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Preis vi-ertcljährlick 36 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 49 fr.

Gießener Anzeiger.

Erscheint wöchentlich drei­mal: Dienstags, Donner­stags und Samstags. Expedition: Cauzlciberg Lit. V. Nr. 1.

Mnzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Rr. 32. Diciistaz dm 15. März 1870.

Protokoll

über die am 19. November 1869 zu Großen-Buseck stattgehabte Generalversammlung deS landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen.

Gegenwärtig: Der 1. Direktor des Bezirksvereins, Dr. Gold mann, als Vorsitzender, sowie der Generalsecretär der landwirthschaftlichen Vereine, Herr Oeconomierath vr. Krämer von Darmstadt und eine große Anzahl von Bezirksvereinsmitgliedern und sonstigen Freunden der Landwirthschaft.

I. Nach Eröffnung der Sitzung bemerkte der Vorsitzende, daß die Rechnung des Bezirksvcreins pro 1868 geprüft und mit einem Kasseüberschuß von 70 fl. abgeschlossen sei. Dieselbe liege während der Dauer der Versammlung zur Ein­sicht offen und werde er, wenn keine Bemerkungen gemacht würden, dieselbe als genehmtgt betrachten.

II. Auf der Tagesordnung standen folgende Gegenstände:

1) Verwendung der dem Verein zur Verfügung stehenden Mittel.

2) Berichte über die im lausenden Jahr mit künstlichem Dünger angestellten Versuche.

3) Ist der Anbau des JncarnatkleeS im Bezirk Gießen rathsam?

4) Ucber Aufzucht des Rindviehes.

5) Besprechung über den Ertrag der diesjährigen Erndte, und über den Einfluß der Früh- und Spät-Saaten auf denselben.

1) Zur Eröffnung der Berathung über den ersten Gegenstand theckte der Vorsitzende der Versammlung mit, daß die sieben Lehrer des Kreises Gießen, welche im Sommer dieses Jahres den landwirthschaftlichen UnterrichtScursus für Schullehrer zu Darmstadt besucht hatten, und welchen zu diesem Behufe aus Pro- vinzialvereinsmitteln eine Unterstützung von je 60 fl. bewilligt worden sei, den Bezirksverein um eine weitere Subvention angegangen hätten. Von diesen 7 Lehrern hätten 4 zum zweitenmal und 3 zum erstenmal an dem Cursus Theil genommen und es sei von dem Verein nunmehr darüber zu beschließen, ob und inwieweit er dem erwähnten Gesuche Folge geben wolle-

An der hierüber eröffneten DiScussion betheiligten sich in befürwortendem Sinne die Herren Lehrer Schlapp und Rödelsperger, Decan Koch, Frei- Herr v. Rabenau, welcher übrigens den Wunsch aussprach, daß künftig die Gemeinden hier ebenfalls mithelsen mochten, und der Vorsitzende. Nachdem .so­dann Herr Oeconomierath Dr. Krämer bestätigt hatte, daß die Ansprüche'an die Lehrer, namentlich aber an die Besucher des zweiten Cursus sich in neuerer Zeit bedeutend gesteigert hätten und daß in Rheinhessen die Gemeinden, in Starkenburg die Sparkassen unterstützend eingetreten seien, beantragte Freiherr v. Rabenau in Uebereinstimmung mit Herrn Lehrer Schlapp: 1) den Be­suchern des zweitem Cursus je 15, denjenigen des ersten Cursus je 10 fl. zu ver- willigen und 2) das Direktorium zu ersuchen, womöglich die Sparkasse in Gießen zu Beiträgen für ähnliche Zwecke zu veranlassen. Beide Anträge fanden einstim­mige Annahme.

2) Berichte über die im laufenden Jahr mit künstlichem Dünger an gestellten Versuche.

Der Vorsitzende erinnerte daran, daß in Gemäßheit früherer Beschlüsse des Bezirksvereins, bezw. dessen Ausschusses, die Summe von 100 fl. an die Vor­stände der landwirthschaftlichen Kränzchen des Kreises abgegeben werden sollte, welche sich verpflichteten, die Versuche mit künstlichem Dünger nach einem von Herrn Lehrer Leise Witz entworfenen Schema anzustellen und bczw. zu contro- liren. In Folge dessen seien diese 100 fl. gleichmäßig an die Vorstände der Kränzchen für das Kirchspiel Kirchberg, zu Rödgen, zu Großen-Buseck und zu Allendorf a. d. Lda. abgegeben worden, es sei dies jedoch erst zu einer Zeit möglich gewesen, wo eine Anstellung von Versuchen bei Winterfrucht für dieses Jahr nicht mehr habe vorgenommen werden können. Er ersuche nun­mehr die betreffenden Herren über die erzielten Ergebnisse zu berichten.

