Die Annoiicen-Expediüon
Rudolf Mosse, Frankfurt a. M., Zeil 45, gegenüber der Post 45 Zeil, empfiehlt sich zur Beförderung von Inseraten in jedes gewünschte Blatt. Porto- ersparniss. Rubattvorthelo.
— Prompte Expedition. — (2884)
Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft.
3425) Bis auf Weiteres werden Eil- und Frachtgüter auf unfern Stationen zum Transport nicht mehr r. angenommen.
Köln, den 21. Juli 1870.
Die Direktion.
wir
Gießen, den 21. Juli 1870.
Dr.
'frischkäcker zu Hießen.
Sonntag ben 24. Juli. Carl Plank in der Wolkengasse. Daniel Rühl nm Rath- haus. Christian Jughardt in der Wall- thorstraße.
2Inmcrfunfl. In Betreff der Charpie resp. alten Leinwand,' würde nach den gemachten Erfahrungen besonders darauf zu achten sein, daß dieselben vollkommen rein troaen und namentlich frei von Schimmelpilzen, Sporen rc. sind, die sich so leicht darin ^^ugen und den Heilzwecken nicht nur nicht förderlich, sondern geradezu schädlich sind.
Die Pfarrgeschäfte in der nächsten Woche besorgt Pfarrer Dr. Seel.
Denselben. Dem Bürger in Biedenkopf und Fabrikarbeiter dahier, Heinrich 1 Ludwig Unverzagt, ein Sohn, Wilhelm Jo- hannLudwig Christian, geboren den 17.Juni.
Denselben. Dem Bürger und Weißbinder, Jakob Mauß, ein Sohn, Hermann, geboren den 11. Juni.
Denselbe n. Dem Bürger in Gwinear und Geschäftsführer auf dem Fernie'schen Braunstein-Bergwerk dahier, Samuel Pascoe, eine Tochter, Martha Georgine, geboren den 22. Juni.
Beerdigte
Den 17. Juli. Anna Marie Juliane Margarethe Vogel, des königl. preuß. Stations-Assistenten an der Main-Weser-Bahn dahier, Heinrich Vogel aus Worms, eheliche Tochter, alt 2 M- 9 T., gestorben den 16. Juli-
Den 18. Juli. Johann Friedrich Mal- komesius, Bürger und Metzgermeister, alt 70 I. 8 M. 20 T., gestorben den 17. Juli.
Denselben. Anna Elisabethe Juliane Schäfer, des verstorbenen Bürgers und Fuhrmanns, Johannes Schäfer, eheliche Tochter, alt 56 I. 18 T., gestorben den 17. Juli.
Den 19. Juli. Ernst Joseph Adolf Hopfner, Bürger und Conditor, alt 61 I. 2 M. 23 T., gestorben den 17. Juli.
Den 21. Juli. Magdalene Merkel, geborne Jöckel, des verstorbenen Ortsbürgers, Gemeinderaths und Rechners zu Romrod, Konrad Merkel, Wittwe, alt 79 I. 8 M. 5 T., gestorben den 19. Juli.
Denselben. Johann Ludwig Jakob Balthaser Loos, Bürger und Küfermeister, alt 61 I. 18 T-, gestorben den 20. Juli.
Kirchliche Anzeigen
Evangelische Hemeinde zu Hießen.
G o t 1 e s d i e n si.
Am 24. Juli.
Morgens: Pfarrer Dr. Seel.
Nachmittags: Pfarrer Lcmdmmann.
Kopuliere.
Frachtbriefe für bie Main-Weftr-, Cöln Mindener und Overhessische Eisenbahii, sowie fammtliche zollamtlichen Formulare, sind zu haben bei W. Klee, Marktstraße.
(Eingesandt.)
Bei der voraussichtlich sehr bedeutenden Anzahl von Truppen, deren Einquartierung die Bewohner unserer Stadt in dem bevorstehenden Kriege übernehmen müssen, dürfte es an der Hand der im Jahre 1866 gemachten Erfahrungen geeignet erscheinen, die Aufmerksamkeit der Einquartierungs-Commission auf folgende Punkte hinzuleiten.
