ruhen in Nizza und endlich die Neutralitäts-Petition aus Savoyen an een Grafen Bismarck. Arago soll Die Mission gehabt haben, die italienische Regierung zu sonDiren, ob sie gegen die Rückgabe von Nizza und nötigenfalls auch von Savoyen geneigt sei, zu Gunsten Frankreichs mit einer Armee von 150,000 Mann zu interveniren, in welchem Falle Frankreich deren Unterhaltung übernähme. Der Vorschlag ist von Italien natürlich nicht angenommen worden. Frankreich konnte sich in dieser Beziehung keinen Illusionen hingeben; aber der Ertrinkende greift im Todeskrampfe selbst nach einem Strohhalme, um sich zu retten.
Die russische Deutschland abgeneigte Presse („Moskauer", „Petersburger Börsen-Zektung" u. s. w.) schlägt jetzt einen neuen Weg ein. Die R-gierung beim Beginne des deutsch-französischen Krieges zum Einschreiten gegen Deutschland zu bestimmen, mißlang ihr. Itzt gilt's Dem Publikum Die Überzeugung bcizubringen, daß Deutschland feindliche Absichten gegen Rußland hege. Dazu dient der „Börsenzeitung" das von ihr erfundene Gerücht von einem zwischen Oesterreich und Preußen gegen Rußland geschlossenen Bündnisse, das sie auf folgende Weise motivin: Deutschland hat von seinem Bündnisse mit Rußland alle möglichen Vortheile genossen, es bedarf jetzt desselben nicht mehr, es hat Pflichten, gegen Die Russificlrung der Ostseeprovinzen einzuschreiten, der Kräftigung des PanslavismuS cntgegenzuarbetten, Deßhalb muß es Oesterreich, dessen zukünftige Aufgabe ist, die schon unter seiner Herrschaft befindlichen und noch unter dieselbe kommenden slavischen Elemente zu germanisiren, auf's energischste unterstützen und dazu beitragen, Damit es im Osten den ersten Platz einnehme als Entschädigung für die durch den prager Frieden in Deutschland verlorene Stellung und vergessen, daß der deutsche Kaiser die als König von Preußen in demselben übernommenen Verpflichtungen nicht erfüllen könne. Bei diesem gegen Rußland gerichteten Vorgehen sei man Der Zustimmung Englands von vorn herein sicher. Frankreich, durch den Krieg um seinen Einfluß als Großmacht gebracht, zähle nicht mit und als Bundesgenosse gegen Rußland biete sich von selbst Polen, be sonders wenn man ihm Versprechungen mache, auf deren Verwirklichung es ja nicht ankomme. Dieses Programm werde täglich in den Zeitungen Oesterreichs und Deutschlands behandelt und von den Lehrstühlen der deutschen Professoren verkündet." Fürwahr die „Börsenzeitung" nimmt es nicht streng weder mit der Logik noch mit der Wahrheit. Weil Preußen es für gut befunden, sich Oesterreich zu nähern und mit ihm freundliche Beziehungen zu unterhalten, deshalb muß schon em Bünoniß gegen Rußland die Folge sein! Von dem angeblichen Programm Der „Börsenzeitung" wissen deutsche Zeitungen unD Professoren nichts.
Telegraphische Depeschen.
A Berlin, 2. März. Die neue Verzögerung der Zusammenberufung des Reichstages dangt mit Der beabsichtigten Musterung Der deutschen Armeen im Norden und Osten Frankreichs durch den Kaiser zusammen.
A Versailles, 2. März. Die „Times" meldet, daß in Folge der Unterzeichnung der FrreDcnspräliminarien die Deutschen morgen Paris räumen. Die Armee des Prinzen Friedrich Karl zieht sich bereits hinter die Seine zurück. Der Kaiser und der Kronprinz verlassen in einigen Tagen Versailles und begeben sich vorerst nach FerriereS.
A Paris, 2. März. Favre verlangte die Räumung von Paris. Bismarck erwlederte ihm: Thiers müsse zuerst die von ihm und den Comaiissions- mitgliedern unterzeichneten Dokumente bringen und die Ratification des Kaisers Wilhelm empfangen.
