Preis vierteljährig 1 ft. 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 fr.
Gichtner Anzeiger.
Erscheint täglich, mit Ausnahme Montags.
Expedition: Lanzletberg Lit. B. -Mr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Kielen.
Nr. iL Donnerstag den 5. Januar ' 18TL
Kriegs nachrichten.
Die Großherzoglich hessische Pioniereompagnie hat, wie man dem „M. Abdbl." mittheilt, bei Herstellung der durch die Franzosen gesprengten Brücke über die Votre bei Blois sich die Zufriedenheit des Cvmmandirendcn des 9. Armeekorps, General v. Manstein, in hohem Grade erworben. Sie erhielt 1OOO Thaler al- sprechende oder klingende Anerkennung. Wcnn dieses natürlich auch kein Ersatz ist für die furchtbaren Anstrengungen, Entbehrungen und Gefahren, welchen unsere braven Soldaten au-gesetzt sind, so ist solche Anerkennung doch immer eine Aufmunterung und wird die Angehörigen der Soldaten freuen.
Versailles, 1. Januar. Der König hielt beim Neujahrs-Empfang im Schloß zu Bersailles heute liy3 Uhr folgende Anrede: Große Ereignisse haben geschehen müssen, um uns an diesem Orte und an diesem Tage zu vereinigen, und Ihrem Heldenmuth, Ihrer Ausdauer, so wie der Tapferkeit der von Ihnen geführten Truppen habe Ich eS zu verdanken, daß es bis zu diesem Erfolge ge- kommen ist. Aber noch sind wir nicht am Ziele, noch liegen große Aufgaben vor uns, ehe wir zu einem ehrenvollen und dauerhaften Frieden gelangen können. Ein solcher Friede ist uns gewiß, wenn Sie gleiche Tbaten, wie sie uns bis zu diesem Punkt geführt haben, auch weiter vollbringen. So können wir getrost in die Zukunft schauen und erwarten, was Gott nach seinem gnädigen Willen über uns entscheidet.
4. Januar.
ES ist mehrfach angenommen worden, daß Nichtpreußen, welche im preußischen Staate Grundbesitz haben, sich in Preußen aber noch nicht ein Jahr auf- halten, nur dann zu persönlichen StaatSstcuern herangezogen werden, wenn ihr Jahreseinkommen mehr als 1000 Thaler beträgt, und es sind solche Personen deshalb häufig zur Classensteuer gar nicht veranlagt worden. Dies ist jedoch in dem Falle für unrichtig erachtet worden, daß dieselben ihren Grundbesitz selbst be- wirthschaften, beziehungsweise für sich bewirthschasten lassen und sich zu dem Ende im Lande aufhalten. Es ist dann anzunehmen, daß ein Aufenthalt des Erwerbes wegen vorliegt und die gesetzliche Besteuerung begründet ist.
Den bei den KriegSgefangenen-Compagnien als dienstlhuende Feldwebel eommantirten Unteroffizieren, welchen nach §. 23 des ScrvisreglementS nur der Servis eine- Portepeefähnnchs zusteht, sind durch Ministerialrescript die Quartier- competenzen eines Feldwebels mit Rücksicht darauf bewilligt worden, daß die ge- dachten Compagnien in der Stärke von 500 Mann formirt sind, deren umfangreicher Schriftwechsel nicht ohne Heranziehung von Hilfsschrkibern bestritten werden kann.
Die Pariser Blätter sprechen sich laut einem Telegramme aus Paris vom 27. December gegen jede Betheiligung an der Londoner Eonfercnz au«; Frank- reich habe nur ein Ziel zu verfolgen, die Fremden aus dem Lande hinaus zu treiben. Diese Polemik ist offenbar darauf berechnet, in der Regierung der National- vertheldigung derjenigen Partei das Ueoergewicht zu geben, die überhaupt jede diplomatische Verhandlung als eine Brücke zum Frieden haßt. Jules Favre wollte bekanntlich^in Person nach London gehen, und die gemäßigten Blätter, nament- Üch die „France", befürworteten diesen Schritt. Der Umschwung macht sich aber auch diesmal wieder zu Gunsten der Exaltirten geltend, wenn es sich bestätigt, daß die schleunige Rückkehr Gambettas nach Bordeaux mit der nach London von dort abgesandten Erklärung zusammentrifft, Frankreich werde nur unter der ve- dingung die Eonferenz beschicken, wenn England die Republik förmlich anerkenne. Wird die britische Regierung diesem Drucke nachgeben? Wo nicht, so hat Gam- betta seinen Zweck erreicht, daß Jules Favre zu Hause bleibt.
