Dik Geheimnisse einer jungen Mamsell.
Clara, der
dann allein mit ihm. Ist
und
bischen wundern — bei die
Neulich hat es bis in die
den ich ihm immer Abends die Mamsell hinüber. Und
„Gehen Sie jetzt zu Herrn Er hält seine Thüre zwar meine Stimme kennt, wird
— „Hier im Hotel?"
__ „Ja."
— „Bei wem?"
. Bei — aberS nu werden Sie sich ein Mamsell, die so schön trillern kann."
Clara schlug die Hände zusammen.
„Was? Bei Fräulein Florini?
Unglück zu erflehen."
„Wie, sind Sie vielleicht mit Herrn Wiesel verwandt?" fragte es nicht verschwiegen geblieben war, daß Wiesel's jüngerer Bruder vor vielen Jahren die alte Welt mit der neuen vertauscht hatte.
Clara hatte die obigen Worte wohl nur so hingesprochen, ohne daran zu denken, daß schon die nächste Zeit ihr Veranlassung geben würde, von den Waffen, die sie jetzt gegen den, auf seinen Ruf der Ehrbarkeit haltenden Herrn Wiesel in Händen hatte, Gebrauch zu machen.
Nach acht Tagen erschien eine ältliche, bleiche Frau in Begleitung von zwei Bindern, einem blondgelockten, hübschen Mädchen von ungefähr zwölf Jahren und einem krausköpfigen Knaben von zehn Jahren, im Hütel „Zum golde- denen Stern" und fragte den Portier, ob nicht daselbst ein Herr Mathias Wiesel logire.
Clara, die sich zufällig in der Nähe der Thüre befand, horchte erstaunt aus.
Sie trat der Frau näher und blickte sie mit Theilnahme an.
Die Kleidung der Frau, offenbar eine Fremde, denn ihr Deutsch hatte einen Anklang von englischem Accent, war sauber, aber ärmlich, und ebenso die der beiden Kinder. Ihr Wesen aber und ihre Sprache verrieth, daß sie den gebildeten Ständen angehörle.
Der Portier wollte der Fremden Auskunft geben. Aber Clara kam ihm schnell zuvor.
„Herr Mathias Wiesel wohnt hier schon seit längerer Zeit, Madame," versetzte sie. „Er ist aber schwer zugänglich und ich weiß nicht, ob er sich jetzt sprechen lassen wird." w L
„D, ich hoffe doch," entgegnete die Frau. „Wenn er mernen Namen hort, wird 'er mich nicht abweisen. Thäte er eS — ich wüßte nicht, was ich da mit den beiden Kindern beginnen sollte; denn ich komme weit her. Ich bin heute früh mit einem Schiffe, bas von Amerika kommt, hier eingetroffen, in der Absicht, den Herrn Wiesel aufzusuchen, und sein Mitleid für das unverschuldete
Die Fremde bejahte.
„Ich krage seinen Namen, Fräulein. Mein verstorbener Gatte war Herrn Wiesel'ö leiblicher Bruder und diese Kinder sind meine Enkel. Ach, ich hätte Ihnen das vielleicht nicht sagen sollen, bevor ich Herrn Wiesel, meinen Schwa- ger, gesprochen. Aber wenn man so arm und so unglücklich ist, wie ich es bin, bann drängt sich leicht bas volle Herz auf die Lippen. Auch sehen Sie so gut
„Versteht sich. Wenn er den Champagner, bringen muß, gekriegt hat, da sleicht er damit zu da wird denn, Gott weiß, wie lange, gep-chelt. -------’ -7f
Nacht hinein gelauert. Ick hatte Klock zwölf noch einen Gast die Smbein zu bringen, der am andern Morgen um fünf abfahrcn wollte. Zufällig kam ich an das Zimmer von die singende Mamsell vorbei. Ich horte laut lachen und Gläser klingen, die zusammengestoßen wurden- Da wurde rch denn neusch.erig. Ich brachte den Gast die Stiebeln, kam gau wieder zuruck und legte me.n Ohr an dem Schlüsselloch. Da habe ich denn kurjose Dinge gehört. Soviel ist gewiß, daß der alte Wucherer bannig in die junge Mamsell Florini verlieb ist, und ebenso, daß die Mamsell und die dicke Tante diesem alten Goldvogel gehörig die Feddern auSrupfen werden. Na, was sagen Sie, Mamsell Clara, ist bas nicht eine hübsche Neuigkeit?" ~
Hm!" versetzte Clara, „das Leben und Treiben dieses alten Patrons sollte mich eigentlich wenig kümmern, da ich ihn verabscheue. Jndeff-n man kann doch nicht wissen, ob nicht eine Gelegenheit kommt, wo die Neuigkeit, die Sie mir erzählt haben, zum Besten irgend eines Menschen zu benutzen ist. Ich weiß, Herr Wiesel hat hier sehr reiche und vornehme Verwandte, in deren Au- gen er sich als ein solider, ehrenhafter Mann zu erscheinen bemüht. Aber er soll auch noch arme Verwandte und zwar im Auslande besitzen.
käme ein solcher armer Teufel hierher und spräche ihn um Hulse an und Herr Wiesel wollte ihn hartherzig abwcisen, da könnte man ihn vleUelcht durch baS Geheimniß, bas Sie mir mitgetheilt, zwingen, in seine Geldsacke zu greisen.
