Gott ist mit uns!
Gott ist mit uns! Zwar hat der Krieg begonnen, Geschlagen ist die erste blut'ge Schlacht;
Mein das Volk der Deutschen hat gewonnen Und manchem Feind den frühen Tod gebracht; Denn hatte dieser sich am Rhein zu sonnen Wohl auch in frechem Uebermuth gedacht: So läßt nicht Gott der Deutschen Recht erliegen, Er führt vielmehr ihr Heer von Sieg zu Siegen.
Der Erbfeind hat den Krieg vom Zaun gebrochen Aus bloßer Mißgunst und Erobrungssucht Und allem Fug und Rechte Hohn gesprochen, Run erntet er der Unthat böse Frucht;
Denn nicht bei Gott und Menschen ungerochen Bleibt dies sein Thun, so schnöd und so verrucht; Schon wanken seines Thrones morsche Stufen, Zum völl'gen Sturz fühlt Deutschland sich berufen. Doch laßt uns jetzt der theuern Todten denken, Mit deren Blute man den Sieg errang, Und theilnahmvolle Herzen denen schenken, Die jetzt schon trauern trotz dem Sicgesgang. Ach! viele Waisen, Wittwen, Aeltern senken Das Auge nieder, ahnungsvoll und bang: Sind ihnen durch des Krieges blutig Morden Die Stützen doch so schnell entrissen worden.
Der Deutsche reichet ja im Allgemeinen Dem Unbekannten selbst die Bruderhand; Allein noch lieber gibt er von dem Seinen Jetzt, wo es gilt das theure Vaterland, Zumal die hehrsten Gründe sich vereinen: Geweiht ist ja mit Blut das heil'ge Band. Drum laßt uns Opfer, dieser Eintracht wegen, Auf den Altar des Vaterlandes legen.
Ihr deutschen Männer, die die Mittel haben, Eilt den Verletzten kräftig beizusteh'n!
Ihr Frauen, sucht mit zarter Sorgfalt Gaben Dem Grund der stillen Thränen nachzugeh'n! Ja Alle laßt uns die mit Hülfe laben, Die bang der künft'gen Zeit entgegenseh'n: Dann wird der alte Gott zu Deutschlands Gauen Mit neuem Wohlgefallen niederschauen.
Dr. Jochem.
Aus blutiger Zeit.
Historische Novelle von Hermann Hirschfeld.
(Fortsetzung.)
Die Königin ergriff die Hand ihres Sohnes und behielt fie in der ihren, als sie sich neben Heinrich niederließ.
Höre mich an, mein Sohn, und billige die Gründe Deiner Mutter, die Dich liebt. Jene Vaudemont mußte vom Hofe verschwinden, weil sie gefährlich zu werden drohte, aber Dir ist sie unverloren?
Der König sprang auf.
Was sagen Sie? o, reden Sie, wo weilt Marguerite? wo kann ich sie finden?
Die Königin winkte abwehrend, den übergroßen Eifer ihres Sohnes zu beschwichtigen.
Ich mußte die Vaudemont entfernen, um ein gewisses, auf Dich bezügliches Gerücht zu bestärken. Ha, wie sie knirschen, die stolzen Guije, diese Montpensier, unter jenen Ketten der Schmach, die ich ihnen angelegt, wie sie sich beugen in ohnmächtigem Trotz und dennoch das Eisen nicht zu brechen vermögen! Laß sie verschwören, laß sie nur versuchen, meinen Bau zu untergraben. Mögen sie an den Säulen rütteln — mit ihrem eigenen Blute werde ich nur noch fester die Steine zusammenfügen! —
Aber Marguerite, drängte der König.
Und noch ein zweiter Grund, fuhr Catharina fort, fiößte mir Grund zur Besorgniß ein, sobald Marguerite ferner den Boden des Louvre betrat — Deine Liebe zu dem Mädchen. Sprich offen, Heinrich, ohne Hehl — wäre Deine Leidenschaft nicht im Stande, trotz Deines Widerwillens gegen die Bande der Ehe, Frankreichs Königskrone auf das Haupt Marguerite zu setzen, wenn das Mädchen es verlangte?
Der König schwieg eine Weile.
