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Die Geheimnisse einer jungen Mamsell.
(Fortsetzung.)
Ein dankbarer Blick Sanber'S belohnte Clara's hoffnungsreichen Worte.
Er stieß mit ihr an und trank sein Glas in einem Zuge aus. Dem rrsten Glase folgte ein zweites, das Clara ihm aufnöthigte. Das belebende Getränk wirkte wohlthätig auf seine erschlafften Nerven. Die Leichenblasse seines Antlitzes verlor sich etwas. Er athmetc freier, seine Pulse gingen rascher und seine Augen begannen hoffnungsvoll zu glänzen.
Diese gänzliche Veränderung seines Wesens machte das Herz des guten Mädchens vor inniger Freude klopfen. Dem Leben habe ich den Armen wieder gewonnen, dachte sie, nun gilt es zu sorgen, daß kein Rückfall seiner Verzweiflung eintritt. O, wenn er mir nur erst sein ganzes Vertrauen geschenkt hat, dann hoffe ich sicher, ihn zu retten
Wenige Minuten darauf sollte der letzte Wunsch erfüllt werden.
Sander, durch das Essen und den Wein gestärkt, begann die Erzählung seines Jugendlebens und vor Allem des Abschnittes, der ihn zu dem verdamm- lichen Vorsatze getrieben, Hand an sich selbst zu legen.
„Ich erblickte," sagte der Unglückliche, „vor vierundzwanzig Jahren in Hamburg das Licht der Welt. Meine Mutter, die sich sehr jung verheirathete, war die Tochter armer, aber rechtschaffener Eltern, die aber bald nach ihrer Ehe das Zeitliche segneten. Ihr Gatte, Min Vater, war im Beginn seiner Ehe in einem hiesigen bedeutenden Handlungshause als Procurist angestellt und bezog einen Gehalt, der bei der damaligen billigen Lebensweise vollkommen ausreichte, eine kleine Familie anständig zu ernähren. Er hatte meine Mutter aus Liebe gewählt; denn sie war, wie jetzt noch ihre sanften, lieben Züge beweisen, in ihrer Jugend von Gott mit ungewöhnlichem Reize gesegnet. Die ersten beiden Jahre dieser Ehe, während dessen meine Geburt erfolgte, war, dem Anscheine nach, eine glückliche. Mein Vater war tüchtig in seinem Geschäfte und auch durch die Liebe zu seiner Gattin ein solider, pflichtgetreuer Ehemann. Der einzige Fehler, der meiner Mutter an ihrem Manne aufsiel, war eine unbegrenzte Eitelkeit auf seine allerdings hübsche Persönlichkeit. Er trug sich stets im äußersten Grade modern. Sein Jabot war mit einer Brillantnadel und seine feinen weißen Hände, auf die er sich viel zu Gute rhat, mit kostbaren Ringen geschmückt. Obwohl er meine Mutter aufrichtig zu lieben schien, so stellte es sich doch nach Verlauf einiger Jahre heraus, daß er für die freundlichen Blicke anderer Frauen und Mädchen nicht unempfindlich war, und gern in den Gesellschaften verweilte, wo solche kokette Geschöpfe anwesend waren, die meine Mutter um den schönen Mann beneideten und ihn an ihren Triumphwagen zu fesseln suchten.
Leider gelang ihnen bas nur zu bald. Der bisher treue Gatte wurde zum ungetreuen, der Weib und Kind vernachlässigte und nur noch selten direkt aus dem Geschäfte nach Hause kam. Anfangs blieb meiner "Mutter das verschwiegen, was ihr Dasein für immer mit schwerem Kummer erfüllen sollte. Es dauerte aber gar nicht lange, als mitleidige Freunde unserer Familie die arme Frau von dem Betragen ihres Mannes und seinen lockeren Verhältnissen mit anderen Frauen in Kenntniß setzten. Meine Mutter, die an die Rechtschaffenheit und Treue ihres Gatten, wie an Gott, geglaubt hatte, war der Verzweiflung nahe. Sah sie doch mit einem Schlage ihr ganzes Lebensglück vernichtet. Selbstverständlich regte sich die Eifersucht in ihrer Brust. Es kam zu Klagen, zu Vorwürfen, die sie dem eiteln, leichtfertigen Gatten machte. Der Friede des Hauses war für lange Zeit gestört. Indessen schien mein Vater eine Zeitlang von aufrichtiger Reue ergriffen, oder er heuchelte auch nur dies Gefühl. Er gelobte Besserung, suchte meine Mutter durch herzliche Bitten zu versöhnen und hatte auch, wie er ost und laut betheuerte, dieser Versöhnung viele glückliche Stunden zu verdanken.
