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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Siefzen
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Donnerstag den 5. Octobcr
1871
Nr. 231
Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpeditton abholen lassen, erkalten denselben für das IV. Quartal 1871 zu 1 fl
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deutscher Volkswirthe in seinem redigirten Endbeschlusse einstimmig empfohlenen
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guerre“, nennt; in diesen Nebensachen, in gewissen kleinen Mitteln bloö hat die
nichts thue, um aus dieser Routine herauszukommen, und daß man sich haupt-
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Stande der Waffentechnik gewiß höchstens nur die Bedeutung einer Uebergangs- Mcßregel beanspruchen. Es sind die Bestrebungen auf diesem Gebiete jedoch nicht nur cuj den Gewinn einer in -allen Beziehungen den Ansprüchen der Zeit genügenden KriegSwaffe, sondern gleichzeitig auch auf die Herstellung einer einheitlichen Mctallpattone gerichtet. Die weit überwiegende Befürwortung scheint sich in erster
Zwanzig-Mark-Stücke thunlichst einz-ischränken oder ganz entbehrlich zu machen. Jndtssen däucht jene Sorge uns nicht sehr substantiell. Wollte man für künftige
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sächlich zu bemühen scheint, schnell das Obr gegen die Millionen von erschöpften Stimmen zu verschließen, welche uns um Rache anschreien und nur nach Lothringen und Elsaß rufen. Als Probe, wie das „Siecle" angewandte Kriegsgeschichte lehrt, mag noch folgende Stelle dienen: Wir haben ganze Bevölkerungen vor vier Ulanen zittern und eine feindliche Armee sich fast ohne Schwertstreich auf französt- jchem Boden einrichten sehen. Und doch haben wenige Völker ein für diese Ge- sechtöart so wohl angelegtes Temperament: es (das französische Volk) hat für dieselbe Muth, Verwegenheit, Intelligenz; Strapazen schrecken es nicht, und es würde sich nur darum handeln, zu so glänzenden Gaben die Instruction hinzuzu- sügen, um von einer hinreichend geübten Truppe die glänzendsten Dienste zu erlangen. Der Charakter der beutschen Truppen ist ganz anders: einer eisernen Dis- ciplin unterworsen, sind sie im Allgemeinen schwerfällig, jeder Mann marschirt unter der Hand seines Führers maschinenmäßig in der Richtung, die man ihm angibt; aber sobald er isolirt ist, verliert er den Kopf, ermangelt der Initiative und wird zur Null. — Wie sich nun aber bei dieser Nullität in der Vereinzelung die Wirkung der oben erwähnten vier Ulanen, die ganze Bevölkerungen zum Zittern brachten, erklärt, das ficht Strategen wie die des „Siecle" nicht an.
Das Gespenst des Bonapartismus hat den Franzosen so die Köpfe verdreht, daß sie selbst die Anwesenheit der so verhaßten PrussienS auf französischem Boden für den Augenblick vergessen haben. Aus den Mienen der Ncgierungsmänner ebenso wie aus den Spalten der Journale grinst einem diese Besorgniß entgegen. Wie weit dieselbe begründet ist, möge man aus einer Correspondenz des in Brüssel erscheinenden „Echo du Parlament" beurtheilen, welche in der nächsten Umgebung des Herrn Thiers ihre Quellen hat. Darnach hätte der Präsident der Republik
BefteMMgesk auf den Gießener Anzeiger bei allen Post-Expeditionen uni den Lan^Lostboten entgegen genommen.
Erscheint täglich, mit Ausnahme MontagS.
Expedition: Eanzleiberg Lit. B. Nr. 1.
Pr-iS vierteljährig 1 fl. 12 ft. mit Brwgerlohn. Durch di« Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.
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Gewehr bedingt erscheinen möchte."
Das Antwortschreiben des ErzbischosS von München auf den Erlaß des CultuSmüiisteriums bezüglich der Staatsgifährlichkeit des Unfehlbarkritedogmas ist ganz dazu angethan, fein geringen« Aufsehen zu erregen, als der letztgenannte Erlaß selbst. Der Herr Erzbischof sucht seine durch Nichtbeachtung des Placet begangene Gesetzesverletzung zu rechtfertigen und darzulegen, daß im Gegentheil in diesem Falle die Beachtung des Gesetzes eine „Pflichtvcrgessenhcit" von Seiten der Bischöfe gewesen wäre!