Christian Bork blickte Clara mit bewunbernder Miene an.
„Ne, Mamsell Clara," sagte er, „was Sie doch vor einem klugen Frauenzimmer sind! Darauf war ich all mein LebStage nicht gekommen. Und Sie denken ümmers an Alles in Voraus. Ich habe eine gute, rechtschaffene Frau, aber was den Verstand betrifft, da kann Sie Ihnen nicht Cie Sticbel- bänder aufbinden."
(Fortsetzung.)
Herr Wiesel und Fräulein Florini. Eine Unglückliche.
Der geschätzte Leser wird sich erinnern, wenn er an unser erstes Kapitel rurückdenkt daß die Sängerin, Fräulein Florini, die im dritten Stocke, nicht weit von den Zimmern des Wittwers, Herrn Wiesel, wohnte, ihre Thure vor allen jungen Dandys in Hamburg verschlossen hielt, wohl aber alten, ehrbaren Verehrern ihrer Kunst zu jeder Tageszeit Zutritt zu sich gestattete.
Seit einiger Zeit waren aber auch die alten Herren auSgcblieben, bis auf einen der in ihrer Nähe weilte. ,
Wahrscheinlich hatte dieser seine grauköpfigen Nebenbuhler durch reiche Ge- schenke aus dem Felde geschlagen, oder er hatte sich auch ganz besonders Die Zuneigung der Tugendwächterin, Madame Dunst, zu erwerben gewußt.
° Dieser alte Verehrer der Sängerin war nun Niemand anders als der
$ Wahrscheinlich hatte Madame Dunst, von dem Ncichthum beS geizigen Mannes angelockt, die Bekanntschaft zwischen ihm und der jungen Dame, von der sie Tante genannt wurde, vermittelt. Sie waren ja Nachbarn und mußten ost einander begegnen. Fräulein Florini war eine üppig gebaute Kokette, die ihre schwarzen Augen vortrefflich zu gebrauchen wußte, und Herr Wiesel, trotz seincr Jahre und der Liebe zu seinem Gelbe, für weibliche Schönheit nicht unempfindlich. Zudem legte ihm dieser Umgang keine andere Verbindlichkeiten aus, als die er mit Geld abkaufen konnte.
Obwohl er nur heimlich in den späteren Abendstunden zu der benachbarten Schönen zu schleichen pflegte, hatte Clara diese Besuche doch erfahren.
Ihr ehrlicher Freund, der Hausknecht Christian Bork, hatte sie darauf aufmerks^ $0^ ^ageS in den Keller hinabstieg, fand sie Christian allein. Er beschäftigte sich mit dem AuSspülen der an der table d’höte geleerten W Da^er wußte, daß die Hausmamsell Neuigkeiten zu hören liebte, besonders solche, die sich in dem Hotel ereigneten, so hielt er mit seiner Arbeit inne und sagte in seinem schlechten Deutsch: , 9/,
„Mamsell Clara, haben Sie wohl ein bischen Zeit, mit mich zu klonen? Das junge Mädchen wandte sich ihm freundlich zu:
„Wenn das Gespräch nicht zu lange dauern wird, lieber Bork,.:dann za. Christian schüttelte den Kopf.
„Ne, Mamsell, ich will mir kurz fassen."
— „Nun, was giebt's denn?" fragte Clara. Der"Hausknecht lachte pfiffig.
„Ich weiß was Neues, Mamsell."
— „Was mich interessirt?"
— „Hm! vielleicht. Ick meine man so."
— „Was meinen Sie, Christian?"
„Hören Sie zu, Mamsell. Sie kennen doch oben den alten Herrn Wiesel, von den ich früher nicht einen Schilling Trinkgeld gekriegt habe.
„Ja freilich kenne ich den alten Filz."
„»Jin, seit acht Tagen habe ich drei Märk Trinkgeld von ihn bekommen. Das Mädchen blickte erstaunt.
„Und wofür, Christian?" K f
— ,Davor, daß ich ihn heimlich ein paarmal Champagner besorgt habe.
' Was? Er trinkt Champagner? Dann ist sein Ende nahe."
