragen würde, wie er systematisch die Entfremdung der Jünglinge vom Gottc-» dienst, die Entheiligung de- Sonntags betreiben solle, so kenne er keine bessere Einrichtung al- diese Schulen. „Ja, meine geliebten Kinder (schloß der Bischof), diese Schulen sind Anstalten des Teufels; diese Einrichtung ist teuflisch, wahrhaft diabolifch!" Den Eindruck zu beschreiben, den diese Worte machten, ist wohl überflüssig. Nur au-eigener Erfahrung wollen wir hinzusetzen, daß überall, namenb lich aber in den Landorten, im Einvernehmen mit den Pfarrern, diese Sonntags« schulen stets nach beendetem Frühgottesdienst beginnen und an höheren Feiertagen jeder Unterricht ausfällt."
Berlin, 2. Juni. Deutscher Reichstags. Um 121/4 Uhr eröffnet Präsident Vr. Simson die heutige 47. Plenarsitzung mit kurzen geschäftlichen Mittheilungen, dann tritt da- Haus sofort in die Tagesordnung ein.
t Parlamentarische Strategie. l lichkeit controlirten Thatbestand die Franzosen zur Selbsterkenntniß ihrer revolu-
Die Nationalzeitung und andere Blätter beklagen sich bitter über die barsche tionären Barbarei zu bringen, damit sie in derselben den erste» Anfang der WeiS- Behandlung, welche sie in letzter Zeit vom Fürsten Bismarck erfahren; auch wirAeit und Genesung wiedersinden.
sind durchaus nicht erbaut von dem Tone, den der Reichskanzler nichr selten dem' w '
Reichstage gegenüber anfchlägt. Indessen, wenn man gerecht sein will, so muß man bekennen, daß der Reichstag selbst daran schuld ist, wenn ihm nicht überall mit derjenigen Achtung begegnet wird, die einer solchen Körperschaft gebührt. Da-
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