Ausgabe 
25.10.1870
 
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Gießener Anzeiger

96

Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Kichem

Dienstag den 25. Octobcr

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Nr. 136.

.hl bei der Expedition, Canzleiberg B-1, als auch rd den Land-Postboten entgegen genommen.

24. October.

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Mein sehr theurcr Louis!

Ich schreibe Dir aus dem Nil während der Reise nach (unleserlich). Es wäre keineswegs die Wahrheit, Dir zu sagen, daß wir es hier kühl hätten, aber Die Hitze ist sehr erträglich, denn der Wind weht; in der Sonne freilich ist es etwas Anderes. Übrigens melde ich Dir telegraphisch den Stand der Temperatur. Ich empfange alle Tage durch den Telegraphen Deine und Louis' Nachrichten; oas ist bewunvcrnswcrth und sehr angenehm für mich, da ich immer durch dies Band, das mich an alle meine Neigungen fesselt, mit dem theuren jenseitigen Ufer in steter Verbindung gehalten werde. Ich bin entzückt über unsere reizende Reise und ich würde sie Dir beschreiben, wenn nicht bereits klügere und angenehmere Erzähler als ich ras gethan hätten; es scheint mir deshalb gut, mich stumm in meine Bewunderung zu hüllen. Der gestrige Tag und der Gedanke, Dich ohne mich in Paris zu wissen, hat mich sehr geängstigt, aber so viel ich aus der De­pesche ersehe, ist Alles gut gegangen. (Der 26. October war der Tag, an wel­chem der gesetzmäßige Termin zur Wicdercinberufung der Kammern ablief, ohne daß er von der Regierung respcctirt worden wäre. Red.) Menn man die an­dern Völker sieht, beurtheilt und schätzt man die Ungerechtigkeit des unseren noch viel richtiger. Ich denke trotz alledem, daß man den Muth nicht sinken lassen und auf dem Wege fortschreiten muß, den Du feierlich geweiht hast (hier macht die Gute einen bösin orthographischen Schnitzer, indem sie schreibt: la voie, que tu as inaugure) , der gute Glaube an die gegebenen Concesstonen, wie man es üorigens denkt und sagt (comme du reste on le pense est dis), ist eine hübsche Sache; ich hoffe also, daß Deine Rede in diesem Sinne sein wird; je mehr man später die Gewalt nöthig haben wird, um so nothwendiger ist es, dem Lande zu zeigen, daß man Ideen hat und nicht Auswege. Ich bin zu entfernt und seil meiner Abreise zu unkundig der Dinge, um so sprechen zu dürfen, aber ich bin innig überzeugt, daß die Folgerichtigkeit in den Ideen die wahre Stärke ist; ick liebe nicht die gewaltsamen Schläge (les äcoups) und ich bin überzeugt, daß man nicht zweimal unter derselben Regierung Staatsstreiche macht; ich schwatze in den Tag hinein, denn ich predige einem Bekehrten, der damit länger Bescheid weiß, als ich. Aber ich muß wohl etwas reden, wäre es nur (ne fut-ce que) um zu beweisen, was Du weißt, daß mein Herz bei Euch beiden ist, und wenn in ten Tagen der Ruhe mein schweifender Geist es liebt, in den Welträumen spazieren zu gehen, fo liebe ich es, bei Euch zu sein in den Tagen der Unruhe und Sorge. Fern von Menschen und Dingen atbmet man eine Ruhe, die wohl thut, und durch eine Anstrengung der Einbildungskraft denke ich mir, daß Alles : gut geht, weil ich Nichts weiß. Amüsire Dich, ich halte die Zerstreuung für un- erläßlich, man muß die Stimmung ausbessern, wie man eine geschwächte Consti- ! tution stützt, und eine beständige Idee endet (fmie) damit, das bestorganisirte : Geh-rn adzunutzen. Ich habe die Erfahrung gemacht, und an alles das, was in meinem Leb»n die schonen Farben meiner Illusionen getrübt hat, will ich nicht mehr denken; mein Leben ist beschlossen, aber ich lebe noch einmal in meinem Lohn, und ich glaube, daß das die wahren Freuden sind, die durch sein Herz in mein Herz gehen. Inzwischen genieße ick (je joui) meine Reise, Sonnen­untergänge (couches du soleil), diese wilde Natur, die in einer Breite von 50 Mlres auf bcicen Ufern bebaut ist, und im Hintergründe die Wüste mit ihren

