Kriegsnachrichten.
Die schwierige Frage bleibt
Der Reichstag, welcher in seiner dreijährigen Thätigkeit so Bedeutendes ge- schaffen, ist berufen, auch noch an der Lösung dieser, der höchsten nationalen Auf- gäbe, mitzuwirken; in dem Bewußtsein der bisherigen glücklichen Erfolge bringt er zugleich die Zuversicht auf das endliche volle Gelingen zu der jetzigen Arbeit mit. Die Verfassung des Norddeutschen Bundes hat nach allen Seiten hin ihre Feuerprobe bestanden: in den Einrichtungen für die Wehrkraft de- Landes, in der Förderung rüstigen Fortschrittes auf den Gebieten der Gesetzgebung und der Volks- wtrthschaft, in der anziehenden Kraft auf alle dem höchsten vaterländischen Streben zugewandten Geister. Für den Norddeutschen Bund liegt die herrlichste Bewährung in der Thatsache, daß derselbe nach kurzem Bestehen sich in der Lage findet, seine Verfassung ohne eine wesentliche Veränderung zu einem Grundgesetz für das gemeinsame Staatswesen Deutschlands zu erweitern. Es gilt jetzt, den Bedürfnissen eines Volkes zu genügen, in welchem das unwiderstehliche Verlangen nach einer festen nationalen Einheit mit der Liebe für ein fruchtbares Stammesleben Hand in Hand geht, und im Anschluß an die gegebenen Grundlagen das zukünftige Gedeihen unseres Vaterlandes sicher zu stellen.
Der Reichstag wird sich durch die Erfüllung seiner letzten und erhabensten Aufgabe einen hervorragenden Platz in der parlamentarischen Geschichte aller Zeiten erwerben, als Mitbegründer eines innerlich starken und nach Außen mächtigen, aber mit seinem vollen Kraftbewußtsein für den Frieden einstehenden Deutsch-
Vertretung Frankreichs der Friede abgeschlossen werden?"
Nachdem sich fest herausstellte, daß die kleine Besatzung von Bitsch nicht auszuhungern und die Festung auch mit Erfolg nicht zu beschießen sei, ist schon seit einigen Wochen die sämmtliche Artilleiie von dort abgezogen und hat sich
„Durch die Anforderungen einer großen Zeit findet sich der Reichstag des Norddeutschen Bundes berufen, zum dritten Male im Laufe diese- Jahres srtne verfassungsmäßigen Befugnisse auszuüben.
Außerordentlich ist die bevorstehende Session, nicht blo- durch die ungewohn- liche Zelt der Berufung, sondern vor Allem durch die gewaltigen Ereignisse, welche die Berufung herbeigesührt haben, und durch die hochwichtigen Ausgaben, deren Lösung dem Reichstage obliegt.
Mit freudiger und dankbarer Begeisterung blickt Deutschland auf die großen Thaten, die seit Schluß der vorigen Session in einem viermonatlichen Zeiträume vollbracht worden sind. Was die einmüthige opferwillige Erhebung der Natron, was das Zusammenwirken aller edlen Kräfte von den Hütten bis zu den Thronen erhoffen ließ, das hat sich in herrlichster Weife erfüllt. Die deutschen Heere haben unter ihrer bewährten Führung Erfolge errungen, vor deren Glanz die rühm- vollsten Thaten der Vergangenheit zurücktreten. Aber die Waffen unserer Truppen haben dem Vaterlande nicht blo-Sicherheit, Ehre und Macht erkämpft; nach dem verheißungsvollen Wort de- Königs Wilhelm sprießt aus der blutigen Saat des Krieges noch eine andere von Gott gesegnete Ernte: aus dem Lager des deutschen Oberfeldherrn, aus welchem die Mittheilungeu über eine ununterbrochene Reihe von Siegen ohne Gleichen kamen, ergeht jetzt die Freudenbotschaft von der Er- süllung reifender Einigung Deutschlands.
