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welches eine unter Ziegelsteinen verborgene Ladung von Gewehren nach Frankreich führen sollte.
Florenz, 18. Oct. Die Mission Thiers' endigte resultatlos.
Newyork, 17. Oct. (Kabeltelegramm.) Ein furchtbarer Sturm hat auf Cuba gewütet. Es geht das Gerücht, 2000 Personen seien dabei umgekommen. — Die Neger auf Martinique, welche am 24. September revoltirten, haben 50 Plantagen verbrannt. Die Insurrektion ist unterdrückt.
Weltfrieden einzutreten, aber doch nur unter der Voraussetzung, daß es nicht die friedenssreundliche und friedenöbedürftige Macht England als seinen heimlichen Gegner anzusehen hat.
so unbehaglich, wie Jemand, der ein altes wohnliches aber baufällig gewordenes Haus verlassen hat und sich in einem neuen noch unfertigen Quartier einrichten soll. Die Geschichte der letzten Jahrzehnte dreht sich, um von der alten noch ungelösten „Frage" abzusehen, vorzugsweise um die Neugestaltung Italiens und Deutschlands. Die nationale Frage ist die wirkende Kraft in der Geschichte der Gegenwart. Die nationale Einigung Italiens hat indessen verhältnißmäßig Europa mit geringer Furcht und Sorge erfüllt. Sie hat selbstverständlich Oesterreich als Gegner gehabt, auch die Franzosen der alt-chauvinistischen Schule wenig befriedigt, im Uebrigen hat sie sich aber unter dem überwiegenden Beifall Euro- pa'S vollzogen. Man sah in der Bildung eines italienischen Einheitsstaates eine willkommene Beschränkung der österreichischen wie der französischen Machtsphäre feine Anschauung, die, so weit sie sich auf Frankreich bezieht, nicht unbedingt zu» treffend war). Man glaubte deshalb das Verschwinden der kleinen, ohnmächtigen, durch ihre Schwäche zu beständigen Einmischungen herausfordernden Staaten und die einheitliche Constituirung der Halbinsel als ein Element des europäischen Gleichgewichts und als eine Friedensbürgschaft betrachten zu können. Der Umstand, daß Italien nur wenig feiner eigenen Kraft, das Meiste vielmehr fremder Hilfe verdankte, wirkte insofern beruhigend, als er eine unbequeme Machtentwickelung des jungen Staates für lange Zeit als undenkbar erscheinen ließ. Kurz, auch wer Italien nicht gerade günstig gestimmt war, fühlte dennoch nicht die mindeste Neigung, seinem nationalen Unificirungsprocesse Hindernisse in den Weg zu legen. Seine Schwäche bewahrte es vor Feindschaft. In ganz anderer Weise ist bis jetzt der deutsche EinigungSprocesz verlaufen. Die Gründung des Nordbundes war das Werk der preußischen Kraft. Norddeutschland trat mit raschem Erfolge als gewaltige Großmacht in das Staatensystem ein. Preußen hatte Norddeutschland geeinigt und auch Süddeutschland durch starke Bande an den großen nationalen Körper gekettet. Was Deutschland geworden war, das war es durch die Kraft feiner leitenden Großmacht geworden. Es hatte die Grundlagen feiner Einigung gewonnen, ohne sich irgend einer fremden Macht zu Danke zu verpflichten. Und deshalb war es mehr geachtet wie Italien, aber auch mehr gefürchtet. Im Allgemeinen machte sich indessen in Europa doch sehr bald die Ansicht geltend, daß eine gewaltsame, auf Eroberung und Friedensstörung bedachte Politik von Deutschland nicht zu fürchten wäre. In England erkannte man dies sofort, man sah in dem Aufschwung Preußens nicht eine Gefahr, son- dem eine Bürgschaft für den Weltfrieden. Auch die kleineren Staaten, welche anfangs von einer durchaus unbegründeten Furcht für ihre Sicherheit und Existenz ergriffen waren, beruhigten sich allmälig, zumal da die weise Zurückhaltung Preußens den süddeutschen Staaten gegenüber die friedliche und besonnene Politik seiner Regierung in's hellste Licht stellten. Nur Frankreich grollte nicht aus
