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I Aufruf!

Eine Anzahl junger Männer sind Dienstag Abenv zusammen­getreten und haben den Anfang zu einem Sanitätscorps gebildet, um in dem bevorstehenden Kriege den Verwundeten und Kranken ihre Dienste zu weihen. Die Mitglieder dieser Körperschaft wollen nach Maaßgabe der Freiheit, die ihnen ihr Beruf und die betreffende norddeutsche Instruction gestattet, theils mit ins Feld gehen, theils ihre Thätigkeit auf die Stadt und Umgegend beschränken. Das Corps wird in der innigsten Verbindung mit dem allgemeinen Ver­ein für Krankenpflege stehen, auf dessen heute Abend stattfindende Versammlung besonders aufmerksam gemacht wird. Für sachkundige Ausbildung der Mitglieder ist Sorge getragen.

Die jüngeren unserer Mitbürger, soweit sie nicht selbst die Waffen tragen, werden hierdurch aufgefordert, sich uns anzuschließen. Jeder der Unterzeichneten ist bereit, Meldungen zu jeder Zeit ent­gegenzunehmen. Zugleich wird zu einer Samstag Abend 8 Uhr in der Turnhalle stattfindenden Versammlung behufs definitiver Consti- tuirung eingeladen.

Dr med. Felsittft. Prof. Dr. Orrcken. Turnlehrer Nübsamen.

Hofger.-Advokat' Weidig. Gymnasiallehrer Dr. Weiffenbach.

Prof. Dr. Zöppritz.

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3399) Die Unterzeichneten erlauben sich, alle erwachsenen Be­wohner der Stadt Gießen auf

Donnerstag den 21. L Mts., Abends 8 Uhr, in den Leib sch en Saal

zu einer Berathung über die Maaßregeln einzuladen, welche in dem bevorstehenden Kriege zur Unterstützung der Staats- und Militärbe­hörden in ihrer Fürsorge für die Kranken und Verwundeten zu er­greifen sein werden.

Gießen, den 20. Juli 1870.

Das Local - Comite des Hülfsvereins für die Krankenpflege und Unterstützung der Soldaten im Felde:

Or. Goldman». Haberkorrr. l>r. Simon. Dr. Stammler. Vogt. Dr. Wernher.

Die Gartenlaube

bringt in Nr. 29 folgende Beiträge: Offenes Rundschreiben an alle Deutsche. Die Thurmschwalbe. Erzählung von Levin Schücking. (Fortsetzung.) Wild-, Wald- und Waidmannsbilder. Von Guido Hammer. Nr. 31. Ein Waldkleeblättchen. Mit Abbildung von demselben. Die Diätetik der Vegetarianer. Oeffentlicher Vor­trag, gehalten in der Universitäts-Aula zu Freiburg von Prof. A. Funcke. Feder­zeichnungen aus einem Berliner Skizzenbuche. I. Mutter Kranzlern. Von Max Alt. Der Bergwirth. Geschichte aus den bairischen Bergen. Von Hermann Schmid. (Fort­setzung.) Blätter und Blüthen: Deutschlands Schmuckkästchen. Mit Abbil­dung'. Nürnberg aus der Vogelschau von Norden gesehen. Nach der Natur gezeichnet von Adolf Eltzner. Jeder hat seinen Preis. Proclamation des Kaisers Norton des Ersten.

Wir machen wiederholt hierdurch ein verehrliches Publikum dringend aufmerksam, daß nur dann Annoncen pünktlich ausgenommen werden können, wenn solche bis spätestens Montags, Mitt­wochs und Freitags srüh 9 Uhr eingesandt werden. Später einlaufende können unter keinen Um­ständen berücksichtigt, und müssen für die folgende Nummer zurückgclegt werden.

Die Cxped. des Giessener Anzeigers.

Die Wacht am

Es braust ein Ruf wie Donnerhall, Wie Schwertgeklirr und Wogenprall: Zum Rdein, zum Rhein, zum deutschen Rhein! Wer will des Stromes Hüter sein?

