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23.6.1870
 
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Aus blutiger Zeit.

Historische Novelle von Hermann Hirschfeld.

(Fortsetzung.)

Catharina'- Macht ist es daher, die zu brechen unser erstes Bestreben fein muß, und um zu diesem Ziele zu gelangen, bedürfen wir eines mächtigen Bei» stanves und der Hülfe ihres eigenen Sohnes, Heinrich III. von Valois.

Nie werden wir dies erreichen! rief einer der Herren, Heinrich III. ist gefesselt, wie wir unter der Knechtschaft seiner Mutter. Ein unmündiges Kind hat mehr Willenskraft als dieser Kon g.

Es gibt ein Mittel, diesen Menschen aus der Lethargie emporzurütteln, in die ihn die entsetzliche Erziehung seiner Mutter versenkt hat. Entnervte jene Frau nicht seine Jugend, bot sie ihm nicht selber zum Laster die willigste Ge- legenheit, um ungestört herrschen zu können? Aber über alle jene Ausschwei­fungen der Sinne, in denen bis jetzt das Leben unseres Königs verfloß, war cs eines, das er noch nie gelernt, und dieses Eine wollen wir an ihm versuchen, ehe wir zum Aeußersten schreiten, die Lebe, meine ich.

Hören Sie mich an, fuhr Herzog Heinrich unter dem Schweigen der An­wesenden fort. Heinrich von Valois hat nie geliebt, selbst niemals einen Ge­genstand gesunden, der seiner Lübe werth gewesen wäre. Umgeben von Günst- lingen, von koketten Damen des Hofe«, die sich eine Ehre aus ihrer-ande machten, entbehrte er bis jetzt jenes allbezwingenden Gefühls der wahren Liebe, und wenn sein Herz ihrer fähig, wenn sein Geist nicht bereits vergangen in dem Pfuhl des Lasters, so wollen wir sie ihm zeigen zum Heile Frankreichs, zu unserem eigenen Heile.

Reden Sie, Herzog, reden Sie, tönte es aus dem Munde der Hofleute. Heinrich von Guise wandte sich an die neben ihm sitzende Dame.

Jetzt ist es an Ihnen, Herzogin, entwickeln Sie Ihren Plan, diesen Her­ren gegenüber; wohl uns Allen, wenn er Ihre Billigkeit erhält!

Die Herzogin erhob sich; einen Augenblick ließ sie ihr feuriges Auge über die Züge der Versammelten schweifen, dann begann sie mit wohllautender, etwas tiefer Stimme:

Am Strande der Loire erhebt sich grau und ehrwürdig das Stammschloß der Familie Vaudemont, eines der edelsten Geschlechter Frankreichs, verwandt mit dem Hause Lothringen, und durch Bande des Blutes an das Haus Guise gebunden. Auf meiner Reise nach Paris führte mich der Zufall nach ter Be- sitzung meines Verwandten, des alten Grafen Norbert von Vaudemont, der letzte seines Stammes.

Jahre waren verstrichen, in denen ich nichts von ihm vernommen hatte, mir ward nur die Kunde, daß seine Gattin gestorben sei und ihm eine Tochter hinterlassen habe. Als ich auf Vaudemont anlangte, fand ich das Schloß in tiefster Betrübniß. Die Trauerfahne wehte von den Zinnen und die Sterbeglocke tönte aus der Kapelle; man beging da- Begräbniß des Schloßherrn, der ein Alter von achtzig Jahren erreicht hatte.

Die junge Eomteffe hatte sich im Uebermaß des Schmerzes in ihre Ge­mächer zurückgezogen, und mir blieb nichts übrig, als mich nach den Verhält­nissen des Hauses Vaudemont bei dem Caplan, einem bewährten Freunde des Verstorbenen, zu erkundigen. Ich vernahm wenig Tröstliches. Graf Norbert hatte seiner Tochter wenig mehr als seinen Adel und seinen alten Namen zu hinterlassen. Schloß und Gut war Majorat und fiel an eine Seitenlinie und meiner Cousine blieb nichts als nur eine kleine Rente zum Eigenthum.

Aber, fügte der Geistliche lächelnd hinzu, was bedarf man des Geldes, wenn man liebt und glücklich liebt, wie Marguerite.

Ich forschte weiter. Ein junger Edelmann, Offizier in Diensten des Kö­nigs, dessen Regiment an der Grenze des Reiches stand, ein einziger Gespiele des Kindes, war der Gegenstand der zärtlichen Gefühle Marguerike's geworden, und der Caplan schilderte mir den jungen Mann vollkommen dieser Liebe werth, wie er de- Lobes der Comteffe kein Enoe nehmen wollte.

