Ausgabe 
27.1.1870
 
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Feuilleton

Dic Gchcimnissk einer jungen Mamsell.

(Fortsetzung.)

Der Portier wurde rasch befragt, ob der junge Herr Stiller das Hotel Verlassen habe.

Der Portier verneinte.

Adolph mußte also auf sein Zimmer gegangen sein, das im dritten Stocke lag.

Ich will ihn dort aufsuchen, dachte Clara. Es muß ein ungewöhnliches Ereignitz sein, das Adolph's heiteres Wesen plötzlich so verwandelt hat- Er soll Derjenigen beichten, die schwesterliche Liebe für ihn fühlt.

Mit schnellen Schritten eilte sie nach oben.

Sie klopfte leise an Adolph's Zimmerthüre.

Keine Antwort erfolgte.

Sollte er nicht in seinem Zimmer sein?" murmelte sieIch will es doch noch einmal versuchen."

Sie klopfte stärker und stärker.

Da hörte sie inwendig laut rufen:

Zum Teufel! wer stört mich? Ich will allein sein!"

O, schelte so viel Du willst," sagte Clara. Ich verstehe es schon, Dich wieder gut zu machen."

Sie öffnete die Thür, die nicht verschlossen war, und steckte den Kopf hinein.

Ich bin es, Clara, lieber Adolph."

Der junge Mann, der mit hastigen Schritten auf- und abging, blieb stehen und blickte ihr finster entgegen.

Ah, Du, Mädchen. Was willst Du, Clara?"

Das sollst Du bald erfahren."

Sie betrat das Zimmer, schritt auf ihn zu und stellte sich dicht Vor ihn hin:

Sieh mich einmal an, Adolph," sagte sie in sanftem Tone.

Er schlug den Blick nieder und wandte das Gesicht von ihr ab.

Clara ergriff seine Hand und bat herzlich:

Nicht so, Adolph, das heißt nicht Diejenige ansehen, die hierher gekom­men ist, um Theil an Deinem Kummer oder Schmerz zu nehmen. Eins von Beiden bedrängt Dich. Ich habe Dich bei Tische beobachtet, ohne daß Du es bemerktest. Die Angst, Dir sei etwas Schlimmes widerfahren, trieb mich zu Dir. Ist cs nicht so, dann beruhige mich. Ich kann Niemanden aus Deiner Familie leiden sehen, da Ihr alle so unaussprechlich gut gegen mich seid."

Der junge Mann wandte ihr sein blasses Antlitz wieder zu.

Ich weiß, wie gut und mitleidsvoll Du bist, Clara," versetzte er.Stände es in Deiner Macht, mir zu helfen, Du würdest es gewiß thun. Leider aber kannst Du mich höchstens beklagen, gutes Kind!"

Oho, das käme doch darauf an," sagte Clara rasch. Ich weiß in vielen Dingen Rath und hab? es erst diesen Morgen bei Deinem Bruder Konrad bewiesen, der auch Etwas auf dem Herzen hatte. Doch davon später. Ich will jetzt wissen, tote es mit Dir steht. Mach', was Du willst. Ich lasse mich nicht zurückweisen. Wo sind Deine hübschen rothen Backen geblieben, wo das Helle glänzende Auge, das so heiter in's Leben hinein sah. Etwas Böses kannst Du nicht begangen haben, also handelt es sich um eine Kränkung, ober noch schlimmer, um ein Unglück."

Der herzliche Ton, mit dem das Mädchen sprach, der sanfte theilnehmende Blick der klugen Augen des jungen Mädchens, das er wie eine Schwester schätzte, schloß sein Herz auf.

Ja, es ist ein Unglück, das mich betroffen hat," sagte er dumpf,das durch Nichts als eine große Summe Geldes wieder gut gemacht werden kann, durch eine Summe, wie ich sic nicht besitze."

Clara schlug erstaunt die Hände zusammen.

Adolph, so hast Du Schulden gemacht! Du warst doch sonst immer ein solider junger Mann."

Der Commis seufzte.

Ich war es bis vor Kurzem, bis mich, den Lebemann, der Teufel in eine Gesellschaft brachte, wo gespielt und zwar hoch^gespielt wurde."

Das junge Mädchen fuhr erschrocken zurück.

Sie hatte vor Nichts größer» Abscheu, als vor dem Laster ber Trunksucht unb des Spiels.

Gerechter Gott, was hast Du gethan!" jammerte sie.