Das „Bremer Handelsblatt" vernimmt Näheres über die zwischen dem Reichskanzler-Amte und dem preußischen Finanz-Minister gegenwärtig vereinbarte Absicht bezüglich der deutschen Münzresorm. „Wenn der Reichskanzler", so schreibt dasselbe, „seine Sanktion nicht versagt, wird dem Bundesrathe vorgeschlagen werden : zur Goldwährung überzugehin, welche repräscntirt werten würde durch Goldstücke von 10, 62/3 und 5 Oraler nach heutigem Sprachgebrauche, ober 30, 20 und 15 Mark nach der künftigen Rechnungseinheit, denn das Zchngroschen- stück soll unter dem Namen Mark dieselbe abgeben, aber nicht wie brsher in Preußen der Groschen in 12 Pfennige getheilt, sondern wie in Sachsen und früher auch in Hannover in 10 Pfennige, also mit rein durchgesührter Zehnthei- lung." Das „Bremer Handelsblatt" bemerkt dazu: „Die Adoption der Fünf- tkhn- und Dreißig-Mark-Stücke wird als ein Zugeständniß des preußischen Finanz- Ministeriums an das Reichskanzler-Amt zu betrachten fein, das die I ee der Fünf- und Zehn-Thaler-Golbstücke nicht gänzlich fahren lassen will. Wenn wir recht unterrichtet sind, ist der Grund dieser Anhänglichkeit hauptsächlich die Ab-
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Neigung, fremde, schlecht ausgeprägte oder abgenutzte Stücke nach Deutschland hereinfließen zu sehen, was man fürchtet für den Fall, daß unsere Goldmünzen irgendwelchen fremden zu nahe ständen. Die Fünfzehn- und Dreißig-Mark-Stücke würden nach dieser Anschauung also die Aufgabe haben, den Gebrauch der
Goldguldensystem aus ollen Schwierigkeiten und zu einem wohlgeordneten, dauer» vcrsprechenden Münzwesen hilft."
Die Stadt Paris hat 350 Millionen verlangt und es sind ihr 5 Milliarden angeboten worden, folglich ist es eine ausgemachte Sache, daß Frankrcichs Credit tn Bezug auf sich selbst wie auf das Ausland auf so festem Grunde als jemals steht: so argumentirt heute die französische Presse, und der republikanische Theil derselben schließt weiter, daß der Geldmarkt der jungen Republik ein Vertrauensvotum erttzeilt habe; diese solle nun die günstige Stimmung benutzen, um Allianzen mit den Staaten zu schließen, deren Politik sich der ihrigen am meisten nähere. Wir sind in der Periode der Wahlwanifeste für die Gcneralräthe und die Politik spielt darin die Hauptrolle. Die Generalräthe sind nun freilich keine politischen Versammlungen, und wenn sie es je werden sollten, so ist die Anarchie vollständig; aber politische Pfuscherei treiben, ist dem Franzosen so zur Leidenschaft geworden, daß der wahre Zweck Der Generalräthe darüber ganz aus Den Augen verloren toirD. Genau so ist es in militärischen Dingen: Zuerst fragt man, ob diese oder jene Reform in Der Armee mehr entweder für Die Republik oder für die Monarchie nützlich werden könnte; was zur Armee an sich nothwendig gehört, ist Nebensache. Ja, wenn man den Blättern glauben wollte, so wäre cn dem Organismus ter französischen Armee eigentlich Alles gut und unverbesserlich bis auf da«, was man Die kleinen Operationen, „les pclites opärations de la
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Beziehung noch fortgesetzt Dem bayerischen Werdcr-Gewehre zuzuwenten, wogegen 'aber gegen dessen Patrone verschiedene Einwendungen erhoben werden. Als Vorzüge des Werber - Gewehres werden angeführt, daß dasselbe bei kleinem Kaliber, rasanter Flugbahn, bedeutender Tragweite und einer entsprechenden Feuergeschwin- digkeit in seinem Mechanismus nur aus 17 Theilcn besteht, während beinahe alle anderen Hinterladungsgewehre deren noch einige zwanzig ausweiscn. Eben so wird hervorgehoben, daß bei Diesem Gewehre nach abgegebenem Schüsse ein Finger- druck genügt, um das Oeffnen des Verschlusses und Das Auewcrsen der Patronenhülse zu erwirken. Endlich soll Die LaDefunction Der Waffe mit nur anderthalb Griffen bewirkt werden und diese auch hierin einen Vorzug vor allen anderen ----- , ........, -------, —............ -........ -•