So weit ist es noch nicht, sagte er endlich ausweichend. Wahr ift es, ein nie gekanntes seliges Gefühl ergriff mich in Marguerite's Nähe Mir war's, als ob die schwere erstickende Luft des Hofes, die wie em Alp auf meiner Brust liegt, sich in leichten, reinen Aether verwandele, der ein neues, nie geahntes Gefühl in meine Seele gießt- Nur einmal empfand ich dasselbe
Politische
Gefühl; es war in jener Schreckensnacht, da Ihr, um meinen Widerspruch gegen die Ausführung des blutigsten aller Beschlüsse zu besiegen, mir jene Hugenottin erwarbt, die mich fast das Leben durch das Schwert ihres Verlobten, jenes elenden Secretärs Clement, kostete.
Marguerite de Vaudemont — oder vielmehr, ihrer zukünftigen Stellung würdiger, die Marquise Farville — ist bereit, Deinen Wünschen entgegenzukommen uiid Dich an dem Orte, wohin meine Fürsorge sie versetzt, zu empfangen, redete die Königin weiter, ohne den letzten Worten ihres Sohnes Aufmerksamkeit zu schenken, wenn Du Deine Einwilligung gibst, durch unfern Gesandten am königlichen Hofe zu Madrid Unterhandlungen anknüpfen zu lasten, deren Resultat Deine Bewerbung um die Hand Donna Jsabclla's, der Infantin Spaniens, sein wird, eines Landes, dessen Bündniß wir dringend bedürfen uiid das treu zu Frankreich hält in Sturm und Gefahr. Nur in diesem Falle bin ich ermächtigt, Dir den Aufenthalt Marguerite's zu nennen.
Es sei! rief der König fast vor Erwartung zitternd, ich verspreche, ich bewillige Alles, nur gebt mir Kunde, wo weilt Marguerite?
Die Marquise de Farville weilt in einem der Pavillons des königlichen Schlosses zu Mendon, entgegnete die Königin-Mutter. Aber noch ist es Dir verwehrt, sie wiederzuschen. Eine schwere Krankheit hielt Körper und Geist des Mädchens' seit langer Zeit gefesselt. Warten wir ihre Genesung ab.
Wollen Sie der sehnenden Liebe einen Zügel anlegen, wollen Sie den Sonnenwagen, den ewig dahin rollenden, in seinem Laufe-hemmen? ries der König. O, sprechen Sie, wann darf ich Marguerite wieder sehen?
Sobald die Präliminarien am Hofe Spaniens so weit eingeleitet, erwie- derte Catharina, daß Du nicht zurück kannst, ohne die Hand zu Deiner eigenen Schmach zu bieten. In vier Wochen steht Mendon Dir frei. Es ist dann die Zeit, in der man sich am Hofe mit Deiner Abreise beschäftigt; die Augen unserer Feinde, die jeden unserer Tritte bewachen, werdeii dann lässiger sein, und unbemerkt wirst Du in einer der vorhergehenden Nächte Dich aus dem Louvre entfernen können. Nach jener Nacht brauchen wir nicht mehr die Oeffcntlichkeit zu scheuen.
Vier Wochen noch des Zögerns! rief der König im Tone der Ungeduld. Kann ich diese Frist ertragen?
Du magst Dir unterdessen die Zeit mit Deinem Sänger vertreiben, erwiederte Catharina fast spottend, doch da sehe ich ihn und Pater Ignaz, fuhr sie fort, auf die beiden Gestalten weisend, die am Ende der Allee auf- tauchteu, sie mögen kommen. Mit diesen Worten gab sie den Männern einen Wink, heranzukommen. Pater Ignaz, sagte sie mit lauter Stimme, Se. Majestät ist willig, sich unseren Wünschen, den Wünschen seines Landes, gnädig zu fügen. Schreiben Sie dem Cadinal de Barius, unserem Gesandten am königlichen Hofe zu Madrid : Kein Opfer sei zu groß, um abermals die Krone Spaniens mit Frankreich in Liebe zu vereinen. Von diesem Augenblicke an betrachte sich mein königlicher Sohn als verlobt, Isabella von Spanien nennt sich Frankreichs Königin, und Eure schönsten Lieder, Troubadour, wandte sie sich an Raoul, feiern dieses glückliche Ereigniß.
