Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Druckerei (Fr. Ehr. Bietsch) in Gießen.
Resolution ebenfalls einstim- wird aus Wien geschrieben:
mig angenommen.
Der „Karlsr. Ztg." Dem Vernehmen nach aus Rom eingetroffen,
27. Juni.
Gegen einen von dem Berliner Magistrat an die Stadtverordnetenversammlung gebrachten Antrag, zur „würdigen Begehung" des 100jährigen Geburtstags Friedrich Wil Hel m's 111. die Summe von 30,000 Thalern zu bewilligen, gibt sich in Berlin unter den Steuerzahlern lebhafter Widerstand kund. Der Ber- liner Arbeiterverein und mehrere Stadtbezirksvereine haben gegen den Antrag des Magistrats protestirt. Der Verein der Stadtbezirke 34, 35 und 37 ins-
Entlassung gegeben hat. Man will nämlich wissen, daß Oesterreich deshalb Reklamation beim St. Petersburger Cabinet erhoben habe, und Kaiser Alexander sich bestimmt dahin ausgesprochen habe: er wolle das gute Einvernehmen mit dem Wiener Cabinet in keiner Weise getrübt sehen. Somit wäre der Einfluß der Panslavisten am St. Petersburger Hose gebrochen, und der unter dem russischen Militär ziemlich allgemein verbreitete Haß gegen Oesterreich fände am kaiserlichen Hofe keinen Anklang mehr.
28. Juni.
Die Berliner „Börsenztg." schreibt: „Von der preußischen sowohl als von der sächsischen Regierung ist in Ausführung der vom Bundesrath vorgescblo- genen Münzenquete bereits an die Handelskammern ihrer Länder der Auftrag ergangen, mit thunlichster Beschleunigung Persönlichkeiten zu bezeichnen, welche durch ihre Erfahrungen und Studien als besonders geeignet erscheinen, daß sie dem norddeutschen Bun- vcsrathe zur Befragung einer Enquete über das Münzwefen vorgeschlagen werden können, außerdem aber sich selbst über die deutsche Münzeinheit und Währungsfrage gutachtlich zu äußern und diese Gut- achten bis Ende Oktober zu erstatten. Auch die süddeutschen Staaten werden an der vom norddeutschen Bunde eingesetzten Münzcommission bestimmt Theil nehmen und zwar ist, wie wir vernehmen, der hiesige bayerische Gesandte von seiner Regierung beauftragt worden, diese Betheiligung nicht als ein Zugeständ- niß, sondern als ein Recht zu beanspruchen, da der Münzvertrag bis 1878 in Wirksamkeit besteht und ohne Mitwirkung der süddeutschen Staaten nicht | modificirt werden kann.
Die „91. fr. Presse" schreibt: Die heute eingelaufenen telegraphischen Nachrichten über den Verlauf der Einweihung der Todtenstätten von San Martino und Solierino und die Reden, welche von den anwesenden Vertretern Oesterreichs, Italiens und Frankreichs gehalten wurden, verleihen dieser Feierlichkeit einen sehr ernsten politischen Beigeschmack. Worte wurden gesprochen, als gälte es, im Angesichte der Gebeine Jener, die vor 11 Jahren bei Solfenno und Martino fielen, die Allianz Derer zu feiern, welche damals mit einander rangen. Noch fehlt der Wortlaut der gehaltenen Reden, aber cs ist gewiß nicht ohne Bedeutung, wenn der Kronprinz von Italien auf die Tapferkeit der drei Armeen trinkt, die 1859 auf diesen Gefilden gekämpft haben, und wenn der Vertreter Oesterreichs einen Toast auf die Oesterreich und Italien einigende, auf dem Schlachtfeld unter Strömen Blutes geborene Sympathie ausbringt. Das klingt vielbedeutsam, namentlich wenn man erwägt, wie Graf Bismarck vor Kurzem im norddeutschen Reichstage die Gotthardbahn-Subvention motivirte. Er stellte die Situation so dar, als ob er Italiens Allianz für alle Zukunft in der Tasche hätte. Wenn die gestern stattgehabte Feier mehr zu Tage förderte, als bloße Phrasen, so stehen wir vor einer Kundgebung, die bei der heutigen Weltlage unverkennbar ihre Bedeutung hat.
Vermischtes.
