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Expedition l Eanzleibera Lit. B. Rr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kichen.
'' ^07. Mitwitz den 30. November
Amtlicher T h e i L
betreffend: Die Unterstützung nothleidender Hessischer Militärfamilien. Gießen, den 26. November 1870.
9its «ruj;ljcr)oglid)r KrkisainI (Sießtii
an die Großhcyoglichrn =Bürgmnri|tmien des Kreises.
betreffenden Angehörigen des ganzen o§^30^«°Be^immt”finb’ eingegnnyn • Söe,trrtSe. welche nicht für einzelne Orte oder Bezirke, sondern für die
l) von Sr. Königlichen Hoheit den, Großherzog . .... „
A des Norddeutschen Bundes als Gabe der Deutschen in St. Petersburg " 0?™ ' 33/
3D von Demselben als Gabe der Deutschen in San Francisco rg ' ' ' ' 2159 „ 33/, „
4) von dem Großherzoglich>zBiinisterrMenten Grafen Enzcnberg in Brüssel gesammelt.....na ” 30 "
5J von dem Gr°ßherz°gl,chen>8«Lslconful Günzburg in St. Petersburg 9 ’ . ' ' ' ' ,l18 „ 30 „
Bekanntmachung,
die Rinderpest betreffend.
außer Krkft" ®el6ot,ber Abhaltung von Viehmärkten im Kreise Gießen n.,d die bisherige Beschränkung im Handel mit Rindvieh
Mainz für alles Vieh ohne Unterschied, nur aulgeno'mmeH beim'Eintreiben^in"dk Stadt Großherzoglichen Polizei-Commissariats
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Von dieser Summe ist dem Kreise Gießen der Betraa von 400 ff t , Zusammen 6500 fl. 53/4fr.
den Familien der ausgerückten Unterofficiere nnd Mannschaftei? des Activstandcs ^iowie hp.TV'V* tok"rbe dabei Allerhöchsten Orts bestimmt, daß hieraus und Landwehr-Mannschaften, neben den laufenden, den gewöhnlichen Bedürfnissen entidreckend^"!/^ n-I iUm e,„berufenen Reserve-, Ersatzrcserve-
unterstützungskaffen und den durch Privatwohlthätigkeit für bestimmte Bezirke aufaebraLten^ Mirr ^"^^ußungen ans den militärischen Kassen, den Kreisbesonderer Bedürftigkeit gewahrt werden sollen o-irimmre -oejirte ausgebrachten Mitteln außerordentliche Unterstützungen in Fällen
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Politischer Theil.
würde.
Der Ausbruch einer orientalischen Krisis könnte für Oesterreich, so lanoi fplkll _________1 ______V..... tr» r rr . ~ 1 . °
es seine auswärtigen Beziehungen in sicherer
werden, als die russische Action durch
zu machen.
A w . 1 29. November.
Oesterreich befindet sich m einer Lage, die es ihm i
. Pesth allerdings ist man zu einer schärferen und schrofferen Auffaffung der Berhaltniffe geneigt. Ungarn sieht in Rußland seinen natürlichen Feind, und ein Krieg gegen Rußland würde, wenn er irgend die Chancen eines glücklichen Erfolge« hole, in Ungarn sehr populär sein.
Aber diese Chancen sind wenigsten« nicht in dem gewünschten Maße
~ V - - 7 O 0" w*l werven.
Handelt es sich in Oesterreich nur um einen Verfassangsconflict im gebrauch. Ilchen Sinne des Worts, d. h. um einen Streit ter Negierung und der Volksvertretung über Auslegung und Handhabung der Verfassung, so könnte man allen» falls mit einiger Aussicht auf Erfolg auf den immer gefährlichen Versuch ver- fallen, sich durch eine kühne Diversion nach Außen, zumal wenn die Gelegenheit dazu sich ungezwungen darbietet, über die Schwierigkeiten der inneren Lage hin» wkgzuhelfen. Aber unter der Firma des VerfaffungSkampfes wird doch in der Tbat ein Kampf um das Dasein des Reiches geführt. Die Gegner der Verfassung sind zum größten Theil Gegner jeder, auch der lockersten, Reichseinheit, die über die Personalunion hinausgeht. Ja vielen von ihnen ist das oster» rerchische Staatsbewußtsein in dem Maße abhanden gekommen, daß sie nicht ein» mal den völligen Zerfall des Reiches bedauern würden, daß sie vielmehr kaltblütig in Erwägung ziehen, welche Stellung sie einzunehmen haben würden, wenn das alte Reich gänzlich aus den Fugen gehen sollte. Daß ein Theil der centri- tugalen slavischen Elemente gelegentlich gerade gern mit Rußland kokettirt, ist angesichts der Möglichkeit eines österreichisch.russischen Conflicts jedenfalls eine reinliche und unerfreuliche Erscheinung.