Das Werk, dessen Grund im Jahre 1866 gelegt wurde und für dessen Fortentwickelung eine ebenso vorsichtige, wie feste Hand unablässig thätig war, geht jetzt der Vollendung entgegen; die Scheidegrenze de- Mains, über welche die Sehnsucht der Nation schon längst Hinwegtrug, ist durch die Ereignisse unwiderruflich gebrochen, und die Stämme de- deutschen Volkes haben in treuer Waffenbrüderschaft mit ihrem Blute besiegelt, daß es ihnen heiliger Ernst mit dem Entschlüsse ist, fortan in Leid und Freud, in Krieg und Frieden durch das Band innigster Lebensgemeinschaft verbunden zusammen zu stehen. Der nächsten Zukunft gehört die Aufgabe, das im freien Einverständniß der Regierungen nut den Wünschen der Nation beschlossene Werk der Einigung auf den schon erprobten Grundlagen zu gestalten und zu befestigen.
landS.
Aus Tours vom 20. Nov. wird der „Independance belge" nun auch ein-
stitutionen und den Dekreten der allgemeinen Concilien, insbesondere den Tri- dentinischen, verhängten katholischen Censuren und Strafen verfallen seien."
Die Mehrzahl der englischen Morgenblätter brachte am 22. Nov. eine Zusammenstellung über die Waffenausfuhr von Amerika nach Frankreich bis zum 16. November. Die Quelle dieser Mittheilung ist nicht angegeben, doch wird
dieselbe als durchaus zuoerlässig bezeichnet. DaS erste Cargo von Bedeutung, welches auf einem französischen Dampfer verschifft wurde, bestand aus 2500 Ge- wehren und Carabinern, die am 3. September, also am Tage nach der Schlacht bei Sedan, an Bord des in Newyork vor Anker liegenden Dampfer- „Pereire" gebracht wurden. Nach diesem Tage nahmen die Verschiffungen bedeutend an Umfang zu. Am 20. lichtete der Dampfer „Lafayette" die Anker mit 6000 Ge» wehren und Carabinern, so wie 3,000,000 Patronen. Am 8. October nahm die „Ville de Paris" 90,000 Gewehre und Carabinern mit 8,000,000 Patronen an Bord, und das letzte Cargo, bestehend aus 90,000 Gewehren und Carabinern, nebst 18,000,000 Patronen beförderte der „Ontario". Demnach stellt sich die Gesammtsumme der verzeichneten Ausfuhr auf 378,500 Stück Infanteriegewehre und Carabiner, 45,000,000 Stück und 11,000 Kisten Patronen, 55 Kanonen, 5 Gatling-Batterien und 2000 Pistolen, doch ist es nicht unwahrscheinlich, daß außer den aufgeführten Posten noch andere nach Frankreich befördert worden sind. „Daily News" macht zu diesen Zahlenangaben die folgenden Bemerkungen: „Wir erwähnen diese Thatsachen weder, um uns zu entschuldigen, noch um die Verein. Staaten anzuklagen. Die Vereinigten Staaten haben ja auch für ihre streng billigen und ehrenvollen internationalen Beziehungen einen guten Ruf erlangt und ihre Waffenausfuhr ist so offen betrieben worden, wie im gewöhnlichen und berechtigten Handelsverkehr Sttte ist. In der That ist es aber etwas hart, daß die Beschwerden Deutschlands ausschließlich, oder doch zum größten Theile gegen uns gerichtet worden sind, denn die spärliche Auskunft, welche über unsere eigene Waffenausfuhr zu Tage gelangt ist, lassen sie ganz sicher weit kleiner erscheinen, als die der Vereinigten Staaten. Wir wollen indessen nicht die Entschuldigung vorbringen, daß unsere Sünden im Vergleich mit denen unseres Nächsten nur leicht sind. Dem individuellen Risico des Exporteurs ausgesetzt, ist in dieser Form des Handelsverkehrs nichts Gesetzwidriges. Ob eS Wünschenswerth sei, sie für die Zukunft durch ein Abkommen unter den Nationen als gesetzwidrig zu erklären, ist eine ganz andere Frage, und zwar eine Frage, über die eine Einigung lange
ersten Anleihe zu vollziehen, haben demnach nur die halbe Wahrheit gesagt: die
erste Anleihe ist schon wieder erschöpft, Gambetta angelt nach einer neuen Anleihe, auch der Geniegencral v. Butz, welcher dort anwesend war, mit derselben entfernt.
