18. Avril.
Eine Kopenhagener Correspondenz VcS Brüsseler „Nord" schreibt: „Es war nicht schwer zu errathen, Daß die außerordentlichen Anstrengungen der dänischen Regierung, ihr Land gegen einen Handstreich des südlichen Nachbars sicher zu stellen, nicht zur Wiederherstellung ter guten Beziehungen beitragen konnten, ohne welche die Ausführung VeS Art. V eine Demüthigung für Preußen wäre .... Man muß blind sein, um nicht in dem Artikel der „Nordd. Allg. Ztg." eine cntschi dcne Kriegserklärung und Drohung gegen die Existenz Dänemarks selber zu finden. Der Moment ist geschickt gewählt. Frankreich und Oesterreich sind durch innere Fragen von der höchsten Bedeutung absorbirt .... und überall in Europa gewinnt das Interesse der eigenen Sicherheit die Oberhand über die moralischen Verpflichtung gen, welche d.-.s alte Völkerrecht den Staaten auf- erlegte . . . Die Danen haben alle ihre Sympathien dem Napoleonischen Kaiserreiche zugewandt, welches sie als ihren natürlichen Vertheidiger betrachten Seit Jahren haben die Kopenhagener Liberalen keine Ge- legenheit vorübergeben lassen, ohne zu versichern, daß jede Intervention Rußlands ein v rkleidetes Attentat auf die Sicherheit Skandinaviens sein müsse und diese Sicherheit nur durch eine enge Verbindung mit den Westmächten gewährleistet werden könne." Alsdann wird in der betreffenden Correspond nz auSgesührt, daß das dänische Cabinet nicht mit den Bestribungen der nationalen Partei, welcher dessen versöhnlicher Geist als Furchtsamkeit erscheine, identisicirt werden dürfe und daß auch die Milnärreorganisation eigentlich von keinem Belange sei und von Dänemark lieber batte vermieden werten sollen, um Preußen keinen Vorwand zu feindlichen Demonstrationen zu geben.
Die „Wiener AblNtpost" bringt einen längeren Art'k.l über das Programm und die Ziele des neuen Ministeriums. Dasselbe — hebt das genannte Blatt hervor — befinde sich in einer schwierigen Lage, weil es fein parlamentarisches sei. Das Cabinet werte in dem ActionSgedanken ein Mittel zur Klärung sich durchkreuzenter Rechtsansprüche bieten und hierbei streng versassungsmäßig vergehen; das Cabinet beklage, daß nicht mehrere Mitglieder des Ministeriums Hasner eingetreten seien, und erstrebe und erwarte seine baldige Completirung im Interesse des hochwichtigen deutschen Nationalelementes. Das Ministerium, sa, l die Abentpost weiter, identificire sich mit dem österreichischen StaatSgedonken und crk.nne in demselben das Problem des zu erhoffenden Erfolges, welchen eS nicht gegen die Verfassung, sondern zum Schutze derselben, zu ihrer allgemeinen Anerkennung anstrebe. Das Ministerium erwarte von seinen Thaten das Heranwochsen des gesunkenen Vertrauens und sei sich seiner Verantwortlichkeit bewußt. Allgemeine Anerkennung und Ucbung des gemeinsamen Rechtes und Begründung der gemeinsamen Freiheit erkenne das Ministerium als die einzigen Zielpuncte der Action.
Der „Dziennik Polski" macht ein Geständniß, das einen interessanten Beitrag zur Geschichte ter letzten Ministklkrisis lufert. Er sagt: „Wir waren nur aus dem einzigen Grunde gegen einen Austritt aus dem Reichsrathe, weil wir der Ansicht waren, es wäre gefährlich mit einem mächtigen Feinde den Kampf zu beginnen. Da aber der Gegner, wie es Ende Marz eben der Fall, ganz entkräftet und feine Gefahr vorhanden war, ließ sich kein vernünftiger Grund gegen den Austritt vorbringen. Seit vier Monaten war es nämlich allen unseren Abgeordneten bekannt, daß nach Erledigung des Budgets und anderer unaufschiebbarer Angelegenheiten der Reichsrath aufgelöst, Hasner und Comp. entlassen und Potocki ein neues Ministerium zu bilden berufen werten wird. Wurde ja doch noch vor dem Austritte der galizischen Abgeordneten aus dem Reichsrathe Graf Potocki nach Wien berufen."
