Ausgabe 
29.11.1870
 
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Vereinigung der Donaufürstenthümer begangenen Vertragsbruch sei die Türkei nicht verantwortlich. Die Türket habe die Sanktion dieses ihre Rechte und ihre Interessen beeinträchtigenden Vertragsbruches niemals begehrt. Die Einfahrt fremder Schiffe mit Souveränen in das schwarze Meer hätte einen inoffenffven Charakter gehabt und hätte Rußland seiner Zeit hierüber Klage führen sollen. Die österreichisch-ungarische Regierung erfahre mit peinlichem Bedauern die Ent­schließung Rußlands; sie drücke hierüber ihr tiefes Erstaunen aus und könne nur die ernste Aufmerksamkeit des russischen CabinetS auf die Folgen eines solchen Vorgehens lenken. In einer weiteren Note an den österreichischen Gesandten Grafen Chotek in St. Petersburg widerlegt Graf Beust den von Rußland ge­machten Einwand, daß er selbst im Januar 1867 die Initiative in dieser Be­ziehung ergriffen habe. Der russische Reichskanzler habe selbst damals die Hand­lungsweise Beust'S überstürzt, weil das Mißtrauen der französischen Regierung erregend, gefunden und weil von einem Congreß ein befriedigendes Resultat nicht zu hoffen sei. UebrigenS hätten nach dem damaligen Vorschläge des Grafen Beust die Vertragsmächte, nicht aber eine Macht einseitig, zur Aenderung des Vertrages schreiten sollen. Damals sei auch der Vorschlag des Grafen Beust nicht derartig gewesen, daß gefährliche Consequenzen aus demselben zu befürchten waren, während Rußlands einseitiges Vorgehen heute ernste Besorgniß errege, da die christlichen Völker des Orients glauben werden, Rußland halte den Moment für geeignet, um die Lösung der orientalischen Frage in die Hand zu nehmen.

Anläßlich der Erwähnung der Aufhebung des ConcordatS wird in dem bezüglichen Resums die feste Ueberzeugung ausgedrückt, daß trotz jener Aufhebung die religiösen Interessen im vollsten Maße geschützt sein werden. Die Regierung habe mit allen Mächten den Wunsch getheilt, daß dem Conflicte zwischen Italien und dem Papste eine versöhnende Lösung Vorbehalten sein möge. Die Regierung beklage aufs Tiefste die Umstände, welche dennoch eine gewaltsame Lösung herbei­geführt haben; indessen selbst der Papst habe nicht die Hülfe Oesterreichs verlangt, sondern durch seine Regierung nur den Wunsch ausgesprochen, daß die österreichisch, ungarische Regierung die Invasion mißbillige; die diesseitige Regierung habe dies versagt, weil sie sich nicht für berufen hielt, eine fremde Regierung, welche den durch ihre Lage gebotenen Nothwendigkeiten gehorcht habe, zu tadeln und durch einen erfolglosen Schritt das eigene Ansehen und die erfreuliche Gestaltung ihrer Beziehungen zu Italien zu gefährden.

London, 22. Nov. Wie der Specialcorrespondent desDaily News" in Berlin von guter Autorität erfährt, sind die Botschafter Englands und Rußlands der Ansicht, daß die Gefahr eines Bruches zwischen Großbritannien und Rußland auf Grund der Haltung letzterer Macht mit Bezug auf den Vertrag von 1856 im Abnehmen begriffen sei.

New-Bork, 24. Nov. Butler sprach in Boston sehr scharf gegen England. Die republikanische Partei müsse die Alabamafrage ausfechten, und es wäre Feig- heit, abzuwarten, bis England in Krieg verwickelt sei. Butler räth, den Verkehr einzustellen, falls England die Genugthuung verweigere. Eine entsprechende Genug- thuung wäre die Abtretung Jamaica's, Neu-Nassau's oder der Bermudas. Butler griff ferner England an, wegen dessen Haltung in der Fischereifrage, welche zu­

verlässig den Krieg herbeiführen werde, und er betonte die Leichtigkeit dieses KriegeS für Amerika, welches 1^ Millionen kriegslustiger Irländer besitze. Butler'S Aus- laffungen sind bedeutsam, weil bas Gerücht geht, daß er der Nachfolger von Fish im auswärtigen Amte werden>de.

