im Anfänge des 17. Jahrhunderts den Czechen gegenüber einnahm. Der Tod Huß' und Hieronymus', das antinationale Verfahren der Geistlichkeit zur Zeit des gänzlichen Falles der czechischen Nationalität nach der Schlacht am Weißen Sßerge — das sind Dinge, die nie vergessen und verziehen werden können. Und heute haben 600 in Rom versammelte Lehrer der Kirche es für ein hohes Gluck erachtet, das Gelüste ihres Obern zu befriedigen und ihm die Unfehlbarkeit bei- zulegen, die Gott allein zukommt. Wo solche Grundsätze ausgesprochen und in'S Leben eingeführt werden, da ist keine Stelle für unsere slavischen Märtyrer, wie sie auch für Huß und Hieronymus von Prag nicht war. Auch wir wollen keine Knechte Roms sein und erklären unseren Freunden, Landsleuten und allen slavischen Brüdern, daß wir uns vom Papstthum, seinen Grundsätzen und seinem neuen, die Vergötterung eines Menschen lehrenden Dogma lossagen und zur orthodoxen Kirche übertreten, welche die Nationalkirche aller Slaven ist."
Vom Kriegsschauplatz. Dem „Fr. I." wird aus Bergzabern, 5. Aug., über das Treffen von Weißenburg geschrieben: So eben komme ich von Weißenburg zurück, dem Schauplatz des ersten Kampfes. General Douay war am 3. d. mit ungefähr 5000 Mann bei Weißenburg angelangt, von welchen er ein Bataillon in die Festung, die übrigen in die Weinberge und Gärten legte. Das 10. bayerische Jägerbataillon wurde zuerst aus nächster Nähe, als es eben aus Schweigen hinausmarschiren wollte, mit Kugeln begrüßt und hatte nun die schwierige Ausgabe, die Weinberge zu säubern. Das Werdergewehr bewährte sich hierbei glänzend. Tollkühn suchte Oberlieutenant Emmerich mit seinen Leuten über die Walle in die Stadt einzudringcn. Aus nächster Nähe waren die Tapferen den hinter den Mauern ihr Feuer aus sie eröffnenden Zuaven preiegegeben, ohne daß es gelang, die Mauern zu erklettern. Sie fielen bis auf Wenige. Sechs Jäger, welche den Wall erkletterten, sahen sich von den Franzosen sofort umringt und gefangen. Ohne Paroon erhalten zu können, wurden sie vor den Augen ihrer in der Nähe liegenden verwundeten Kameraden niedergemetzelt. Inzwischen hatten von der anderen Seite beim Bahnhofe Bataillone des 9., 5., 11. und 14. Regiments ihr Feuer eröffnet, welches zwei Batterien, die eine von der Höhe bei Schweigen, die andere in entgegengesetzter Richtung, unterstützten. Da-; deutsche Thor ward zusammengeschossen, an verschiedenen Orten begann es zu brennen; endlich gegen 1 Uhr drangen unsere Leute mit Hurrah in die Stadt, wo sich noch auf Schritt und Tritt der Kampf entspann. Douay fiel, die Bayern machten 140 Osficiere und 480 Zuaven, TurkoS und Infanteristen zu Gefangenen. Die Preußen, welche erst gegen Ende des Kampfes eintrasen, machten auch mehrere Hundert Gefangene, worunter 4 Osficiere. Unsere Jäger behaupten, man habe sich in Weißenburg der Kugel- spritzen bedient, ohne jedoch den geringsten Erfolg zu erzielen. Es gelang übrigens den Franzosen, beim Rückzüge die Geschütze mitzunchmen. Am Geisberg, Schobusch und in der Scherrhohle setzten sie sich von Neuem fest; allein auch diese Positionen wurden von den Preußen genommen. Ich selbst sah 2 Trupps von circa 70 Mann Gefangenen durch Preußen in die Stiftskirche treiben, wo sie vorläufig ausbcwahrt werden.
