gemacht, um den Krieg nicht von Neuem ausbrechen zu lassen, sondern den Waffenstillstand zur Sicherung eines wirklichen Friedens zu benutzen. Dies vor Allem ist der Standpunkt, welcher bei der Beurtheilung der Capitulation festzuhaltcn ist; ie mehr dies geschieht, desto mehr werden die einzelnen Bestimmungen der Con- vention in ihrer nicht bloß militärischen, sondern wesentlich pol.t'schen Bedeutung erkannt und gewürdigt werden. Das innigste Zusammenwirken der politischen und militärischen Gesichtspunkte in unserer Kriegöleitung, auf welchem der einheitliche und sichere Gang unserer gesummten Kriegspolitik vom ersten Augenblicke an beruht hat, ist auch in dem neuesten wichtigen Schritte zur entscheidenden Geltung gelangt und wird, wie eS scheint, dazu führen, die Frucht unserer Siege rascher zur vollen Reise zu bringen, als man noch vor Kurzem hoffen konnte." Möge diese Erwartung sich bewahrheiten.
Die Times zweifelt nicht mehr daran, daß Frieden gemacht werben wird. „Ob es wahr ist oder nicht", sagt die T'-mes, „daß die Pariser Regierung die Machtvollkommenheit wieder zurückgenommen hat, welche dem Triumvirate zu Bordeaux gegeben und praktisch von Herrn Gambetta allein auögeübt wurde, so muß doch ml! der Herstellung der Communication die Delegation von Bordeaux ihre Bedeutung verloren haben, es sei Denn, daß sie sich gegen ihre CoU'gcn erklären wolle. Dafür scheint aber Line Aussicht, denn wenn Herr Gambetta überhaupt etwas zu sagen beabsichtigt hätte, so hätte er schon gesprochen, und wenn er schweigt, so werden seine zwei Eollegen keine Stimme erheben. Herr Favre und seine Eollegen wissen sehr wohl, daß der Friede nur auf die deutschen Bedingungen zu haben ist, und daß diese Bedingungen strenge sind. Sie sind, wie die übrige Welt, benachrichtigt worden, worin dieselben wesentlich bestehen; Die Principien, welche angenommen werben müssen, sind klar und im Einzelnen beziehen sich die Fragen nur auf so viel mehr ober weniger Gebiet, auf solche ober solche Festung, aus so und so viele Millionen Franken. Deßhalb übernehmen sie, wenn sie eine Versammlung berufen, moralisch die Verpflichtung, Den Frieden auf solche Bedingungen zu empfehlen, wie sie Den Sieger befriedigen. Andernfalls ist das ganze Projekt eitel und das Land wird noch einmal durch die von seinen Führern erfundenen falschen Hoffnungen getauscht. Eine Regierung darf ihre Meinung auösprechen, ohne sie den Wählern ungerechter Weise aufzuorängen. In der gegenwärtigen Lage von Frankreich ist die Anerkennung der Noihwendigkeit des Friedens beinahe unerläßlich, um Die Aufregung zu stillen, Die in Den noch unbesetzten Provinzen vorherrscht."
Die Delegation in Bordeaux hat am 25. Januar noch cin Decret erlassen, das nicht verfehlen konnte, die Bauern stutzig zu machen. Am 28. Oclober ib70 war durch Decret befohlen worden, daß in allen Dem Kriegsschauplätze nahe liegenden Departements das Vieh fortgeschafft werben solle, „um eine Wüste um den Feind zu schaffen". Die Bauern hatten sich gesagt, baß, wenn sie ihr Vieh einmal hergegeben, es vor Den französischen Befehlshabern so wenig als vor ben preußischen sicher sei, und das Decret als einen tobten Bachltaden behandelt Jetzt ordnete Die Delegation am ?5. Januar an, das Dcret vom Oktober solle streng gehabt, zu dem Zwecke eine Commission ad hoc eingesetzt werben, welche bei Den Präfekten unD Maires daraus zu sehen haben, daß em Inventar über alles Vieh, Brodfrüchte und Viebfuttcr gemacht und hierauf alles Betreff-nde in den Hauptort Der Gemeinde in Magazine gebracht, dort von einer Eommission abgeschätzt und wenigstens 60 Kilometer von den durch den Feind besetzten Gebiete gebracht werben solle; hierauf sei Die Intendantur des nächsten französischen Armeecorps sofort von dcr Anzahl Des Viehes unD Der Quantitäten des in Den allgemeinen Magazinen vorhandenen Getreides zu unterrichten. Gambetta wollte durch diesen Federstrich den ganzen Gürtel, in welchem französische Heere operinen, zur Verfügung der Militärchess stellen. Es liegt auf Der Hand, daß die Bauern, so bedroht, froh sind, daß Gambetta'S Macht ein Loch bekommen hat und sie jetzt ihr Vieh, ihre Lebensmittel und ihr Viehfulter bchalten.