In der dritten Lieferung der Tuilerienpapiere findet sich unter dem Titel Was eine Taufe kostet" folgende Rechnung: Diamanten-Mevaillons 25,000 Fr. Honorar für die Aerzte 62,000 Fr., für die Hebamme 6000 Fr., an die Gesell­schaft der dramatischen Autoren und Componisten 10,000 Fr., eine gleiche Summe erhielten die Gesellschaften der Schriftsteller, der dramatischen Künstler, DerJDiu- siker, der Maler und Bildhauer, der industriellen Erfinder, der Aerzte im Seine­departement; an die WohlthätigkeitSbureaus in Paris und den Communen, wo die Krongüter liegen, 93,000 Fr., für Kinderwäsche 100,000 Fr., Gratifikation an die Diener der Kaiserin 11,000 Fr., freies Theater am 18. März 1856 44,000 Fr., Unterstützung für Eltern der am 16. März geborenen Kinder 58,000 Fr., Medaillen an die Dichter und Componisten der Jubelcantaten, an die Trup­pen und Zöglinge der Lyceen 85,000 Fr., Pathenbriefe 20,000 Fr., Taufzcug 172,000 Fr., Gratifikation an die Arbeiter des kaiserlichen Hauses 160,000 Fr., in Summa 898,000 Fr. Derselben Quelle entnehmen wir folgenden hübschen Brief der Exkaiserin an ihren Mann. Eugenie schreibt:

Auf dem Nil an Bord derImperatrice", 27. October 1869.

soll, geht der , Gazette de France" zufolge das Geld aus. Die Abreise des Hrn. ; .... 3 1 / dort welches aufzutreiben. Wenn

an die Regierung stets die Aufforderung richtet, der Politik des

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Erscheint täglich, nut Aus­nahme MontagS.

Expedition . Canzleiberg Lit. B. Nr. 1.