20. April.
Der bekannte bayerische Abgeordnete Kolb erklärt in einem Manifest an seine Wähler, das Mandat für das Zollparlament niederlegen zu wollen. Er unter* zi ht in diesem Schriftstücke die Thätigkeit des Zoll- Parlaments einer eingehenden und nichts weniger als freundlichen Kritik. Man zollt dieser Versammlung von Vertrettrn des deutschen Volkes — sogt Kolb unter Anderm, — sogar äußerlich eine so geringe Rücksicht, daß die Abgeordneten nicht einmal acht Tage vor dem Zusammentritt in der fernen preußischen Hauptstadt das CinberufungSschreiben erhalten. Man läßt den norddeutschen Reichstag mitten in die Zollparlamentsselsion hinein tagen, so daß der Körper, welcher für eine Vertretung der gesammten
deutschen Nation gelten soll, nicht einmal ein 93er- sammlungSlocai besitzt, so ost eine Reichstagssitzung beliebt wird. Man beantragt foriwädrend und systematisch Aenderungen in den Zolltarifsätzen, unbeküm- wert um die Nachtheile, welche für die Industriellen durch die absichtlich herbeigeführten Ungewißheiten und Schwankungen entstehen — stets mit dem Bestreben, gegen kleine Zollherabsetzungen weit mehr ertragende anderweite Zugeständnisse zu erlangen. Denn dann liegt das Geheimniß der wichtigsten Aenderungen. Man tragt endlich fein Bedenken, Vorschläge, welche dieses angebliche Parlament nicht ein-, sondern zweimal verworfen Hot, sogar zum drittenmale vorzulegen, wobl selbst unter Beifügung von noch gehässigeien Auflagen als die abgelehnten gewesen waren. Damit ergiebt sich eine, nach meinen Begriffen für eine deutsche National-Repräsentation unwürdige Stellung." 3um Schluß erinnert Kolb an einen Satz in Rud- Harts Geschichte der bayerischen Landstände: „Es ist besser gar feine Repräsentation, als eine solche nur zum Schein."
Der Wortlaut des von der Senatscommission aus- gearbeiteten und am 12. dem Senat überreichten Entwurfs zur Revision der französisch n Verfassung liegt nun vor. D>e w chtigsten Bestimmungen lauten in diesem Entwurf folgendermaßen: Abschnitt III. Von der Form ter Regierung des Kaisers. Art. 10. Der Kaiser regiert mit der Unterstützung der Minister, des Senats, des gesetzgebenden Körpers und des Staatsrathes. Art. 11. Die gesetzgebende Macht wird collectiv vom Kaiser, dem Senat und dem gesetzgebenden Körper auSgeübt. Art. 12. Die Initiative zu den Gesetzen gehört dem Kaiser, dem Senat und dem gesetzgebenden Körper an. Die aus der Initiative des Kaisers hervorgehenten Gesetze können nach seiner Wahl dem Senat oder dem gesetzgebenden Körper zugesandt werden. Indeß muß jedes Sttuer- gefetz zuerst vom gesetzgebenden Körper votirt werden. IV. Vom Kaiser. Art. 13. Der Kaiser ist vor dem französischen Vo ke verantwortlich, an das er immer einen Ausruf erlassen kann. Artikel 19. Der Kaiser ernennt die Minister und setzt sie ob. Die 'Minister beschließen im Conseil unter dem Vorsitze des Kaisers. Sic sind verantwortlich. Sie können nur durch den Senat oder den gesitzgcbenden Körper in Anklage- zustand versetzt werden. V. Dom Senat. Art. 26. Die Senatoren sind unabs tzbar und auf Lcb.nszeit ernannt. Art. 27. Die Zahl der Senatoren kann auf zwei Drittel jener der Mitglieder des gesetzgebend den Körpers, mit Einbegriff derer, welche es von Rechts wegen sind, gebracht werden. Der Kaiser kann nicht mehr als zwanzig Senatoren jährlich ernennen. Art. 28. Der Präsident und die Vice- Präsidenten werden vom Kaiser ernannt. Sie werden aus den Senatoren gewählt. VI Vom gesetzgebenden Körper. A-t. 35. Der gesetzgebende Körper erwählt bei der Eröffnung einer jeden Session die Mitglieder seines Vorstandes. VIII. Allgemeine Bestimmungen. Art. 45. Die Befassung kann nur durch das Volk auf Antrag des Kaisers abgeändert werden. Art. 46. Die Abänderungen und Zusätze, welche die gegenwärtige Verfassung dem Plebiscit Dom 20. und 21. December 1851 bringt, werden der Zustimmung des Volkes unterbreitet."
Hessen. Darmstadt, 17. April. Der Besuch vcS GroßberzogS in Berlin ist, sicherem Vernehmen nach, nunmehr zweiffellvS und die Abreise auf den 24. d. M. festgesetzt. Der Aufenthalt in Berlin wird vier Tage dauern. Von da begibt sich der Großherzog zu kurzem Besuche nach Dresden. Auf der Rückreise findet in Gießen eine Begegnung mit dem Kaiser At.rander von Rußland statt. Kaiser Alerander wird bis zum 25 3»ni zur Kur in EmS verweitm und sich dann zu achttägigem Aufentbalt nach Jugenheim bei Darmstadt begeben.
