Ausgabe 
25.6.1870
 
Einzelbild herunterladen

itn Qn Mende (s,

»er 4%

v'schki.

SntS.

8t'* @ito ®ri* i Mne»

fnng.

se

" ' etim.Kte V ^~-90 Ctotkuhreo, >j Mene und silberne -'ki Cüchen, 20-25 'rffn, eine große Anzahl lt Möbel - Garnituren, Gcmnwben und Tische, -M elegante Lerner Ito, guttfTfäiitib altrputzmühlen, viele Ä sndrnr unt anttxt v ä«ut) MePg» Ä rc. rc.

*j8n- ^amburq

>" Mim,

rr.

f rftfUunatn schleunigst r. v.;t nt M Sroßher-

ckvv'ung^'^cmite;

tibi, Sorftanb.__

Mii.

27. 3u°t

brn

Aeilage zu Mr. 74 des Siebener Mnzeigers.

Vermischte Anzeigen.

Circus Renz

in

Cassel.

Täglich 7 Uhr Abends

Vorstellung in der höheren Reitkunst, Pferdedressur und Gymnastik.

Sonntag den 26. Juni: Zwei Vorstellungen, von denen die erste um ü, die zweite um 7 Uhr beginnt.

34?" Um jede irrige Meinung zu widerlegen, erlaube ich mir einem hochge­ehrten Publikum ganz ergebenst anzuzeigen, daß der Aufenthalt meiner Gesellschaft nicht über die Dauer der Ausstellung, sondern nur kurze Zeit Hierselbst sein wird.

(2755) E. Ren%, Director.

3047) Zum Aufenthalt für das Laternen­wärter-Personal während der Abendstunden suchen wir ein möglichst im Innern der Stadt gelegenes Zimmer ebener Erde zu miethen. Offerten bitten wir bei Herrn Laternenaufseher Schwan in der Sandgasse abzugeben. Gießener Gaswerk.

Bekanntmachung.

2984) Alle verfallenen Pfänder müssen bis zum 5. Juli l I. eingelöst oder pro- longirt werden, widrigenfalls dieselben zur öffentlichen Versteigerung kommen.

Gießen, den 23. Juni 1870. _______________K. Grünebaum.

Bürger-Club.

Generalversammlung

den 23. Juni, Abends 8 Uhr, wozu die Tagesordnung im Locale zu ersehen.

(2933) Der Vorstand.

3045) Einige Mädchen, welche das Klei­dermachen erlernen wollen, können sich bei mir melden. G Flett, geb. Wolff, Neuenweg Nr. 186.

| Nach Auecnslrmd in Australien

befördern am 13. Juli Landleute und eine beschränkte Anzahl Handwerker mit Vorschuß der ganzen und halben Passage

Louis Knorr <fe Cie.

in Hamburg.

Qpftrfrtlrt sür ein gemischtes Waa- x-Ll/llliiy/ ren-Geschäft, wird zum baldigen Eintritt, unter annehmbaren Be­dingungen, gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. Bltts.___________________(2540)

Lehrer - Conserenz

in Groß-Buseck Montag den 27. Juni

Nachmittags um 2 Uhr._________________

Von Nr. 67 und 68 des Gieße­ner Anzeigers werden reingehal- tem? Exemplare ä 3 fr. zurück­gekauft.

Die Exped. des Gieß. Anz.

JSS5T Höchst wichtig für Bruchleidende!

828) Wer die bewährte Heilmethode des be­kannten schweizerischen Brucharztes, Krüsi- Altherr in Gais, Kt. Appenzell, kennen lernen will, kann bei der Exped. d. Bltts. ein Schriftchen mit Belehrung und vielen 100 Zeugnissen in Empfang nehmen.

2806) Als Lehrling kann ein auswär­tiger junger Mann in mein Geschäft ein- treten.____________________Carl Frech.

2978) In eine Eisen-, Dielen- und Colo- nialwaaren-Handlung wird ein Lehrling gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts.

2760) Junge Leute, welche sich der Hand­lung widmen wollen, finden Engagement.

Näheres bei_________Flick & Kröll.

Cöln-Giestener Eisenbahn.

2915) Abfahrten nach:

Amsterdam, Rotterdam 840*

Deutz (Cöln) 6i5 8*o* 12 44<*

Dillenburg 615 8*o* 12 4»o 74<>

Düsseldorf 615 440

Siegen 615 8* 12 4"

* bedeutet Eilzug.

.frisch bäcker zu ZiesM.

Sonntag den 26. Juni. Louis Käm­merer am Seltersweg. Wilhelm Hartmann in der Neustadt. Martin Lenz am Markt.

w fmom>< i i >^uriTiffm n ogir ni kt -»-iimi

Kirchliche Anzeigen

Lvangettsche Hemeinde zu Hießen.

GotteSdienss.

Am 26. Juni.

Morgens: Pfarrer Dr. Seel. Nachmittags: Pfarrer Landmann.