+ Paris, 2. März, früh. Das Journal osficiell gibt einen Bericht über die gestern stangehabte Sitzung Der Nationalversammlung. Der Minister des Aeußeren, Jules Favre, hat sich heute früh nach Versailles begeben. Morgen soll, in Gemäßheit Der Convention, Die HauptstaDt von Den Deutschen geräumt roerDen. Das amtliche Blatt theilt noch Folgendes mit: „Die Deutschen haben gestern die ihnen angewiesenen Stadtviertel besetzt. Die Offiziere und ein Theil der Soldaten bezogen Onaniere im Palais De L'Jnoustrie, dem Circus und dem Panorama; der Rest murre in PnvatgebäuDen untergebracht. Der Zutritt zu Den besetzten
Stadtvien in war nicht untersagt worden, doch machten nur wenige Personen von der Frecheit der Circulation Gebrauch. Die Börse und sämmtliche Magazine sind geschlossen; die Journale sind nicht erschienen." Privatnachrichlen bestätigen, daß die Ruhe nicht gestört worden ist.
+ Paris, 2. März. Das Hauptquartier der Deutschen ist in den Champs- Elys.eS in der Villa Der „Königin-Mutter" von Spanien. Der Revue in Long- champs haben beträchtliche Menschenmengen beigewohnt. Als offinelle Antwort auf Du Vorwürfe d.r Blätter, Die Regierung habe Die letzten Unruhen und Die Ermordung des Polizeiagenten nicht verhindert, erklärt das Amtsblatt, es feien Maßregeln getroffen worden, um Der Wiederkehr ähnlicher Verbrechen zu begegnen, und man werde Die SchulDtragenden bestrafen.
4- Bordeaux, 2. März. In einem Schreiben an Grrvy, vom 1. März Datirt, macht Cremieux Den Vorschlag, Frankreich möge Durch Subscription Die 5 Milliarden unverzüglich aufbringen, um der Deutschen los zu werden. Jeder solle Den Stand seines Vermögens in Erwägung ziehen und demgemäß Dein Vater- lanDe einen Vorschuß leisten, Der 'n der Folge Der Jahre wieDer zurückgezahlt wirD. Cremieux selbst erbietet sich 100,000 Fr. zu zahlen.
. A Bordeaux, 2. März. Heule sand Die BeerDigung Des Maire Küß von Straßburg statt, unD zwar unter ergreisenDen Demonstrationen. Trotz Der Einfachheit Des unter evangelischem RüuS vollzogenen Begräbnisses nahmen daran mehr als 5000 Menschen Theil, die ganze Assemblee, Die ältesten Leute, Frauen it: Alle weinten. Die Haltung Der Bevölkerung war exemplarisch, es fand nicht Die geringste Unordnung statt.
4- Brüssel, 2. März. Dem Vernehmen nach dürften die Sitzungen der FriedenScomwission in nächster Woche hier beginnen.
+ Brüssel, 2. März. Laut Echo Du Parlament würden Die mit Der Abfassung des Diplomatischen Friedensvertrages beauftragten Bevollmächtigten hier im StaDthause ihre Sitzungen halten. Demselben Blatte zufolge wird die belgische Armee jetzt wieder auf den Friebenöfuß gestellt, alle einberufenen Milizen werden nach Haufe entlassen.
A Brüssel, 2. März. Das Echo Du Parlament sagt: „In der schweren Krisis, in welcher sich eben eine große Nation befindet, ist es wirklich bedauerns- Werth, daß es in Belgien Journale gibt, die, stall Den Frieden unD die Versöhnung zu befürworten, Haß und Rache predigen.
4- Lllle, 2. März. Das 23. französische CorpS ist entlassen.
A Bern, 3. Marz. Der BundeSralh hat eine weitere Brigade Der Grenz
besatzung entlassen unD die Picketstellung des Bundesauszuges aufgehoben. Mit nächstem Mittwoch soll der Rücktransport Der internirten Franzosen beginnen.
4- London, 2. März. Reuter'S Bureau erfahrt: Die Kriegskostenzahlung erfolgt in drei Raten: eine Milliarde vor Ende 1871 * zwei Milliarden vor Ende 1872; Die letzten zwei MilliarDen vor Ende 1873. Die Zinsen für die fünf Milliarden sind bei Der letzten Einzahlung, vom Tage Der Ratification an gerechnet, zahlbar. Von Der letzten Rate werden abgezogen: der Theil der französischen Staatsschuld, welcher auf Elsaß und Den abgetretenen Theil von Lothringen fällt, diese Summe auf circa eine halbe Milliarde geschätzt; ferner Der Werth Der Ost- bahn. Bei Den FrieDensverhandlungen ist es zwischen Thiers und Bismarck be* züglich des Handelsvertrages zu keinerlei Discusston gekommen; alle gegenteiligen Gerüchte sind falsch. *
A Athen, 1. März. Die griechische Regierung Hal Die französische Regierung anerkannt.