Der Pfarrer einer Vorstadtgemeinde von Marseille hat dem VerthetdigungS- handelt sich nunmehr nur darum, die Besatzung in Schach zu halten, daß sie Comite eine Glocke, der Cercle de l'Athenee in Marseille 5000 Fr. für eure der keinerlei Angriffe auf die Proviant- und Munitionstransporte auszuführen vermag. Mobilgarde zu stellende Kanone, der Bürger Albert Blanc und die Bürgerin (5- ist tte Festung zu diesem Zwecke nur von drei Seiten cernirt, so daß der Tuiel jeder 500 Fr. für Ankauf einer Mitrailleuse zu demselben Zwecke geschenkt. Verkehr der Stadtbevölkerung und der Landbewohner mit den BesotzungStruppen Das französisch-polnische Comite ruft die polnischen Flüchtlinge zur Bildung eines e{n ganz ungehinderter ist. ES fällt auch kein Schuß mehr aus dem Felsennest ReitercorpS auf. auf die Cernirungstruppen und ist ebenso von unserer Seite alles Schießen ein-
Die Excommunication gegen den König von Italien ist — wie der Wie- gestellt. Den Dienst vor Bitsch versehen abwechslungsweise je zwei Bataillone ner „Volksfreund" berichtet — erfolgt in einer Encyclika vom 1. Nov. d. I. des 4. und 8. bayerischen Infanterie-Regiments. Die Lebensmittel werden zur Der heilige Vater hat zwar die Urheber und Theilnehmer an der Invasion des Zeit olle durch den Requisitionswcg beschafft, und wird das Schlechteste geliefert, Kirchenstaates und Roms nicht namentlich angeführt, aber er bat sie genau be- was die Leute nur aufzutreiben vermögen, wie überhaupt auch die Soldaten von zeichnet, indem er sagt: „Wir erklären Euch, ehrwürdige Brüder und durch Euch der Bevölkerung sehr ausgebeutet und übervortheilt werden. (Würzb. Z) der gesammten Kirche, daß alle diejenigen, in was immer für einer, auch ganz Aus Rambouillet, 19. Nov., meldet ein Telegramm an die Großherzogin besonderer Erwähnung werthen Würde sie glänzen mögen, welche die Invasion, von Sachsen-Weimar: „Gestern Vormittags siegreiches Gefecht bei Chateauneuf. Usurpation, Occupation was immer für einer Unserer Provinzen und dieser Un- 94. Regiment und besonders Füsilier-Bataillon sich sehr ausgezeichnet. Verlust serer hehren Stadt, oder etwas daran verübt haben, und ebenso ihre Auftrag- nicht unbedeutend. Großherzog von Mecklenburg.
geber, Begünstiger, Helfer, Rathgeber, Anhänger und alle Anderen, welche die Ein Correspondent aus Tours im „Journal de Bruxelles" gibt die Stärke Ausführung der erwähnten Dinge unter irgend einem Vorwand und auf was der Armee unter dem General d'AurelleS auf 18 Divisionen regulärer Infanterie, immer für eine Weise befördern, oder sie selbst ausführen, der größeren Excom- 5 Divisionen regulärer Cavallerie und 150,000 Mann unreguläre Truppen, wie munication und den anderen von den heiligen Canoneö, den apostolischen Con- Mobilgarden, Freischützen und mobilisirte Nationalgarden an. Die regulären
abgereist, um neue Verhandlungen einzuleiten." Die Londoner Depeschen, welche Saurier nur wieder in London eintreffen lassen, um die Formalitäten wegen der
Verfasser des obigen Schreibens meldet schließlich: „Die Anleihe hat über die Steuer in den Regierungskreisen gesiegt; Herr Saurier ist wieder nach London
nicht wahrscheinlich ist."
