Ausgabe 
17.12.1870
 
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Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Montags.

Expedition: Eanzleiberg Ltt. B. Nr. 1.

Anzeige- und Mmtsölaü für den Kreis Hießen.

1870

Samslag den ^7. Dcccmber

Nr. 182.

der

verweigert,

«r stA Ä!«

Reiß von Rangun an Bord.

Der Unterpräfect von Chalons für Saone hat dieStegesnachnchttn , welche Gambetta am 1. Dec. in die Welt sandte, mit folgender Einleitung ver. öffentlicht:Unser großer Bürger Gambetta, in dessen Brust das Herz Frankreichs - " ! Ducrot, Trochu, Dorian, ander

sich die erj............ , w

unbedingt nachzukommen. Wird die Uebernahme

Kriegsnachrichten.

Au« den Hauptquartieren in Versailles wird derSB. B.-Z." eom 10.

frewilligen Krankenpflege abgelehnt werden. Auf freie Wohnung und Natural vevflegung haben die Begleiter derartiger Sendungen keinen Anspruch, auch sind in der Regel nur zwei Begleiter zuzulassen.

Brodpreise vom 17. bis 23. December 1870, nach eigener Erklärmg der Bäcker:

4 Pfund gemischte» Brod 21 kr. 2 Pfund gemischte- Brod'/2 k, 4 Pfund Roggenbrod 18 kr. 2 Pfund ^oggenbrod^kr.

Deember geschrieben: '

Für »äs ev. aus Paris stattfindende Bombardement werden von der Ge- nealinspection der Artillerie die umfassendsten Vorbereitungen getroffen. Ob er unseren Feldgeschützen gelingen dürfte, von ihren Positionen au« da« Innere von Pa,i« zu beschießen, ist eine Frage, die überall aus da« Lebhafteste deSeutirt wird. Die Meinungen darüber gehen im Ganzen au«einandcr, doch glaubt man, bei den Fort« Jvrp, Montroüge und Banvre« die Geschosse in die Stadt selbst schien, derr zu können. Die sogenanntenLuftballonkanonen" haben uns mehrere Male schen vottresfliche Dienste geleistet. Da diese Luftballonkanonen 10,000 Schritt weit tragen, wird man wahrscheinlich auch bei einem eintr.tenden Bombardement von denselben Gebrauch mächen. In Pari« schießt man fetzt mit neu angeser. tigten Hinterladergeschützen,. deren Tragweite ebenfalls auf die kolossale d.istance von 10 000 Schritt berechnet wird, wahrend vor 14 Tagen noch die pariser Granaten aus höchsten« 7000 Schritt einschlugen. Em wahre« Rathsel unv Wunrer ist e« zu nennen, wenn trotz re« fortwährenden Schüßen« de« Feinde« in den allerscltensten Fällen unsere Soldaten Verwundungen erhalten. Den auf cer Seine l egenden Kanonenbooten, deren Geschosse vom schwersten Caliber sind, GwH'rt unp»« TwyyenLaubsroscv" gegeben, da die Kanonen­

boote mit grüner Karbe angestrichen sind. Im Falle, daß die weiße Fahne, das Zeichen der Ankunst eines Parlamentärs, bet uns aufgehißt wird, stellt der Feind die Kanonade sofort ein, ein furchtbarer Lärm entsteht, auf allen Seiten bläst man in die Trompete und zieht sich unter anhaltendem Geschrei in seine Positio­nen zurück. Der berühmte .neutrale" Kahn, der den Parlamentär über die Seine bringen soll, wird vom Ufer losgelöst, die wachthabenden französischen Osficiere empfangen den Parlamentär auf das Zuvorkommenste, die Unterhaltung beginnt lebendig zu werden, man entledigt sich seines Auftrages und unter freund- lichem Händedruck verabschiedet man sich gegenseitig. Der Feind liegt indessen in seiner Position auf der Lauer und eröffnet in demselben Augenblicke, in welchem die weiße Fahne verschwindet, die Kanonade von der AiSne, um unsere geplagten Soldaten auch nicht einen Moment länger Ruhe zu gönnen. Trochu hat fast das gesamme Militär aus dem Innern von Paris entfernt und dasselbe Canton- : nements und Bivouacs außerhalb der Thore beziehen lassen. Die Regierung in Par,- will sich vor der Hand in keine Verhandlungen einlaffen und von der i Uebergabe der Hauptstadt Nichts wissen, da sie noch immer auf siegreiche Kämpfe t etr Loirearmee rechnet. Man glaubt, daß die geschlagene Lotrearmee sich bei Bourges concentriren und dort eine Schlacht annehmen wird. Unterdessen setzt Gambetta seine Rundreisen fort, um in Proklamationen und Ansprachen den Muth der französischen Bevölkerung zu entflammen. Selbst bis nach Versailles, dem Hauptquartier des Kaisers von Deutschland, hat sich eine Proclamation Gam- betta's verirrt. Wie ich höre, fand man gestern früh an den hiesigen Markthallen dieses neueste Opus des Diktators asfichirt, in welchem Gambetta die Bewohner von Versailles auffordert, nicht zu wanken und zu weichen; er erklärt, daß Paris große Zufuhren erhalten hat, und noch für Monate verproviantirt sei. Die Srp- tembermänner müssen schon zu solchen Lügen ihre Zuflucht nehmen, um den Muth unv die Ausdauer Frankreichs in diesem Kampfe stets rege zu erhalten. Seit heute Morgen nnterhalten die Forts wiederum lebhaftes Feuer, welches jetzt gegen 12 Uhr Vormittags fast gänzlich nachläßt.