,4. Local-Notizen.
S. Gießen, 4. März. Friede! Dieses Wort hallte gestern Abend talisevdstimmig wieder in jeder Brust. Gin schwer drückender Alp wurde von Jedem mit diesem Worte genommen. Und um auch zu zeigen, wie langersehnt, wie frohbegrüßt dieses göttliche Wort sei. kleidete sich unsere Stadt in ein Festgewand, wie eS noch nie in einem solchen gestanden hat. Gin Fackelzug in einer solchen riesigen Große, daß das Eiche nicht abznsehen war. Und erst diese prächtige Illumination. Hunderte von Lämpchen und Ballons, selbst in den kleinsten Straßen. Man sah es überall, wie das freudig erregte Gemütp seinen Gefühlen Ausdruck gab. Den schönsten Eindruck machten wohl einige Häuser aus dem .Kreuz, Selterswea und Hensel's Haus in der Wallthorstraße. Wik Viele Kreuzer wird der Benin zur Unterstützung der Hinterbliebenen unserer Soldaten, Herr Buchhändler Ricker, heute eincassiren können. Säume doch keiner und trage er sich mit dem Gedanken: Glücklich und zufrieden bist du jetzt; wie wäre es wohl, wenn deine Brüder nicht für dich geblutet hätten? Denke Jeder an die Armen, die still in ihrem Kämmerchen saßen und weinten, während draußen cs jubelte und tobte. Ihnen fehlte der Ernährer, der sie vor bitterer Noth schützte und der für unS, für das Vaterland sein Herzblut gab. Den Schluß dieser so fihr würdigen Friedensfeier bildete das Banket im Leib'schen Saale. Herr Professor Oncken namentlich gab den Gefühlen unser Aller so recht Ausdruck in einer beredten und kräftigen Ansprache und brachte ein Hoch auf unser unvergleichliches Heer aus, das mit unendlichem Jubel ausgesührt wurde. Froh Morgens trennte sich erst die heitere und frohe Gesellschaft.
Auszug aus dcu Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
a. Evangelische Gemeinde.
Getauft e-
Den 26. Februar. Dem Ortsbürger in Storndorf und Schneider dahier, Heinrich Roth, eine Tochter, Auguste Katharine, geboren den 30. Januar.
Denselben. Dem Ortsbürger in Buchenau und Bergwerksarbeiter in Cöln, Sebastian Dorsch, eine Tochter, Margarethe, geboren den 29. Januar.
Denselben. Dem Ortsbürger in Beuern und Arbeiter an der Main-Weser- Bahn dahier, Balthasar Weber, ein Sohn, Ludwig Martin, geboren den 13. Februar.
Denselben. Ein unehelicher Sohn von hier, Karl Konrad, geboren den 7. Februar. <
Denselben. Dem Ortsbürger in Blofeld und Schlosser an der Main-Weser- Bahn dahier, Georg Böck, ein Sohn, Friedrich Karl August, geboren den 20. Januar.
Denselben. Dem Ortsbürger in Frohnhausen und Arbeiter dahier, Jakob Leinbach, ein Sohn, Johann Georg, geboren den 9. Februar.
Denselben. Dem Ortsbürger in Treis a. d. Lda. und Taglöhner dahier, Heinrich Formhals, ein Sohn, Georg Martin, geboren den 3- Februar.
Denselben. Dem Schlosser an der Cöln-Gietzener Bahn dahier aus Abts- Bessingen in Schwarzburg-Sondershausen, Richard Pröschold, eine Tochter, Wilhelmine Auguste Henriette Marie, geboren den 22. Januar.
Denselben. Dem Bürger und Kaufmann Friedrich Bieler, eine Tochter, Marie Wilhelmine Susanne Adolfine, geboren den 24. Januar.
Den 27. Februar. Dem Bürger in San Franzisko in Ealifornien und Rentner dahier, Wilhelm Wenzel, eine Tochter, Karoline Alice Georgine, geboren den 5. October.
