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licher Leitung de- Professors Hübbenet; in Vitry le Francais 1; in CoulommierS i ; bei Orleans 1; in Corbeil bei Paris 1; in ChalonS 1; beim ersten bayerischen Corps der Armee des Kronprinzen bei Paris 1; bei den Ambulanten der säch­sischen Armee 2 und in Neuwied i. Von den Aerzten, welche die Ministerien de- Kriege- und der Marine entsendet haben, befinoen sich 2 in den Coblenzer Lazarethen, i bei Parts im Sanitätsdienst de- 5. Armeecorps und 1 bei tot. Marie aux ChöncS bei Meudon; über den Aufenthalt der beiden übrigen sucht man jetzt Auskunft zu erhalten.

Kriegsnachrichten.

Darmstadt, 2. Januar. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen nachstehende- Telegramm:

Orleans, 1. Januar 1871, 12,Ubr 47 Min. Zweites Infanterie- Regiment, zweite- Reiter-Regiment und reitende Batterie unter General von Rantzau gestern bei Bonny,*) südöstlich, gegen überlegenen Feind im Gefechte. Hauptmann Weber todt. Lieutenant- Haupt und Schaeg und etwa 50 Mann verwundet. Ludwig, Prinz von Hessen.

*) Auf dem rechten Loire-Ufer, li/z Meilen südöstlich von Briare.

Berlin, 31. Dec. Der Staats-Anzeiger bespricht die Besetzung des Mont Avron, wodurch für die Offensive ein wichtiges Terrain gewonnen sei, und erklärt, bei der Wahl der Angriffssront auf die Hauptstadt werden lediglich militärische Rücksichten maßgebend sein, zunächst aber werde eS die Aufgabe sein, die kaum gewonnene Position den diesseitigen Zwecken entsprechend defensiv einzurichten und offensiv zu armiren.

AuS den Hauptquartieren in Versailles wird derNat.-Ztg." vom 27 December geschrieben:Während die Fort- Tag und Nacht hindurch eine leb­hafte Kanonade unterhalten, tritt die Frage des Bombardement immer mehr in den Vordergrund. Die DiScussion über die Ausfälle, die man als ge- wiffenhaftester Berichterstatter nicht alle aufzählen kann, ist verstummt und gestern bildete den Mittelpunct jeglicher Conversation das zur Seeschlange gewordene Bombardement. Ich bin in der Lage, Ihnen heute mittheilen zu können, daß die große Majorität de -General stades sich nun entschieden für den sofortigen Beginn der Beschießung erklärt hat und ihre dcs- fallsigen Gutachten dem Könige in einem Promemoria überreicht hat. Obgleich in dem gestern stattgefundenen Kriegsconseil der König sein letzte- entscheidende- Votum noch bis morgen reservirt hat, halt man die Angelegenheit in den höchsten Kreisen für erledigt und giebt mit Bestimmtheit Den 30. oder 31. December als den Tag an, an welchem das von der Armee längst ersehnte Unternehmen in Scene gehen soll. Vereinzelte autoritäre Stimmen können sich zwar unter den heute obwaltenden Verhältnissen noch immer nicht bekehren; dennoch scheinen die Acten diesmal geschloffen zu sein und man wird unter allen Umständen die eiserne Nothwcndigkeit walten lassen. Unsere Kriegführung kann sich nicht mehr für die ewige Untätigkeit unserer Cernirung-armee begeistern, man scheint die Idee einer bloßen Aushungerung, mit deren Ende eine große Anzahl unserer Truppen auf­gerieben sein würde, definitiv aufgegeben zu haben. Die Kriegsgeschichte wird dereinst die heroischen Anstrengungen unserer Armee, die in den 3j/2 Monaten der Belagerung von Paris alle Angriffe des Feinde- unter der ungünstigsten Constellation zurückgewiesen hat, aus ihren denkwürdigsten Ruhmesblättern ver­zeichnen. Unsere Artillerie hat mit Todesverachtung unter den Granaten der feindlichen Forts in den letzten sechs Wochen die Batterien gebaut und die Com- munication-wege zwischen den einzelnen Batterien geebnet. Wie ich aus guter Quelle vernehme, wird beabsichtigt, auf die Fort- Jssy, VanoreS und Montrouge das Bombardement zu eröffnen. Von den 600 Geschützen, die jetzt im Artillerie­parke zu Villa Coublay aufgepflanzt stehen, werden am ersten Tage der Beschießung 9092 Feldgeschütze, zum großen Theil 24-Pfünder, zur Verwendung kommen, auch mehrere von Den neu angekommenen Mörsern, deren jede- Geschoß lj/2 Centner hat. In demselben Augenblicke, wo der Befehl zum Beginn des Bom- bardennnts das Cabinet des König- verläßt, werden die Geschütze von Villa Coublay nach der PostirungSlinie sofort befördert werden. Wenn man bis jetzt gezögert hatte, mit dem Bombardement zu beginnen, so hatte die- seinen Haupt­grund in der oft besprochenen mangelnden Munition, welche jetzt zur Genüge her­beigeschafft wurde. Unsere Geschütze werden angestellten Untersuchungen zufolge 78000 Schritte Distance Tragweite haben und höhere Jngenieuroffiziere ver­sicherten mir gestern, daß wir von unseren Positionen aus, die wir vor den Forts Jffy, Danvrc- und Montrouge einnehmen, einen Theil von Pari« selbst werden erreichen können. Bevor das Bombardement ins Werk gesetzt sein wird, wird dem KriegSgebrauche gemäß da- Hauptquartier einen Parlamentär nach Paris senden, der die Ucbergabe der Stadt noch einmal von Trochu verlangen und im verneinenden Falle den General mit unseren Intentionen vertraut machen wird. Die schwere Verantwortung fällt auf die jeweiligen Dictatoren Frankreichs zurück, die alle friedlichen Vorschläge der deutschen Regierung mit Hohn zuruckgewiefen haben.