K o p u l i r t e

Den 21. Juni. Martin Steiner, Bür­ger und Musiklehrer dahier, des verstorbe­nen Bürgers und Malers, Georg Steiner, in Sonneberg in Sachsen-Meiningen, ehe­

licher Sohn; und Marie Juliane Marx, des hiesigen Bürgers und Spenglermeisters, Jakob Marx, eheliche Tochter.

Getaufte.

Den 19. Juni. Dem Bürger und Kaufmann, Ferdinand Burk, ein Sohn, Ferdinand, geboren den 8. Mai.

Denselben. Dem Bürger und Kauf­mann, August Wehn, ein Sobn, Wilhelm August Eduard Karl, geboren den 15. Mai

Denselben. Dem Bürger und Güter- boden-Arbeiter an der Main-Weser-Bahn, Wilhelm Henkel, ein Sohn, Wilhelm Emil Christian, geboren den 18. Mai.

Denselben. Dem Ortsbürger inMltcn- Buseck u. Kutscher dahier, Christian Stiehl, eine Tochter, Wilhelmine Konradine Chri­stine, geboren den 12. Mai.

D enselben. Dem Ortsbürger in Wolfs­gruben bei Biedenkopf und Dienstmann dahier, Ludwig Schneller, eine Tochter, Susanne Henriette Karoline, geboren den 5. Juni.

Den 20. Juni. Dem verstorbenen Kö­niglichen Rechtsanwalt zu Biedenkopf, Karl Georgi, eine Tochter, Emilie Karoline, ge­boren den 6. Juni.

Den 21. Juni. Dem Stations-Assi­stenten an der Main-Weser-Bahn, Heinrich Vogel aus Worms, eine Tochter, Anna Marie Juliane Margarethe, geboren den 7. Mai.

Beerdigte.

Den 17. Juni. Eine uneheliche Tochter von hier, Hermine, alt 23 T., gestorben den 17. Juni.

Den 23. Juni. Johannes Zirb auS Groß-Linden, alt 24 I., gestorben den 21. Juni.

Denselben. Wilhelmine Adolfine Chri­stine Kröll, geborne Gertig, des hiesigen Bürgers und Kaufmanns, Justus August Wilhelm Adam Kröll, Ehefrau, alt 32 I. 5 M. 15 T-, gestorben den 22. Juni.

Die Pfarracschäfte in der nächsten Woche besorgt Pfarrer Dr. Seel.

Feuilleton.

Aus blutiger Zeit.

Historische Novelle von Hermann Hirschfeld.

(Fortsetzung.)

Damals war er noch nicht abgestumpft durch alle Reizungen der Sinne, alle Herzen, alle Blicke flogen ihm zu, dem jugendlichen Sieger von Jarnac und Moncontour, das Ideal, die Hoffnung des ganzen Frankreichs, und mit geheimer Freude sah ich ihn täglich mehr meine Nähe suchen, schon glaubte ich ihn zu meinen Füßen, schon drohte meine überwallende Brust die Fessel der Etiquette zu sprengen, da vernichtete eine entsetzliche Kabale Catharina'S alle meine Hoffnungen. Sie brachte eine ihrer Creaturen, einen Italiener, in des Prinzen Nähe, und Heinrich, der leider seinen Günstlingen ein nur zu williges Ohr leiht, gab der Bitte seines neuen Freundes nach, er zog sich von mir zurück und Catharina triumphirte.

Aber es mußte noch ärger kommen. Jetzt erst, da er mich verschmäht, jetzt erst fühlte ich, wie ohne Grenzen meine Liebe zu ihm war. Da beging ich den Schritt, dessen Erinnerung wie die Furien der Reue an meinen Fersen heften, ich schrieb dem Ungetreuen, ich flehte ihn um eine Unterredung an und schon wenige Stunden später beschied mich ein geheim überbrachtes Schreiben m ven Garten des Louvre, zu dem mir durch eine verborgene Pforte der Zutritt

beschrieben ward. , , _ , , t ~ ,

Es war eine tiefe Nacht, als ich au dem bezeichneten Orte anlangte. Kein Stern erleuchtete das düstere Himmelsgewölbe. Ich fand mich allein, pochenden Herzens, das die ungestümen Wallungen des Blutes zu sprengen drohten.

Endlich erschien er, in einen weiten Mantel von dunklem Sammet gehüllt, die Dunkelheit hinderte mich, sein Antlitz zu erkennen, allein es war sein Wuchs, seine Haltung, und man täuscht sich gern, wenn man liebt. Ich sprach zu »hm glühend, leidenschaftlich; waS ich redete, kaum wußte ich es selber. Ich klagte alles an, was zwischen mir und ihm stand, die Königin-Mutter, den neuen Günstling, der sich Graf CayluS nannte, und jemehr ich redete, je weiter ich di- tief irmerflen Gefühle meines Herzens entschleierte, destet tiefer sank der Mantel, der die Gestalt meine« Ritters umhüllte, und im nächsten Augenblicke entzünvete sich eine Fackel, die man mit Absicht an dem nächst stehenden Baume befestigt hatte, ich stieß einen Schrei au«, Vie Sinne drohten mir ju »ergehen »on dieser ungeheuren Schmach, einer Äuise angethan Oheim, «'»' der Prinz selbe, war es, zu dem ich geredet hatte, es war sein Günstling, Graf Caylu«, den er mir gesandt, damit meine Schmach vollkommen sei.