Aus Arabien hat man in Konstantinopel vorgestern sehr niederschlagende Nachrichten erhalten. Alle Stämme im Norden des glücklichen Arabien und längs des Ufers des Rothen Meeres schloffen sich dem Aufstande an; Mekka ist sehr bedroht. Die Rebellen sind mit Waffen neuester Erfindung versehen. Dem Sultan ist nur noch der Stamm der Hadramaut treu.
In der „Times" wird die Zuschrift eines sranzöstschen Hauptmannes mtt- selheUt, der sich in Glogau als Kriegsgefangener aufhält und über die Lage felnrr Mitgefangenen, soweit Unteroffiziere und Mannschaften dabei in Betracht ommrn, mit Bezug auf einen in der „Time-" erschienenen Bries voller Klagen vcricht erstattet. Was in dem letzteren Schreiben von schlechter Behandlung, Mangel an Nahrung und kleineren Beschwerden angeführt wurde, stellt der Hauptmann au-^ eigener Anschauung und aus den einstimmigen Aussagen der gefangenen Mannlchaft unumwunden in Abrede. Das Einzige, was früher den Leuten fehlte, war Tabak, und neuerdings ist dieser geliefert worden. Wünfchenswcrth wäre es hauptsächlich, einiges Taschengeld zur Anschaffung kleiner Bedürsniffe zu geben. r)atz die Einflüsse der Gefangenschaft Krankheiten und Todesfälle herbeigeführt,
Auf die von Bordeaux telegraphisch nach London gemeldete Nachricht, daß die französische Regierung nicht die Londoner Eonferenz beschicken werde, es sei denn, die englische Regierung erkenne die Republik an, erwidert „Da.ly News", das diesseitige Eabinet habe praktisch bereits die provisorische Regierung anerkannt, wie man aus der Anwesenheit des Botschafters Lord Lyons in Bordeaux, sowie aus den jüngst versuchten Waffenstillstand-Verhandlungen ersehen könne. „Es scheint uns — sagt da- liberale Blatt im Weiteren — einigermaßen unvernünftig, von England eine formelle Anerkennung für eine Republik zu verlangen, welche, obschon sie thatsächlich in Frankreich besteht, doch keinen formellen Bestand besitzt. Schließlich dreht sich die ganze Frage nur noch um Worte. Die provisorische Regierung ist republikanisch, und dte englische Regierung hat die provisorische Regierung anerkannt. Wir können unter solchen Umständen kaum glauben, daß ernstliche Einwendungen in Betreff dieses Punkte« erhoben werden sollten. Die Eonferenz wird mehr al« genug Arbeit haben, selbst wenn Frankreich einwilligen sollte, vte Erörterung auf orientalische Angelegenheiten zu beschränken, und wir können unS kaum denken, daß man diplomatische Formangelegenheiten einer Erörterung im Wege stehen lassen wird, welche dringend nothwendig ist, um den 8rieden und da« gute Einvernehmen Europas zu begründen.
Die allerseltensten Exemplare dc- zoologischen Gartens von Paris sollen noch erhalten geblieben sein, dagegen scheinen die Antilopen, gakhs, Bisons, Känguruhs k. ganz und gar vertilgt. Ein Gourmand empfiehlt für künftige Diners Antilopenkeule mit Känguruhnieren als etwas wahrhaft Köstliches.
General Leverdo, der bisherige Director der Infanterie und Eavallerie im Krieg-ministerium, hat es satt bekommen, sich von Gambetta schulmeistern zu lassen; er hat au« Gesundheitsrücksichten seine Demission gegeben. Die militärische Commission, welche über die Eapitulation von Straßburg und Metz zu Gericht sitzen soll, ist nun wirklich constituirt; der alte Marschall Baraguay d'HlllierS muß sich dazu hergeben, den Präsidenten zu spielen.
Die Eanal-Jnseln sind von französischen Flüchtlingen nicht minder überfüllt, wie die englischen Küstenorte und London selber. Auf Jersey zumal sind sie äußerst zahlreich und der dortige Vice-Eonsul für die französische Republik hat eine Proclamation erlassen, welche nicht wenig Aufregung hervorrief. Dieselbe macht bekannt, daß alle Franzosen aus der Insel von 19 bis 40 Jahren, gleich- tHel, ob verheirathet ooer nicht, sich bis zum 1. Januar auf dem Vice-Eonfulat einzufinden haben, um in die Armee eingereiht zu werden. Unterlassung wird als Desertion angesehen.