So vergingen noch sechs Jahre. Meine Mutter schenkte noch zweien Mädchen das Leben, die von beiden Gatten mit unendlicher Freude begrüßt wurden. Das hohe Glück, hübsche, gesunde Kinder zu besitzen, die sich nicht bloS körperlich, sondern auch geistig früh herrlich entwickelten, war bei der Mutter von Dauer. Nicht sy bei dem Vater. Die Unruhe, welche stets in Begleitung solches Kindersegens ist, und die oft bis in die Nacht hinein währte, verstimmte ihn und trieb ihn wieder dazu, die längere Zeit von ihm gemiedenen Gesell- schäften aufzusuchen, in denen er, da er ein Mann von Geist und Witz war und die Gabe der Unterhaltung besaß, wieder gern empfangen wurde. Die allabendliche Entfernung des Gatten kostete meiner Mutter bittere Thränen, um so mehr, da sie ihn beargwöhnte, daß er auf's Neue den Pfad der von ihm beschwornen Treue verlassen habe. In diesem Verdachte wurde sie noch dadurch bestärkt, daß ihr Mann, der, um sechszehn Jahre älter als sie und jetzt vierundvierzig Jahre zählte, noch mehr Sorgfalt auf seine Toilette als früher verwandte, seine etwas Hagern Wangen mit feiner künstlicher Rothe zu schminken und das ergrauete Haar dunkel zu färben begann. Was sie im bangen Herzen ahnte, sollte sich bald bestätigen. Eine kokette Dame, die zwar über die Ju- gendblüthe hinaus war, aber als die Wittwe eines reichen französischen Partikuliers, der Hamburg zum Aufenthaltsorte gewählt, großen Reichthum besaß, hatte den eiteln Mann in ihre Netze gelockt. Meiner Mutter wurde dieses schmachvolle Verhältniß von guten Freunden hinterbracht. Zuerst in heftigen
gerechten Zorn ausbrechenß, rieth ihr doch die Vernunft, ihren Gatten durch sanfte Bitten und Thränen zu seiner Pflicht zurückzuführen. Sie bekämpfte ge§ waltsam ihr Erregtheit und war entschlossen, nachdem sie am Morgen die Untreue ihres Gatten erfahren, ihn am Abende, wenn er vom Comptoir nach Hause kommen würde, zur Rede zu stellen und ihn zu beschwören, der liebenden Frau nicht den Gatten, den Kindern nicht den Vater zu rauben. Der Abend tam heran. Es schlug acht, es schlug neun, zehn Uhr, mein Vater erschien nicht. Aber meine Mutter suchte die Ruhe nicht. Sie wollte um jeden Preis noch an diesem Tage mit ihrem Manne reden. Während wir Kinder |-i sanft in unfern Betten schliefen, saß die arme Frau in stummem, aber nur desto heftigerem Schmerze da und wartete vergebens."
Hier machte der junge Mann eine Pause, um sich die mit Thränen gefüllten Augen zu trocknen und sich von dem Schmerze der Erinnerung an das Unglück seiner Mutter, der ihm fast übermannt hatte, etwas zu.erholen.
Clara, die mitleidige Seele, sah ihn bedauernd an.
Sie schenkte ihm noch ein Glas Wein ein, nöthigte ihn zu trinken und sagte dann:
„Armer Sohn! Ich ahne, was kommen wird, und mein Herz zittert bei dem Gedanken, das Schlimmste zu hören. Aber Sie müssen Ihre Geschichte zu Ende bringen, wenn ich Ihnen rathen und helfen soll."