Heber die Besetzung von Hagenau wird der „Badischen Landesztg." vom 7. August berichtet: „Heute zwischen 1 und 2 Uhr wurde dieses elsässische Städtchen durch das badische 1. und 2. Dragonerregiment besetzt. Voraus ging ein kühner Handstreich der beiden Dragoner-Lieutenants v. Schönau und v. Freydorf, welche mit wenigen Reitern nach der mitten in der Stadt gelegenen großen Caserne ritten und den dortigen Offizieren und Mannschaften erklärten, sie seien gesang-n. Der Feind wußte nichts Besseres zu thun, als vor dieser Handvoll Leute die Waffen zu strecken. Die Fruchte dieses kecken Reiterstückchens waren etwa 200 Gefangene, 130 Beutepferde und 16 Wagen mit prächtigen Ausrüstungsgegenständen, deren sich die Unfern nicht wenig freuen. Abends wurde bereits das Hauptquartier der badischen Division hierher in den Gasthof zur Post verlegt und die Truppen der Division bezogen Beiwachen rings um die Stadt.
Die Bevölkerung von Mühlhausen und Umgegend (tm Elsaß) wurde nach der „Karlsr. Ztg." am 8. d. von den kaiscrl. Eivilbehörden aufgefordert, sich einem etwa erfolgenden Einmarsch deutscher Truppen gegenüber friedlich zu verhalten. Es wurde viel bewegliches Eigenthum nach Basel geflüchtet.
Die bei Weißenburg betheiligt gewesenen Armeecorps bestehen aus folgenden Truppenabtheilungen: V. Armeekorps. Commandeur: General-Lieutenant v. Kirchbach. 9. Infanterie-Division. Gen.-Lieut. v. Rheinbaben. 17. Infanterie-Brigade. Generalmajor Schuler v. Senden. 3. Posen'sches Infanterie Regiment Nr. 58. 4. Posen'sches Jnf.-Reg. Nr. 59. 18. Infanterie- Brigade. Generalmajor v. VoigtS-Rhectz. Königs-Grenadier-Regim. (2. West- preußisches) Nr. 7. 2. Niederschlefisches Inf.»Reg. Nr. 47. 1. Schlesisches
Jägerbatalllon Nr. 5. 1. Schlesisches Dragoner-Regiment Nr. 4. 1. Fußab- theilung Niederschlcsischen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 5. 10. Infanterie-
Division. General-Lieutenant v. Schmidt. 19. Infanterie-Brigade. Generalmajor v. Tiedemann. 1. westpreußisches Gren.-Reg. Nr. 6. 1. Niederschle
sisches Infanterie - Regiment Nr. 46. 20. Infanterie-Brigade. Generalmajor v. Monbarry. Westphälisches Füsilier-Regiment Nr. 37. 3. Niederschlefisches Jnf.-Reg. Nr. 50. 2. Leib-Husaren Reg. Nr. 2. 2. Fußabtheilung Nieder
schlesisches Feldartillerie - Reg. Nr. 5. Reserve-Artillerie. 3. und reitende Ab- theilung Nwderschles. Feldartillerie-Regiments Nr. 5. 5. Cavallerie - Divifion.
Generalmajor v. Strantz. 9. Cavallerie-Brigade. Generalmajor v. Bcrnhardi. Westpreuß. Kürassier-Reg. Nr. 5. Posen'sches Uhlanen-Reg. Nr. 10. 10. Ca- vallene-Brigade. Generalmajor v. Krosigk. Kurmärkisches Dragoner-Regiment Nr. 14. Westpreuß. Uhlanen-Rcg. Nr. 1. XI. Armeecorps. General - Lieutenant v. Bose. 21. Jnf.-Division. General-Lieutenant v. Schachtmeyer. 41. Jnfant.-Brigade. 1. Nassauisches Jnfant.-Reg. Nr. 87. Hessisches Füsilier-Reg. Nr. 80. 42. Jnfant.-Brigade. Generalmajor v. Thiele. 2. Hessisches Jnfant.- Regiment Nr. 82. 2. Nassauisches Jnfant.-Reg. Nr. 88. Rheinisches Dra- goner-Reg. Nr. 5. 3. Fußabtheilung Hess. Feldartillerie - Regiments Nr. 11. 22. Jnsant.-Division. General-Lieut. v. Gerödorff. 43. Jnfant.-Brigade. Generalmajor v. Selchow. 3. Hessisches Jnf.-Reg. Nr. 83. 6. Thüringisches
Jnf.-Reg. Nr. 95. 44. Jnf.-Brigade. Generalmajor v. Schkopp. 2. Thüring. Jnf.-Reg. Nr. 32. 5. Thüring. Jnf.-Reg. Nr. 94. Hess. Jägerbataillon Nr. 11. 2. Hess. Husaren - Reg. Nr. 14. 2. Fußabtheilung Hess. Feld-Artillerie - RegtS. Nr. 11. Res. - Artillerie. 1. Fuß- und reitende Abtheilung Hess. Feldartillerie-- Regimcnts Nr. 11. 22. Cavall. - Brigade. Oberst v. Krosigk. 1. Hessisches Husaren-Reg. Nr. 13. Thüring. Uhlanen-Reg. Nr. 6. II. Bayerisches Armeecorps. Gen.-Lieut. v. Hartmann. 3. bayer. Jnsant.- Divifion. 5.