Wie überall in den Städten im Gegensatz zu dem platten Lande hat der bei Weitem größte Theil der Einwohnerschaft nur Miethwohnungen inne. Von den Miethern und ebenso von den Hauseigenchümern sind sicherlich Neun Zehntheile auf die noth- wcndigsten Wohnungsräume beschränkt, und es giebt gar viele Familien, welche außer einer einzigen Stube, die als Wohnstube, Schlafstube und oft auch noch als Werkstätte dient, kaum einen andern Raum, als etwa eine Kammer besitzen. Nicht allein für diese Familien, sondern auch für diejenigen, welche zwar im Besitz größerer Wohnungen sind, trotzdem aber keinen Ueberfluß an Räumlichkeiten haben, weil z. B- der Familienvater als Beamter ober Gelehrter ü. s. w- ein besonderes Zimmer für sich nöthig hat, ober weil, erwachsene Söhne ober Töchter eines solchen bedürfen, ist die Zuteilung von mehreren Mann Einquartierung eine sehr große Unannehmlichkeit, welche sehr leicht vermieden werden kann, wenn man nicht, wie es in 1866 geschehen, eine große Truppenmenge einem einzigen Stadttheile zuweist, so daß die den betreffenden Einquartierungspflichtigen zu Gebote stehenden Räumlichkeiten zur Unterbringung ihrer Einqartierungc.mannschaft nicht ausreichen, sondern eine Vertheilung auf mehrere Stadtbezirke und selbst auf die ganze Stadt vornimmt. Man wende nicht ein, daß auf eine den Quartiergebern entstehende Unannehmlichkeit keine Rücksicht genommen werden könne. Vorerst nämlich ist cs allerdings eine Pflicht des Stadtoorstandes, von den Einwohnern, jo viel an ihm liegt, derartige Unannehmlichkeiten abzuwenden. Sodann handelt es sich aber auch nicht um bloße Unannehmlichkeiten, welche dem Quartiergeber bereitet werden, sondern häufig genug um die Zurnuthung einer unmöglichen Leistung. Sehr wesentlich kommt nämlich auch in Betracht, ob der Quariiergeber im Stande ist, das für mehrere Mann Einquartierung erforderliche Bettzeug aufzubringen. Je nach ihrer Einrichtung und ihren Verhältnissen wird es einer Family möglich sein, für 2, 5, 8 Mann Einquartierung das erforderliche Bettzeug zu beschaffen. Wird ihr aber zugemuthet, statt 2 Mann 5 Mann, statt 5 Mann 8 Mann, statt 8 Mann 12 Mann in Quartier zu nehmen, so leidet darunter nicht allein sie, sondern auch die einquartierte Mannschaft. Wir wollen nicht fürchten, daß wir andere als Bundestruppen in unseren Mauern zu beherbergen haben, obwohl ein Artikel der Neuen freien Presse in ihrer neuesten Nummer auf die hohe Wahrscheinlichkeit hinweist, daß gerade die Gegend von Gießen oon Frankreich zur Besetzung durch ein französisches Armee-Corps ausersehen ist. Allein wenn dieser Fall eintreten lallte, so würde die Beibehaltung des von btr Einquartierungs-Commission im Jahre 1866 in Anwendung gebrachten Einquartierungs-Modus, vorausgesetzt, daß die Commission alsdann überhaupt noch mitzuwirken hätte, ben Quartiergebern voraussichtlich etwas mehr als bloße Unannehmlichkeiten bereiten. Man barf baher erwarten, baß die Einquartierungs-Commission, soviel an ihr liegt, zu jeber Erleichterung der Einwohnerschaft in ber gebuchten Beziehung beiträgt, zumal über den hier besprochenen Mißstand im Jahre 1866 ganz allgemein geklagt worben ist. Die Schwierigkeit einer richtigen Vertheilung soll durchaus nicht verkannt werden, daß aber den einzelnen Quartiergebern eine bedeutende Erleichterung verschafft wirb, wenn eine größere Truppenzahl auf möglichst viele Ouartieraeber vertheilt wird, liegt auf flacher Hand. Häufig genug hat man denn auch in 1866 die Aeußerung gehört, baß man lieber 14 Tage lang 2 Mann Einquartierung haben wolle, als 5 Mann nur 3 Tage.