Officielle militärische Nachrichten.

Versailles., 27. Nov. La Fere hat nach zweitägiger ^Be­schießung capitulirt mit 2000 Mann und etwa 70 Geschützen.

In der Nacht vom 26. zum 27. heftiges Feuer der Forts in der Südfronte von Paris.

Bei den Recognoscirungs-Gefechten vor Orleans am 24. stießen 2 Brigaden des 10. Corps auf das vormarschierende französische 20. Corps, warfen dasselbe aus Laden und Maizieres, und brachten ihm nicht unbeträchtliche Verluste bei. 146 Gefangene fielen in unsere Hände, diesseitiger Verlust etwa 200 Mann.

Am 26. gingen mehrere feindliche Compagnieen gegen das zehnte Corps vor, wurden abgewiesen, wobei sie allein 40 Todte liegen ließen. Unter den Gefangenen befindet sich ein General. Diesseitiger Verlust 3 Offiziere, 13 Mann. v. Podbielsky.

Dijon, 27. November. Eine Necognoscirung am 26. ergab, daß Garibaldi mit seinem Corps von Pasques im Anmarsch sei. Bei einbrechender Nacht wurden die Vorposten des Füsilier-Bataillons 3. Regiments heftig angegriffen und vom Bataillon Unger aus­genommen. Dieses wies 3 Angriffe auf 50 Schritt zurück, der Feind floh in Unordnung, warf Gepäck und Waffen fort. Heute, am 27., ging ich mit 3 Brigaden zum Angriff vor und erreichte die feindliche Arrieregarde bei Pasques durch Umgehung von Plombieres. Der Feind verlor 3400 Mann an Todten und Verwundeten. Dies­seitiger Verlust an beiden Tagen etwa 50 Mann. Menotti Garibaldi soll am 26. commandirt haben.

von Werder.

Moreuil, 28. Nov. Gestern bis nach Eintritt der Dunkelheit siegreiche Schlacht der ersten Armee gegen die im Vorrücken befind­liche feindliche Nord-Armee. Der an Zahl überlegene gut bewaffnete Feind mit Verlust von mehreren Tausend Mann gegen die Sömme und auf seine verschanzte Stellung vor Amiens zurückgeworfen. Ein feindliches Marine-Bataillon wurde vom 9. Husaren-Negiment nieder­geritten. Eigener Verlust nicht unbeträchtlich. Graf Wartenslebcn.

Allgemeiner Anzeiger.

Werfteigeeunge».

5028) Die Umpflasterung der Güllgasse mit quadermäßig gerichteten Steinen und die Lieferung der hierzu nöthigen Materia­lien, veranschlagt zu 697 Rthlr., soll am

Sonnabend, den 10. December er., Vormittags 11 Vs Uhr, auf hiesigem Rathhause an den Wenigst- fordernden vergeben werden.

Wetzlar, den 24. November 1870.

Der Bürgermeister: __________________Brett schneid er.

Versteigerung von Bauarbeiteu.

5031) Die bei dem Umbau der Brücke über die Lahn bei Ruttershausen vorkom- men'oen Arbeiten und zwar: fl. fr.

Zimmerarbeit, veranschlagt zu 6207 17 Schlosserarbeit, 926 4

Erd - u. Chaussirarbeit 25

sollen auf dem Submissionswege vergeben werden. Pläne, Voranschläge und Bedin­gungen können vom 1. December d. I. in unserm Büreau eingesehen und die Offer­ten von da an bis zum 6. December da­selbst eingereicht werden. Dieselben müssen verschlossen und mit der Aufschrift:Sub­mission für die Lahnbrücke bei Ruttershau­sen", unter Bezeichnung der betreffenden Arbeit, versehen sein.

Zur Eröffnung der Submissionen wird Termin auf

Dienstag den 6. December, Nachmittags 1 Uhr, auf unserem Büreau anberaumt, welchem die Interessenten anwohnen können. Nach diesem Termin einlaufende Offerten finden keine Berücksichtigung.

Ruttershausen, den 26. Novbr. 1870.

Großherzogliche Bürgermeisterei Ruttershausen. , ___________________Klinkel.________

Arbeitsversteigerung zu Rutters­hausen.