Jnf.-Brigade: 6. und 7. Jnfant.-Reg. 8. Jägerbataillon. 6. Inf. - Brigade: 14. und 15. Jnf.-Reg. 3. Jäger - Bat. 1. Chevauxlegers - Reg. 1 Abth. 4. Art.-Regts. 4. bayer. Jnsant..Division. Generalmajor v. Bothmer. 7. Jnfant.- Brigade: 5. und 9. Jnf.-Reg., 6. Jäger-Bat. 8. Jnfant.-Brigade: 4. und 8. Inf. - Reg., 10. Jäger-Bat. 5. Chevauxlegers - Reg. 1. Abtheilung 2. Artillerie-Regiments. Reserve-Cavallerie: 2. Uhlanen-Reg. 2. und 6. Chevauxlegers - Regiment.
Die bei dem Gefechte zwischen Saarbrücken und Forbach und bei der Erstürmung der Höhen von Spichercn betheiligten Truppen setzen sich zusammen aus Brandenburgern, Hannoveranern, Rheinländern und Westphalen. Die 14. Division, welche zuerst in das Gefecht eingetreten ist, umfaßt das Niederrheinische Füsilier-Regiment Nr. 39, Vas 1. und 2. Hannoversche Infanterie-Regiment (74 und 77) und das 5. Westfälische Infanterie - Regiment Nr. 53. Die 16. Division, von welcher ein Theil die 14. unterstützt hat, umfaßt das 3., 7., und 8. Rheinische Infanterie-Regiment (Nr. 29, 69, 70) und das Hohenzollernsche Füsilier-Rrgiment Nr. 40. Die 13. Division, welche den Feind umging und gegen Abend bei Forbach eintraf, um entscheidend einzugreifen, besteht aus dem 1., 2. und 6. Westphälischen Infanterie-Regiment (Nr. 13, 15, 55) und dem Hannoverschen Füsilier-Regiment Nr. 73. Endlich haben sich bei dem Sturm auf die Höhen von Spichexen die 5. Division und Theile der 6. Division betheiligt. Jene umfaßt das 1., 5. und 6. Brandenburgische Jnfantenc-Regiment (8., 48., 52.) und das 2. Brandenburgische Grenadier-Regiment Nr. 12; zu der 6. Division gehören das 3., 4., 7. und 8. Brandenburgische Infanterie- Regiment (20., 24., 60., 64.) und das Brandenburgische Füsilier-Regiment Nr. 35.
Die „Saarbr. Ztg." schreibt vom 9. August: Noch sind auf dem Schlacht- selde nicht alle Todte begraben und auch Verwundete werden fortwährend noch eingebracht, Franzosen und Preußen, welche zwei schreckliche Nächte im Freien zubringen mußten. Mangel an Atzten und Krankenpflegern macht sich auf die empfindlichste Weise geltend, trotzdem, daß von Seiten der Bürgerschaft Alles geschieht, was in solch traurigen Tagen nur geleistet werden kann. Es gibt Privathäuser, in welchen die Verwundeten zu Dutzenden liegen; auch das Casino ist in ein wahres Lazareth verwandelt. Barmherzige Schwestern sind gestern angekommen; sie werden ein großes Feld ihres edlen Wirkens finden. Särgen und roh gezimmerten Kreuzen begegnet man in allen Straßen und die Todtengräber sind tn permanenter Thätigkeit. Ein Gluck ist es, daß die Witterung sich bedeutend abgekühlt hat; die Miasmen des Schlachtfeldes und in den Lazarethen fingen schon an, sich fühlbar zu machen.