Sie hielt hochausathmend inne und drückte ihr Tuch vor ihr Antlitz, al scheue sie das auf sic gerichtete Auge ihrer beiden Oheime. Eine tiefe Stille entstand^m ^s mir klar, wer der Urheber jenes Mordes war, der am Grafen Cavlus auf der Brücke Pont-Neuf um Mitternacht begangen ward und den Prinzen fast zur Verzweiflung brachte. Ich kann Sie nicht tadeln, Herzogin, eine Guise hätte nicht anders handeln dürfen.

Ja, ich war es, die ihn dem Tode überlieferte, erwlederte die Herzogin.

An ihm ist meine Rache erfüllt, aber noch lebt jener Mann, jener Heinrich, und ehe ick) ihm vergebe

Ein lautes Geräusch auf der Straße unterbrach ihre Rede: Wie Rosses- Hufen klang es mit Menschenstimmen untermischt, vom jenseitigen Ufer der Seine herüber. Die Bewohner der angrenzenden Straßen erwachten und eilten zum Theil noch in Nachtkleidung ins Freie. Der Cardinal zog die Schelle. Ein Page, halb vom Schlafe übermannt, erschien am Eingänge des Gemaches.

Was bedeutet der Lärm? fragte er, erkundige Dich, Franyois.

Eminenz, Se. Majestät der König, von seiner Reise zurückgekehrt, hält seinen Einzug ins Louvre, erwiederte der Knabe demüthig.

Er überrascht Paris, bemerkte der Herzog lächelnd, und es bleibt uns nichts übrig, als uns morgen bei dem Lever Sr. Majestät in aller Demuth einzusinden. Lassen Sie uns daher noch eine Stunde der Ruhe suchen, wir haben sie wohl verdient und auch die Natur fordert ihre Rechte.

Schlafen Sie, mein Oheim, sagte Eugenie lebhaft, ich werde mich in mein Cabmet begeben, den Brief an meine liebenswürdige Cousine fortzusctzen. In kürzester Frist muß sie in Paris eintreffen.

Und hast Du alle Umstände reiflich überlegt? fragte der Cardinal. Wird sich die Königin nicht weigern, eine Guise mehr und namentlich auf Deine Em­pfehlung am Hofe zu empfangen?

Dafür lassen Sie mich sorgen! erwiederte die Herzogin, keine Leidenschaft macht den Geist des Menschen erfinderischer, als Liebe und Rache, und beide, Sie wissen es jetzt, sind mir nicht fremd.

Mit diesen Worten erhob sie sich von ihrem Sitze und verließ mit ihren beiden Oheimen das herzogliche Cabmet, um ihre eigenen Gemächer- aufzusuchen, und eine Viertelstunde darauf sprengte ein Courier tn den Farben der Guisen in gestrecktem Galopp durch den Nebel des anbrechenden Morgens dahin, Pari­hinter sich lassend.

Zweites Kapitel.

Ein heller Sonnentag folgte der verstrichenen Nacht; auf den Straßen der Stadt ward es lebendig; Couriere kamen und gingen, die ehrsamen Bür­ger öffneten ihre Läden, und züchtig verhüllt, meistens von einer Magd begleitet, die den prächtig gestickten Betschemel nachtcug, folgte Weib und Tochter dem Läuten der Glocken, die zur Morgenandacht in Kirchen und Kapellen riefen. Mönche der verschiedensten Orden durchpilgerten die Straßen, Vorrathe für ihre Klöster sammelnd, und zwischendurch erschallte der tactmaßige Schritt einer von der nächtlichen Ronde heimkehrenden Patrouille, mit Partisanen u d Hellebarden bewaffnet. Und nun raffeln nacheinander schwerfällige Caroffen, von Haiducken begleitet, deren prächtige in den Farben der Besitzer gekleidete Läufer mit silber­nen Stäben den Weg durch den Menschenstrom bahnten, der scheu bald vor ihnen, bald vor den stolzen Rittern flüchtete, die an der Spitze ihres Gefolges denselben Weg verfolgten, den die Wagen einschlugen. Zum Louvre ging das gemeinschaftliche Ziel, weniger in der Absicht, dem heimgekehrten Herrscher Will­kommen zu bieten, als der regierenden Königin seine Ehrfurcht zu bezeugen.

(Fortsetzung folgt.)