Ich habe mich, vom Weine berauscht, zum Spiele verleiten lassen. Erst verlor ich eine ziemlich beträchtliche Summe, die ich zufällig bei mir trug. Es war mein dreimonatliches Salair, bas ich denselben Tag von meinen Prin- zipälen empfangen hatte. Dic Wuth über meinen Verlust, bas thörichte Stre­ben, bas Verlorne wieber zu gewinnen, riß mich zu dem Wahnsinne hin, auf mein Ehrenwort zu spielen. Da Derjenige, der die Bank hielt, mich und meine Eltern genau kennt, so war er damit zufrieden. Ich Pointe auf's Neue am Pharaotisch und stärker als zuvor. Alle Karten, worauf ich setzte, schlugen fehl, und ehe die Uhr Eins schlug, schuldete ich dem Bankhalter die Summe von dreitausend Mark. Ich mußte ihm einen Schuldschein, das Geld binnen einer Woche zu zahlen, ausstellen. Nun weißt Du, gute Clara, woher meine Blässe stammt, warum ich Dir nicht in's Auge zu sehen wagte."

Adolph sank auf einen Stuhl unb verhüllte sein Gesicht mit den Händen.

Auch aus Clara's Antlitz war die Farbe gewichen. Sie war nahe daran, ihren Schreck in Thränen Luft zu machen. Aber cs galt, sich dem Verzweifeln- den gegenüber muthig zu zeigen, und so bezwang sie ihre Gefühle und fragte:

Unb wann st vies Alles geschehen, lieber Adolph?"

In der verflossenen Nacht," erwiederte er.

Du sagst mir, der Mann, der Bank hielt und wahrscheinlich ein Be­trüger ist, kennt Dich unb Deine Eltern."

*So ist 'S."

Kennen Deine Eltern ihn denn?"

Ja, und Du kennst ihn auch."

Wer ist es Venn? Nenne mir den Namen."

Du sichst diesen Mann jeden Abenv an der table dhöle. Auch wohnt er bei uns schon seit längerer Zeit."

Den Namen, Adolph, den Namen."

Hantelmann!"

Clara machte zwei Schritte zurück.

Was, der Mann, den wir unfern Abendgast heißen, der erst immer nach Mitternacht tn'S Hütel zurückkommt?"

Kein Anderer, Clara."

Das junge Mädchen ballte zornig die kleinen Hände.

Also ein erklärter Spieler ist dieser saubere parfümirte Herr," rief sie entrüstet.Nun weiß man doch endlich, was dieser Mensch heimlich deS Nachts treibt. Dieser Gast muß mir aus dem Hause, mag er auch noch so gut be­zahlen. Dein Vater darf ihn nicht länger unter seinem Dache dulden!"

Ich bin ganz Deiner Meinung, Clara," versetzte Adolph.Bevor ihm aber die Zimmer gekündigt werden, muß ich ihm meine Schuld bezahlen. Ich muß, denn ich habe einen Ehrenschein ausgestellt."

Einen Ehrenschein für eine Summe, um die er Dich wahrscheinlich betrogen hat?"

Mag sein. Aber ich kann es nicht beweisen."

Das junge Mädchen stampfte ärgerlich mit dem Fuße.

O, über diese heimlichen Spielhöllen. Man sollte sie der Polizei anzeigen!"

Heute wirb hier, morgen dort gespielt. In dieser Beziehung ist die Polizei ohnmächtig. Aber wir schwatzen über Dinge, die wir nicht ändern können. Die Hauptsache ist, daß ich vem Herrn Hantelmann die ihm verschrie­bene Summe zahlen soll unb nicht kann."

Mein Gott, er kann Dich ja doch wegen einer Spielschuld nicht verklagen."

O, der Schlaue hat den Schein mich so ausstellen lassen, baß von einer Spielschulb darin nicht die Rede ist. Es heißt darin, er habe mir das Gelb baar auf mein Ehrenwort geliehen."

Clara's Herz schwoll in Empörung auf.

Sie legte beide Hände an die Stirn und sann nach.

Ein kurzes Schweigen erfolgte.

Dann fragte Adolph traurig:

Begreifst Du nun mein Unglück, meine Verzweiflung, Clara?"

Das Mädchen erwiederte:

Ja, Cousin. Wenn Deine guten Eltern Deine Unbesonnenheit erführen, es würde ihnen schweren Kummer verursachen. Dein Vater würde freilich zahlen."

Nein, nein, bas soll er nicht. Er darf Nichts von meinem Vergehen erfahren. Ich wüßte ja vor Schaam in die Erbe sinken. O, mein Gott, was soll ich beginnen, was thun?"

Clara's Augen blitzten lebhaft auf, wie immer, wenn sie einen glücklichen Gedanken faßte.