gestanden, daß Gambetta keine Wahlen will, weil „die Massen, die Landleute, sich noch nicht vertraut genug mit der Idee der Republik gemacht haben; man hat ihnen so viel Angst vor diesem Worte eingcflößt und man hat das rothe Gespenst so viel spielen lassen, daß sie kein Vertrauen dazu haben, kurz, die In- teressen der Bauern sind gegen die Republik." Aber Gambetta verläßt sich auf die Mittelklasse, „die unter dem Kaiserthume zwischen einer Aristokratie der Condottieri und den Herden des Dorfes eingekeilt war, sich jetzt aber aufrichtet und das Ruder der Regierung wieder ergreift; die unterrichteten Classen, die Arbeiter, Kaufleute und Fabrikanten, wollen keine imperialistische Restauration und sind aus diesem Grunde mehr als je für die Erhaltung der Republik. Ich sage nicht:
Der „Bad. Landesztg." wird aus Versailles, 20. Nov., geschrieben: „Die Absicht, Paris zu beschießen, wenn sie jemals ernstlich bestanden hat, ist jetzt entschieden fallen gelassen; man hofft, durch die bloße Einschließung Paris zu Falle zu bringen, und zwar in kürzester Zeit. Das mag mit der allgemeinen Annahme, Paris werde sich noch Wochen lang halten, in schroffem Widerspruch stehen, trotzdem glaube ich Ihnen diese Nachricht nicht vorenthalten zu sollen, da sie mir von durchaus glaubwürdiger Seite bestätigt wird. Ich möchte aber nicht dafür die Verantwortung übernehmen, und ausdrücklich mache ich mich nur zum Träger des „man sagt", wenn ich meiner Quelle nacherzähle, daß nicht bloß die Uebergabe von Paris noch in diesem Monat erwartet wird, sondern daß auch bereits die Vorbereitungen zum Rückmarsch des größern TheileS des Heeres für Mitte De- cember getroffen werden. Es gehört dahin nicht nur die Magazinirung der von dem Rückmarsch berührten Etappenstraßen, sondern hauptsächlich der ins Auge gefaßte Verkauf des Fuhrparks der Armee. Bekanntlich sind die Proviantcolonnen der einzelnen Armeecorps zum kleineren Theile aus Staatsfuhrwerken, zum größten Theile aus Privatgespannen zusammengestellt; letztere wiederum sind theils für Rechnung des Staats angekauft, theils gegen eine Entschädigung von 3—4 Thlr. für den Tag gemietet. Alle diese Privatfuhrwerke sollen Mitte nächsten Monats in Elsatz und Lothringen zu billigen Preisen zum Verkauf gestellt werden, und zwar hauptsächlich, um den Rückmarsch der Truppen möglichst schnell zu bewerkstelligen, dann aber auch, um die bedeutenden Futter- und Miethkosten zu ersparen und um den von Pferden und Wagen fast ganz entblößten, an Deutschland fallenden Provinzen eine kleine Aufhülfe zu gewähren. Mit den Besitzern der Miethsuhrwerke sind bereits die nöthigen Unterhandlungen eingeleitet, die bei dem traurigen Zustande der Gespanne leicht zum befriedigenden Abschluß gelangen Frankreich ist republikanisch; ich sage aber: Frankreich ist nicht mehr monarchisch werden. Daran knüpft sich eine dem Grafen Bismarck in den Mund gelegte gesinnt." Diese Auffassung mag begründet oder mit Illusionen behaftet sein, so Aeußerung, die er den abreisenden süddeutschen Diplomaten mit auf den Weg ge- erklärt sie doch, weßhalb Gambetta in feinen Organen fortwährend gegen den geben haben soll. „Auf Wiedersehen in Berlin", rief er den Scheidenden zu; Imperialismus donnern und das Berliner Cabinet als mit Napoleon auf Wilhelms- „zum Reichstage kann ich leider nicht dort fein, aber bald nachher, und dann höhe confpirirend, verdächtigen läßt. Die Regierung der Nationalvertheidigung werden wir die Unterhandlungen weiter führen!!" Nebenbei verdient erwähnt zu fetzt den Krieg zur Vertheidigung der Republik fort: diese soll bei dem fortgesetzten werden, daß für den Einmarsch in Paris die Bestimmungen bereits dahin getroffen Volkskriege Wurzel fassen und „die Herden des Dorfes" sollen erst an die Re- sind, daß nur der Kronprinz mit seiner Armee die Stadt, besetzt, ^das Haupt- publik gewöhnt werden, ehe man ihnen die Stimmzettel in die Hand gibt. Der quartier des Königs aber in Versailles verbleibt. D' '' ' ? **'
M *■c* *• ' **" nur immer die: mit wem soll bei dem vollständigen Mangel einer rechtmäßigen