Furcht — denn Preußen dachte nicht daran, es zu bedrohen — sondern aus Eifersucht und Mißgunst, die sich von Zeit zu Zeit in Anfällen von Tobsucht Luft machte und endlich den gewaltigen Kampf herbeiführte, in dem das ganze Deutschland seine große Kraftprobe ablegen sollte. Daß Deutschland jetzt, nachdem es die militärischen Streitkräfte des Gegners fast völlig vernichtet hat, als materielle Bürgschaft gegen die Wiederkehr ähnlicher Angriffe die Abtretung einiger Gebietsteile fordert, ist ein so berechtigtes Verlangen, daß ernstliche Bedenken dagegen sich gar nicht erheben lassen. Man vermag denn auch das Reckt Deutschlands auf eine Landerwerbung nicht zu bestreiten; aber man würde es an manchen Stellen sehr gerne sehen, wenn Deutschland von diesem Rechte keinen Gebrauch machte. Da man aber im Grunde selbst sehr gut weiß, daß Deutschland von der Landforderung nicht abgehen kann noch wird, so läßt man sich gegen die preußische Regierung verstimmen und zu einem ganz unbegründeten, man möchte sagen kindischen Miileiden für Frankreich hinreißen, daß doch in der That nur erntet, was eö gesäet hat. Um von den unsinnigen und nichtswürdigen Hetzereien und Lügen eines Theiles der belgischen Presse ganz zu schweigen, wie kommt eS, daß die enalischen Minister ihre Neutralität in einer so offenbar Frankreich wohlwollenden Weise handhaben? Glauben sie etwa, daß Deutschland, weil es zwei ihm früher geraubte Provinzen zurückfordert, entschlossen ist, fortan die Bahn der Eroberung zu betreten? Fast scheint es so, als ob die englische Regierung
(keineswegs das englische Publikum) sich von dieser Furcht beherrschen läßt. Nun fürwahr, ein Minister, der die von den Verhältnissen mit absoluter Noth- wendigkeit aufgedrungene Zurückforderung des Elsaß und eines großen Theiles von Lothringen als Svrnptome eroberungssüchtiger Tendenzen betrachtet, scheint wenig geeignet, in einer so großen ernsten Zeit die Geschicke eines Landes wie England zu lenken, was man in England selbst bereits zu erkennen aufängt. Englands Staatsmänner mögen doch bedenken, daß Deutschland, je kräftiger es aus diesem Kriege hervorgeht, um so kräftiger auch für den Weltfrieden wirken kann und wird. Deutschland, auf Jahre lang mit seinem inneren Ausbau be- : schäftigt, groß und stark genug, um nicht nach fremdem Besitz trachten zu brauchen, hat alle Veranlassung, den Mächten entgegen zu treten, welche etwa die noch ungelösten Fragen zu einer Erschütterung des europäischen Staatensystem- auS- , beuten möchten. Es ist der natürliche Verbündete der auf Aufrechterhaltung des Friedens bedachten Mächte. Das hat England nach dem Kriege von 1866 sehr i wohl erkannt. Welche Verblendung, eS gegenwärtig zu verkennen! Welche Verblendung, Frankreich zu unterstützen, um dieses dadurch etwa vor einem Anschluß
, dn Rußlands Politik zu bewahren! Aus Frankreichs Beistand, mag es mit oder t ohne Landverlust aus dem Kriege hervorgehen, ist für Jahre hinaus nicht zu . rechnen. Nur Deutschland vermag in der nächsten Zukunft wirksam für den
Deutschland und Guropa.