Daily New-" erfährt, daß am 27. d. durch die bei Raincy aufgestellten Batterien 12 Bomben in Paris hineingeschleuvert wurden. Die Franzosen ver­suchen neue Batterien auf der Ebene zwischen Cournal und Drancy in der Rich­tung au Le Bourgtt zu errichten.

Chaumont, 29. Dec. Es ist wahrhaft nichtswürdig von den Franzosen und erwickt eie gerechte Erbitterung unserer Truppen, daß das heimliche Zer­stören der Eisenbahnen, damit die Züge verunglücken, so häufig geschieht. So ist die Eisenbahn von Chaumont nach TroyeS nun schon drei Mal in der Weise zerstört worden, daß die Schienen abgerissen und sodann so locker wieder aufgelegt wurden, daß man die Zerstörung nicht sehen konnte. Es geschah dies auch wieder am 24. Dec. bei Bricon, nicht weit von hier, wobei ein ganzer Militärzug mit 500 Mann aus dem Geleise gerieth. Kaum war dies geschehen, als ein im Walde verborgener Haufen von FranctireurS herbei stürzte, um die Soldaten ge­fangen zu nehmen. Glücklicher Weise hatten die braven Landwehrmänner weiter keinen Schaden gelitten, sammelten sich schnell und empfingen die anstürmenden FranctireurS nun mit einigen so wohl gezielten Salven, daß diese schnell mit Hinterlassung von Todten und Verwundeten die Flucht ergriffen.

Boncourt, 31. Dec. Zahlreiche deutsche Truppen marschiren durch Delle nach Montb^liard. Zehntausend Franzosen marschirten von St. Hypolyte auf Pont de Roide. Ein Gefecht entspann sich zwischen Herimoncourt und Vandon- court. Die Einwohner flüchten die Mobilien und Pferde.