5023) Donnerstag den 1. December/ Morgens um 11 Uhr,

sollen auf der Bürgermeisterei Ruttershau­sen nachstehende Arbeiten durch öffentliche Versteigerung in Accord gegeben werden, als :

Steinklopfen, veranschlagt zu 36 fl.

Decken der Chaussee des Wegs nach Odenhausen mit Kies, veranschlagt zu .... 66 Grundfuhren, veranschlagt zu 40 Gießen, den 27. November 1870.

Körner, Vezirksbauaufseher.

Markt-Anzeige.

5024) Einern geehrten Publikum in Gießen und Umgegend zur Nachricht, daß ich den Gießener Jahr-Markt wieder beziehen werde und mache besonders auf neue Sendung seiner Leinwand aufmerksam.

Leinwand, per Elle 3*/2 Sgr.

Hausmacher-Leinen, 6/4 breit, 4^5 Sgr.

Bettzeug, 6/i breit, ächtfarbig, 3/24 Sgr.

Bettzeug, in ganz schwer Leinen, 5 Sgr.

und noch viele schöne Artikel.

Damen, welche Einkäufe zu machen wünschen, belieben sich ge- fälligst Vormittags zu mir zu bemühen, da Nachmittags der Andrang zu groß werden dürste.

Der Stand befindet sich, wie immer, auf dem Marktplatze.

Adolf Hensel aus Sachsen.

5015) Auf bevorstehende Weihnachten empfehle einem geehrten hiesigen und auswärtigen Publikum mein ganz neu assortirtes Lager in allen Sorten Puppen-Köpfen und -Gestellen re. zu den billigsten Preisen.__________Ge o r g R ö b e r, am Kreuz.

Bermiethangen j

FsilgeboteneS

4964) Patent - Schrauben - Schlitt­schuhe in den neuesten, verbesserten Arten empfiehlt I- G- D. Bapst.

5031) Schellfische in regelmäßigen Sen­dungen, sowie russische Sardinen, Sar­dellen, marinirte Ostsee-Häringe, em­pfiehlt Bäcker Vogt, Wallthor.

4610) Frische Sendungen in SardineS in PicleS, Sardine« a l'huile, Anchovis, Mixed-PicleS, Caviar, Champignons, Trüffeln, Gothaer Cervelatwurst, Neuen Holland. Bollhäringen, Genueser Sardellen, Bückingen zum Rohessen, Königs-Reisstärke

empfehlen I. A. Busch Söhne.

Stickereien.

4959) Wegen Aufgabe dieses Arti­kels zu sehr billigen Preisen verkauft Karl Wenzel.

4960) Zwei Papageien (austra­lische Nympheu) nebst schöuem Käfig sind zu verkaufe». Wo? sagt Ausg. d. Bltts.__

§ Seefische: Frische Egmonter Schellfische treffen, so lange keine stürmische Witterung, wieder wöchentlich dreimal ein. Für Cablianen, Zungen und Turbots erbitten wir uns Aufträge mehrere Tage vor Gebrauch. Heute srische Schellfische

I. A. Busch Sohne.

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empfiehlt H. Schm all, Lindenplatz.

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4789) Eine möblirte Stube mit Cabi­net ist zu vermiethen und sogleich zu be­ziehen bei Th. Rautenstr auch, an der Schoor.

Vermischte Anzeigen.

Neuer Turnverein.

5021) In der Generalversammlung am 22. d. Mts. ist beschlossen worden, vom nächsten Dienstage an unsere Turnlocale wieder der Benutzung des Vereins zu er­öffnen, und sind vor der Hand die Abende am Dienstag, Freitag und Samstag von 8 Uhr an zum Turnen festgesetzt worden. Später bei zahlreicher Betheiligung wird das Turnlocal an jedem Abend den Mit­gliedern des Vereins geöffnet sein.

Gießen, den 27. November 1870. __________________ Der V o r st a n d.

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für in und außer dem Haufe nimmt entgegen und verspricht schöne und ge­schmackvolle Ausführung

Amalie Rothenberger, ___________________Lindenplatz.

5033) Bestellungen zum Krautschneidcn werden bei Gastwirth Schnell am Markt entgegengenommeu.