Unsere deutsche Schifffahrt hat seit Beginn des Krieges so ungeheuren Schaden erlitten, daß es erquicklich ist, auch einmal zu vernehmen, wie einem französischen Schiffscapitain ungcmüthlich wurde. Am 2. Dec. lief der Dampfer Hirondclle", Capitain Roman, mit Kohlen und Maaren von Grimsby nach Dieppe aus. Gestern vor acht Tagen erreichte er seinen Bestimmungsort, durfte aber sein Cargo nicht landen, fuhr daher weiter nach Havre, und von da wollte der Capitain nach Rouen gehen. Als er jedoch hörte, daß dies von 35,000 Preußen besetzt und daß 60,000 Franzosen auf dem Rückzüge nach Havre begriffen seien, fuhr er zurück, ohne sein Cargo auszuladen. Ueberhaupt herrscht in den französischen Hafenstädten die Ansicht, daß eS mit ihrem Schiffsverkehr ein Ende hat, wenn es dem Feinde gelingt, die Häfen zu besetzen oder auch nur zu beim- ruhigen. Im Flusse Truro liegen uugenblicklich über 30 deutsche Fahrzeuge vor Anker, meist mit Tabak und Kaffee befrachtet. Eines, dieChina", hat ein Cargo

Die Dresdner Nachrichten" schreiben:Nachdem die königlich sächsische Armee in allen ihren Theilen, mit Ausnahme der Festungsartillerieabtheilung, an den großen Kämpfen auf Frankreichs Boden stets ruhmreichen Antheil genommen batte, ist es auch letzterer nun noch beschieden, für Deutschlands Freiheit mit streiten zu können. In den nächsten Tagen verlassen Abtheilungen der Festungs­artillerie das Vaterland."

Der Zusammentritt der Conferenz wegen der PontuSsrage steht bevor^ Die Vollmachten Frankreichs, wenn sich dasselbe vertreten läßt und seine förmliche An­erkennung nicht verlangt, werden keine Schwierigkeiten machen. Man wird ferne Zulassung stillschweigend gewähren. Andere Punkte außer der Pontusfrage sind bekanntlich ausgeschlossen. Sollte ein fremder Gegenstand von irgend einer Seite angeregt werden, so würden die Mitglieder der Conferenz, wie versichert wird, es nicht zulassen und sich nöthigenfalls entfernen.

Ueber die Standeserhöhung des Grafen Bismarck hort tueElbf. Ztg. , daß seine Ernennung zum Herzog eine beschlossene Sache sein soll, daß nur zwischen ihm und dem Könige eine Differenz insofern besteht, daß der König ihm gern zur Erinnerung an die Errungenschaften des Jahres 1870 den Titel Herzog von Straßburg resp. Herzog von Lothringen geocn mochte; daß dagegen Gra Bismarck Werth darauf legt, feinen alten Familiennamen zu behalten, und auch als Herzog nur Herzog von Bismarck-Schönhausen heißen mochte. Da wohl nicht zu bezweifeln ist, daß hierüber eine Verständigung eintreten wird, so werden toir wohl bald den Bundeskanzler als Herzog begrüßen können; vielleicht erfolgt die Ernennung zum 24. d. Mts. gleichsam als Weihnachtsgeschenk.