So steht es in Cisleithanien; und in den Ländern der ungarischen Krone liegen die Verhältnisse für den Fall einer orientalischen Krisis vielleicht noch ungünstiger. In den sütslavischen Stämmen hat der Haß gegen die magyarischen Herren einen außirordentlich hohen Grad erreicht. An eine Abschütteluna der magyarischen Herrschaft mit Hilfe der wiener Regierung, wie in früheren Zeiten können diese Stamme natürlich unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht denken^ Sie suchen daher ihren Schwerpunkt in sich selbst oder streben im Stillen eine nationale oder staatsrechtliche Verbindung mit den StammeSgenossen unter tür- kischer Hoheit an. Daß die fanatischen Elemente den Ausbruch einer orientali» sch en Krisis als Anstoß zu einer allgemeinen Erhebung der Südslavcn mit Freu- den beg'ußen würden, läßt sich nicht wohl bezweifeln, und in Wien ist man sich der Gefahr dieses Verhältnisses ohne Frage vollkommen bewußt. Wenn es im Fall eines orientalischen Krieges nicht gelingt, die slavischen Stämme der Balkan» f-T« rl tUrdVl<.nCL r°^)c Occupation zu einer ruhigen Haltung zu zwingen, so laßt sich eine Erhebung dieser Stamme mit großer Wahrscheinlichkeit voraussehen, und die Einwirkung einer solchen Erhebung auf die inneren Verhältnisse Oester-
^enerrercy vesinvet sich m einer Lage, die es ihm in höchstem Grade Met 27 V,,(UIUU,U^“ *je|icrrctcp, |o lange
wünschenswerth erscheinen lassen muß, daß über die Pontusfraae unter den ö r» C &1- mic Clner p"manent gewordenen VerfassungS- und Nationali-
thciligten eine freundliche Einigung erziel, i’rte, bif .oÄ wo au einen bt”or/6 feint «»‘»Wn »e4i.
Tadel de« russischen eigenmächtigen Verfahren«, aber aus Anerkennung seiner An" **»-r-d'zn verhängnißvoll spruche al« einer vollendeten Thaisache hinauslaufen dürfte. Diese Anerkennung ^. versagen, wird nach Wahrung de« diplomatischen Decorums durch officielle Mißbilligung der russischen Willkür, die wiener Regierung um so weniger geneigt sein, al« Graf Beust ja schon bei früherer Gelegenheit, allerdings in Verfolgung einer unruhigen und eigennützigen Politik, den Rußland durch den viel erwähn- ten Vertrag auserlegten Druck bedauert und der russischen Regierung die damals zuruckgcwiesene Hand zur Befreiung von demselben geboten hat. Damit hat Graf unt £>£|lemid)« Stellung in dem gegenwärtigen Conflict
von Bedeutung - anerkannt, daß die Annullirung der russischen Seemacht im Pontu« keine Lebensfrage für Oesterreich sei, daß also, wie da- wiener Cabinet auch über d,e Rechtsfrage denken möge, do» durch eine Wiederherst.lluna der russischen Seemacht Oesterreichs Weltstellung nicht bedroht werde. Wollte Gra Beust diese Anerkennung gegenwärtig zurücknehmen, wollte er behaupten, daß Oesterreichs L.ben-interessen die Aufrechterhaltung de« stalus quo unumgängliä nothwendig machten, so wurde er damit erklären, daß er bei seinem früheren An erbieten sich eine« großen Leichtsinn«, einer sträflichen Vernachlässigung de« Wohles der seiner Leitung anvertrauten Monarchie schuldig gemacht habe. Zu einem solchen Gestandniß aber wird und kann der österreichische Reichskanzler sich nicht h-rdeilassen, und weil er es nicht kann, so muß ihm natürlich Alle« daran gelegen sein, daß der Conflict in einer Weise erledigt werde, die Oesterreich der Nothwenci-keit eine« activen bewaffneten Auftretens gegen Rußland überbebe.
D e -istoß, den da« wiener Cabinet an des Fürsten Gorlschakoff Vorgehen nimm. u.so mehr formeller, als materieller Natur. Wenn ,s gelingt, von Rußlau enugthuung für feine eigenmächtige Kündigung eines von Oesterreich garantirten Vertrages zu erlangen, so hindert den Grafen Beust Nichts, Ruß- land in materieller Beziehung alle gewünschten Zugeständniffe zu machen, ja durch seine früheren freiwilligen Anerbietungen wird er sogar gehindert, diese Zuge- standmsse jetzt zu verringern. 1 ö


