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(Forts, folgt.)

den jungen Mann zu richten.

einen auf hatte und

und schlank gewachsen, wohlpro- Natur mit feurigen Augen und

interessanten jungen Mann zu seine Unterhaltung beziehen, viel gelesen, schon große Rei- wußte von Allem lebhaft und

Er erschien im Aeußern als

portionirt in den Gesichtszügen, von der dunkelm Haar beschenkt, war er, was man nennen pflegt. Letzteres konnte sich auch Arolph sprach die neueren Sprachen fertig, scn im Auftrage seines Principals gemacht

Mann, was seinen Charakter betrifft, äußerst gutmüthig und gegen seine Gäste zuvorkommend. Jedes Zerwürsniß, bas an der Wirthstafel eintreten konnte, haßte er wie die Sünde und suchte die streitenden Personen stets mit bittenden Worten zu versöhnen

Herr Stiller war seit fünfundzwanzig Jahren verheirathet und hatte mit seiner Ehehälfte, die den romantischen Namen Sidonie in der Taufe erhalten, bereits die silberne Hochzeit gefeiert. Der Name paßt aber nicht immer zu der Person, die ihn besitzt. Madame Stiller hatte keine Spur von romantischem Wesen an sich. Im Gegcntheil: Sie war bezüglich der körperlichen Verhält­nisse fast eben so korpulent, wie ihr Mann, aber bei Weitem rühriger; denn sie überwachte ihr zahlreiches Hausgesinde, wie es einer wackeren Hausfrau und besonders der Gattin eines Hotelbesitzers geziemt. Die Tochter bürgerlicher, einfacher, aber wohlhabender Eltern, verstand sie sich vortrefflich auf dasMchen- wesen, hatte sich aber in ihrer Jugend nie recht mit der Grammatik befreunden können, unt) so vermochte sie im schlechten Deutsch wohl eine fließende, aber keineLwegs gebildete Unterhaltung zu führen.

Aber Niemand von den Gästen nahm es ihr übel, wenn sie, häufig an der table dhöte sitzend, mit dem Dativ und Accusativ in den Haaren lag und oft den aufwartenden Kellnern zuries:

Carl, August, Friedrich, daß Ihr mich schnell den Braten bringt!"

Man lächelte im Stillen über die unrichtige Sprache der guten Frau und ließ ihr zugleich die Gerechtigkeit widerfahren, daß ihre Tafel eine der besten

Art von Widerwillen vollbrachte.

Das eigentlich belebende Prinzip in der Wirthschaft, wie im ganzen Hause, zeigte sich in der Gestalt eines jungen zwanzigjährigen Mädchens, der Tochter eines armen Verwandten des Wirthes, Clara Werner, die Herr Stiller, nach- dem ihre beiden Eltern gestorben, vor drei Jahren aus Mitleid zu sich genom­men. Aber dieses Mitleid verwandelte sich bald in eine fast elterliche Zuneigung bei Stiller und Frau. Clara, deren Vater Sprachlehrer gewesen, besaß außer­gewöhnliche Bildung und vermochte sich mit den Gästen, die aus England, Frankreich und Italien nach Hamburg kamen und sich im HotelZum goldenen Stern" einlogirten, in ihrer Sprache gewandt zu unterhalten. Sie bildete gleichsam den Dolmetscher im Hause. Auch war sie mit den feinsten Nah- und Stickarbeiten vertraut und hatte sich schon im Hause ihrer Eltern eine gewisse Geschicklichkeit im Kochen erworben. Bei dem heiteren Temperament, dem kla­ren Verstände, dem flinken, thätigen Wesen, das ihr angeboren zu sein schien, warb sie in Bälde die schätzenöwertheste Hausmamscll, die jemals in einem Gasthofe convitionirt hatte. Sie war ein wahres Perpetuum mobile, die Erste des Morgens auf den Beinen und die Letzte, die sich des Abends zur Ruhe begab. Lachend und singend hüpfte sie die hohen Treppen hinauf und hinab, obgleich ihre Figur nur klein und ihre Beine eigentlich nur Beinchen zu nennen waren. Clara war nicht hübsch, aber aus ihren unregelmäßigen Zügen blickte Herzensgüte, verbunden mit gutmüthiger Schelmerei hervor, und ihre grauen Augen, womit sie oft die Leute andlickte, als wollte sie ihnen auf den Grund der Seele schauen, verriethen mehr als gewöhnliche Klugheit. Clara, oder Clarchen, wie sie gerufen wurde, war nicht nur die Vertraute der Herrschaft, sondern auch des ganzen Dienstpersonals. Für Alles wußte sie Rath und Hülfe. Kurz, sie war die Seele des Hotellebenö, und wir wissen ihr Verdienst nicht genauer zu bezeichnen, als wenn wir einen Lobspruch aus dem Munde der Madame Stiller über sie anführen. Diese pflegte fast täglich in Bezug auf Clärchen auszurufen:

