Politische R u n - 1 ch
21. Januar.
Allen Gerüchten von etwaigen Concessionen von Seiten des Königs Georg an die preußische Regierung tritt nachstehende in der „D. Vollsztg." enthaltene, wohl officiose Erklärung aus's Bündigste entgegen : „König Georg hat nie daran gedacht und denkt nie daran, mit Preußen zu verhandeln; er hält vielmehr fest an seinem Rechte und der festen Zuver» sicht, daß dieses Recht auch zum Siege gelangen werde. Träte er auch nur wegen eines Titelchens mit Preußen in Verhandlung, so würde er sich dieses Rechtes begeben, und König Georg V. begibt sich nie eines Rechtes, am wenigsten eines ihm unbestreitbar zur Seite stehenden. Dies weiß auch jeder Hannoveraner."
Das „Journal de Rice" gibt aus dem Briefe einer Person, welche der Familie des Prinzen Peter Bonaparte ganz nahe steht, sehr bestimmte und zum Theil neue Angaben über den Ursprung und Verlauf des Vorfalles zu Auteuil. Der Prinz hatte sich in einem Schreiben an einen Herrn de la Rocca in sehr starken Ausdrücken über gewisse corsische Demokraten ausgesprochen; er meinte zunächst die Redac- teurS des corsischen Blattes, „la Revanche", hatte sie aber nicht genannt und auch nicht das Blatt selbst. Darauf erschien in der „Revanche" ein Artikel -von Herrn Tommasi voll der größten Injurien gegen den Prinzen, worauf dieser beschloß, durch Vermittlung der Herren Paul de Cassagnac und de la Rocca den Tommasi herauSfordern zu lassen; das Duell sollte zu Nizza Statt finden. Damit schien die Sache ge-' ordnet, als am Abend desselben Tages der Artikel der „Revanche" in der „Marseillaise" erschien mit beleidigenden Zusätzen von Rochefort, worauf der Prinz den bekannten Brief an Rochefort schrieb und dessen Secundanten erwartete. Am Montag nach dem Frühstück befand sich der Prinz mit seiner Familie im Salon, als zwei Herren gemeldet wurden. Der Prinz glaubte, daß es die erwarteten Secun» beinten Rochefort's seien; er ging, um sich anzukleiden; die Prinzessin zog sich mit den Kindern in ihr Zimmer zurück; die Herren wurden in den Salon geführt. „Als der Prinz aus seinem Zimmer in den Salon eintrat, kamen die beiden Personen ihm entgegen und überreichten ihm einen Brief. Der Prinz trat an's Fenster, um zu lesen, als er aber die Unterschrift sah, sagte er: „Das ist ja nickt von Herrn Rochefort." Darauf trat Herr Victor Noir auf ihn zu und sagte mit frechem Tone: „Wenn auch; lesen Siel" worauf der Prinz erwiedcrte, indem er den Brief zerknitterte: „Er ist so gut wie gelesen. Ich schlage mich mit Herrn Rochefort, nicht mit feinen Handlangern!" Auf dieses Wort gab ihm Herr Victor Noir eine Ohrfeige, während Herr Ulrich de Fonvielle, der etwas entfernter stand, mit einem Revolver auf ihn anlegte, vermuthlich um ihn in Respekt zu halten und ihn zu verhindern, seinen Geg. ner wieder zu schlagen. Unter dem Eindrücke dieser Beschimpfung und dieser Drohung zog der Prinz seinen Revolver und schoß auf den nächsten seiner Gegner."
22. Januar.
Der „Allg. Ztg." wird aus Belgrad geschrieben: Die Pforte sendet fortwährend neue Truppen nach den montenegrinischen Grenzpunkten. Nach ziemlich glaubwürdigen Berichten soll die Stärke der osmanischen Armee, welche in Scutari, Durazzo und anderen Grenzorlen ihre Ausstellung genommen, sich auf 35,000 Mann beziffern. Dieses Corps soll Derwisch Pascha unterstellt werden, der im Nus eines tüchtigen Generals steht. Wenn man am Bosporus vielleicht die Abficht hegt, durch eine militärische Demonstration Concessionen vom Fürsten Nikita in der Grenzregulirungssrage zu erlangen, so irrt man sich. Montenegro kann es jetzt getrost auf einen Waffen- tanz mit der Türkei ankommen lassen, da es nicht nur selbst gut bewaffnet ist, sondern auch auf die Herzegowiner bauen kann.