Gewehren besitzen. Auffällig erscheine, daß neuerdings bei der Beurtheilung der große Nation sich zu großartig gez.igt, und so ist es geschehen, wie das „Siecle" Hinterladegewehre Der Feuergeschwindigkeit lange nicht mehr die Wichtigkeit bei- heute lehrt, daß jedesmal, wenn das Glück die sranzöstschen Heere im Stiche ließ, gelegt wird, wie vor Dem letzten Kriege, wogegen dies im entgegengesetzten Maße die best entworfenen Pläne, Die wissenschaftlichsten allgemeinen Anordnungen, selbst gegenwärtig mit dem kleinen Kaliber und Der Tragweite Dieser Feuerwaffen Der Die am muthigsien und geschicktesten ausgeführten Manöver durch das unglückselige Fall ist. Gerade in letzter Beziehung aber erweist sich das Zündnadel^ewehr so, Nichtbeachten kleiner, scheinbar vnerhebltcher Mittel gescheitert sind. Das „Siecle" weit hinter allen anderen neuen Gewehren zurückstehend und bleibt bei Dem großen^ist empön Darüber, Das man, wie unter Dem Kaiserthum, so jetzt nichts, absolut Kaliber desselben eine wirklich ausreichende Verbesserung auch so wenig abzusehen, *'"* '* w■*•••’*—-.....K R4*
daß dadurch allein schon Der Ersatz desselben durch ein anderes besser construirtes
4. Octobcr.
Die „H. V." melden: Aeußerem Vernehmen nach hat Hessen von Der französischen Kriegsentschädigung bis jetzt Die Summe von 5,293,000 fl. zugewiesen erhallen, einschließlich seines Antheils an der Pariser Kontribution im Betrage
Wir machen einem verebrlkcken Publikum hiermit bekannt, daß Inserate, welche in den Abends erscheinenden Anzeiger Aufnahme finden sollen, bis spätestens 9 Uhr Vormittags bei der Exped. abgegeben werden muffen. Inserate, die nach dieser Zeit eintreffen, müssen bis zur nächsten Nummer rurückblciben. Die Expedition des „Gicfiener Anzeigers.
ton 1,367,000 fl.
Die „N. Pr. Z." schreibt: „Wir sind Gegner jeder Art von Civilehe;
können vir aber diesem Institute nicht aus dem Wege gehen, so finden wir — Emissionen vorbauen, so können diese durch irgend eine Veränderung in dem Andere totrDen anders denken — unsererseits, daß dieselbe als Zwangs-Jnstitut, Münzwesen eines Nachbarstaates eben so leicht Münzen liefern, Die den Fünf- und als obligatorische, dem religiösen Bewußtsein weniger Eintrag thue, als die fa- Zehn-Thaler-Stücken nahe kommen, wie solche, Die dem Zebn-Gulden-Stück sich cultative. Die obligatorische Civilehe, indem sie allen Eheschließungen von Staots-Iannähern oder gleichen. Im Uebrigen aber kann das Nebeneinanderbestehen so wegen eine bestimmte Form vorschreibt, ließe doch deßhalb das religiöse Gewissen naher Größen, wie 15 u^D 20 Mark, doch nicht besonders erwünscht erscheinen, mehr unberührt; es würde dadurch ein bürgerlicher Act dem kirchlichen Acte hin->Wir glauben daher nach wie vor, daß man sich am besten mit Dem vom Congreß zugefügt, und Die Vollziehung des letzteren würde Denen, welche ein religiösesr-1— —rr -vc c^« «. -• -rt- - "
Bewußtsein noch bewahrt haben, als selbstverständlich erscheinen."
Der „Magd. Ztg." wird von ihrem militärischen Eorresp. geschrieben: „In ter Frage Der Neubewoffnung der Armee darf nach Den Darüber verlautbaren Mittheilungen wohl jetzt Der Verzicht auf Den Versuch, das Dreyse'sche ZünDnadel- gewkhr durch eine Aptirung desselben zu behaupten, als entschieden angesehen werden. Auch Die Einführung Der neuen Metallpatrone kann bei dem heutigen
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