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Ans blutiger Zeit.
Historische Novelle von Hermann Hirschfeld.
(Fortsetzung.)
Jubelt nur, ihr Uibermüthigen! flüsterte sie vor sich hin, auch eure Bar- Iholomäusnacht ist nicht mehr weit, in jenen Sternen fleht Euer LooS gefchrie- den. Uno Du, stolze Herzogin, vie Du glaubst mich verdunkeln zu können durch Deine Schönhe.t, Deine Pracht, auch Du zittere. Ader nimmer wirst Du triumphiren, mein Haß senkt seine Fittige über Euch Alle, bis die Wucht Euch zu Boten drückt und Ihr gewesen seid.
Sie hielt inne, ein Lächeln der Freude glitt über ihr Antlitz. Ihr scharfes Auge erkannte einen Ritter, der, in s.inen Mantel gehüllt, unter dem Bal- kon erschien und ein stummes Zeichen gab. Dann entfernte er sich in der Richtung des Palastes der Guiscn. Keiner hätte in dem festen Tritt dieses Mannes, in der stolzen, kriegerischen Haltung desselben den zierlichen Abb6 wieder erkannt, der noch wenige Augenblicke vorher sich zu den Füßen Catharina'ö niedergelussen hatte. Wohlgefällig blickte ihm die Königin nach.
Pünktlich, wie immer, sagte sie, bei Gott, er verdient es, mein Schützling zu sein. Aber wie würden seine Dienste ausfallen, wenn ich sie nicht vergoldete? Ja, nur das Goto regiert, nur die Macht, und wohl dem Besitzenden, wohl dem Mächtigen, dem es "vergönnt ist, sich aufzuschwingen über die Häupter Gemeinheit, wohl dem, ter kein anderes über sich zu dulden braucht, -als fein eigenes und unerreichbar dasteht, Keinem unterworfen, als dem höchsten Könige. ....
Sie trat in das Zimmer zurück, ein Zug der Klingel rtcf ihre Damen berbei, Heller Kerzenglanz eileuchtcte das soeben noch dunkle Gemach; die Kö- miain ging zur Ruhe, ihr seidenes Lager empfing sie, im Vorsaal schliefen thre Ehrendantrn, an der Thür hielten dte Wachen Auisicht, aber leise, geisterhaft schUch Traum um Traum durch Mauern und Thünn, vcn^knnen Hellebarden gewehrt, und die Hofdamen erwachten von dem bangen Stöhnen ter großen Königin Catharina von Meoicis. *
Wie schmetterten lustig die Fanfaren, wie brach sich der Schall fröhlicher Stimmen in den hohen Wölbungen des Palastes Guise. Das Fest schien auf seinem Höhepunkt angelangt zu sein. Aller Sinnenk.tztl, feder raffintrte Genuß, den die italienische Catharina als Gabe der Pandöra in ihre neue Heimaih einaeführt und der bei tem üppigen, heißblütigen Frankreich nur zu leicht Ctn- aana gesunden, hatte die Augen und Ohren der geladenen Gaste betäubt, jn den Boriälen und in den geräumigen Gewölben des Palastes war die Diener- schäft tem Beispiele des Herrn gefolgt, halbtrunken lagerten die Lakaien des Hauses auf den Divans umher, während andere den Gasten gehörige Diener in Gruppen zerstreut die Karten oder die Würfel ergriffen halten.
Keiner achtete in dem allgemeinen Taumel darauf, daß fttzt ein Ritter festen Schrittes den Borsaal betrat und sich dem Orte des Festes näherte. Wohl machten einige der Wächter Anstalt, sich zu erheben. Allein, war es Vie Wirkung der Trunkenheit, war es der gebietende Blick des Fremden, Keiner vertrat ihm den Weg, als er jetzt, die hohen eichenen Flugelthuren offneno, den Hauptsaal des Palastes betrat.
Bor ihm lag eine lange Gallerie, deren holzgetäfelte Wände mit Wand- leuchtern geschmückt waren, auf denen wohlriechende Wachskerzen flammten, eine lange Taft!, strahlend von Silber, Blumen und Lichtern und besetzt mit tiner zahlreiche», aus den ($oel|hn Fr-mkr-.ch- bestehenden Gts-llfch-fl, wahrend die Haupipe.s°n°n des Festes auf emer Estrade, die sich e.n.ge S.uf.n erh . am Ende der Gallerie befand, Platz genommen. Hier saß jener berühmte Hein- rich von Guise, ein Mann von hoher, imposanter Gestalt, mit ^an"lld)J.^n£" ogacn neben ihm sein Bruder, der Cardinal, im Ornate der Kirche, mit den xotW. h-rmklmd-rbrämien Manie! geschmückt und in "--traute- Uu.-rh-> ,ung mit seine, Nachbarin, der schonen geisteetchen V-rj°g-n »°n Mon'P-nsu , d-gr ff n, die nach kaum ein,äh,iger Ehe mit einem seiner Neffen al» Wi twe von ihren Gütern^heimkehrte, um ihrem Hange zur Entfaltung ihrer Nelchlhumer an dem glänzendsten der Hofe ohne Zwang fröhnen zu können.