Die Commission, welche in Berlin zusammcngetrcten ist, um Vorschläge für das aus Kaiser und Reich bezügliche Ceremoniell auszuarbeiten, bat, toi_e Die „Bank- unD Handelszeitung" hört, sich zu dem Antrag geeinigt, die deutsche Fahne vierfarbig zu machen und dabei folgende Ordnung sestzuhalten: Schwarz, Silber, Roth, Gold. Es hängt nur von der Zustimmung Des Kaisers ab, ob diese Farben als RnchSfarben erklärt werben.
Die Wahlen zur Constituante werden, wie man hört, gemäß Gesetz vom 15. März 1849, also nach Den Departements, stattfinDen.
Die luxemburger Regierung hat das Verbot Der Aus- unD Durchfuhr von Kriegswaffen auch auf die Einfuhr derselben ausgedehnt.
Bezüglich Der PontuS-Conferenz sagt Der „Obseroer": „ES ist jetzt keine Aussicht vorhanden, daß Jules Favre bei Dem nächsten Conferenz-Meeting zugegen sei, unD bisher ist noch kein anDerer Vertreter Frankreichs accrednirt worben. Vermuthlich wirb eine abermalige Vertagung stattfinben, da Die Capitulation von Paris und Die Aussichten auf Friebensverhanblungen eine hinreichende Entschuldigung Dafür sind, daß die französische Regierung keinen Vertreter accreoitirt."
In Der Entschädigungsfrage Der aus Frankreich verwiesenen Deutschen hat, der „Voss. Ztg." zufolge, das Bundeskanzleramt an die betreffenden Petenten von Düsseldorf und Umgegend einen Bescheid erlassen, in welchem es heißt: Was die angemeldeten EntschävigungSsorberungen betrifft, so läßt sich zwar noch nicht übersehen, in wie weit Ansprüche dieser Art bei Dem Friedensschluß Berücksichtigung siuDen können. Den Bittstellenden bleibt jedoch überlassen, ihre Liquidationen Durch Vermittlung Der Regierung zu Düsseldorf Dem auswärtigen Amte za überreichen.
KriegSnachrichten.
Am Nachmittag Des 29. Januar telegraphirt der Berichterstatter Des Daily Telegraph Folgendes: Die Besetzung der Forts durch die deutschen Truppen begann heute Morgen. Mont Valerien wurde am verwichenen Abend von den preußischen Pionieren occupirt, um Die Minen auszuräumen. Die schweren Geschütze werden sofort in Die Forts transportirt, Da Die Enceinte stark armirt ist unD Die Sieger kein sonderliches Vertrauen in Die wetterwendische Bevölkerung Der Hauptstadt setzen, bis Die allgemeine Entwaffnung bewerkstelligt ist. Eine starke Streitmacht an Infanterie unD Artillerie ist vorgeschoben worden, um Die nölhigen OperationSurbeiten zu Decken. Heute Morgen schon wurDe von der französischen Feldartillerie, welche außerhalb der Enceinte und zwischen Den Forts placirt war, Besitz ergriffen. Alle Forts des äußeren Kreises wurden um 11 Uhr heute Morgen von Den Franzosen geräumt und von Den Preußen besetzt. Die Franzosen liefern ihre Waffen, Fahnen unD ihre FelDartillerie ab. Alle diese Trophäen sollen innerhalb 14 Tagen in Sevran angesammelt werden. Die französischen Truppen Dürfen unbewaffnet nach Paris zurückkehren. Die Geschütze in sämmt-
lichen Fort- werden ebenfalls Den Preußen auSgellefert. Dagegen werden die Kanonen Der Enceinte einfach Demontirt, und nur Die Lafetten gehen in Den Besitz des Siegers über, während die Geschützrohre Dem Besiegten verbleiben. Zwischen der Enceinte und den Forts wird eine Demarcationslinie gezogen. Die französische Position wird nur bis an die Enceinte reichen, während Die Linien Der Deutschen 500 Schritte außerhalb Der Enceinte sich hinziehen, wobei an einzelnen Puncten allerdings gewisse Abweichungen n'öthig werden. Das Fort von Vincennes bleibt in Den Händen der Franzosen. Paris ist im militärischen Sinne noch immer ein- geschloffen, doch werden drei Eisenbahnlinien wieder hergestellt, um hinreichende Lebensmittel für Den täglichen Verbrauch Der Einwohnerschaft zuzufuhren.