Lopez hat mit 5000 Mann und 15,000 Indianern Stellung genommen. Ein Angriff auf die gegenwärtige Position scheint unmöglich.
23. Januar.
Der Berliner „GerichtSztg." geht aus Brüssel nachstehende Mittheilung zu: Soeben ist hier eine, wie man sagt, aus der hiesigen französischen Ambassade (?) stammende Broschüre erschienen, welche den Rheinkrieg gegen Deutschland predigt. Sie führt den Titel: „Fran^ais au Rhin !!! A FEmpereur Napoleon 111. pr. Mr. T ...“
In Bologna fand am 19. bei der Beerdigung eines Garibaldianers eine große republikanische Demonstration statt. Die Redner sagten, ras ehrenvollste Denkmal für den Todten wäre das Grabmal
des letzten Königs und des letzten Papstes; für Italien bringe nur die Republik Heil.
Eine interessante Thatsache ist es, daß die russische Regierung, allerdings vorläufig nur, in ganz vertrau- licher, unverfänglicher und freundschaftlicher Weise, in Konstantinopel einige Bemerkungen fallen ließ Über die unausgesetzten starken Truppenconcentrirungen in den an Dalmatien und Montenegro grenzenden Gebieten, eine Truppenansammlung, die mit dem Zwecke der Grenzbesetzung, zu welcher die Pforte sich gegen Oesterreich verpflichtet habe, in keinem rechten Verhältnisse stehe, somit einer militärischen Demonstration gegen Montenegro ähnlich sehe.
Preußen. Bonn, 13. Jan. Das Verlangen des Herrn Ministers, daß an der hiesigen Universität, künftighin und bis auf Weiteres alle Duellanten sollten mit Relegation ^bestraft werden, konnte den UniversitötSbehörden angesichts deS wirklichen SachverbaltniffeS nicht als gerechtfertigt erscheinen, tvefr halb sie sich denn auch nur dazu entschlossen haben, auf die Mensuren ohne Kopfbedeckung jene Strafe der Ausschließung zu setzen. Letzteres ist den Corps und den Verbindungen bekannt gegeben worden.
Oesterreich. Wien, 18. Jan. Beust wurde interimistisch mit der Leitung des Reichsfinanzministeriums betraut. — Minister Giökra empfing die Deputation, welche eine große Wiener VertrauenSadresse (mit mehr als 25,000 Unterschriften) überreichte. Er dankte derselben, indem er auf den hohen Werth solcher Manifestationen hinwieS, namentlich wenn sie der freie unbeeinflußte Ausdruck selbstbewußter Bürger sind, und versprach, die Adresse dem Kaiser und dem Mintsterrathe vorzulegen.
Re ich en berg, 18. Jan. Der Redacteur und Socialdemokrat Scheu wurde Nachts hier verhaftet. Infolge dessen war eine massenhafte Arbeiteransammlung vor dem Gesangnisse zur Befreiung deö Jnhaftirten. Die Ruhe wurde durch die Sicherheitsorgane wieder hergestellt.
Re ich en berg, 19. Jan. Heute Vormittags erneuerten die Arbeiter die Zusammenrottungen und erhielten besonders starke Zuzüge vom Lande. Da die städtischen Sicherheitsorgane und die Gendarmerie zur Räumung und Absperrung der Straßen nicht mehr ausreichten, so rückte Militär aus. Bei der hierauf erfolgten Räumung des Hauptplatzes wurde durch die zufällige Entladung eines Gewehres ein Arbeiter getödtet. Es wurden mehrere Arretirungen vorgenommen. Nachmittags war die Ruhe wieder hergestellt. Die Arbeiter wollen auf einen Vergleich eingehen. Das Militär ist größtentheilS in die Kasernen zurückgekehrt. Scheu wurde wegen Uebertretung des Gesetzes über das Versammlungsrecht vom Bezirksgerichte zu vierwöchentlichem Arreste verurtheilt. Er ist auf freien Fuß gesetzt und nach Wien abgereist.
