PretS vierteljährig 1 st- 12 fr. md Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.
Gießener Aiyeiger.
Erscheint täglich, mit Ausnahme Montags.
Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Archen.
1871.
Samstag den 4. März
Nr. rt.
----- _ _ ™ e werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch
S3cfftUUU|lCil (Xttf Ven Wienkner bd aUen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.
Abonnenten, welcke den Anzeicter bei der Erpebition nbbolen taffen, erhalten denselben für den Monat März zn 20 kr.
Brodpreife vom !k» bis IO» März 1871,
nach eigener Erklärung der Bäcker:
4 Pfund gemischte« Brod 21 fr. 2 Pfund gemischt-- Brod 10y, kr. 4 Psund Roggrnbrod 18 kr. 2 Pfund Roggenbrod 9 ,r.
A su tl ich er T d e i l.
— Gießen, am 1. März 1871.
^treffen»-. Dos Landgestüt, hier dm Abgang der Landgrstütsbeschäler auf. die liandgestütsstationen. . . . .■
Das Grotzyerzogllche Krelsaml Gl eh en
an die GroßherMlichen Sürßcrmcijlcmni des Kreises.
Nach Mitlheilung Eroßherzogltcher Sandgestüls-Direction sind die Landbeschäler nach der Station Grünberg am 26. v. Mts abgeaangen.
Sie wollen dies in Ihren Gemeinden bekannt machen.
v. Starck.
Politischer T h e i >.
und ihnen ihr Vertrauen entgegen tragen.
werden. ,, „ . Lk _,
Oder glaubt mon wirklich, daß diese Leidenschasten, weil sie jetzt sich vol dir Unmöglichkeit ihrer Sätiigung beugen, nicht wieder in die alten Geleise zu- riiclkehren werden, der>n Spur die revolutionären Gewohnheiten wie die tradi> ticntDcn Einbildungen so tief in den Boten Frankreichs gegraben habend
Wenn schon jetzt der Pariser Dünkel die noch in furchtbarster Ucbung will- samen Thatsachrn verleugnet, wie wird rie Slimnung erst wilder, wenn man ter zringenden Roth des Augenblicks übcrhobcn, sich led'gl ch mit ihren Nuchwrhen obzufinden h.ben wird; und wenn schon jetzt überall die Sehnsucht laut wird, die Nationalversammlung, welche in ihrer Mehrheit den schroffsten Gegensatz zu den tumultuarischen Aspirationen von Paris bildet, doch möglichst bald nach Pans zu vrrstgen, also unter den Terrorismus der dortigen Demagogie und der von ihr bearbeiteten Moffru zu biingen, kann man glauben, daß die Mäßigung und de» politische Verstand, welcher augenblicklich die politische Oberhand gewonnen Hot, sich dem tosenven Strudel der Leidenschaften lange Zeit wirv widersetzen lönnen.
Ist nicht Vas augenblickliche Schweigln Gambetta's ebenso beredt wie ver- hängnißvoll, weil es darauf hinweifl, daß ries.r Unglücksmann sehr wohl zu warten versteht, vermuthlich m der sicheren Dorauesitzung, daß seine Zeit kommen werde,
Wem gehört die Zukunft Frankreichs?
Politische Propdizechungen sind em gewagtes Geschäft, sie stehen mit den Kalenderpropb'ze'ungen auf ziemlich gleicher Höbe deS CreditS, namentlich wenn sie sich auf F ankreich beziehen, wo Sturm und Sonnenschcrn sich so rasch und
launenhaft ablösen. * , e .,
Gleichwohl drängt sich die Frage noch dem künftigen Schicksal Frankreichs i bki dem j tzt abgeschloffenrn Frieden uns um so lebhafter auf, M kämet M 1 Aufforderung gegeben ist, uns nachbarlich mit unserem jetzigen Gegner zu vertragen. Auck brauchen ja die Erkundigungen noch der Zukunst nicht ganz und aar in den Nebel sich zu verirren, da die Wahlen vom 8. Februar uns doch sagen sollten — was Frankreich will? Diesen Willen hat es nun aber deutlich aenua ausgesprochen: negativ und positiv.
Am entschiedensten hat es sich sür den Frieden ausgesprochen; die ungeheun Mehrzahl der Erwählten verdankt ihre Wahl vorzüglich dieser Richtung und bei ter Frage: ob Republikaner oder Monarchist! entschied Vie Ueberzeugung von der Friedens- oder Kriegspolitik des Candidaten Wahl. Ebenso deutlich hat sich re» BoltSwille dagegen ausgesprochen, daß ter Friede dem Kaiserreich anvcrtrai't verte; denn das Kaiserreich, welches gewohnt war, sich auf die Millionen seiner Wähler zu berufen, hat eS nur zu einer winzigen Minorität gebracht.
Die Majorität der Nationalversammlung aber gehört den Orleanificn.
Dos französische Volk in ferner gegenwärtigen FriedenSsiimmung hat also iu den Orleans am meisten Vertrauen und cs teSavouirt durch feine jetzige Wa'^l die Revolution von 1848, welche am meisten deshalb Erfolg hatte, weil di- Orleans wegen ihrer — Friedensliebe sich um allen Eredit gebracht halten.