Die „Post" schreibt: Um die Stimmung zu charaeterisiren, welche in Madrid vor dem Attentate auf Prim die Gemüther beherrschte, wollen wir hier die Stirn- men einiger Blätter anführen, welche durchaus nicht zu den Rothen gehören, und btaher den Republikanern feindlich gesinnt waren. „El Eombate" vom 24. be- $rü£t freudig die Rede, welche Rios Rosa« in der Sitzung der spanischen CorteS am 19. December gehalten hatte, und schließt feinen Artikel mit folgenden be- zeichnenden Worten: „Die constituirenden September-Cortes gebaren in der gestrigen Sitzung eimn spanischen Brutus. Dieser Brutus ist der wackere Rios Rosas. Ei, em Cäsar ein Brutus. Es lebe der spanische Brutus Rios Rosas."
Die „Esperanza" schreibt: „Der Kampf beginnt. Fort in die Schlacht; Krieg dem Fremden! Krieg den Unwürdigen! Krieg den Feigen! Krieg den Tyrannen!" Die „Epoca" schildert die jetzigen Zustände Spaniens mit folgenden Worten: „In der Politik Anarchie, in den Finanzen der Bankerott; Prim lebt aber noch, giebt Geld aus und triumphirt!"
Die neuesten Vorbereitungen zu einer umfassenden Armee Reorganisation in Rußland haben nicht nur die Regierung in Konstantinopel, sondern auch die Bevölkerung de« türkischen Reichs in Bewegung gesetzt. So haben die in Stambul und der Umgegend wohnenden emigrirten Tscherkessen an einem der jüngsten Tage in einer Versammlung beschlossen, im Falle eine# türkisch-russischen Conflicte- ’arnrnt und sonder« als Freiwillige in die Armee zu treten und ihr Adoptivvaterland zu vertheitigen. Sie find auch übereingekommen, von ihren Entschließungen ihre Brüder in Rumelien und Anatolien zu verständige», und man glaubt, daß sie im Stande sein werden, ein Corps von 30—40,000 Mann zu bilden. Eine andere, nicht minder bezeichnende Thatsache ist werth, mitgetheilt zu werden. Oie Bewohner von Bosnien, Muselmanen und Katholiken, haben sich an die hohe Pforte um die Erlaubniß gewandt, sich auf eigene Kosten Waffen anschaffen zu dürfen. Dafür verpflichten sie sich, die öffentliche Ordnung in ihrem Lande aufrecht zu erhalten und mit eigener Kraft alle AusstandSversuche zu unterdrücken, welche etwa feiten« Oer orthodoxen Bevölkerung unternommen werden könnten. Trotzdem dieser Wunsch von so guter Gesinnung eingegeben ist, hat die Pforte demselben noch keine Folge gegeben, denn sie glaubt, daß dies unter der Bcvöl- ferunfl verschiedenen Glauben« Conflicte Hervorrufen könnte, welche sie immer sorgfältig zu vermeiden sucht.
die dortigen Anstalten gelten. Vielmehr ist nach seinem Dafürhalten die allerdings ziemlich bedeutende Sterblichkeit den Nachwirkungen der in Metz und später auf dem Marsche von dort erduldeten Anstrengungen zuzuschreiben.
Aus Prag wird gemeldet: Ein Ministerialerlaß trägt den hiesigen Behörden, da in letzter Zelt häufig flüchtige französische Gefangene durch Böhmen kommen und hier oft sehr demonstrativ gespeist und mit Mitteln zur Weiterreise versehen werden, auf, ein strenges Augenmerk auf ähnliche Vorfälle zu richten. Der neutralen Stellung Oesterreichs könne eine Duldung derselben nicht entsprechen, die Behörden mögen daher wachsam sein und die Wiederkehr solcher Vorgänge eventuell durch die Jnternirung der Flüchtigen verhüten.
Die „Wiener Abendpost" ist in der Lage zu constatiren, daß die Zahl der seit dem Eintritte der Kriegsereignisse im Auslande zurückgebliebenen österreichischen Eisenbahnwaggons sich auf 304 reducirt, während die übrigen österreichischen Waggons in mehr oder weniger langen Zeiträumen wieder nach Oesterreich zurück- gelangten. 8
Aus Versailles wird gemeldet: Der neulichen Haussuchung ist eine gleiche in den Bezirken de« 5. Corps gefolgt. Der Eorpsbeschl besagt, daß seit einiger h,r ‘ <.VWP|UU» VciuntfMuVti, dett versprengte Banden von Franktireurs in den benachbarten Wäldern und
* Hauptmann nur im Allgemeinen und nicht mit Bezug auf Glogau und! Ortschaften sich aushalten, heimliche Zusammenkünfte in Versailles pflegen und das