Cattaro, 16. Jan. Ein Theil der nach Montenegro Geflüchteten aus Pobory, Braic, der Maina und Zuppa, die größtentheilS nicht an den letzten Ereignissen betheiligt gewesen sind, sind gestern Abend zurückgekehrt, legten ihre Waffen nieder und drückten ihre Treue und Unterwerfung aus, wo ihnen daun die Allerhöchste Amnestie verkündigt wurde. Bei diesem Anlasse brachen dieselben in die lebhaftesten Ziviorufe für Se. Majestät aus.
Krakau. Ein Statthalterei-Dekret fordert den Convent des CarmeliterinnenklosterS auf, die zur Unterbringung im Spitale der an totaler Sinnenverwirrung unheilbar leidenden Barbara Ubryk erforderlichen Kosten zu entrichten.
Frankreich. Paris, 18. Jan. Während der heutigen Sitzung des gesetzgebenden Körpers entstand ein lebhafter Streit zwischen dem Minister Ollivier und dem Deputirten Gambetta, der aus den gestrigen Worten OllivierS Veranlassung nahm, demselben einen Wechsel seiner politischen Ansichten vorznwerfen. Gambetta äußerte sich dabei so heftig, daß er vom Präsidenten zur Ordnung gerufen wurde. Die .Rammet diScutirte im späteren Verlauf ihrer Sitzung die Handelsfrage. — Man versichert, die gerichtliche Verhandlung gegen Rochefort werde nächsten Samstag zur Entscheidung kommen.
Paris, 19. Jan. Der Deputirt« Raspail (dessen Todesnachricht verfrüht war) ist noch immer sehr krank. — In den ausgedehnten Eisen- und Maschinrnwerken zu Creuzot bat eine allgemeine Arbeitseinstellung stattgefunden. Gegen 10,000 Arbeiter feiern. Der Präsident Schneider (Eigentümer der Werke) reist noch diesen Abend nach Creuzot.
Paris, 19. Jan. Rocheiort ist auf nächsten Sonnabend vor die Strafkammer (Tribunal correctionnel) geladen.
Paris, 19. Jan. Traupmann ist nm 7 Uhr vor dem Gefängnisse La R> quette hingerichtet worden. Derselbe leistete einigen Widerstand. Als er auf das Schaffot stieg, umarmte er den Geistlichen und sagte: „Sagen Sie dem Herrn Claude, daß ich darauf bestehe, Mitschuldige zu haben." Eine große Menschenmenge wohnte der Hinrichtung bei; die Menge brüllte vor und nach der Hinrichtung. Unordnungen kamen nicht vor.
Paris, 20. Jan. In der heutigen Sitzung des gesetzgebenden Körpers verlangten mehrere Redner, rndem sie auf die scaudalösen Austritte bei der Hinrichtung Traupmann's hinwiesen, daß künftighin die Hinrichtungen innerhalb der Gefängniß- mauern stattfinden sollten. Der Minister wird sich morgen über diesen Punkt erklären. Der Deputirte Simon kündigt an, er werde einen Gesetzentwurf beantragen, der die Abschaffung 1 der Todesstrafe verfügt. — Aus Creuzot trafen heute Nach- j richten ein, welche melden, daß die Arbeitseinstellung der dor- i tigen Bergleute fortdauert, ohne daß Ruhestörungen vorgekom- men. Die Arbeiter verlangen Rücktritt deS DirectorS der Be- ‘ triebö.Werkstätten und Wiederannahme aller entlassenen Ar- • beiter
Paris. Zur Characteristik des Mörders Bonaparte bringen ' die Blätter folgende Mitteilung: Den bei der Biographie deS Prinzen Peter angedeuteten römischen Affair.n legt man ganz mit Unrecht einen politischen Character bei. Seine Verhaftung in Rom wurde nicht durch eine Conspiration gegen die päpst, liebe Regierung, sondern durch ein genierneS Verbrechen veranlaßt. Im Verein mit seinem Bruder hatte er nämlich einem jungen Mädchen von Musignano Gewalt angethan. Der Bruder desselben, der seine Schwester retten wollte, wurde von den beiden Bonapartes aus einem Hinterhalte ermordet. Ein Capi-
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tän der Carabinieri, der Marquis Zerlucchi, wurde requirirt, um die Schuldigen zu verhaften. Peter verlangte die Kleider wechseln zu dürfen, ging in ein Nebenzimmer, ergriff eine Pistole und erschoß den Capitän, sowie einen Wächter. Trotzdem wurde seine Verhaftung auSgeführt und er zum Tode verurtheilt. Das Urtheil wurde in Gefängniß umgewandelt und er nach achtzehnmonatlicher Haft auf der Engelsburg vollständig entlassen.