Hiernach hätte nun wohl die öffentliche Me-nung, auch außerhalb Frankreichs, olle Ursache, der Wiederaufrichtung der Orleonistischcn Dpnastie mit sym pothischcn Empfindungen entgegen zu sehen; hätten nur nicht die Pr.'nzen Hauses während des Krieges sich in einer Weife compromittirt, welche die Hoffnung, daß die Politik des Friedens ihren Händen mit Sicherheit anvcrtraut wer- den könne, gor gewaltig erschüttert.
Die rem Piäkendententhum so eigene Ungeduld hat sie verleit'!, d"n wahnsinnigsten Volkelridenschasten zu schmeicheln, um sich für die künst-gc Herrschaft zu empfehlen, und dir Argwohn liegt daher sehr nahe, raß sie, wirklich zur Herrschaft gelangt, viel mehr ein Spielball als ein Schrecken populärer Leidenschaften sein
sobald die Eitelkeit der Franzosen das Bedürfn'ß fühle" wird, sich diejenigen zum Dphr zu erkiesen, welche sich selbst zu seiner Rettung vereimgt haben.
Glauben die Orleans, sich mit dem vo.aur sichtlich nahen Ausbruch der Le .enschos-ten abfinden zu können? Es wäre eine v-rhängnißvolle Täuschung über ihre Kraft, welche sie unrettbar mit in den Abgrund stürzen winde, welcher sich voraussichtlich sehr bald zu den Füßen der französischen Gescllfchaft austhun und diese nöth gen wird, sich nach einem neuen Retter umzufehen.
Verstehen aber die Orleans ihre Zeit und wissen sie sich mit einem wahren Herrscherbirus zu erfüllen, so beherzigen sie die ihnen einst von ThicrS gegebene Lehre, Voß man „nicht bloS Jemand, sondern — auch Etwas" sein muffe, und sparen sich für die Rettung Frankreichs auf. .
Das wäre denn freilich ein seltsamer Umschlag ter ^-lnge, daß, wie das Kaiserthum aus dem EhaoS entstand, welches die Revolution von 1848 hinterließ, so jetzt der OrleaniSmus nach dem Sturz des KaiserthumS die von diesem versäumte Aufgabe aufgreist; aber die Welt würde dann die Orleans, welche Frank- reich den Frieden wieder brächten, mit ihren aufrichtigsten Sympathien begrüßen
Aus München vom 22. Februar berichtet die „AugSb. Abdztg.": „Die militärische Besetzung von Elsaß-Lothringen gibt über das zukünftige VerhaltNitz dieser deutschen Reichsprovinzen zum deutschen Reiche eine zlemliche deutl.che IW klärung; schon jetzt nämlich wurden 18 altpreußische ^nianterle-Neglmenter, von i dem ter vor 1866 bestandenen 9 ArmeecorpS je zwe» bestimmt, welche chre c.flnitioe G-rmson in Els-tzLothring-n galten, «-wurden- runut d.e c- reffenden Regimenler bei ihrer Nuckkedr au- Fran reich sofort in if)tt.neuen Garnisonen elmfiefen 'önnen, d-e ErsaAataiVone derselben mit Regimen,-kanzle, Montur- und Rüstkammern schon jetzt in dir neuen Garnisonsortt orel gt. D.e lm R-rdosten ron Elsaß gelegenen und zn Garnisonen geeigneten Orte «erden von Ab,Heilungen de- 2. banrr,scheu Armeeeorxs als Re-.chStiupoen besetz,, a eh sollen in gleicher Eigenschaft der Besatzung von Metz bahre,sche Heer sabtheilungen
*',q(,6e5L7abet®raf Bismarck habe, als ftbon Alles so gut wir fertig -ar plötzlich noch einen für Deutschland «ortheilbasten Hanleliorrirag herau-qürtschen moUen bringt die pariser grauer vom Samstag en.-etzlech m Harn,fch. Man
Unterhändler beobachten. Zugleich ergeht man sich ,1 '
IU über Den .ehrenbasten Frieden": jeder Friede ist ^"Nvoll, wenn e e,mn ehrenvoll geführten Krieg schließtdie Bevngungen »
Sbrenhasiigkeie der Sache nichts. »Wenn em Volk weder üpttt geipart nccu Anstrengungen, um da« Baterlanv zu befreien, wenn e« unt.r den schlagen des
wirkstch Beweise von Heldenmu.h gezeigt? Wurden^ste nicht uberavvon den vorthrilhaften Umständen einer gegen uns unerbittlichen 8°rhina beflunf ß ? Rein, Europa läßt stch nicht betrügen. Europa weiß, auf welcher Seite der Erfolg und auf welcher D.e Gloire. Dir Wloirr ist auf Seiten derer, welche j.den^Zoll breit ihres Landes vertheidig» haben." Es ist noch immer die alte Geschichte, die täglich wieder aufgetischt wird, jetzt aber sich zu dem sublimen Gedank.n steigert, daß die Gloire bei denen ist, die Elsaß und Lothringen ver-