Noch zwei Fehler sind es, welche im Jahre 1866 gemacht worben find. Es ist bekannt, baß im Jahre 1866 nicht allein Familien, welche zur Miethe wohnten, fonbern sogar einzelnen Personen, welche 1 bis 2 Zimmer bewohnten, berittene Mannschaft zugetheilt worben ist. Solche Fehler werben hoffentlich nicht roieber vorkommen.
Ein weiterer Fehler war der, baß die Liste der Einquartierungspflichtigen ziemlich mangelhaft aufgestellt war, denn, was ebenfalls bekannt, haben einzelne Familien in ?ob6 gar feine Einquartierung gehabt, offenbar deßhalb, weil es übersehen worden ijt, sie in die Einquartierungsliste einzutragen. Man muß wohl bedenken, daß durch wlche Versehen Andere leiben müssen unb es ist beßhalb die größte Aufmerksamkeit geboten.
Den 17. Juli. Heinrich Wilhelm Rau, heimathberechtigt in Groß-Buseck unb Seifensieber bahier, bes Ortsbürgers unb Weichenwärters an ber Oberhessischen Bahn in Groß-Buseck, Johannes Rau, ehelicher Sohn; unb Anna Dorothea Hartmann, bes verstorbenen Bürgers unb Siebmachers zu Homberg a. d. Ohm, Michael Hartmann , eheliche Tochter.
D enselben. Johannes Graf, Maschinist bahier aus Rebstein, Kanton St. Gallen, des Hans Heinrich Graf bafelbft, ehelicher Sohn; unb Luise Marie Christine Euler oon hier.
Den 20. Juli. Wilhelm Ludwig Pfeiffer, Sergeant im Großh. II. Infanterie-Regiment dahier, des Großh. Kreisamtsdieners zu Darmstadt, Johann Ferdinand Pfeiffer, ehelicher Sohn; und Katharine Gräf aus Harbach, des dasigen Ortsbürgers u. Ackermanns, Johannes Gräf I., eheliche Tochter-
Getaufte.
Den 17. Juli. Dem Bürger unb Kaufmann, Martin Christian Rühl, ein Sohn, Karl Wilhelm, geboren den 28. Juni.
Denselben. Dem Tagarbeitcr an der Oberhessischen Bahn dahier, Karl Pohn aus Heidersdorf in Schlesien ein Sohn, Wilhelm August Ludwig, geboren den 25. Juni.
D enselben. Dem Bürger unb Gastwirts), Heinrich Schnell, ein Sohn, Lubwig Johann Georg Konrab Theodor, geboren ben 20. Juni.
An die Bewohner der Stadt und des Kreises Wehen.
Nach kurzer friedlicher Arbeit wird das Volk Deutschlands wieder zu kriegerischer Thätigkeit aufgerufen, zu einem ernsten Krieg wider den Erbfeind Deutschlands, der in frevlem Ueöermuth unseren Willen unter ben feinigen glaubt beugen zu können. Unsere Söhne, unsere Brüber ziehen mit heiterem Muth in ben Kampf; möge ber Herr ber Heerschaaren ihnen ben Sieg verleihen!
Unsere Pflicht ist es, betn kämpfenben Heere moralische Unterstützung zu leihen, inbem wir bie Noth unb bas Elend, welches der Krieg unter ihm verbreitet, zu lindern, den Kranken und Verwundeten Hülfe und Labung zu bringen suchen. Wir wenden uns deshalb an Alle, welche ein Herz für die Macht und Größe unseres Vater- den Jammer der für dasselbe Verwundeten haben, mit der Bitte, nach Kräften uns mit Geld, Verbandgegenständen, Labungsmitteln zu unterstützen ; wir werden die uns übermittelten Gaben im Einvernehmen mit dem Central- V er em und der Militärbehörde verwenden.
arrr ist als Ort eines Reservelazareths ausersehen, es gilt deshalb hier vor ?.m, bei Zeiten Vorkehrung zu treffen, damit die Ereignisse uns nickt überraschen- 2hr Manner, gebt uns Geld! Ihr Frauen unb Jungfrauen, fertigt Binben, fertigt Eharpie, bereitet Euch zur Krankenpflege in ben Lazarethen! Ihr Jünglinge, bildet Samtats-Corps, übt Euch im Krankenträger- und Krankenwärter - Dienst! Alle, Alle, bie Ihr irgend Helsen könnt, helft im gemeinsamen Liebesdienst!