Den 2. März. Dem Bürger und Gastwirth, Ludwig Möser, eine Tochter, Luise Marie Johanna Karoline Henriette Georgine, geboren den 13. Januar.
B c e r d i g t c.
Den 27. Februar. Georg Alt, Musketier im II. Großh. Infanterie-Ersatz» Bataillon dahier aus Effolderbach, alt 23 I. 7 M 5 T-, gestorben den 25. Februar.
Denselben. Wilhelm Johann Ludwig Christian Unverzagt, des Bürgers in Biedenkopf und Fabrikarbeiters dahier, Heinrich Ludwig Unverzagt, ehelicher Sohn, alt 8 M- 8 T., gestorben den 25. Februar.
Den 2. März. Wilhelm August Eduard Karl Wehn, des Bürgers und Kaufmanns, Ferdinand August Wehn, ehelicher Sohn, alt 9 M. 13 T-, gestorben den 28. Februar.
Den 3. März. Johann Heinrich Schäfer, Bürger und Fuhrmann dahier, alt 63 I. 6 M. 1 T-, gestorben den 1. März.
Denselben. Philipp Christian Pfaff, Bürger und Schuhmachermeister dahier, alt 70 I. 3 M. 15 T., gestorben den 1. März.
b. Katholische Gemeinde.
Nichts angemeldet.
Börsennachrichte».
3. März 1871.
Actien.
Oest. Creditact. 2425/g 5u/o östr. F. St. E. B. 365 Lombard. Bahn 1711/4 Ludwigsh.-Bexbach 166 Maxbahn 1091/2 Bayer. Ostbahn 1243/4 Hess. Ludwigsb.-Act. 142 Alsenzbahn-Actien 851/4 Oberhessen n 681/2
Prioritäten.
3O/o öster. Stsb.-Prior. 551/2 3°/0 ösj. s. Lombard 73 3% Livorneser 31% 50/o Toscaner 50
5°/o Elisabeth.-Prior. 77 do. II. Emiss. 76
Anleliensloose.
Kurh. 40 Thlr. Loose 645/8 Nassau 25 fl. 381/2
4O/o bayr. Präm.-Anl. 1073/4 Ansbacher 7 fl. 12
40/g badische Loose 108 Badische fl. 35 Loose 61 Oestr. fl. 250 v. 1854 701/2 1858r Prioritätsloose 156V2 1860r Loose 771/2 1864r n 1171/s Braunschweiger 165/d Stadt Madrid 217/8
Wechsel.
Amsterdam k. S. 1001/4
Augsburg k. S. 997/s
Berlin k. 8. 105
Bremen k. 8. 97
Cöln k. 8. 1047/a
Hamburg k. 8. 88’/4
Leipzig k. 8. 105
London k. 8. 119 V2
Lyon k. 8. —
Paris k. 8. 94i/a
Wien k. 8. 951/j
ditto m. S. —
ditto 1. 8. —
Disconto 31 2% G.
Geldsorten.
Pr. Cassen-Sch. 1 447/8*45,/6
Sachs. „ —
Liv. Cassen-A. —
Pr. Friedrdor 9 58—59 Pistolen . . 9 43—45 „ doppelte 9 48—50
Holl. fl. 10 St. 9 54—56 Ducaten . . 5 35—37 20 Frankenst. 9 251 2—26Vz Engi. Sover. 11 55—59 Russ. Imper. 9 43—48 Dollar in Gold 2 27—28
Preuss. 41/2°o Oblig. 94l/4
Frankf. °/o Obi. 803/4
Nass. 41/2 ",g Obi. 94l/g
Karhess. 4% „ 82,/2
Gr. Hess. 5% Obi. 101 y6
n n 4% n 931/4
„ n 31/20/o „ -
Bayer. 5°/0 n —
n 41/2% 1jährige 94^ r 40 0 1jährige 89
Würtemb. IV2°/o Obi. 93 ’/2 Baden 4i/2% Obi. c. E. L. 933/6 Oesterr. Silberrente 5ä’/8 n Papierrente 48a/b n 50 0 M. steuerf. —
Amerik. Bonds 1881 r 101
n , 18b2r 967 6
w n 1885r 96-/&
n n 1887r 96 V2
Spanier, neuest. 3% 30!/g
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Frankf. Vereins-Kas^e iO4:i/4
Darmst. Bankact. 326
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