Friedberg. Nächsten Sonntag den 3. Juli wird das 17. Feldbergfest stattfinden. Das Rundschreiben deS Festcomite'S, das zu recht zahlreichem Besuche einladet, sagt: „Da wir am 3. Juli nur frohe Gesichter sehen möchten, so erflehen wir vom Himmel schönes Wetter, aber zuvor und vor allen Dingen einen tüchtigen Regen über alle Berge und Thäler des Vaterlandes und der ganzen verdorrten Erde. Gut Heil!"
besondere hat folgende Resolution einstimmig angenommen: „Der Antrag des Magistrats, zu einer Bewirthung der am 2. August in Berlin anwesenden Gäste des Königs aus den Mitteln der Stadt 30,000 Thaler zu bewilligen, verletzt nicht allein das Interesse der Berliner Steuerzahler, sondern auch das Gast- recht des Königs, dem die Bewirthung seiner Gäste lediglich allein zu überlassen ist. Der Verein ist der Zuversicht, daß die Stadtverordnetenversammlung diesen und etwa noch folgende Anträge des Magistrats mit aller Entschiedenheit und Energie bekämpfen und von sich weisen wird. In einer Commune, in der jährlich 60,000 Anträge zur Steuerexccutionsvoll- streckung von der Exceutionscommission ergehen, sollte unserer unmaßgeblichen Ansicht nach selbst einem Magistrat die Lust zu dergleichen Festivitäten vergehen." In dem Vezirksvereine der Rosenthaler Vorstadt wurde eine fast gleichlautende
sind wichtige Mittheilungen , Mittheilungen, welche einen plötzlichen Umschlag ter Regierung in den bisher maßgebenden Kreisen konstatiren zu dürfen glauben und deßhalb der Hoffnung Raum lassen wollen, daß man noch in der zwölften Stunde sich zu einer mildernden Fassung des Unfehlbarkeitsdogma's entschließen werde. Schon die nächste Zukunft muß zeigen, ob etwas an der Sache ist oder nicht.
Hessen. Darmstadt, 26. Juni. Der Kaiser von Ruß- land ist so eben über Bruchsal, wo ein Zusammentreffen mit der Königin Augusta von Preußen stattfand, von Stuttaart hier eingetroffen. Auf dem Bahnhöfe wurde der Kaiser von dem Großherzog, der von Friedberg zur Begrüßung hergekvm- men war empfangen. Die Weiterreise über Frankfurt nach Weimar erfolgte nach eingenommenen Dejeuner um 3< 2 Uhr
Stadt ist mit russischen und hessischen Fahnen geschmückt. Am Rhemthor »st eine Ehrenpforte errichtet.
. D'e verschiedenen Abtheilungen der beiden Ar
tillerieRegimenter sind am 22. d. hier eingerückt, die Kasseler ^^"enen nach ermüdendem Marsche von mehreren Tag.n. Auch die hessische Pionmer-Abtheilung ist wieder zu gemeinschaftlichen Uebungen mit dem 11. preußischen Pionnier-Bataillon in Saftei eingetroffen. Die in großem Maßstabe angelegten interessanten Uebungen auf dem Rhein, die Raschheit und das Präcise der Manöver auf dem breiten Strome ziehen Zuschauer in Menge an. Das Scharfschießen der Artillerie, welche wieder in Hochheim und Walluf und diesseits hier in der Stadt und in den Dörfer», um den Schießplatz in Quartieren liegt, begann am 24. d. und dauert bis zum 29. Juli. Ganze Wagenladungen Patronen und Geschosse aller Art werden aus den hiesigen Magazinen in daö Depot auf dem Schießplatz befördert.
Preußen. Berlin. Von dem General-Postamte de» Norddeutschen Bundes sind Ausführungs-Bestimmungen zu dem neuen am 1. Juli in Kraft tretenden Postvertraae zwischen dem Norddeutschen Bunde und Großbritannien^aufgeflellt. Oesterreich mit Ungarn, Bayern, Württemberg, Baden und Luremburg werden bei dem Brirfverkehr mit Großbritannien ebenso behandelt tote Norddeutschland. Für einen Brief aus Oesterreich- Ungarn sind 13 Nkr. zu zahlen, wovon die Pvstverwaltuna des AufgabegebletS 5 Nkr., die Norddeutsche Postverwaltung 8 Nkr. erhalt. Ein Brief ans Bayern, Württemberg und Baden kostet d Kr worin sich die Postverwaltung des ÄufgabegebietS u..d Norddeutschland mit resp. 33/4 Kr. und li/2 Gr. theilen. Der PrerS eines Briefes aus Luremburg betragt 2i/2 Gr. und be- zteht hiervon die luremburgische Postverwaltung 1 Gr., die a l1/2 ®1' Ein ähnliches TheilungS-Verhaltniß