Eugenie von Montpensier stand .m dreißigsten Jahr, aber »" 8'«« ihrer Augen, ihr etwas gebräunter lernt, ließen sie bedeutend zunzer er chemen re Büste war von vollendeter Form und ihre Haltung trug «inen fürstlichen An- ^Auch^°n"°-n Gästen unbemerkt, brückte sich der Ri.'» 'n -in- Nische de. hohen Bogenfenster und beobachtete von hier au» b.e <Ä-s-ll,qa,t.
’ 9 Eben hatte der Wirth de» Hauses, Herzog Heinrich "°n Gmsc, -men Trinkivruch aus den regierenden Monarchen ausgebracht, ter lubelnd aufgenom. $ ‘ LPr n,n war und jetzt erhob sich der Cardinal, nachdem er einen Blick des Emverständnisse« 'mit seiner Nichte getauscht hatte, und trank auf tn, Wohl der °^°"Abcr"knn"GläsrUlaug antwortete ihm fröhlich jauchzend. Die Stirn der Männer warf sich in trotzigen Fallen aus und ein dusteres Murmeln durchdrang
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^. Becker r ariff unk ihn hoch emporhalt-nb mit lauter Slimme sprach!
^ W» M e« di- unser schone- Fran,reich vernicht,.^ W-r ist ... d.e Tod und 8u. in di- grünen Furchen der sranzöstschen Fluren sa.t^ ^mäßigen Nam?7s-m7-°Lg-^wöhl aber zischeln"°ie bleichen Lippen den Na-
T.” ... *...«»”Sd” schallte es in hundertstimmigem Chore, Verderben der Tyranne .
waren m ten Saal gestiegen, um sich unter dir einzeln vertheilten Gruppen zu wischen. Geschäitig schlich Oer Ritter umher, stets die Nähe des Cardinals und des Herzogs vermeidend : ud doch jedes Wort mit gierigem Ohre aussaugend. Seinem scharfen Blick entg vg es nicht, daß der Herzog mehreren der anweftn- den Herren Leine Zettel tn die Hand drückte und dann bedeutsam den Finger auf den Mund zum Zeichen des Schweigens legte.
Man rüstete sich zum Aufbruch, die Lakaien in den Borsälen fuhren empor und geleiteten ihre Herrschaften zu den schwerfälligen Karossen; nur eine geringe Anzahl meist bejahrter Cdelleute biteben in dem Festsaal zurück, und sonderbar, gerade diejenigen, die vorhin jene geheime Weisung erhalten hatten.
Jetzt war auch der Ton des letzten davonrollenden Wagens verhallt, die versamwblten Herren traten auf die Estrade und Herzog Heinrich ergriff das Wort.
In einer gewichtigen Sache, meine edle Herren, erbitte ich mir Ihren Rath und Ihren Beistand; aber nicht hier, an diesem Orte des Festes, wo die Wände Ohren haben, ist die Stätte, Meinungen und Ansichten auszutauschen. Folgen Sie mir in mein Cabinet und dort, vor jedem Späherauge und Ohre sicher, wollen wir wachen, diese Nacht hindurch zum Heil des Königs und des Landes. , .
Da trat ter Präsident der städtischen Gerichte, ein ehrwürdiger Greis, hervor, und auf ten Herzog zuschreitend, sprach er:
Nicht also, edler Herr. Vergönnt mir, aus Eurer Mitte fern zu bleiben. Wahr ist's, mich jammert des Druckes, den eine harte Hand auf unser schönes Frankreich ausübt, aber ich bebe vor einem Entschluß zurück, der neue Ströme Blutes über ten eben erst trockenen Boden des Landes ergießen könnte. Lassen Sie mich alten Mann Ihr Warner sein, beschließt nichts, denn blutig werden die Flüchte fallen, blutig wird Frankreich abermals, oder Euer eignes Haupt.
Furchten Sie sich vor der Tyrannei? fragte einer der Ritter höhnisch, so bleiben Sie weg aus tem Rathe unverzagter Männer.
Ja, ich fürchte mich, dinn ich habe Weib und Kinder, und die Rache Catharina's von MediciS reicht weit, ermieterte der Greis ruhig. Meine Jahre sind gezählt, mein Haar ist grau, warum mich noch in Parteiungen mischen, deren Ende ich kaum mehr erlebe.
Wohl, so geht denn! nahm Herzog Heinrich unmuthig das Wort, und Sie, meine Herren, folgen Sie mir.
Mit diesen Worten verließ er die Gallerie. Der Ritter stand unschlüssig, aber nach einer kurzen Ueberlegung folgte er tem letzten der Herren in den Seitenflügel des Palastes, wo sich das Geheimzimmer des Herzogs befand.