Zur Beseitigung vielfach hervorgetretener Uebelstände ist Betreffs Zuführung von Liebesgaben an die gesunden Feldtruppen die gesetzliche Vorschrift neuerdings in Erinnerung gebracht worden, wonach eine selbstständige Führung derartiger Transporte unmittelbar zu den Truppen nur ausnahmsweise mit Erlaubniß des General-Etappen-InspectorS gestattet ist. Diese Vorschrift soll nun strenger als bisher beobachtet werden. So weit daher eine Unterstützung eines solchen Trans­portes Seitens der Organe der freiwilligen Krankenpflege Statt findet, muß die Leitung jener Gaben nicht unmittelbar zu den Truppen, sondern an den betreffen- den Delegirten de« Militär-Jnsp-ctor« in der Nähe de« fraglichen Truppentheüe« zunächst erfolgen. Don diesem Delegirten haben die Begleiter de- Transportes

16. December.

DieSchlef.-Ztg." meldet: Zur Beruhigung der leider so zahlreichen Fa- milien, die ihre Theuren im Kampfe für das Vaterland in französischen Boden gebetiet haben und diese auf den einzelnen Schlachtfeldern zerstreut begraben wis­sen, theilen wir die Nachricht mit, daß des Königs Majestät in seiner an Alle- denkende Fürsorge unv wahren Herzensgüte laut CabinelSordre vom 16. Novem- der befohlen hat, daß in den a*pirM< französischen LandeStheilen die Grabstatten gefallener oder gestorbener deutscher Krieger käuflich erworben und die einzelnen Gräber zu größeren Grabstätten zu ewigem Gedächtniß vereint und erholten wer­den sollen. Wie wir erfahren haben, ist der Commandeur des Füsilier-Bataillons des Niederscblesischen Landwehr - Regiments Major Mentzel auf CaSlitz bei Lüben (früher Pächter der Domäne Leubus) zum Präses der militärischen Commission ernannt, der unter Zuziehung der Municipalverwaltung die geeigneten Puncte zur Errichtung vereinter Grabstätten unv Denkmäler für Metz unv Umgegenv aussuchen wird. Herr Mentzel ist für die Erstürmung von Bellevue am 7. Okto­ber mit dem eisernen Kreuze decorirt und nach dem glücklichen Gefecht am 17. Oktober zum Major ernannt worden.

DerPost" geht folgender, von Mitgliedern aller Fraktionen des Reichs­tags unterzeichneter Aufruf zu:An das deutsche Volk! Der Krieg dauert fort. Der Winter ist gekommen. Die neuesten glorreichen Siege der deutschen Hecre haben die Anzahl der Verwundeten und Kranken wiederum bedeutend vermehrt. Die Mittel der Hilssvereine sind bald erschöpft. Die Nation darf nicht müde werden in dem Werke der Barmherzigkeit. Das Weihnachtssest, das Fest der Liebe und der Freude, soll auch unseren Brüdern int Felde und im Krankensaal zeigen, daß die dankbare Nation sie nicht vergißt. Wohlan, möge jede deutsche Familie möge Groß und Klein am heiligen Weihnachtsabend ver für une kämpfenden und blutenden Brüder und Söhne gedenken. Möge überall tn deut- schen Landen ter Christbanm die treuen He^en mahnen, da! heute unseren »er. Mundeten und kranken Kriegern die erste Bescheerung gebührt. Alle Geschenke und Beiträge werden die nächsten Local-, Pruvincial- oder Landeivereine, sowie da« deutsche Central-Comite zur Pflege der verwundeten deutschen Krieger zu Berlin entgegen nehmen. Berlin, den 10. December 1870.

3m Laufe der Verhandlungen über den Beitritt Wurtemberg« zur deutschen RetchSverfaffung sprachen die würtembergischen Bevollmächtigten den Wunsch au«, dafl der Bunde^rath sobald al« thunlich Die Einführung de« Tabakmonopols m Erwägung nehmen möge. - Bezüglich des Bunde-bahnpolizcireglemenie wurde Würtemberg zug standen, daß dasselbe vor seiner Einführung in Wurtemoerg einer Die dortigen Verhältnisse berücksichtigenden Prüfung, resp. Revision werde unter-