Der Municipalrath von Lyon, Dessen Feigheit und Kopflosigkeit am meisten an den Schandscenen schuld ist, welche zu der Hinrichtung des Commandanten Arnaud führten, hat jetzt sein Gewissen durch Votirung von 800 Frcs. Rente für die Wittwe, 800 Frcs. Rente für die Tochter und je 800 FrcS. für die zwei Söhne des Opfers beruhigt. Die ersten beiden Summen gelten auf Lebenszeit, die letzteren bis zur erlangten Majorennität.
Aus Bordeaux ist folgenDe Depesche einzetroffen: „Eine Verordnung der Präfectur stellt bis auf Weiteres alle theatralischen Vorstellungen ein. Die Theater bleiben jedoch offen für Die öffentlichen Versammlungen. Die Beschlüsse Der Pariser Regierung wurden gestern Abend (30.) angeschlagen. In vielen Städten erregten sie schmerzliche Erregung und große Bestürzung. In mehreren Städten wurden Demonstrationen im Sinne des Widerstandes ä outrauce gemacht. In Lisieux riß das Volk Den Anschlagzettel herunter. In Lvon soll Die Municipalbehörde entschlossen sein, den Widerstand zu unterstützen. Sie schickte eine Deputation, bestehend aus dem Maire Henon, Barodel und Vallsier, nach Bordeaux. Die sonstigen Nachrichten aus Lyon unD Umgkgend sind ohne alles Interesse. Nur thun die dortigen neuen Präfecten dar, daß sie noch stupider sind, als Die des Kaiserreichs. Besonders zeichnet sich der Präfect von Lyon aus, der das „Journal De Geneve" saisirt hat, weil es Die bonapartistischen Jntriguen aufdeckte. In Mont- beliard herrscht großes Elend. Der General Tresckow hat deßhalb Unterstützung aus Deutschland veilangt."
Bordeaux, 2. Febr. General Mazare telegraphirt aus Bourges vom l. Februar: Ich kann Ihre Depesche nicht glauben; wenn Loire und Cher preisgegeben wird, so steht Der Feind vor den Thoren von Bourges; ich glaubte, daß das Land bis La Ferte, höchstens bis La Motte überlassen werden sollte, im Departement der Loire nur bis Jargeau. Soll ich andere Befehle abmarten, um Die Truppen zurückzuziehen, und bis auf welche Distanz? Genera! Loysel tele- graphirt: Havre, 1. Febr. Ich verlange Aufklärung, kann an die Demarcationslinie nicht glauben, da sonst die Preußen Die Hafenplätze erhielten, wohin unsere Kreuzer sich gewöhnlich begeben; Die Bedingung bezüglich Paris ist exorbitant; ich werde nicht zurückweichen, wenn ich nicht formellen Befehl dazu erhalte.
Loudon, 3. Febr. Eingetroffenen Meldungen zufolge soll Graf Bismarck die Ernstellung Der Feindseligkeiten in Den Drei südöstlichen Departements und Die Herstellung Der Demarcationslinie bis zur Schweizergrenze von Der Uebergabe Belforts unter freiem Abzüge Der Besatzung abhängig gemacht haben.
Telegraphische Depeschen.