Bern, 31. Dee. Wie demBerner Bund" au- Pruntrut vom heutigen Tage gemeldet wird, sind neue deutsche Truppen vor Belfort eingetroffen. General

Tre-kow war am 29. Dec. auf einer Reeoguo-cirung in Delle angekommen. Bei Grandvillar- errichten die deutschen Truppen Verschanzungen.

Darmstadt, 1- Januar. Seine Königliche Hoheit Der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 28. December den KreiSrath des Kreises Offenbach Julius Rinck Freiherrn von Starck zum Krcisrath des Kreises Gießen und zum Provinzial-Director der Provinzial-Direction Oberhessen zu ernennen.

Brüssel, 31. Dec. Wie derJndependance" aus Lyon vom 28. d. ge­meldet wird, ist der Oberst Getier seinen in der Schlacht bei Nuit« erhaltenen Wunden erlegen Anläßlich der Ermordung Arnaud's haben bereits etwa 60 Verhaftungen stattgefunden. Jeder Legion der mobilisirten Nationalgarde wird eine Compagnie Scharfschützen beigegeben.

Marseille, 30. Dec. (Aus indirektem Wege.) Die Municipalität hat beschlossen, die Stadt sobald als möglich in VertheidigungSzuftand zu versetzen.

Telegraphische Depeschen.

A Paris, 30. Dec. (per Ballonpost.) Die Regierung erklärt, daß die Räumung des Avron eine Nolhwendigkeit gewesen sei. Die Kälte ist sehr heftig.

A Limoges, 28. Dec. DieDsfence nationale" tbeilt den nachstehenden Brief aus Bourges mit: Bei einem in der Nähe von Aubigny gefangenen höheren preußischen Offizier wurde ein FeldzugSplan der preußischen Armee, von dem wir nachstehende Details geben, gefunden. Der Plan der feindlichen Armee ist von Orleans nach Bourges zu marschiren, für welches die KriegScontribution, sowie die RequisitionSorte der Umgegend schon angegeben ist. Ein Theil der Armee sollte auf Tours marschiren und sich Gambetta's bemächtigen, der Düsseldorf als Aufenthalt angeriefen bekäme. Das Gros der Armee sollte hierauf nach Nevers und von oa seinen Marsch oircct auf Lyon sortsetzen, wo ein großer Widerstand und wahrscheinlich eine Schlacht erwartet wird. Während dessen würde Pari- capituliren. Der König von Preußen hatte den Plan, dort eine militärische Rc- gierung zu errichten, an der Trochu Theil nehmen würde, und diese Regierung erhielte den speciellen Auftrag, unter dem Schutz der deutschen Heere eine Con­stituante zu nominiren, mit welcher Der Frieden vereinbart würde.

A Brüssel, 2. Jan. Man meldet derJlidep.": General Faidherbe hat seine Lagerstellung bei Vitry aufgegeben. Unter seinen Truppen herrscht die größte Demoralisation; namentlich mußten 300 Mobilgarden aus der Gegend von Hagclbrück als warnende- Beispiel nach Cherburg geschickt werden.

A Brüssel, 2. Jan. Seit dem 31. Dec. Abend- sind keine telegraphischen Nachrichten mehr au- Madrid eingetroffen.

+ London, 1. Jan. Einer Mittheilung des auswärtigen Amtes zufolge ist der Zusammentritt der Conferenz um wenige Tage verschoben worden, um da- Eintreffen Favres und Die Instructionen für mehrere andere Bevollmächtigte ab­zuwarten.

Ein Pekinger Telegramm des englischen Vertreters vom 16. December meldet vollständige Ruhe in den Hafenplatzen.

A London, 1. Jan. Fondsbörse flauesten- für Spanier auf Prims Todes­nachricht in Madrider Privatdepeschen. Spanierbaisse seit gestern 7/8 Procent.

A London, 2. Jan. In officiösen Kreisen verlautet, die orientalische Corr* serenz werde bis zum Eintreffen Favre's vertagt. Man hegt die Hoffnung, daß es den neutralen Mächten mittlerweile gelingen werde, die Erweiterung der Con­ferenz zu einem Friedenskongreß anzubahncn.