Eine jede in der Entwickelung begriffene großartige Veränderung der politischen Machtverhältniffe, jeder überraschende Aufschwung eines Staates ruft bet Den übrigen Staaten hier und da Hoffnungen, in weit größerer Ausdehnung aber Befürchtungen hervor. Man hat das Gefühl, vor dem Unbekannten, Ungewissen zu stehen, die alten Traditionen der auswärtigen Politik werden verwirrt, Alliancesysteme umgeworfen, Combinationen durchkreuzt. Die Politiker fühlen sich
geordnet werden. , x m
Köln, 16. Oct. Ukber die schon nach ter «K. Z." gemeldeten Vorfälle im Gefangenenlager auf der Wahuer Haide weiß die „Elb. Ztg." noch Folgendes zu berichten: „Gestern hatte man, wie man sagt, durch Verrath von zwei Sergeant-MajorS Nachricht bekommen, daß bei den Turcos und Zuaven auf der Wahner Haide viele Waffen existirten. Die angestellte Revision ergab denn auch ein über alles Erwarten günstiges, resp. ungünstiges Resultat, denn man fand nicht weniger als 64 Revolver und 1000 lange Schlitzmesser. Bei Beginn der Revision am linken Flügel hatten die auf dem rechten Flügel stehenden TurcoS ihre Waffen schnell im Boden ihrer Zelte vergraben."
Berlin, 17. Oct. Mehrere Blätter haben neuerdings gemeldet, der General der Infanterie, Vogel v. Falkenstein, sei dazu auserseben, binnen Kurzem in Frankreich ein Truppencornmando zu übernehmen. Diese Meldung erweist sich als unrichtig. General v. Falkenstein verbleibt auf seinem Posten als Generalgouverneur der deutschen Küstenländer. Seine Beibehaltung dieses Commando's i|l ge- rade jetzt um so wünschenswerther, als vielseitigen übereinstimmenden Mttthetlun- gen nach sich wieder eine französische Flotte in die Nordsee begeben hat. Diese Flotte scheint es auf Handstreiche gegen deutsche Küstenpunkte abgesehen zu haben. Dermuthlich sind die französischen Machthaber der Ansicht, in Folge des früheren Abzugs ihrer maritimen Streitkräfte aus den deutschen Gewässern seien unsere Küsten von Vertheidigungsrnitteln entblößt worden. Solche Meinung durfte sich aber als eine durchaus irrtümliche Herausstellen. Haben in den ftu|tenftri$en auch einstweilige Verminderungen der Truppenzahl stattgefunven, so ist doch die von den Umständen gebotene Wiederergänzung derselben eben so schleunig wie vollständig erfolgt. Außerdem sind die Küstenbefestigungen und Arnurungen nicht blos in ihrer früheren Stärke geblieben, sondern haben durch die unausgesetz e Weiterführung der Erdarbeiten und der Geschützplacirungen noch an Widerstands- kraft gewonnen. Demnach werden französische Handstreiche wohl eben so wenig gelingen, wie ernste Angriffe. Von bedrohlichen Landungen kann überdies gar feine Rede sein, weil es den Franzosen an dem dazu Notwendigsten fehlt, an einer irgend aussichtsvollen Zahl von Landungstruppen!
Die Londoner internationale Gesellschaft zur Hülssleistung für verwundete hat ein sehr kostbares Geschenk für das deutsche Operationsheer in Aussicht gestellt. Nach ihren Ankündigungen sollte am 13. October eine große englische Ambulance mit 12 Zelten, 220 Betten, vielen Wagen, 100 Pferden rc. von London an die vor Paris lagernde CernirungSarmee abgesendet werten.
Brüssel, 18. Oct. Die Behörden haben zu Termonde ein Schiff angeyalten,
V Darmstadt, 17. Oct. Am Sonntag fand zwischen hessischen Soldaten und Franzosen in einer Wirtschaft eine Schlägerei statt, bei welcher die Franzosen genötigt wurden, den Rückzug anzutreten.