Slüe Hülfsthätigkeit muß vereinigt sein, sich gegenseitig unterstützen, sie muß nach fleorbnetem Plan unb im Einvernehmen mit ber Militärbehörde organifirt werden; pe§VQlb bitten wir Alle, die in irgend einer Richtung thätig sein wollen, sich mit uns tn Benehmen zu setzen Vereinigt können wir Großes wirken.
uns Dor‘terC $cfanntma$un0 über Ziel unb Umfang unserer Thätigkeit behalten
Goldmann. — Vogt. — Dr. Wernher. — Dr. Stammler. — Simon. — Haberkorn. — Freiensehner. — Vigelins. — Müller. Mann. - Nady. — Dr. Ploch. — PH. Kreiling HI. — Oncken. — Weidig. — G- Noll. — C- Gail. — Ludwig Bücking. — Voelcker. — Zöppritz. — Dr. Felsing. — Lange. — Landmann. — Carl Nagel. —
Hoch. — Rübsamcn. — Dr. Baur.
f,, Vorstehendem Aufrufe wird ein Verzeichniß der Gegenstände angefügt, deren Janeunige und massenhafte Einlieferung sehr erwünscht ist. Dieselben können in der Turnhalle abgeliefert werden.
r Alte, aber noch brauchbare Hemden, auch solche von Baumwolle, sind sehr er- ronnlcbt; ferner wollene unb baumwollene Strümpfe unb Socken.
Kamme unb Haarbürsten, Zahnbürsten, Wachsleinwanb, wasserbichtes Papier, Gummiunterlagen, Sicherheitsnabeln, Stecknabeln, Schwämme, Pantoffeln, Halstücher, ^rlespapier unb Schreibmaterialien überhaupt, leichte Mützen.
o ~ otan.E'Vinben, llEllen lang, 23/4 Zoll breit, Gaze-Binben, 9 Ellen lang, 2>/r breit, Lernen-Binben, 6'/2 Ellen lang, 2 Zoll breit, Leinen-Binben, 9 Ellen lang, 2% Zoll breit, Leinen-Viiiben, 11 Ellen lang, 2'/r Zoll breit, Krause - Charpie, £ompreffen aus alter weißer Leinwand, 9—12 Zoll im Quadrat (die Kompressen c? keme Nathe Haben), alte weiße Leinwand, Sandsäcke (leer), gitterartig gewebter Stoff, dreieckige Verbandtucher, l'/r Ellen langer, l',2 Ellen breiter Shirting zu viereckigen Tüchern. ö 0
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Eine Anzahl junger Männer sind Dienstag Abend zusammen- getreten und haben den Anfang zu einem Sanitätscorps gebildet, um in dem bevorstehenden Kriege den Verwundeten und Kranken ihre Dienste zu weihen. Die Mitglieder dieser Körperschaft wollen nach Maaßgabe der Freiheit, die ihnen ihr Beruf und die betreffende norddeutsche Instruction gestattet, theils mit ins Feld gehen, theils ihre Thätigkeit auf die Stadt und Umgegend beschränken. Das Eorps wird in organischer Verbindung mit dem allgemeinen Comitö für Krankenpflege stehen. Für sachkundige Ausbildung der Mitglieder ist Sorge getragen.
Die jüngeren unserer Mitbürger, soweit sie nicht selbst die Waffen tragen, werden hierdurch aufgefordert, sich uns anzuschließen. Jeder der Unterzeichneten ist bereit, Meldungen zu jeder Zeit entgegenzunehmen. Zugleich wird zu einer Samstag Abend 8 Uhr in der Turnhalle stattfindenden Versammlung behufs definitiver Con- stituirung eingeladen.
Dr. med. Felsing. Prof. Dr. Oncken. Turnlehrer Rübsamen.
Hofger.-Advokat Weidig. Gymnasiallehrer Dr. Weiffenbach
Pros Dr. Zöppritz.
(Hierzu eine Beilage.)