Nichts sollst Du in den nächsten Tagen thun, Cousin," sagte sie rasch, als Deinen Eltern eine andere, nicht so verzweiflungsvolle Miene zeigen, damit sie nicht beunruhigt werben. Ueberlaß mir vorläufig, in dieser häßlichen Sache für Dich zu handeln."

Aber, was kannst denn Du, gute Clara? Du kannst mir doch nicht die nöthige Summe verschaffen?"

Nein, Cousin, so reich bestellt ist meine Casse nicht. Aber mein klei­ner Kopf ist nicht arm an guten Gedanken, und ein solcher, der Dir vielleicht aus ber Patsche hilft, ist mir wie ein Blitz gekommen. Gehe also beru­higt wieder in Dein Comptoir. Noch ist nicht Alles verloren. In weni­gen Tagen sollst Du erfahren, was mein geringes Gehirn zu Deinem Besten ausgebeutet hat. Gelingt mir mein Vorhaben nicht, dann ist'ö immer noch Zeit, Dich Deinem Vater zu Füßen zu werfen, ihm Deine Schuld zu beichten und feine Verzeihung zu erflehen. Aber ich hoffe, Dir gute Nachricht zu bringen."

Eine Umarmung belohnte Clara für die letzten Worte.

Du gute liebe Trösterin!" rief der junge Mann.O, wie gut war's doch, baß ich Dir mein Unglück vertraut habe. Das Herz ist mir jetzt so leicht mir ist, als müßte von Dir Hülfe kommen."

DaS Mäbchen lächelte.

Abwarten," sagte sie,hoffen unb nicht verzweifeln!"

Adolph begab sich zu seinem Comptoir unb Clara nahm ihre häusliche Thätigkeit wieber auf.

Zwei Stunden später saß Clara in ihrem Stübchen und beschäftigte sich mit dem, was ihr an diesem Tage vertraut war. Das Leben und Treiben des Abendgastes wollte ihr nicht aus dem Kopfe. Sie dachte:

Wie mir der arme Sander feinen Vater geschildert, so könnte Hr. Han- telmann es sein, wenn er nicht so jung ausfähe. Der Mann, der einst so niederträchtig an Frau und Kindern gehandelt hat, mag auch wohl das ver­worfene Gewerbe eines Spielers, vielleicht eines falschen Spielers, treiben. Nur die Außenseite dieses Menschen, die Außenseite o, wenn ich ihn doch ein­mal am Tage, bei Hellem Sonnenlichte sehen könnte, ober wenn er Toilette macht dann würde ich bald im Klaren fein. Aber wär' das denn nicht möglich zu machen? Denken wir einmal darüber nach. Die Zimmer, die er bewohnt, kenne ich ja ganz genau. Erst kommt das Entrsezimmer. Von dort aus führt eine Glasthür in's Wohnzimmer Die Schlafstuben für den Herrn und Mosje Jean folgen dann. Im ersten Zimmer befindet sich ein Wandschrank, der aber von Herrn Hantelmann nicht benutzt wirb; denn ich besitze ben Schlüs­sel, und als er hier einzog hat er ihn nicht verlangt. Der Schrank ist so weit unb so hoch, daß sich em so kleines Persönchen, wie ich, bequem darin tierber gen kann. Wenn es möglich wäre, früh Morgens dahinein zu schlüpfen und den Herrn Hantelmann, wenn Jean mit seiner Toilette beschäftigt ist, durch die Glasthüre zu belauschen. Dann wüßte ich, woran ich wäre. In den Schrank hinein- unv wieder herauszukommen, ist, flrnk, wie ich bin, eine Kleinigkeit. Ader, wie gelange ich in's Zimmer? Jean schließt immer hinter sich zu, wenn er Morgens zu uns herunter kommt, um für seinen Herrn den Kaffee zu holen. Bestechen läßt sich der Franzose wahrscheinlich nicht, um an seinem Herrn zum Verräther zu werden, allo muß ich auf ein andres Mittel denken. Aber welches, welches, das ist schwer zu finden.

Sie stutzte den Kopf, rieb mit den feinen Fingern die Stirn und murmelte dann:

Halt, ich hab's. Nur so komme ich dazu, meinen Plan auszusühren, Ich muß mir Jemand suchen, der mir in dieser Angelegenheit Helsen kann, und ich glaube, ich habe ihn schon gesunden."

Sie erhob sich vom Stuhle, ging in die untern Räume bcS Hütels hin- unter und suchte den Hausknecht Christian auf. (Fortsetzung folgt.)