An ter Thür desselben stand der Gantinal, mit scharfem Blicke an jeden der EintnLnden ein Wort richtend. Umsonst hoffte ter fremte Ritter, unbemerkt von seinem spähenden Auge zu bleiben, die Hand des Geistlichen legte sich schwer auf feine Schulter.
Abbü von Teiranti, Pater Ignaz genannt-, sagte er mit lauter stimme, gehet hin und berichtet Eurer Königin, was Ihr diese Nacht gesehen und gehört. Die Feinde der Guisen bctüifen keiner Maske, um erkannt zu werden. Danken Sie Ihrem Geschicke, das Sie davor bewahrt, dieses Gemach zu betreten, denn bei Gott, Sie halten es nicht lebend wieder verlassen.
Der cifannte Abb6 wechselte nicht die Farbe, er verneigte sich tief und erbitterte: __
Der ehrwürdige Cardinal von Guise hat ein scharfes Auge, allem was ich an tiefem Abend vernahm, wird hinreichend fein, meiner hohen Gebieterin morgen früh die Zeit am Toilettentische zu zerstreuen.
Nicht die Geheimnisse Ihrer Unterredung zu erspähen, sandte mich die Königin, dem Feste ihres Hauses beizuwohnen, es galt vielmehr, über tu Toilette ter Herzogin von Montpenster zu berichten, und da mein Zweck erreicht, so wünsche ich Er. Eminenz eine freundliche Nacht und den Segen des Himmels.
Er verbeugte sich tief und wandte sich um zu gehen.
Sagen Sie Ihrer Gebieterin, rief ihm ter Cardinal nach, daß diese Nacht eine wichtige in den Annalen Frankreichs wird, und daß mit Gottes Hülfe Segen und Heil aus ihr hervorgehen wird. ..
Mit diesen Worten betrat er das Cabinet, dessen dicken Teppiche seinen Schritt fast unhörbar machten. . .
In der Mitte des zierlichen Gemaches saß Herzog Heinrich an einem mit Papieren beträten Schreibtisch, neben ihm die Herzogin von Montpenster, wäh- rent die übrigen anwesenden Herren einen Kreis um ihn bildeten, und mit dem Ausdruck ter Spannung den Worten tes Hausherrn lauschten.
Sic wissen selbst, fuhr Herzog Heinrich eben fort, wie es um Frankreich im gegenwärtigen Augenblick steht. Anarchie unt Verwirrung überall, tas Volk verwildert, die Rechte des Atels geschmäht unt mit Füßen getreten von tiefer Königin, unt unser heilige Glauben gefährdet unt betroht. König Heinrich ist schwach und unfähig zur Regentschaft unt sein Nachfolger auf tem fönig- tichen Throne Frankreichs, Heinrich von Bearn, bekennt sich öffentlich zum Protestantismus, ten selbst tic jüngst verstrichene Schreckenszeit noch nicht unterdrückt und ausgerottet hat. Wir Alle, die wir hier versammelt, haben gelitten von dieser Catharina, wir Alle aber sind in Gefahr, sobald Heinrich IV. Frank« reich- Königsthron betritt unt mit uns unsere heilige Religion. Darum habe ich Euch versammelt zu dieser nächtlichen Stunde, Euch, die edelsten Namen des Reiches, deren Eltern treu tem Hause der Guise angehangen haben, und entge« gen streckt Euch in mir meine alte ehrwürdige Familie die Hand. Laßt unS einen Bund schließen, uns zu wahren gegen die Tyrannen ter Gegenwart, gegen tie Gefahr ter Zukunft, es gilt unsere Häupter, es gilt unfern Glauben.
Das Rauschen tes Beifalls begleitete tie letzten Worte des Herzogs, ter mit lauter Stimme fortfuhr:
Zwei Dinge sind es, teren ein Bund bedarf, der Fruchte tragen soll. Einigkeit sei ter erste Pfeiler, Verschwiegenheit der zweite, auf den wir tie Mauern unseres Baues stützen wollen bis in tie fernste Zeit; wer al,o treu rum Haufe Guise hält, ter schwöre mit mir in tiefer großen ©tunte tie bringen Worte, tie ter Allwissende höre unt teren Bruch er straft mit tem Blitz ,eineS Himmels, der fchwö.e Einigkeit und Verschwiegenheit.
Einigkeit und Verschwiegenheit! tönte eS im Kreise. Treu dem Hause Guift.
Unsere Familie steht tem Hause Valois nicht an Alter und Atel nach, redete Heinrich weiter, unt seine Pflicht ist es, über die Intenssen tes Landes zu wachen. Aber nimmer kann dieses geschehen, so lange Cathanna von Me- vicis noch ihr eisernes Scepter über Frankreich schwingt. (.Forts, folgt.)