Italien. Rom, 19. Jan. Die heutige Sitzung der deutschen Bischöfe verlangte als Vertreter wichtiger Theile der Christenheit, bei der Abstimmung die Zahl der Diöcesanen zu berücksichtigen, sonst würden sie abreisen; die Discussion toar sehr lebhaft. Die clericalen Kreise find in großer Aufregung.
Portugal. Lissabon, 16. Jan. Die brasilianische Post auö Rio de Janeiro vom 24. December berichtet in Bestätigung früherer Nachrichten über Paraguay, daß Lopez in den Wüsten von Bacaria umherirre, Der Krieg ist beendigt.
Rußland. Petersburg. Am 14. Januar hat Großfürst Aleris sein 20. Lebensjahr vollendet und dabei, für großjährig erklärt, in großer Feierlichkeit „dem regierenden Kaiser und dem Vaterlande" den Eid der Treue geleistet, so wie „bie Aufrechthaltung der Thronfolgerechte und der Familienordnung beschworen". Während der Ceremonie wurde mit allen Glocken der Hauptstadt geläutet und von der Citadelle ein Salut von 301 Kanonenschüssen gegeben. Am Abend war die Stadt, laut Programm, festlich erleuchtet.
Asien. Der Plan einer Eisenbahn nach Deddo ist wieder- angeregt worden und die japanische Regierung steht mit einem belgischen Hause in Unterhaltung über die nöthigen Lieferungen. Auf der Insel Sikoda ist ein japanischer Beamter von höherem Range von seinen Untergebenen ermordet worden, und zwar aus Neid, weil er kürzlich von dem Mikado aus niedriger Stellung zu seinem hohen Range befördert worden war.
Vermischtes.
Bern, 12. Jan. Nach dec „St. Galler Ztg." ist die Be- volkerung deS Oberrheinthals durch ein furchtbares Verbrechen in Aufregung gesetzt. Oberhalb Marbach unweit d<S reizend gelegenen Schlößchens Weinstein, wohnte ganz allein in einem Bauernhause Heinrich Kobelt ein 70jähriger Junggeselle, sparsamer und vermöglichrr Sonderling von sonst gutmüthiger Natur. Letzten Samstag Morgen halb 9 Uhr bemerkte man von Marbach aus Rauch aus KobeltS Hause dringen. Als die Herbeieilenden das Haus erreichten, stand eS schon in vollen Flammen. Trotzdem drang man in das HauS und fand in der Küche den noch warmen Leichnam Kobeltö, der fürchterlich zugerichtet war. Kobelt hatte 14 Arthiebe auf dem Kopf, der Schädel war ganz zerschlagen, ein Ohr abgehauen, die Nase eingeschlagen. Der Thäter wollte offenbar einen Raubmord begehen und dieses Verbrechen durch Brandstiftung maSkiren. Am Tage vor seinem Tode hatte Kobelt eine Forderung von mehreren Hundert Franken einkasfirt, von denen man nichts mehr vorfand. Dagegen wurden andere 800 Fr. in Gold aus der Asche gehoben. Ein der That schwer verdächtiges Subject, Ferdinand Kehl von Rebstein, schon wiederholt abgestraft und früher in fremden Kriegsdiensten stehend, wurde Sonntag Nach-- mittags in Heiden verhaftet und soll über 500 Fr. Baarschaft bei sich getragen haben. — Ein trauriges Ereigniß hat sich letzten.Montag auch in der Nähe Berns zugetragen. Einem hiesigen Hundezüchter waren drei seiner Thiere — eine Art Neufundländer — ausgebrochen, welche ein vorübergehendes Weib derart zerfleischt haben, daß eS wenige Stunden darauf seinen Geist aufgab. Dem Vernehmen nach ist von den Behörden eine strenge Untersuchung angestellt, da in der Nähe jener Hundezuchtanstalt schon mehrere Male Menschen von wüthenden Hunden angefallen worden sind. — Nachschrift. Ferdinand Kehl von Rebstein hat ein umfassendes Geständniß über den Mord in Marbach abgelegt. (K. Z.)