Nach fünf Minuten fuhr Sander fort:
„Die aufgehende Sonne blickte auf ein blasses Gesicht, dessen Augen roth- geweint waren. Mein Vater war nicht nach Hause gekommen und erschien auch den folgenden Tag nicht. Da mußte gehandelt werben. Meine Mutter kleidete sich an, befahl dem Dienstmädchen, über uns Kinder zu wachen und begab sich auf den Weg. Sie ging zuerst zu dem Prinzipal meines Vaters. Mit Entsetzen erfuhr sie, er sei schon zwei Tage vom Comptoir fortgeblieben. Sie suchte einige seiner Freunde auf, die sie den Namen nach kannte. Man hatte ihn wenige Abende vorher gesehen, seitdem aber nicht wieder. Da meine Mutter den Namen und die Wohnung des Frauenzimmers wußte, mit dem ihr Gatte in einem unerlaubten Verhältnisse stand, so verfügte sie sich in ihrer Verzweiflung zu ihrem Hause hin. Eine alte Kammerfrau empfing sie und erzählte ihr, ihre Herrin sei vor wenigen Tagen von Hamburg abgereis't; wohin, wisse sie nicht. Sie sei abgelohnt, habe nur noch ihre Sachen in Ordnung zu bringen und werde sich dann einen anderen Dienst suchen.
In welchem Zustande meine arme Mutter wieder zu Hause anlangte, können Sie sich denken, gutes Mädchen. Ihre Furcht hatte sich bestätigt. Mein Vater war den Verlockungen der reichen Verführerin gefolgt und hatte mit ihr das Weite gesucht. Die arme, betrogene Gattin überließ sich aber nicht zu lange der Verzweiflung. Wir, die hülflosen Kinder, legten ihr die Pflicht der Selbsterhaltung auf. Der Entflohene hatte seiner Frau nur eine kleine Summe hinterlassen, die höchstens für ein paar Wochen ausreichte Als dieses Geld verbraucht war, dachte meine Mutter daran, sich und die Kinder mit weiblicher Handarbeit zu ernähren. Sie suchte sich denn auch Kunden zu verschaffen. Es gelang ihr, da mehrere reiche Leute, die von ihrem Schicksal gehört, Mitleid mit ihr hatten. Das Dienstmädchen wurde abgeschafft und die nöthige Einschränkung begann. Meine Mutter, die uns über Alles liebte, suchte darin Trost für ihr Unglück zu finden, daß sie für uns arbeitete, vom Morgen bis zum Abend, ja selbst oft noch bis tief in die Nacht hinein, ohne sich die nöthige Ruhe zu gönnen. Ein Jahr erwarb sie soviel, daß eigentliche Noth uns fern blieb. Dann aber änderte sich unsere Lage zum Schlimmern. Durch die feine, die Augen anstrengende Arbeit wurde ihre Sehkraft geschwächt. Ein Arzt wurde zu Rathe gezogen. Dieser erklärte, meine Mutter müßte der Arbeit, mit der sie sich in letzterer Zeit beschäftigt, für viele Monate, ja vielleicht für Jahre entsagen, wenn sie nicht nach und nach gänzlich erblinden wolle. Dieser Rath mußte befolgt werden. Die fleißige Nadel wurde bei Seite gelegt. Da wir indessen leben und die Miethe bezahlt werben mußte, so entäußerte sich meine Mutter aller Mobilien und Kleidungsstücke, die sie nicht nothwendig brauchte. So erhielt sie die Familie noch ein ganzes Jahr, dann aber trat die Noth bei uns ein, die so viele verschämte Arme in einer großen Stadt empfinden. Der Winter, ein harter strenger Winter, kam heran und es fehlte an Allem, an Heizung und Nahrung. Aber der Himmel wollte uns damals noch nicht gänzlich dem Unglücke preisgeben. Im Augenblicke der bittersten Noth kam uns Hülfe aus der Fremde. Meine Mutter hatte einen Bruder in Dresden wohnen, einen Musiker untergeordneten Ranges, der Orchestermitglied des dortigen HoftheaterS war. Dieser, dem die Schwester den Derrath ihres Mannes bald nach seiner Flucht mitgetheilt hatte, schrieb, daß seine Frau plötzlich gestorben sei und lud meine Mutter ein, mit ihren Kindern zu ihm zu kommen, und ihm die Wirtschaft zu führen. Er wollte für uns alle sorgen, soweit seine Mittel dazu ausreichten.