Der Mann sprach nur zu wahr. Nachdem der erste Schmerz überwunden war, erschien Marguerite; ernst und gefaßt, ein schwarzes Hochreichendes Trauer­gewand umschloß ihren zarten Wuchs, und ein Antlitz von unendlichem Liebreiz blickte mir freundltch entgegen. Niemals sah ich solche Schönheit, niemals solche Anmuth, und fast mißgönnte ich dem einfachen Lieutenant der Provinz das Glück, diesen Schatz sein zu nennen, dieses Wesen an sein Geschick zu ketten, das eines Königsthrones werth war.

Ihr Herren, fuhr die Herzogin mit festem Tone fort, indem sie den Kreis mit ihren Blicken überflog, Sie alle wissen es, mehr als ein Weib hat über Frankreichs Schicksal ent|chieden, Glück und Unglück brachte die Liebe seiner Könige und Fürsten über dieses schöne Reich. Lassen Sie cs abermals die zarte Hand einer Frau sein, die Schweres von Frankreich wendet, die mit dem Hauche ihres Mundes Tyrannei und Jntrigue zu Asche bläst. Heinrich III. hat nie geliebt, wohl uns, denn Marguerite von Vaudemont wird er lieben, und das Haus Vaudemont auf Frankreichs Königsthron ist die Stufe, auf die der Fuß der Guise reicht, jeden Augenblick bereit, sich zur höchsten Spitze em­porzuschwingen und seine Feinde niederzuschrnettern in den Staub. Jetzt, meine Herren, kennen Sie das Geheimniß, die Pläne unserer Familie, Ihre Ehre, Ihr Schwur schützt uns vor Verrath.

Eine bedenkliche Stille entstand, nachdem die Herzogin geendet hatte. Der Gedanke, eine Linie des Hauses Guise auf den Thron und damit den Einfluß und die Macht dieses gefürchteten Geschlechts unbegrenzt zu wissen, ließ sic verstummen.

Aber Mademoiselle von Vaudemont ist verlobt, wie mich däucht, nahm endlich einer der Anwesenden da- Wort, wird sie, wie ihr Bräutigam, in eine Entsagung willigen?

Ich stehe dafür, versetzte die Herzogin rasch. Die Entsagung sei meine Sache. Marguerite glüht für ihr Vaterland; der Gedanke, Frankreich- Schick» sal in ihre Hand gelegt zu wissen, wird sie stählen und begeistern.

Und wa- werden die Höfe Europa'- zu dieser Verbindung sagen? meinte

nen die

ein Anderer, der mächtigste König Europa's, dem die edelsten Fürsten ihre Hauser offnen, erhebt eine Unterlhanin auf den Thron de- Lande-.

Herzog Heinrich erhob sich.

Das Haus Guise steht keinem Fürstenhause Europa's an Alter und Adel

Ate er sto.z. Und es ist nicht das erstemal, daß eine Dame unsere- Geschlechtes Frankreichs Königsthron besteigt!

fiA ®.uifc 'i* und Jedermann ist e» Wannt, daß er dem

Hause der Valois kaum nachstedt, sagte der Herzog, Keiner wird sich weigern, ibn de» Thrones für würdig zu erachten, und w.r c« wagte, bei dem ew'grn Vater! den wurde mein gutes Schwert überzeugen.

Die Stirnen ter Anwesenden zogen sich in Falten, aber noch zu rechter Zeit legte sich der welikluge Cardinal Franz ins Mittel, um die durch die H.tze seines Bruders aufgeregten Gcmüther zu beschwichtigen.

Die Schönheit, die Anmuth, sagte er, ist tu Königin, ror der sich da» Herz ,>de» Franzosen neigt, und wer mit den Vollkommenheiten beider Göttinnen ausgerüstet, vertun, wohl, aus dem Thron Frankreichs zu sitzen, als Herrscherin des galantesten Volkes der Cfrte. Wir wollen keinen Entschluß in dieser Nackt, Jl)t Herren, keine unüberlegte Zustimmung. Ihr selbst sollt prüfen. Lassen Su Ihre unbekannte Schöne nach Paris kommen, theure Herzogin, wir wollen sehen, ob sie das Lob verdient, das Sie ihr in so reichem Maße spenden.

So fei es! schallte es aus der Versammlung, wir selber wollen prüfen.