Forbach, 8. Aug. Der „Elberf. Ztg." wird von hier geschrieben: „Auf den Trümmern der französischen Armee geschrieben. Der Weg von Saarbrücken bis hier war zum Theil mit Blutlachen bedeckt. Ueberall sah man Leute beschäftigt, Todte zu beerdigen, während die Cadaver erschossener Pferde am Wege lagen. Alles aber ist nichts gegen das Bild, welches sich am Bahnhofe Forbach darbot. Man sollte glauben, die ganze französische Armee hätte ihre Vor- räthe hier aufgespeichert, so reichlich haben wir hier alles vorgesunden. Viele Tausende Säcke Hafer, große Lager Brode und Mehl, einen Schuppen Champagner und andere Weine, sage einen Schuppen voll. Große Haufen Officiex- Bagage, Bibliotheken, Waffen, Munition, Uniformen u. s. w. Alles im bunten Haufen durcheinander. Auch große Massen seiner Damen-Garderobe unter der Officier-Bagage, was darauf schließen läßt, daß die Armee die demi-monde bei sich führte. Eben kommen preußische Eilenbahnbeamte, um den Dienst hier einzurichtrn. Wer unter den Kühnsten hätte wohl gedacht, daß wir so schnell in Frankreich zu Hause sein würden!"
Aus Metz wird officiell vom 9. August, Abends, gemeldet, daß bei allen unter den Befehl Bazaines gestellten Armeen kein weiteres Engagement stattgefunden hat.
Aus Metz wird von heute 10. August, Morgens 8 Uhr amtlich gemeldet: Napoleon hat die Cantonnements-Quartiere der Armee besucht. Seit den letzten 45 Stunden treffen Lebensrnittel und Artilleriematerial reichlich ein.
Berlin, 11. August. Von Karlsruhe den 10. August wird mitgetheilt, daß Straßburg zur Stunde von allen Seiten cernirt ist, und die Eisenbahnen, die von dort nach Hagenau, Paris und Lyon führen, von den deutschen Truppen occupirt sind. In der Festung soll sich nur ein Regiment Infanterie und Nationalgarden zur Besatzung befinden und die Verproviantirung äußerst schwach sein. Die gestrige Aufforderung des Generals Beyer zur Uebergabe wurde vom Commandanten abgewiefen. (W. T. B.)
Berlin, 6. Aug. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Das Central- Comitd der deutschen Vereine zur Pflege verwundeter und erkrankter Krieger ist durch einen Erlaß Sr. Maj. des Königs ermächtigt worden, sich mit Entwerfung eines Statuts einer deutschen Jnvaliden-Stiftung für deutsche Krieger, die während des jetzigen Krieges invalide werden, und für die Hinterbliebenen der in diesem Kriege gefallenen deutschen Krieger zu beschäftigen. Reiche Anerbie- tuhgen der in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika lebenden Deutschen bilden die Grundlage für die Mittel dieser wichtigen Stiftung und die Opferwilligkeit des deutschen Volkes stellt eine Vermehrung der Mittel für diesen Zweck in Aussicht.
Saarbrücken, 10. August, Mittags. Nach sicheren Nachrichten herrscht im Elsaß eine solche Furcht vor dem Ausbruch von Arbeiterunruhen, daß man an vielen Orten sogar die deutschen Truppen herbeiwünscht.
Paris, 10. August. Gesetzgebender Körper. Graf Palikao zeigt an, daß das neue Cabinet folgendermaßen zusammengesetzt ist: Palikao Krieg, Chev- raux Inneres, Magne Finanzen, Duvernois Handel, Nigar.lt de Genouillp Marine, Jerome David öffentliche Arbeiten, Latour d'Auvergne AenßereS, Grand- perret Justiz, Brame Unterricht, Bnsson-Billault Präsident des StaatSrathS.
Vermischtes.
Steinbach bei Gießen, 7. Aug. Der hiesige Gemeinde-Vorstand hat den 28 Soldaten aus hiesiger Gemeinde ein Geschenk von je fünf Gulden in's Feld nachgesandt.
Der Verein deutscher Patrioten in Liverpool, welcher sich bei dem ersten Aufschrei der Entrüstung über die von den Franzosen uns zugedachte Schmach gebildet hat, um die Wunden unserer Tapferen heilen und die Noth der zurückgebliebenen Familien lindern zu helfen, hat dem Comlt6 des Victoria-BazarS die Summe von 10,000 Thlr. mit der ausdrücklichen Bestimmung überweisen lassen, dieselbe gemäß seinem Programme für Leidende in ganz Deutschland zu verwenden.
Redactton. Druck und Verlag der Brübl'schen Unio -Druckerei (Fr. Cbr. Pietsch') in Gießen.