Bitte an alle edle Menschen in Stadt und Land, insbesondere an die liebe deutsche Jugend.

Der anerkannte Wohtthätigkcit-sinn der Deutschen Nation gipfelt sich in dem gegenwärtigen heiligen Kriege in seinem Culiminationspuncte. Alle Völkerschaften de- ganzen Erdenrundes rühmen diesen hochherzigen Wohlthätigkeit-sinn gegen Freund und Feind als Cardinaltugenv der Deutschen, und selbst unsere gegen­wärtigen Feinde, die Franzosen, anerkennen mit Bewunderung diese barmherzige Samariterliebe. Im edelsten Wetteifer bemühen sich Deutschlands hochherzige Frauen und Jungfrauen, Männer und Jünglinge die Wunden unserer Helden mit liebender Hand zu verbinden und in dankbarer Erinnerung alles aufzubieten, Deutschlands Heldensöhnen in ihrem Berufe zur Rettung deutscher Ehre und Frei­heit ihr schweres Loos zu erleichtern. Ehre allen diesen wackeren Wohlthätern!

Und wie wir Alle unsere tapferen Krieger nicht vergessen und in der Liebe gegen unsere deutschen Heldensöhne nicht erlahmen, sondern ausharren wollen bis zum ehrenvollsten Frieden, so wollen wir auch derer nicht vergessen, die ungebeten und anspruchslos uns schützen gegen Milliarden kleiner, zerstörender und gefräßiger Feinde, gegen welche alle unsere Macht und Waffen nichts auszurichten vermögen. Es sind dies die insectenvertilgenden Vögel. Laut und lauter erschallt von Jahr zu Jahr die Klage der Land- und Forstwirthe gegen Die Heber* handnahme de- Insektenfraßes. Alle angewandten Muhen und alle empfohlenen Mittel waren nicht im Stande, diese zerstörenden Feinde in Garten, Feld und Wald nachhaltig zu vernichten. Mit der constatirten Abnahme der Vögel steigert sich die Zunahme der Jnsectm auf das Bedenklichste.

Es ist deshalb die Aufgabe Aller, insbesondere aber Der Land- und Forst­wirthe, diese unsere anspruchslosen Alliirtcn nach Kräften zu schützen und zu pflegen, damit der bedenklichen Zerstörungswuth dieser oft unsichtbaren Feinde einHalt" geboten werde. Die deutschen Regierungen aber würden sich sehr verdient machen, diezum Schutze der insectenvertilgenden Vögel bestehenden Gesetze" aufs Neue einzuschärfen und die hier und da unzureichenden zu ergänzen.

Durch Die außerordentliche Strenge des heurigen Winters sind unsere Freunde und Wohlthäter in namenloser Noth. Denn Eis und Schnee bedecket Flur und Wald und die armen Vögelein frieren und hungern. Deshalb edle, deutsche Nation! Gedenket in den strengen Wintertagen auch dieser unserer Wohlthäter Erbarmet Euch der Hilflosen und gönnt ihnen von Den Ueberrejteti Eurer Mahl­zeiten und von Dem Ertrage Eurer Felder. Eine Hand voll Körner oder Brod- samen auf einer von Schnee befreiten Stelle des Gartens, Feldes oder Hofes, werden viele von einem qualvollen Hungertode retten und sie werden es lohnen mit reicher Liebe. Und ist der rauhe Despot Winter durch den jungen liebe* athmenden Frühling beflegt und vertrieben, Dann werden aus toufcnD und aber­tausend Kehlen Die lieblichsten Dankeslieder aus allen Hecken und Büschen, au- hoher blauer Lnft und blüthenumwallenden Bäumen erschallen, Denn:

Liebe heißt ihr Singen,

Liebe überall;

Liebe heißt ihr Schwingen, Lieb' erfüllt Das All."

Ettingshausen, im December 1870. H. Peter.