^Ser es denn, wiederholte die Herzogin. Marguerite hat sich bereits mei-

Die en Tagen wird der König eintreffen, ich werde ihre Ankunft beeilen müssen. Matt und dämmernd stahl sich das Tageslicht durch die aus zahllosen kiei- Scheiben zusammengesetzten Bogenfenster des CabinetteS. Der Cardinal zog Vorhänge zuruck. Der Tag bricht an; es ist Zeit, uns zu trennen, um KDtn Argwohn schwinden zu lassen. Die Königin ist bereits durch ihren Giinst- ling, Pater Ignaz, unterrichtet, daß wir in dieser Nacht uns zu geheimer Be. rathung versammelt. lieber uns Alle, meine Herren, hängt das Gewicht ihres Grimmes, der Druck ihres Mißtrauens. Unsere Namen stehen von heute an in ihrem schwarzen Buche. Selen Sie vorsichtig, kein unbedachtes Wort, keine

Verlockung möge Ihre Zunge lösen: denn auch über dem Verräther schwebt die rächende Nemesis. Wir haben .hr den Handschuh hingeworfen, der stolzen tyrannischen Frau, wir stehen wider sie und ihre Politik, gestützt auf unseren Glauben, auf unser Recht und unser gutes Schwert. Wir führen keinen Par- teikrieg. Der Adel Frankreichs verbindet sich gegen Unterdrückung, daher führe unser Verein feinen Namen,Bund" heiße er -Ligue", und so breite ich segnend Die Hände über ihn und befehle ihn dem Schutze de- Allmächtigen zum Wohle unserer Religion, zum Wohle Frankreichs!

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ner Bitte gefugt, Die Halste des Trauerjahres bei mir in Paris zu verleben.

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Wie auf ein Zeichen knieten sämmtliche Anwesende nieder, bis auf Herzog Heinrich, der stolz an seinem Schreibtisch angelehnt stand.

Der Cardinal machte das Zeichen des Kreuzes über ihn und seine Lippen murmelten ein lateinisches Gebet. Dann erhoben sich die Herren, Einer nach dem Andern entfernte sich schweigend aus Dem Gemache, um Durch eine geheime Pforte Den Palast zu verlassen und ihrer eigenen Wohnung zuzueilen.

Die Familie blieb allein. Der Herzog hatte seine Stellung nicht aufgege- ben und starrte im liefen Sinnen vor sich hin, während Die Montpensier an einem Nebentisch beschäftigt war, einige Zeilen auf ein Blatt Papier nieDenu- schreiben; Der Cardinal trat zu ihr.

An wen ist dieser Brief gerichtet? fragte er.

An Marguerite De Vaudemont, erwiederte Die Gefragte, ohne inne zu halten.

Der Geistliche legte seine blendend weiße Hand auf den bräunlichen, üppig vollen Arm Der Herzogin. Erlauben Sie mir eine Frage, Eugenie, sagte er was soll ich von Ihnen denken? Wie, wäre es möglich, daß Sie das Ge­schlecht, dem Sie angehören, so weit verleugnen könnten, Frankreichs Königs- thron leer zu wissen und nicht Alles auszubieten, selbst das lilienbesäete Diadem auf Ihr schönes Haupt zu setzen? Sie, Deren Schönheit keine Rivalin zu scheuen hat, sollten nicht selber versuchen, in dem Herzen des schwächsten aller Könige die nie gekannte Liebe zu erwecken?

Die Herzogin legte Die Feder nieder. Sie kennen Marguerite nicht, Oheim, erwiederte sie gedankenvoll, sie ist tausendmal schöner als ich. Und Dann, fügte jie zögernd hinzu, sind es zwei Gründe, Die mich für ewig hindern, meine Hand nach Frankreichs Diadem auSzustrecken.

Der Cardinal ließ sich in einem Sessel nieder. Lassen Sie hören, sagte er, mich dünkt, nach den Ereignissen Der heutigen Nacht werden wir schwerlich die Ruhe finden können. w

Der erste Grund ist, daß mir ganz unendlich viel an meinem Leben liegt. Mich gelüstet nicht, Cathanna's Schwiegertochter zu heißen, um diese Ehre nach kurzer Frist mit Dem königlichen Grabgewölbe zu St. Denis vertäu- schen zu müssen.

Der Äirchrnsürst lachte. Sie haben Recht, sagte er, und dennoch kenne ich Sie gut genug, al» daß ich diesen Grund al» den entscheidenden gelten lassen möchte. Eugenie von Montpensier kennt keine Feigheit. Um eine Krone lohnt er sich schon, den Kampf mit einer Feindin aufzunehmen, selbst wenn sich diese Catharina von MediciS nennt.

Ihr Scharfsinn reicht weit, mein Oheim, entgegnete Eugenie. Ja, es ist wahr, ein tieferer Grund jagt den Gedanken an meine Erhebung aus meiner Seele. O, lassen Sie mich schweigen, reißen Sie nicht längst vernarbte Wun- den auf, daß sie auf's Neue bluten und schmerzen.

Der Cardinal sah seine Verwandtin bedeutend an. Und sollte nicht König Heinrich selber die Ursache sein? sagte er.

Sie es Denn wissen! rief die Herzogin erglühend; mögen Sie erfahren, weshalb ich diesen König hasse und mit ihm das ganze verrälherische Geschlecht Der Valois. Ich liebte ihn, fuhr sie mit weicher Stimme fort, glü­hend, leidenschaftlich, wie dieses Herz nimmer einem Manne ergeben war.

(Fortsetzung folgt.)