stellt sich für die Sendung von Drucksachen und Waarenproben heraus. Der Aufgeber in Oesterreich Ungarn hat 4 Nkr. in ^^"'Württemberg und Baden 3 Kr. und in Luremburg A ®r> Jur eine ^lche einfache Sendung zu entrichten. — Im Allgemeinen werden die Portosätze für Briefe nach und aus überseeischen Landern bei der Beförderung im Einzeltransit durch Großbritannien dergestalt ermäßigt, daß für frankirte Briefe nach überseeischen Ländern 2-/2 Gr., für unfrankirte Briefe aus überseeischen Landern 13/4 bis 2 Gr. für jeden einfachen Portosatz weniger als bisher in Ansatz kommen. — Für Drucksachen und Waarenproben nach und aus überseeischen Ländern gestaltet sich die Tare folgendermaßen: 1. nach überseeischen Län- dern 1V4 Gr. für je 2y2 Loth, welche via Suez oder Panama zu befördern sind, 1 Gr. für je 2«/2 Loth bei Sendungen nach allen übrigen Landern; 2. aus überseeischen Ländern: a) Zeitungen: 3 Gr. aus Ländern via Panama, 2</2 Gr aus Landern via Suez und 2 Gr. aus allen übrigen Ländern fdas Gewicht kann 68/10 Loth betragen) ; b) anderen Drucksachen und Waarenproben: l'/4 Gr. bis zum Gewichle von 1 Unze (|7/io Loth), 21/2 Gr. über 1 bis 2 Unzen, 5 Gr. über 2 bis 4 Unjen, 5 Gr. für jede weiteren 4 Unzen oder einen Theil davon
Berlin. Nach der „V. Z." hat das Obertribunal kürzlich folgendes für das kaufmännische Publikum wichtige Urtheil in einer PostcontraventionSsache gefällt. Die Kaufleute Siebet Jost Sohn zu Freudenberg hatten am 11. August pr. an die Wtttwe Krämer zu Neuß 27/10 Loth Leimprvben unter Streifband eingrsendet und denselben mit zwei Postfreimarken ä 4 Pfennige beklebt. Innerhalb des qu. Streifbandes befanden sich die Worte geschrieben: „per 100 Pfund Thaler 19 ab Kirchen per comvt. 1 Proc. Sconto bei Jost Siebel Sohn." Auf Grund dieser Mittheilungen erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Absender, da nach §. 15 sub 3 des Reglements vom 11. December 1867 zu dem Gesetze über das Poftwesen des norddeutschen Bundes vom 2. November 1867 auf der Adresse von Mustersendungen nichts weiter als der Name oder die Firma des Absenders, die Fabrik- oder Handelszeichen, einschließlich der näheren Bezeichnung der Waare, die Nummern und die Preise angegeben sein dürfen. Die KreiSgerichtScommission zu Freudenberg erkannte indessen auf Freisprechung und das Appellationsgericht zu Arnsberg bestätigte am 3. März 1870 diese Entscheidung, indem eS ausführte, daß der auf dem Streifband vorfindliche Inhalt sich als gestattete Preisangabe charak- tertsire, und man der Ansicht der Postdirektion nicht beipflichten könne, daß die Bezeichnung: per compt. 1 Proc. Sconto, eine Bonification enthalte. Die Mustersendung unter Kreuzband erfolge im Handelsverkehr um deßhalb, weil es dem Kaufmann erlaubt sei, mit wenigen Kosten Kaufsofferten zu stellen, und zwar müsse ohne weitere Rückfrage die Bestellung erfolgen können.
Rußland. Petersburg, 22. Juni. Aus Orenburg liegen über die Vorgänge auf dem kirgisischen Kriegsschauplatz wieder eine Reihe Nachrichten vor, die auf die blutigen Gefechte vor dem Fort „Alerander" auf der Halbinsel Mangischlak sich beziehen. ES bestätigt sich, daß der GeneralftabSoberst Graf Kutaisow mehrere Angriffe dcr kirgisischen ^Rebellen siegreich zurückgeschlagen, und die hartbedrängte Besatzung deS Forts entsetzte. Hierbei standen dem Obersten nur zwei Compagnien des 20. Schützenbataillons, eine Sotnia Kosaken unv ein Ge- schüh zur Verfügung. Nach den jüngsten Mittheilungen auS der Festung Orenburg scheint indeß mit jenen Gefechten die Bewegung der Kirgisen noch nicht ihr Ende erreicht zu haben. Man besorgt vielmehr, daß neue Angriffe Seitens der Rebellen nicht lange auf sich warten lassen dürften, weshalb auch bereit- bedeutende russische Streitkräfte unter dem Oberbefehl des Generalmajors Bisjanow von Orenburg nach dem Flusse Emba und der Kirgisensteppe in Marsch gesetzt worden sind. In der Festung Orenburg herrscht große militärische Thätigkeit.