Wie wir vernehmen, beabsichtigt die Hof-Opernsängerin Frau Haagn, eine ehemalige Schülerin der berühmten Gräfin Rossi (früher Henriette Sonntag), hier, unter mehrseitiger Mitwirkung der als Declamatorin ausgezeichneten Fräulein Brochs aus Wien, Donnerstag den 27. December i/?8 Uhr im Saale des Cafe Leib eine Opern-, Gesang- und d e c l a m a t o r i s ch e Aufführung zu geben. Dieselbe hat in den größten Städten, vor Kurzem in Koblenz, sich eines ungeteilten Beifalls zu erfreuen gehabt. Ein Referat namentlich über das letzte Auftreten der Frau Haagn sagt: „Es ist uns eine Pflicht, der Kammersängerin Frau Haagn unfern Dank gewiß auch im Namen deö zahlreich anwesenden Publikums auszusprechen für den Genuß, den uns die berühmte Sängerin in ihrem Concerte bereitet hat. Frau Haagn zeigte uns, wie es durchaus nicht großer Bravour-Arien bedarf, um sich die Theilnahme und den ungeteilten Beifall der Anwesenden zu erringen, obgleich sie in den großen Oper-Arien bewies, daß sie die Meisterin in der Bewältigung der schwierigsten Passagen ist. DaS Lied, und hier in speciellem Falle daS VolSlnd war eS, dessen einfache zu Herzen sprechende Harmoniefolge, in edelster Weise und mit jugendlich frischer Stimme vorgetragen, nnS die Sängerin lieb gewinnen ließ. Sympathisch berührte uns der Vortrag einer Mazurka mit polnischem und einer EzardaS (ungarischer Nationaltanz» mit ungarischem Tcrt, welche letztere mit ihrem seltsamen, wechselvollen Weisen, bald wehmüthig klagend, bald leidenschaftlich aufjauchzend, unS wahrhaft ergriff und unwillkürlich zu Vergleichen mit den geistesverwandten Weisen in den Clavier- werken Chopins drängte, Allen jedoch hat daS reizende vollan- mutige Morgenständcken von Supp6 einen heiteren Genuß gewährt. Sperling, Nachtigall, Fink bestürmen mit ihren Liedern das Ohr deö schlummernden Mädchens. In der Wiedergabe der Vogelsprache zeigte die Künstlerin ihre Gewandtheit im Triller und trieb, namentlich in dem wiederholten „geschwind" anmutig kecke Jongleurkünfte mit Tönen. — Als würdige Interpretin der ernste., Gesangmuse zeigte sich Frau Haagn im „Gebet der Elisabeth" ans Tannhäuser von Wagner, und b>achte dieselbe noch einmal die schon bewährte Volubilität der Stimme und Sicherheit deS dramatischen VortragS zur Geltung, sowie Fräulein Broche, welche durch ihr anmnthigeS und zugleich neckisches Spiel und Declamationsvortrag alle Anwesenden in die heiterste Laune versetzte.
Redaciion, Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Drucker ci (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