Lteb Vaterland, magst ruhig sein, Fest steht und treu die Wacht am Rhein. Durch Hunderttausend zuckt es schnell Und Aller Augen blitzen hell: Der deutsche Jüngling, fromm und stark, Beschirmt die heil'ge Landesmark.

Lieb Vaterland, magst ruhig sein, Fest steht und treu die Wacht am Rhein. Und ob mein Herz im Tode bricht, Wirst du noch d'rum kein Wälscher nicht, Reich wie an Wasser deine Fluth, Ist Deutschland ja an Heldenblut. Lieb Vaterland, magst ruhig sein. Fest steht und treu die Wacht am Rhein.

R h e i n.

Auf blickt er in des Himmels Blau'n,

Wo Heldenväter niederschau'n, Und schwört mit stolzer Kampfeslust: Du Rhein bleibst deutsch wie meine Brust! Lieb Vaterland, wagst ruhig sein. Fest steht und treu die Wacht am Rhein. So lang' ein Tropfen Blut noch glüht, Noch eine Faust den Degen zieht, Und noch ein Arm die Büchse spannt, Betritt kein Feind hier deinen Strand. Lieb Vaterland, magst ruhig sein, Fest steht und treu die Wacht am Rhein. Der Schwur erschallt, die Woge.rinnt, Die Fahnen flattern hoch im Wind: Zum Rhein, zum Rbein, zum deutschen Rhein, Wir Alle wollen Hüter fein.

Lieb Vaterland, magst ruhlg sein, Fest steht und treu die Wacht am Rhein!

G o l i t i s ev e Rundschau.

18. Juli.

DieKnuzztg." sagt in einem die Entscheidung I überschriebenen Artikel:Es ist ein persönlicher Wille I und ein persönlicher Ehrgeiz, welcher ebenso die fron» I zosische Nation mit erlogenen Vorwänden irre führt, \ wie er unter erlogenem Vorwande Streit mit Preußen I sucht. Hat dieser Wille es erreicht, daß die Welt L sich von Neuem mit Kriegslärm füllt, so wird er I auch zunächst persönlich dafür verantwortlich sein - vor Frankreich und der Welt. Preußens Regle- I rung und Preußens Volk haben einer beispiellosen L Herausforderung gegenüber eine Mäßigung bewiesen, i welche jenseits des Rheines vielleicht falsch gedeutet i worden ist. Der Emser Vorgang mag die Franzosen I in der höchsten Steigerung ihres UebermutheS Be­troffen haben; er möge ihnen eine Vorbedeutung dessen V fein, was sie zu erwarten haben nämlich ein Volk, L das mit seinem Könige in Liebe und Treue verbunden ! ist; daö alle inneren Schwierigkeiten mit Leichtigkeit l, beseitigt, wenn das Vaterland in Gefahr ist, das den Frieden liebt, aber aus eben dieser Liebe auch : Die Kraft und den Willen entnimmt, ihn zu verthei- digen; bas von Dem Vertrauen erfüllt ist, daß ein . Gott lebt, der den Uebermuth straft."

Wie aus Berlin vorn 17. gemeldet wird, hätte ! die französische Regierung an die süddeutschen Regie- lungen die drohende Aufforderung gelichtet, sich in 24 Stunden zu erklären, ob sie neutral bleiben wollen. ! DieBerl. Börs.-Ztg." weiß von einer Pariser Mel­dung, wonach ein Allianzvertrag mit Dänemark ab­geschlossen sei, und eine große französische Flotte in dir Nordsee mit einem LandungScorpS segelt, deren Stärke verschieben angegeben werde.

DieFrance" vom 16. meldet: die officielle An-

zeiget, daß der Krieg erklärt sei, wurde so eben im auswärtigen Amte aufgesetzt, um sofort an die fremden Machte versandt zu werden.