Heber Garibaldi's Stellung zu den neuesten Mazzinistischen Putschen schreibt Elpis Milena, die bekannte Verehrerin des Generals, die letzthin einige Tage auf Caprera war. Erst kurz aus Kreta ange- kommen und ohne zuverläjsig? Auskunft über den Ursprung und den Charakter der .etztcn Unruhen in Italien, war ich nicht wenig gespannt, Garibaldi'ö Anffchtkn über dieselben zu vernehmen. Daß er selbst indirekt nichts damit zu thun hatte, noch davon wissen wollte, konnte ich mir schon denken. Auch Dienotti Garibaldi ist trotz allen Gerüchten den letzien Bewegungen fremd geblieben und befindet sich in Catanzaro keineswegs, um das Volk auf- zuwiegcln, sondern um sich bei dem Unternehmen, einen unterseeischen Tunnel zwischen Messina und der Küste Calabriens zu bewerkstelligen, zu betheiligen; da dieses Unternehmen an verschiedenen Hindernissen zu scheitern scheint, hat Garibaldi ihn bereits zu sich nach Caprera gerufen. Daß Ricciotti in die letzten Un- ruhen verwickelt ist, schmerzt den General; fern davon, hierüber seine Entrüstung zu verheimlichen, theilte er mir mit , daß in Folge des Verhaftsbefehls, der I Pogodin in Moskau hat einen kurzen Bericht über müssen ^rstecken die bisherige Wirksamkeit der russischen Slaven-
« r * d»" General mein Bebauern aus- Comics veröffentlicht, aus denen hervorgeht, daß
bedien/ nn^ ^ines Namens die Comit^'s ihr Hauptaugenmerk auf die österreichischste er- 1 ?Vf^eo zu schaden, ver- ungarische Monarchie richten und durch ihre propa-
L; ....■ H V™. 'ch dafür Höre ich, daß gandistische Thätigkeit die Existenz derselben zu unter- WÄ Ä'’' f0.,rinfe id> -'n GI-s graben suchen. Zu diesem Zwecke bestehen schon seit (tiürißnlhi h -snndheit derer, die kg gethan Haden." längerer Zeit in Wien und Prag zwei Hauptherde Xzzto ^jnchnet die letzten Bewegungen „rag- für die panslavistische Propaganda, von denen aus
Gg n n, (n">»'n-jch- Knabenstreiche), alle slavischen Völkerschaften Oesterreichs für die Zwecke
u h j. ... j m fuhren, wollte >ch dem Leser sein dieser Propaganda bearbeitet werden. In Wien Hat e ^n^--fnhren des gcheimnißvvllen Ver- die Leitung der propagandistischen Thätigkeit der rus.
i ni,uJ n>'-h darauf beschranken, fische Gesandtschafts-Geistliche Rajewski, chm zur Sei e
° enttch den den E.n edler von Caprera nie steht -in sogenanntes Slaveneomi.ü, 'das über 200 horte." Mitglieder zähl,. All- Unterstützungen, welche an a-schrt-benKroaten, Ruthcnen und andere kleinere slavischc a L , ,Entlassung des Generals Stämme von den russischen Slavencomito's für pro- 3tuff,^en' 6a pagandistische Zwecke gewährt werden, werden durch V ?dn polttisch>r Bedeutung >st- Fa- Rajewski Vermittelt. An der Spitze der panslavisti- Armee n'h ” '"'^'sknttren Offiziere der russischen i schen Propaganda unter den Czechen steht ein gewisser A mce und -,ne Haupt.rtebfeder des Panslavismus, Popoff, der seinen Wohnsitz tür Praa hat. Die e S°>' allgemein erstattet an das Slavencomitö in Moskau, dessen Sckriststell-r ^in? "T, be0ab,En correspondirendes Mitglied er >st, regelmäßige Berichte
"JrT. , r ' , M8cbllcS au6 Gesundheit«- über sein- Wirksamkeit, die seit einiger Zeit überaus ÄS" n7cht von ibm 7e'n't° Dienstentlassung, ist günstig lauten sollen. In Prag ist von den russischen (T dl?on beantragtz da dessen IN der Slavencomit6's der Bau zweier russischen Kirchen toüb^ 8yae4smnMia^ ,toa6.JD.nfi immtr 9t‘ beschlossen, der schon in nächster Zeit in Angriff ge. S ^bl" Wohlunterrichteten therlen daher die nommen werden soll. Der Pogodin'sche Beicht Ansicht , daß des^ Generals bekannte Broschur- über schließt mit der Versicherung, „daß ^die slavischc Sache Doliti au '?as Schon,, ,n6(tor »*er 6^ne,*‘W» in Oesterreich sehr erfreuliche Fortschritte mach, und
Politik auf das Lchonungslofrste mitgenommen und daß die Slaven sich nur einen Cavour oder einen
Oesterreich mit einem Vernichtungskrieg von Seiten Kara G-orgiewitsch wünschen." Nußlands bedroht wird, die Veranlassung zu seiner |