Mainz, 16. April. Wegen eines bei der neulichen Abstimmung vorgekommenen Formfehlers hat der Gemeinderath in seiner vorgestrigen Sitzung mit 19 gegen 8 Stimmen bezüglich der Stadterweiterung den Beschluß gefaßt, 4 Millionen Gulden zur Zahlung an Preußen für Entfernung der nordwestlichen FestungSwerfe, 420,000 st. zur Bestreitung der Scklet- fnn.rskosten, 1 Million zur Einlösung der älteren städtischen Obligationen mit höherem Zinsfuß und 600,000 fl. für die TilgungSkaffe zu verwenden. Zu diesem Zweck ist gestern mit der Wiener Bolkebank ein Vertrag über eine Prämienanle he von 6 Millionen Gulden abgeschlossen worden. Die Ludwigs, bahn hat sich im Hinblick aus die Vortheile, welche die Ver- leaung der Festungswerke auch ihr gewährt, bereit erklärt, der Stadt als Zuschuß zu der Erweiterung 500.000 fl. zu zahlen.
ücftcrrcid). Wien, 17. April. Dem übermorgen beginnenden Stuke der Bäckergesellen, zu dessen Abwendung indeß noch Hoffnung ist, sieht man nach den getroffenen Maßregeln mit großer Ruhe entgegen. Eine Masse fremder Gehülsin ist auk dem Wege nach Wien, um eventuell sofort in die erledigten Plötze einzniücken, die Landbäcker haben sich bereit und im Stande erklärt, jederzeit das Dreifache ihres jetzigen Betriebs in die Stadt zu führen, und das Kriegsministerium hat nickt bloS die sümmtlichen für den Bedarf der Garnison arbeitenden Kräfte, sondern auch die Bäckerei, in welcher täglich nickt w niger als
120,000 Laib Brod durch Dampfkraü erzeugt werden können^ zur Verfügung gestellt. Gegen den Führer der Ges.llen übrigens, der sich unsichtbar gemacht, ist ein Hafibefehl ausgeferrigt worden.
Frankreich. Paris, 15. April. Das »Journal „offu cielle" enthält ein kaiserliches Decret vom 14. d. M., duich w-lckeS der bisherige Unt.rricktsmmister EegriS zum Fma z- minister ernannt wird, an Stelle Buffets, d.ssen Demiifion angenommen ist; ferner wird der Großsiegelbewohrer nut der interimistischen Leitung des Ministeriums deS Aeußere» an Stelle des Graf.n Dar«, dessen Enllassung ebenfalls angenommen ist, betraut und schließlich Richard die interimistische Leitung deS Unterrichtsministeriums übertragen.
Paris, 15. April. In dem Arondissement Tour du-Pin lJföie Departement) haben 6—7000 Weber ihre Arbeiten eingestellt. Dieselben verlangen, daß man ihnen die Hälfte deS Lohnes gebe, welchen die Lyoner Weber erhalten, und daß man ihnen itn Arbeitsbuch bewillige. In FavergeS (Savoyen) haben die Weber ebenfalls ihre Ai beiten eingestellt. Die Töpferei- arberter von GisorS. Feysin, Port d'Alai und Tcmue Lune (Eure Departement) st.tten morgen ihre Arbeiten ein, wenn die Fabrikbesitzer die von ihnen gestellten Forderungen nicht bewilligen.
Paris, 18. April. In der heutigen Sitzung deS Senate- wurde die zweite Derathung über den ScnatSconsult begonnen. Lagueronni^re hielt eine längere Rede, in welcher er das Plebiscit vertheidiate und in brr es heißt: „ES genügt nickt, daß Frankreich stark ist. sondern Europa muß auck an seine Stärke glauben. Der Erfolg deS Pttbiecitö wird die Täuschung ge- wiper Ge ster in Europa zerstreuen, welche glauben, Frankreich sei durch die liberale Bewegung geschwächt." Die Debatte wird morgen fortgesetzt.
Italien. Palermo, 13. April. In San Giorgio wurden 1000 Kartätschen und Material für weitere 20,000 aufgefunden. Die lebhafteste Bewegung h.rrsckt in der Umgebung ; die Unabhängigkeitspartei ist hier überaus stark. Es sind Truppen, und Flott.nve stärkuna'N hier eingetroffru.
Spanien. Bayonne. 12. April. Wie versickert wird, haben einige hervorragende Carlistenckrfs den spanischen Boden betreten. Man folgert daraus, daß die so oft in Aussicht gestellte carlistische Bewegung demnächst in einzelnen Provinzen ihren Anfang nehmen wird.