Raoul verneigte sich schweigend. Keiner der Anwesenden ahnte, welch ein Vulkan in seinem Herzen tobte.
Während Heinrich ihn an sich heran winkte, trat die Königin-Mutter zu ihrem Secretär, sich mit ihm einige Schritte abseits entfernend.
Nun, fragte sie mit leiser Stimme, hast Du den Fremden erforscht? Ist die Angabe seiner Herkunft wahr, oder ist er eine Creatur unserer Feinde?
Letzteres nehme ich mit Bestimmtheit an, Majestät, erwiederte der Secretär, und dennoch scheint mir die Person jenes Troubadours ein Geheimniß. Lassen mir Ew. Majestät Zeit zur Prüfung, und bis ich das Räthsel gelöst, vergönnen Sie Ihrem Sohne die erheiternde Gegenwart des liebenswürdigen Jünglings.
Ein Page trat eben in den Garten, auf silbernem Teller der Königin ein versiegeltes Schreiben überreichend.
Catharina erbrach es, ihre Züge veränderten sich, als sie den Inhalt des Briefes überfiog.
Denken sich Ew. Majestät, rief sie, was man aus dem Hauptquartier des Generals Crillon meldet.
Jener Offizier, Raoul de Saverne, Widersetzlichkeit und der Rebellion halber zum Tode verurtheilt, dem unsere Gnade das Leben schenkte, ist mit Hülfe eines Mädchens entkommen und jede Spur von ihm verschwunden. Man vermuthet, daß sich der Flüchtige nach Holland begeben.
Die Königin reichte ihrem Sohne das Blatt und wandte ihren Blick auf Pater Ignaz, der seinerseits bei den ersten Zeilen den Fremden scharf beobachtet hatte. Raoul zitterte unter dem forschenden Auge des Secretärs, eine unwillkürliche Blässe färbte sein Antlitz, und dennoch suchte er seine Fassung zu bewahren.
Majestät, begann endlich der Secretär, wenn dem treuesten Ihrer Diener ein Wort vergönnt ist, so beschließen Sie nicht die Verfolgung des Flüchtigen, der sicher nimmer wieder seinen Fuß auf Frankreichs Boden setzen wird. Lassen Sie Ihre königliche Milde walten, vielleicht dankt Ihnen einst der Bereuende.
Die Königin verstand den Wink. Es sei, erwiederte sie, folgen Sie mir in mein Cabinet, Ignaz.
(Fortsetzung folgt.)_________________________
sr u n d § ch «r is.
11. August.
Der „KarlSr. Ztg." wird von Wien, 6. August, geschrieben: Eine omt- liche Bekanntmachung setzt eS heute nutzer Zweifel, daß die Verstärkung der Defensivftellung Oesterreichs in sehr umfassender Weise in Angriff genommen wird. Die Aufstellung von besondern „Befestigungs - Baudirectionen" in EnnS, dann in Olmütz, in Krakau und in Eperies zeigt die Positionen an, welche in erster Reihe in Betracht kommen, und die Ausschreibung von „bedeutenden Erdarbeiten, Felssprengungen und Holzlieferungen" deutet auf größere Fortificatio- nen. DaS Gerücht spricht übrigens sogar bereits von einer Befestigung Wiens, und zwar tritt dasselbe so bestimmt auf, daß dasselbe im Wiener Gemeinderath
sofort Gegenstand einer — vorläufig nicht beantworteten — Interpellation geworden ist.
Die zahlreichen in Petersburg lebenden Czechen haben ihren unlängst in einer Versammlung gefaßten Beschluß ausgeführt und sind in Folge der Annahme des päpstlichen JnfallibilitätS-Dogmas durch das römische Concil fast sämmtlich zur russisch-orthodoxen Kirche übergetreten. Die Convertiten haben zur Rechtfertigung ihres Schrittes eine Schrift veröffentlicht, aus der wir folgende Sätze hervorheben: „Die Päpste haben von jeher feindselig gehandelt gegen die czechische Rationalität, der sie wahre Stiefväter waren. Man braucht nur zu erinnern an die Stellung, welche Rom zur Zeit der hussitischen Bewegung und