Dieser Vorschlag wurde mit Freuden angenommen. Das Wenige, was wir noch besaßen, wurde zu Gelbe gemacht. Schon eine Woche nach dem Empfange des Briefes reiften wir nach Dresden ab. Wir wurden von dem Onkel herzlich empfangen und zogen in seine kleine, aber sauber gehaltene Wohnung ein. Der Onkel, ein rüstiger Fünfziger, sorgte väterlich für uns Kinder. Die Mädchen erhielten eine gute, bürgerliche Erziehung. Mich aber unterrich- tete er in der Musik, an der er mit ganzer Seele hing, wenn diese Kunst ihm selbst auch weder Reichthum noch Lorbeeren geschenkt hatte. Da ich nicht ohne Anlage für diese Kunst war, so machte ich leibliche Fortschritte und konnte, als ich bas achtzehnte Lebensjahr erreicht, schon Stunden im Clavier- und Violin- spiel geben, wodurch sich unsre Lebenslage dort um Etwas verbesserte. Bis vor sechs Jahren lebten wir zufrieden, wenn auch nicht vom Ueberfluffe umgeben. Da wies uns ein feindseliges Schicksal aufs Neue ein drohendes Antlitz. Meine ältere Schwester, die sich auf einem Spaziergange eine starke Erkältung zugezogen, wurde von einer Lähmung des rechten Armes befallen, die lange ärztliche Hülfe und sorgfältige Pflege erforderte. Die nöthigen Mittel dazu wurden anfangs herbeigeschafft. Da tauchte plötzlich die einen großen Theil von Europa heimsuchenbe fürchterliche Krankheit, die Cholera, auch in Dresden auf. Mein braver Onkel wurde in wenigen Tagen ein Opfer dieser Seuche. Vermögen hinterließ er nicht; also mußte ich jetzt der einzige Ernährer meiner Familie werben. Da ich aber dort keine feste Anstellung erlangen konnte und Musikstunden eines unberühmten Lehrers nur schlecht bezahlt werden, so wurde unser Hausstand nur durch die Entbehrungen, die wir uns auferlegten, mühsam mehrere Jahre ausrecht erhalten. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Mehrere Familien, in deren Hause ich unterrichtete und die meine besten Kunden waren, verließen die Residenzstadt. Dadurch wurde meine Einnahme noch um die Hälfte vermindert. Von der Zeit an, da die Lähmung meiner armen Schwester nicht weichen wollte unv die Mutter wegen anhaltender Augenschwäche nicht mit erwerben konnte, wuchs unser Elend mit jedem Tage. Auf einmal aber schien uns ein Hoffnungsstern aufzugehen. Ein Freund aus frühe- rtn Zeiten, der oft in Hamburg zu uns in's Haus gekommen und das traurige Schicksal meiner Mutter kannte, war schon vor langer Zeit als Kaufmann nach Paris gereift und hatte sich dort etablirt. Von diesem Freunde erhielten wir unvermuthet einen Brief. Derselbe theilte meiner Mutter mit, daß er mit meinem Vater in Paris zusammengetroffen sei, baß bieser bort unter fremdem Namen in glänzenden Verhältnissen gelebt habe; aber fuß vorher, ehe der Freund und Nachricht gesendet, von Paris abgereift und, dem Vernehmen nach, nach Hamburg, feiner Vaterstadt, zurückgereift sei. Als ich den Bries gelesen, war mein Entschluß gefaßt.
(Fortsetzung folgt.)