Freiherr v. Rabenau theilte hierauf als Vorsitzender des Kränzchens zu Kirchberg mit, es habe sich zu seinem Bedauern, trotz seiner Aufforderung, Nie­mand zum Empfang von Dünger in seinem Bezirk bei ihm gemeldet. Er habe deßhalb die ihm zugestellten 25 fl., welche er für sich selbst nicht habe verwenden wollen, noch vorräthig, beabsichtige jedoch nicht, dieselben zurückzugeben, sondern bitte um die< Ermächtigung, solche zur Anschaffung und Grativabgabe von popu­lären Schriftchen über Düngerlehre zu verwenden. Er glaube auch hiermit der Sache guten Dienst leisten zu können, indem mit Verbreitung von Kenntnissen in Bezug auf das Wesen der künstlichen Düngung Anreiz zur Anwendung von Hülfs- dünger gegeben werde.

Es wurden hierauf schriftlich abgefaßte Berichte verlesen:

skitcnS des Kränzchens zu Großen-Buseck von den Herren Pachter Güngerich I., Schulvicar Wagner, Pfarrer Strack und Balth. Stephani.,

seitens desjenigen zu Rödgen von Herrn Lehrer Schlapp, und für das Kränzchen zu Allendorf a. d. Lda. von den Herren Pfarrer Weber und Lehrer SchmehL.

Herr Pfarrer Weber bestätigte, daß auch in seinem Bezirk keine Nach­frage nach Hülfstünger erfolgt fei, so daß außer ihm selbst nur von Herrn Schmehl Versuche hätten angestellt werten können, wobei aber genau nach der Leisewitz'schen Anleitung verfahren worden sei.

Es waren Versuche gemacht worden: mit aufgeschl. Peru-Guano bei Gerste,

Kartoffeln und Runkelrüben, mit rohem schwefelst Kali bei Runkelrüben, Kartof­feln und auf Wiesen, mit gereinigtem schwefelst Kali bei Kartoffeln und Runkel­rüben, mit Superphosphat bei Runkelrüben, Gerste und Kartoffeln, mit künstlichem Guano bei Gerste, mit Phosphors. Kolk bei Gerste und auf Wiesen, mit rohem Kalisalz auf Wiesen und mit gereinigtem Kalisalz bei Gerste, wobei übrigens theilweise gleichzeitig Stallmist verwendet worden war.

Die verlesenen Berichte ließen im Allgemeinen keine günstigen Resultate erkennen, indem theils keine, theils wenigstens keine erheblichen Erfolge erzielt worden waren. Vielfach wurde dies jedoch dem Umstande zugeschrieben, daß die Versuche nicht in allen Fällen richtig und nach der Leisewitz'schen Anleitung ange­stellt worden seien, daß der Dünger erst zu spät habe angewendet werden können und daß der letzte Sommer sich durch besondere Trockenheit ausgezeichnet habe, welche die Wirkung des DungcrS nicht zur vollen Geltung habe gelangen lassen. So hob z. B. Herr Lehrer Schlapp hervor, datz sowohl die künstlich gedüngten Runkelrüben wie auch die Gerste bei ihm einen weit besseren Ertrag geliefert haben würden, wenn die betreffenden Aecker früher hätten ausgestellt werden können. Die Gerste habe sich Anfangs sehr kräftig entwickelt und vor der nicht künstlich gedüngten vortheilhaft ausgezeichnet; als aber später Trockenheit entstan­den, sei sie hinter der letzteren zurückgeblieben. Eine auffallende Erscheinung wurde bei einem mit Kartoffeln ausgestellten und zur einen Hälste mit Stallmist und gereinigtem schwefelst Kali zur andern nur mit Stallmist gedüngten Acker des Herrn Pfarrer Strack zu Großen-Buseck beobachtet. Während nämlich der Er­trag beider Hälften quantitativ vollkommen gleich war, lieferte der künstlich ge­düngte Theil vollständig warzige, der andere glatte Knollen.