Amerika. New 3)orf, 17. April. Nach den hier en iKtioffenen Negierungsdepescken dauert auf Cuba nur noch der Guerillakrieg fort.
Ottava, 13. April. Das Unterhaus von Canada berieth über die Aufhebung der Habens corpus-Vlete Die Besorgnisse wegen eineS Einfalles der Fenier mehren sich, ein Militär- R giment wurde an die Ostgrenze und eine Feldbatterie an den Clairfluß entsendet.
Rio de Janeiro, 25. März. Aus dem brasilischen Lar ger am Aquidaban wird gemeldet, daß außer Lopez auch sein ältester Eobn auf dem Scklacktfelde den Tod gefunden habe. Graf von Eu, der Ober B.fehlsbab.r des verbündeten HeereS in Paraguay, wird gegen Ende April hier zurückerwartet.
Vermischtes.
Gießen, 20. April. Wir hatten gestern Gelegenheit, einen Besuch dem, im Oswald''cken Garten ausgestellten, Kunstmuseum des Herrn Edmont Couprant abzustatten. Blendete uuS schon die äußere elegante Ausstellung der Hatte mit ihren Hunderten von stehenden unb sich schlangenartig drehenden Licktern, so war aber daS Ange wie gebannt bei dem Anblick, der sich uns im Innern der Halle darbot. Fangen wir mit unserem Velocipödereiter an, bewundern wir den über einem piachtvollen Blumenbouquet flatternden Schmetterling, besuchen toir die mechanische Werfstätte mit ihren arbeitenden Schlossern, Schmieden u. s. w., bewundern wir die arisgezeichnete Landschaft, daS sich hebende und senkende Meer mit seinen darauf sich bewegenden Schiffen, und so noch vieles Andere, was zu beschreiben nicht gut möglich ist, sondern nur durch den Augenschein empfunden weiden muß. Wenn wir dieses Alles vor unseren Blicken ausgebreitet s hen, so kommt uns der Gedanke nahe, daß wir es hier mit einem Werke zu thun haben, welches I nur ein Genie, ein mit besonderen Vorzügen begabter Mensch zu schaffen vermochte. Herr Edmont Couprant stellt sich u> S als den Verfertiger dieses Werkes dar, und wie wir auch aus der, bei der Halle desindlicken, mechanischen Werkstätte gesehen haben, arbeitet derselbe noch ununterbrochen an der Fertigung von Apparaten, welcke dem Museum cinverkibt werden sollen. — Wir macken unsere Leser um so mehr auf den Besuch dieses Museum? aufmerksam, weil, wie uuS zu Ohren gekommen, daß dafsilre nur noch bis kommenden Sonntag geöffnet ist.
— ((Sin «ufe« Sujet für einen Possenscherz.) Jüngst kehrte eine Pariser Dame zur Essenszeit nach Hauke zurück. Sie mackte einen Abstecher in die Küche, um nachzusehen, wie es dort best.ttt sei und, da die Jnspection nicht das gewünschte Ergebnis hatte, sandte sie Justine, ihre Magd, um einige Kücheningredienzien fort. Plötzlich wurde an der Thür geklingelt, und als die Dame aussckloß, stü zte ein Mann in die Küche und schwang mit den Worten: „Daö Silbe«; ug oder das Leben!" d>obend ein Messer. In stummem Schrecken zeigte die Dame auf einen in der Küche stehenden großen Schrank; vielleicht wollte sie nur Zeit gewinnen, denn das Silber war in demselben gar nicht verwahrt. Der Ränder eilte auf den Schrank loS, öffnete — aber zu seinem Schreck.n entwand sich d.m Innern ein riesiger Gardegrenadier, der d.n Räuber entwaffnete und ihn mit führte, um ihn in sicheren Gewahrsam zu bringen, zuvor aber noch zur Dame sp-ach: I „Enischuldigen Sie mich, Bürgerin, ich erwartete da drinnen I Justine!"
— Den 11. April, Morgens halb 11 Uhr, erklang in Lan- । sänne plötzlich die Lärmglocke der Cathedrale. Eine Menge M.nschen sammelten sich aus den Straßen, um zu vernedmen, in welcher Richtung daS Feuer ausgebrochen sei; einige Feuer- svritzen rasselten schon über die Straßen. Da aber der Thnrm- wäwter stumm blieb, so erstieg der Polizeichef den Tburm und sand da einen Engländer, der noch immer an der Glocke zog und auf die Fraae, was das zu bedeuten habe, erklärte, daß «r vergleichende Studien über den Klang der Glocken auf dem Co tinent anstelle. Er hatte für seine Versuche 12 Franken zu zabl.n.
Redaction, Druck und Verlag her Brühl'schen Univ.-Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