+ Aus Versailles wird vom 2. Februar gemeldet: Um die Zufuhr von Lebensmitteln für Paris zu erleichtern, wurden die Commandirenden sofort nach Abschluß des Waffenstillstandes angewiesen, Die Wiederherstellung Der Eisenbahnlinien möglichst zu sörDern, es fehlt indeß überall an Betriebsmaterial. Die Deutschen Armeen versehen Die HauptstaDt a\ü Den nothwenDigsten Lebensrnitteln. Die Beförderung von offenen Briesen nach Paris ist zugestanden worden, auch wurde eine telegraphische Verbindung zur Uebermittlung amtlicher Depeschen eingerichtet.
△ Bordeaux, 31. Jan. Im ganzen Westen Frankreichs wird stark und mit großer Aussicht auf Erfolg für die Wahl von Prinzen Der Familien Orleans und Bourbon zu Der Constituante agitirt. — Der „Moniteur" vom 27. D. brachte folgendes Communique: Mehrere Handelskammern petitioniren um Die Kündigung des englischen Handelsvertrags. Die Regierung kann jedoch dermalen die Wichtigkeit Der Frage nicht prüfen.
4- Bordeaux, 1 Febr. Jules Simon und Lavertujon sind eingetroffen.
4- Bordeaux, 2. Febr. Laut Mitthkilung der Regierung ist Dijon von den Preußen vejetzt worden. — In Marseille herrscht, eingegangenen Berichten zufolge, Bestürzung; doch ist Die Stadt ruhig. Die Proclamationen der Präfektur uno Der Municipalität brachten eine gute Wirkung hervor. Die Journale empfehlen einstimmig, Die Ordnung zu bewahren unD Demonstrationen zu unterlassen.
△ Bordeaux, 2. Febr. Nachts. Aus Verlangen Jules Simon's werden noch 2 Regierungsmitglieder (wahrscheinlich Ferry und Picard) von Paris nach Bordeaux gehen, wo die wachsende Erregung Der Gemüttzer Das Schlimmste befürchten läßt.
/X Bordeaux, 3. Febr. Die von Gambetta inspirirtcn Journale folgern aus einem Artikel Der Berliner Provinzialcorresponvenz, wonach Die Bundesarmee an Der Pariser Regierung Dermalen einen Alliinen habe, Daß Die Franzosen außerhalb Paris Den unter Dem sichtlichen Einflüsse Preußens erfolgenDen Pariser Dekreten Folge zu leisten nicht berechtigt seien.
Das Hauptquartier Des Prinzen Friedrich Karl ist »ach Tours verlegt.
△ Brüssel, 2. Fkbr. Der „NorD" schreibt: „Ob nun Gambetta von Dem politischen Schauplatz abtreten wird oder nicht, so Darf Doch mit Recht behauptet werDen, daß Die Dictatur zu Ende ist. Wir wollen nicht Dem Gericht Der Geschichte voraneilen. Wir glauben nicht Das Recht zu haben, Die Absichten Gambetta'S, welche ohne Zweifel im Grunde patriotisch waren, zu verdächtigen. Aber es ist uns erlaubt, diese kurze Gewalt mittelst ihrer hervorragendsten Eigenschaft zu characteristren. Lanfrey hat sie zu hart als Die „Dictatur Der Unfähigkeit" bezeichnet. Wir werden nicht so streng sein. Man hat gesagt, das Cabinet Ollivier sei das Ministerium Der Illusionen, wir sagen von der Regierung Gambetta'S, daß sie die Diktatur der Illusionen gewesen ist. Illusionen in Allem unD Ueberall, Illusionen über Die Fähigkeiten Derjenigen, welchen er eine schwierige Aufgabe anvertraute, Illusionen über Die Disponiblen Hilfsquellen und über Die erhaltenen Resultate, Illusionen endlich über Den Einfluß, welche Die Erneuerung Der Reden und Acte von 1793 in Betreff Der Macht und Der Strategie Deutschlands haben könnten. Nach Diesem allgemeinen Ueberblick ist Die Gewalt Gambetta'S D e Fortsetzung Des Regiments gewesen, zu Dessen Sturz er beigetragen hat und Dessen autoritäre Jrrthümer er Durch seine innere Administration nachgeahmt