Ueber die gemachten Mittheilungen entspann sich eine eingehende DiScussion, bei welcher sich u. A. die Herren Oeconomierath Dr. Krämer, Freiherr v. R a- benau, Lehrer Schlapp, Pfarrer Weber, Pfarrer Strack, Decan Koch und der Vorsitzende betheiligten. Insbesondere bemerkten:

Freiherr v. Rabenau: Die erstatteten Berichte hätten ihn überzeugt, daß sowohl in Bezug auf die Quantität als auf die 'Art der angewandten Düng- mittei nicht überall ganz richtig verfahren worden sei. Mit dem Acker verhalte es sich, wie mit dem thierischen Körper: beiden dürfe man nicht mehr Nahrung geben wollen, als bis sie satt seien. Man solle aber auch jeder Pflanze dieje­nige Nahrung geben, deren sie nach ihrer chemischen Beschaffenheit bedürfe und welche der Boden nicht schon in hinreichender Menge enthalte. Daß Kali auf Basalt- und Grauwackeboden nicht gewirkt habe, sei ihm darum sehr begreiflich; denn dieser enthalte schon ziemlich viel Kali, selbst bis zu 3 pCt. Wolle man daher von der Anwendung künstlicher Düngemittel Vortheil und nicht vielmehr Nachtheil erzielen, so fei unerläßlich, daß man feinen Boden vorher untersuche und danach den Dung wähle.

Herr Pfarrer Weber: In Allendorf a. d. Lda. wirke Holzasche anerkann­termaßen ganz vorzüglich; er habe sich deßhalb von Kali, als einem Hauptbe- st^ndtheil der Asche, besonders gute Erfolge versprechen zu dürfen geglaubt und fei erstaunt gewesen, sich hierin getäuscht zu sehen.

Herr Oeconomierath Dr. Krämer: Er gebe zu, daß die heutigen Berichte etwas Entmuthigendes enthielten; man möge sich aber dadurch von weiteren Ver­suchen nicht abschrecken lassen. Wie schon von anderer Seite bemerkt worden, sei ein großer Theil der vorliegenden Mißerfolge aus Rechnung der anhaltenden Trockenheit dieses Sommers zu setzen, günstige Wirkungen des verwendeten Dün­gers im folgenden Jahre würden deßhalb nicht ausbleiben. Die angestellten Versuche seien aber auch nicht immer ganz corrrct gewesen. Solche Quantitäten Superphosphat z. B., wie hier verbraucht worden seien, wende man heutzutage nicht mehr an. Ebenso sei es unrichtig, das Kali unmittelbar an die Futter- knollen zu bringen. Die Wirkung der Hülfsdünger erscheine ferner oft nicht im Aeußeren der Pflanze, sondern in deren Qualität. Hierüber aber vermisse er in den h.eute vernommenen Berichten Angaben, insbesondere hinsichtlich der Kartof­feln. So habe man in Rheinhessen die Beobachtung gemacht, daß Superphoö- phat die Gerste, bei geringerer Ertragömenge, zum Brauen vorzüglich geeignet mache. Retner empfahl ebenfalls genaueres Studium des Bodens. Er glaube, daß in dem hiesigen schweren Boden die Kalkdüngung besonder« gute Resultate erzielen werde. Peru-Guano sei wohl an und für sich der beste Hülfsdünger; gleichwohl sei man tm Königreich Sachsen, wo man früher davon sehr viel ver­braucht, von dessen Anwendung in neuerer Zeit zurückgekommen, weil man die Erfahrung gemacht habe, daß andere Hülfsdünger dem dortigen Boden mehr zu- sagten. Ebenso in Rheinhessen. Daß, wie Herr Pfarrer Weber anführe, in Allendorf a. d. Lda., wo Holzasche mit vorzüglichem Erfolge Anwendung finde, Kali keine Resultate geliefert habe, sei daraus leicht zu erklären, daß die A,che wohl vorzugsweise auf Wiesen verwendet werde; diesen werde aber gerade durch die Ernte jährlich eine bedeutende Menge Kali entzogen, welche durch die Asche dem Boden wieder ersetzt werde, während bei Fruchtfeldern ein anderes Verhält-