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Versailles. -

In Versailles, dem stolzen Herrschersitze der Bourbonen, dem prachwollen . Denkmal, das jener ländergierigste und ruhmsüchtigste der französischen Könige | Ludwig XIV. sich und seiner Größe und Herrlichkeit errichtet hat, versammeln t sich um den König von Preußen die Staatsmänner Süddeutschlands, um der in der Stunde der Gefahr geborenen, im blutigen Siegesläufe herrlich erprob­ten deutschen Einigung den staatsrechtlichen Abschluß zu geben, der es vor der Welt bekunden soll, daß' niemals wieder ein fremder Eroberer es hoffen darf, < die Zersplitterung Deutschlands zum Fußgestell seiner Größe zu machen. Ern ' wunderbares, ergreifendes Schauspiel, wie die Welt deren wenige ^gejehen hat. . cYn diesem Versailles, auf dessen Palaste die Fahne des deutschen Siegers weht, 1 wurde die Brandfackel entzündet, welche die Städte und gesegneten Fluren der Pfalz verwüsten sollte, hier wurden jene Reunionsedicte entworfen, welche neuen , Raub zu dem alten Raub fügten, hier wurde der Plan geschmiedet, das deutsche Straßburg mitten im Frieden zn überfallen und der französischen Monarchie «inzuverleiben, vou dieser Stätte der Pracht und Ueppigkett gu.gen alle die Stürme aus, die ein halbes Jahrhundert hindurch verheerend über Europa da- bin brausten, hier erschallten die geistreichen und die plumpen Schmeicheleien, i iie den allmächtigen Urheber aller dieser Großthaten feierten Hier aber auch, wurden in wüsten Orgien die überspannten Kräfte Frankreichs eychopft, hier - seine Reichthümer verpraßt, seine Sitten zerstört und vergiftet. Hier verkündete Mirabeaus Donnerstimme den Untergang des bourbomschen Frankrclchv. Und nicht weit von diesem Denkmal der bourbonischen Größe und des bourbomschen Kalles liegt St. Germain en Lane, wo jener Frieden geschlossen würbe, der ben von seinen Verbündeten in Stich gelassenen großen Kurfürsten von Lrandenbnrg um die Früchte seiner herrlichen Siege über Schweden brachte, bei dcsscu Untcr- ieichnung er aber prophetisch auf den Rächer hinwies, der aus seiner Asche ihm erstehen werde. Der alte Königssitz ist das Hecreslager der Streitmacht des gelammten Dentschlands, das geeinigt den Besitz zurücksordert, der ihm )n seiner Zersplitterung entrissen ist. Der Nachkomme des großen Kurfürsten fuhrt die deutschen Heere. Deutschland hat keinen Bunbesgeuosten, es hat allem und mit eiqenn Kraft das Strafgericht über den unversöhnlichen Feind vollzogen und Niemand wird diesen vor den Folgen seines herausfordernden Uebermuthes schützen. Unser ist die That und wir verlangen keinen Rath, weder darüber, wie wir uns Frankreich gegenüber zu verhalten noch wie wir unser eigenes Haus einzurichten, welche Grundlagen wir der deutschen Einheit zn geben haben. Der Angriff Frankreichs hatte den doppelten Zweck: von Steuern deutsches Gebiet bem französischen Staat einzuverleiben unb die Anfänge desdeutfchen Emigungs- Werkes zu zertrümmern, den Staat aber, der allein dies Werk vollendm konnte, wie er a auch den Grund gelegt hat, auf den Rang eurer Mittelmacht herab- rudrücken. Und jetzt kommen die Vertreter der süddeutschen Regierungen m dem preußischen Hauptquartier vor dem Thore der feindlichen Hauptstadt, mdem alten fmnzösischen Königssitz zusammen, um nut dem Preußischen Staatsmanne über den Abschluß der Einigung, die der französische Angriff für immer durch, kreuzen sollte, zu verhandeln. Ein weltgeschichtlicher Act steht im Begriff, sich auf e7ne!u großen Schauplatz zu vollziehen. Die Verhandlungen beginnen unter alückverkündenden Vorbedeutungen, inmitten des geeinigten Volkes ui Waffen, da tider Welt so eben gezeigt hat, was die geeinigte deutsche Kraft vermag. Die" Verhandlungen werden zu einem guten Ziele fuhren musien, denn wer ver­möchte Angesichts dessen, was oas einige Deutschland geleistet hat, unter dem frischen ^drucke der herrlichsten Siege, engherzigen und eigennützigen Vedeiiken Raum ui neben? Wer möchte die Verantwortung für das Scheitern von Verhandln^ aen auf sich nehmen, denen das Vaterland mit gespanntester Erwartung und ulaleich mit festestem Vertrauen entgegensieht! Es gibt Augenblicke, so groß daß sie^anch den Widerwilligen auf die rechte Bahn lenken und auf derselben feft kaltem Um so rascher und sicherer wird es den Staatsmännern die mäst Widerwille die vielmehr mit patriotisch gehobenem, echt nationalem Sinne sich in ^Versailles versammeln, gelingen, üb-r N°benPunkte leicht hinw-gzukommen, ba ste in ben Hauptpunkten, wie man wohl glauben bars, ewig sind. Denn d Grundlage ber Einigung ist ja nicht erst zu ®- - . . -

sassnng des Norddeutschen Bundes. Der uuguckliche: O. , l B z Santhögiln, und alle« b leuchtet r.) eine glühende Sonne. Auf Wiedersehen, zertrümmern, um eiu neues Deutschland auf mcr noch zu ft.cheudt-n^nt:u°n gr(untf(taft ganj ergebenen Eugenie.

»SiÄ 7/rtrt7mpfinde?wa?sie dkr in diesem Bunde lebendig wirkenden Der Regierung in Tours, bei welcher Gambe.ta w.-d-r und or'ganisirten Kraft verdankt, die^ eS mit voller' Klarheit^tt deutschen Laurnr'nach Lonvon soll den Zweck haben Anschluß an den Bund der einzig mögliche J . snddeutscken Staaten!tieFrance" an die Regierung stets die 5...,,. _.v , .. ,

Einheit ist. Die Abänderungen, welche der Eint * L t berühren Zögerns und der Unentscklossenheit ein Ende zu machen, so können wir dies blos nöthig macht, werden und können das Wesen dieselben soffen. M diese vaun reuten, daß der Regierung zugerufen werden soll: Sapere audel Faßt und wir dürfen daher auf eine ra che Einigung f ^.«elle Erlediauna verbuch ein H.rz und seid so vernünftig, nachzugeben, nachdem jeder Widerstand Einigung unter den Cabinet en gew/rden ist; denn jede andere Zurnutdung hüße doch so viel, old von

Angelegenheit nach den Bestimmungen der Verfassung leicht ) mi.m Lahmen verlangen, er solle Sprünge machen.