„ O ne, au contrair im Gegentheil. Er lebt erst wieder auf; denn er trinkt den Wein nicht allein."
— „So, empfängt er Besuche?"
— „Auch das nicht. Abers er macht welche."
Die Kinder folgten Hand in Hand.
Clara klopfte beherzt an die Thüre.
Es erfolgte keine Antwort.
„Herr Wiesel wird nicht anwesend sein," sagte die Fremde seufzend.
— „Nein, Madame, er pflegt um diese Zeit selten auszugehen. Auch wüßte ihn ja der Portier gesehen haben. Hört er nicht auf mein Klopfen, wird er doch wohl auf meine Stimme hören."
Sie klopfte auf'ö Neue und rief laut: ,
„Herr Wiesel, ich bin cs, Clara, die Hausmamsell. Es ist ein Besuch da, der Ihnen Freude machen wird. Oeffnen Sie so schnell als möglich."
Diese Worte wirkten.
Die Thüre wurde von innen aufgemacht.
Herr Wiesel trat den Kommenden in einem abgetragenen Schlafrocke entgegen.
„Wie? was ist das?" brummte er, die Fremde m t den Kindern sehend. Warum stören Sie mich, Mamsell? Und was will man von mir ?
Er war im Begriffe, die Thüre wieder zu schließen. Aber Clara stellte sich rasch in die Oeffnung.
„Verzeihen Sie, weither Herr Wiesel," sagte sic; „aber es war nothwen- dig, daß wir bei Ihnen einzudringcn versuchten. Es sind ja nahe, liebe Verwandte von Ihnen, die Sie da vor sich sehen." ,
Sie wandle sich rasch zu der Fremden, reichte ihr die Hand und zog ]te in die Stube. Ebenso that sie mit den Kindern.
So, nun habe ich meine Schuldigkeit gethan," versetzte sie lächelnd. „Nun geh' ich. Verwandte sprechen sich gern allein gegen einander aus. Da ist meine Gegenwart zu viel. Ich wünsche Ihnen einen freundlichen guten Morgen, Herr Wiesel!" „ , . . r <
Mit ein paar Schlitten war sie aus der Thure, die sich hinter sich zuzog.
Nun mag die arme Frau ihr Heil bei dem Knicker versuchen, Machte sie. Ich zweifle zwar daran, daß ihr von ihm Hülfe zu Theil wird. Doch erst muß die rührende Bitte zu wirken suchen. Vermag diese sein Herz nicht zu erweichen, dann müssen wir zu anderen Waffen greifen. Umsonst soll mir Christian Bork den geheimen Umgang des Herrn Wiesel mit der italienischen Sängerin aus Sachsen nicht erzählt haben. , , .
Während Clara die Treppen hinabstieg, hatte sich oben ein Gespräch zw - scheu der Amerikanerin und dem alten Wucherer angeknüpft.
W.esel sah mit gerunzelter Stirne und zusammengezogenen Brauen die Fremoe am fragle „ barsch und fügte 'N noch rauherem
Tone hinzu: Wahrscheinlich eine Bettlerin, die «an nur, »eil «1« ausgeschrlcen bin, eine Unterstützung hofft. Aber ich gebe Nich , ) '
ich gebe Nichts und darum bitte ich, daß Sie wieder —
„Nein, mein Herr," versetzte die Fremde, Sie irren siu-. od)
Bettlerin; wenn ich auch zu Jhncn komme, um Ihr Mitlei s 1 vater- und mutterlosen W >iscn zu erwecken. Ich heiße, wie Sie, und n d Frau Jh.es verstorbenen Bruders, der sein Grab in Amerika gesunden hat Diese Kinder aber sind seine und meine Enkel. Auch ihnen b<u der ^vv früh die Eltern geraubt. (Fortsetzung folgt.)
und so thiilnchmend aus."
„Wie ich aussehe, bin ich auch," sagte Clara. Wiesel hinauf. Ich selbst will Sie zu ihm führen, beständig verschlossen. Aber auf meine Bitte, da er er schon öffnen. Sie treten dann zugleich mit mir ein und geben sich als die Gattin seines Bruders zu erkennen. Ich lasse Sie dann allein mit ihm. Ist Ihr Gespräch mit Herrn Wiesel zu Ende, so bitte ich Sie, mir den Ausfall desselben mitzutheilen. Wenden Sie sich nur an den Portier, der lvird mich rufen, und ich werde Sie dann auf mein Zimmer führen, wo wir ungestört mit einander reden können. Ich kann Ihnen vielleicht in dieser Sache nützlich sein
werde Ihr Vertrauen gewiß nicht mißbrauchen."
Sie nahm die Fremde bet der Hand und führte sie nach oben.