DieFrance" meldet ferner, Der Herzog von Gramont habe Lord Lyons und Herrn De Bayens Die Anzeige gemacht, daß Frankreich auch strategisch Die Neutralität Belgiens respectiren werDe.

DerStaatsanzeiger" veröffentlicht zur Würdigung der von Den französischen Ministern in Der Sitzung vom 15. Juli vorgebrachten Behauptungen unter Vor­behalt weiterer Mittheilung, zwei Aktenstücke. Das Erste unter unmittelbarer Approbation Des Königs redigirt, berichtet, Benedetti habe am 9. Juli vom Könige verlangt, derselbe solle dem Erbprinzen von Hohenzollern befehlen, die Annahme Der Krone zurück­zunehmen. Der König erklärte, er habe keinen Be­fehl zur Annahme gegeben, er könne Denselben daher nicht zurücknehmen. In der zweiten Audienz vom 11. Juli versuchte Benedetti auf Den König eine Pression zu üben, Damit Derselbe in den Prinzen dringe, der Krone zu entsagen. Der König erwiderte, der Prinz sei in seinen Entschlüssen frei, auch gegen­wärtig verreist. Auf Der Brunnen - Promenade am 13. Juli übergab Der König Dem Grafen Benedetti ein Extrablatt derKöln. Zeitung" mit einem Pri­vattelegramm bezüglich Der AbDankung des Prinzen von Hohenzollern, indem Der König dazu bemerkte, er habe noch kein Schreiben aus Sigmaringen. Be- nebetti erklärte, Die Verzichtleistung zu kennen und verlangte, Der König solle bestimmt versichern, nie­mals wieder seine Einwilligung zu der Eandidatur zu geben. Der König wies diese Zumuthung bestimmt zurück, demungeachtet verlangte Benedetti nne Dritte Audienz, um Den Gegenstand zu wiederholen. Der

König wies Die Audienz ab, da er keine Antwort zu geben habe, übrigens alle Verhandlungen durch das Ministerium zu gehen hatten. Den Wunsch Benedeui's, sich zu verabschieden, gewährte der König, indem er Benedetti bei der Fahrt nach Coblenz im Vorübergehen auf Dem Bahnhofe begrüßte. Das zweite Actenstück ist der Bericht des Flügeladjutanten vom Dienst, Fürsten Radziwill, über Die Ausführung Des bekannten Auftrags an Benedetti, woDurch das Begehren Desselben nach einer neuerlichen Audienz ab­gelehnt wird.Graf Benedetti hätte seit seiner Un­terredung mit Dem Könige eine neue Depesche des Herrn von Gramont erhalten, in Der er beauf­tragt würde, sich eine Audienz von Sr. Majestät zu erbitten und nochmals Sr. Majestät Den Wunsch des französischen Gouvernements nahe zu legen: 1) Die Verzichtleistung des Prinzen zu Hohenzollern zu ap- probiren und 2) die Versicherung zu erthe'len, daß auch in Zukunft diese Eandidatur nicht wieder auf­genommen werden würde. Hierauf ließ Se. Majestät Dem Grafen durch mich erwidern, daß Se. Majestät die Verzichtleistung des Prinzen Leopold in demselben Sinne und in demselben Umfange approbirten, indem Se. Majestät dies vorher mit der Annahme dieser Eandidatur gethan hätten. Die schriftliche Mitthei- lung der Verzichtleistung hätten Se. Majestät von dem Fürsten Anton zu Hohenzollern erhalten, Höehst- welcher hierzu vom Prinzen Leopold autorisirt worden sei. In Betreff des zweiten Punktes, Der Versiche­rung für Die Zukunft, könne sich Se. Majestät nur auf das berufen, was Allrrhöchstderselbe Dem Grafen des Morgens selbst erwidert hätte. Graf Benedetti nahm diese Rückäußerung Sr. Majestät dankbar ent­gegen uno äußerte, er würde dieselbe, wie er hierzu