Darmstadt, 19. Oct. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 49 bringt nachstehendes lanoesherrliche Evict, die Verfassung der evangelischen Kirche des Großherzogthums Hessen betreffend: „Um für die evangelischen Gemeinden Unseres Großherzogthums, der von Und kundgegebenen Absicht gemäß, eine presby- terial-synodale Verfassung auf Grund kirchlicher Selbstständigkeit herbeizuführen, haben Wir durch Unsere kirchlichen Behörden den Entwurf einer solchen Verfassung ausarbeiten lassen und diesem in der Fassung, wie er nachstehend folgt, Unsere Genehmigung erteilt. Zugleich haben Wir Unser Ministerium des Innern beauftragt, nach Maßgabe der in diesem Verfassungs-Entwürfe enthaltenen Bestimmungen die erforderlichen Anordnungen zur Wahl der provisorisch zu bildenden Kirchenvorstände zu treffen und, nachdem diese sämmtlick gebildet sein werden, die Decanatssynoden zu bilden und einzuberufen, damit diese nach Maßgabe der für die Bildung der Landes-Synode getroffenen Bestimmungen die Mitglieder einer außerordentlichen Synode wählen, welcher der Entwurf der Kirchen-Verfassung zur begutachtenden Beratung vorgelegt werden soll. Es folgt hierauf der 108 Paragraphen umfassende Entwurf. Abschnitt I. (§. 1—4) banDelt »on der Kirche und den Kirchengemeinden im Allgemeinen; Abschnitt II. von Kirchengemeinden und deren Vertretung, und zwar A. (§. 5 — 30) von den Kirchengemeinden, B. (§. 31—57) von den Decanats-Synoden, C. (§. 58—81) von Landes-Synoden; Abschnitt III. von den Dienern und den Behörden der Kirche: A. (§. 82—87) vorn Pfarramte, B. (§. 88—90) vom Dekanate, 0. (§.91 bis 99) von Superintendentur, D. (§. 100—106) vom Oberconsistorium. Von den Schlußbestimmungen lautet der letzte Paragraph: In Bezug auf die Ausbringung der Mittel zur Befriedigung der lokalen kirchlichen Bedürfnisse bleibt es vorerst bet den bestehenden Bestimmungen. Die Art und Weise der Aufbringung der Mittel zur Bestreitung der allgemeinen Lasten wird durch ein besonderes Gesetz
Frieden-verhandlungen zwischen Bazaine als Bevollmächtigter der Regentin und Versailles nehmen die allerbestimmteste Gestalt an. Die Stimmung verrät hier seit der Einnahme von Soissons die Sehnsucht nach Frieden.
Toms, 17. Oct. Die „France" fordert ganz Frankreich zu Subscriptionen für Straßburg auf. — Die französische Armee bei Besan^on will sich der Führung Garibaldis und der anderen Italiener nicht fügen; deshalb hat sich Gambetta dorthin begeben.
Tours, 18. Oct. Die Regierung veröffentlicht folgende Depesche: „Amiens, 18. Oct. Die kleine, offene Stadt Montdidier ist gestern durch 800 Preußen mit Artillerie angegriffen worden. 3 Einwohner wurden getödtct; eine R<qui- sition von 50,000 Frs. ist ausgeschrieben worden. Der Maire Beaudeloque und dessen Avjunct Durand sind als Geißeln abgeführt. 150 Mobilgarden wurden gefangen gemacht. AmienS ist vom besten Widerstandsgeiste beseelt."
Tours, 18. Oct. Die Regierung verbreitet folgende Nachrichten: Cha- jeaudun, 18. Oct., Uhr Nachmittags. Dijon wird vom Feinde beschossen.
Die ersten Schüsse fielen um 10 Uhr Vormittags. Vesoul (Dep. Haute-Saone, Arrond. Vesoul) ist von dem Feinde genommen. Lille, 18. Oct. St. Quentin wird von Neuem bedroht.
Ballonreisende bringen nach Valenciennes wieder Pariser Nachrichten vom 16. d. Sie lauten: Ruhe und Entschlossenheit in der Stadt und auf den Wällen. Die Preußen ziehen sich in ihre Schanzen zurück. (!) Momentan ist ein Bombardement der Stadt unmöglich. Die Lebensmittel sind für lange Zeit noch vorhanden. Der Bericht Trochu's über das Ausfallsgefecht vom 13. d. ist erschienen und behauptet, der „Rückzug" sei vorzüglich gewesen. Nach der „Daily News" ist eine größere Action an der Loire bevorstehend; die Eisenbahnbrücke bei Beaugency ist von den Preußen zerstört. Der Ort ist von ihnen verlassen. Sie gehen an mehreren Punkten über die Loire. In Saint-Cloud sind alle Gemälde und Tapeten verbrannt; ein Theil der Bibliothek und eine Büste Napoleons ist gerettet.