Das Mädchen hat mich der liebe Gott zum Segen in's Haus geschickt, und ich glaube, wenn ich ihr wieder misten müßte, ich wüßte nicht mehr, was ich anfangen sollte!

Ebenso dachten über Clara Herr Stiller, seine Söhne, alle Kellner und Hausmädchen. Kurz, die kleine flinke und kluge Hausmamsell war der Liebling Aller, zu größerem Thesle auch der Gäste und Bewohner des Hütels.

Wenn dem Charakter des muntern, flinken ClärchenS etwas vorzuwerfen, so war es eine Art von Neugier, die Verhältnisse der Personen kennen zu ler­nen, die zeitweise in dem Hotel wohnten.

Vielleicht war eS aber auch das Streben, Menschenkenntniß zu gewinnen, das besonders geistig begabten Geschöpfen angeboren ist.

Indessen können wir behaupten, daß sie, wenn cs ihr gelang, einen Blick in das Leben der Familie, oder in das einzeln dastehender Personen zu thun, niemals mißbrauchte, was sich ihr offenbarte.

Clärchen nahm Interesse an sämmtlichen festen Bewohnern des Hütels. Am meisten aber interessirte sie sich für den blassen jungen Mann, Herrn Sander, der im vierten Stocke das schlechteste Zimmer bewohnte.

Sie begegnete ihm oft, wenn er Morgens das Haus verließ, und ebenso, wenn er am Abend zurückkehrte.

Clara konnte dann nicht umhin, einen Blick der innigsten Theilnahme auf

mit Geist zu erzählen.

Konrad zählte noch nicht zwanzig Jahre. . . ..

vollkommenes Gegcntheil seines Bruders. Er war klein und schmächtig gebaut, hatte blondes, in'S Röthliche spielendes Haar und viele Sommersprossen in dem blassen Teint seines keineswegs hübschen Gesichts. Auf den Wunsch des Vaters hatte er kein Geschäft gelernt, sondern war in dem Hotel als eine Art Oberkellner verblieben, der in der Wirthschaft thätig sein und die Bücher füh­ren mußte. Er sollte einst der Nachfolger seines Vaters werden und in den Besitz deS Hotels gelangen. Sehr geeignet'schien er indessen nicht zur Wirth- schalt zu sein; denn er war über alle Maßen wortfaul und im Wesen träume­risch unt) träge, ohne deshalb seine im Hause übernommenen Pflichten zu ver­nachlässigen. Nur daß man ihm ansah, daß er Alles, was er that, mit einer

in ganz Hamburg sei.

Aus der glücklichen Ehe, welche Herr und Madame Stiller führten, waren zwei Söhne, Adolph und Konrad, hervorgegangen. Der ältere, Adolph, war bereits vierundzwanzig Jahre. Er bekleidete eine Stelle als Commis in einem hiesigen großen Handlungshause. Hoch

Die Grhrimnisse einer jungen Mamsell.

D i e Ga st hof-Bewohner.

(Fortsetzung.)

Herr Wiesel gewann deßhalb zu seinem Wuchergeschäfte ein paar schlaue Unterhändler, die ihm gegen einen beträchtlichen Gewinnantheil in dem Geschäft der moralischen Halsabschneiverei dienten. Um den äußern Anstand zu bewahren, zog er, nachdem er sein eigenes Haus vortheilhaft vermiethet, in das Hütet, wo er, da sein Zimmer nach hinten hinauslag, und er nicht an der table d hole , ungewöhnlich billig lebte. Von hier aus leitete er sein Geschäft im Stillen, das mit jedem Jahr mehr florirte.

Auf demselben Gange hörte man, wenn man an der Thure des Zimmers Nr. 40 in den Morgenstunden vorbeiging, von einer weiblichen Stimme Scala ' singen und am Clavier Opern-Arien probiren.

Diese Stimme, welche indessen weder besonderen "Woblklang noch großen Umfang besaß, gehörte einem Fräulein Florini an, die seit einem Jahre beim ' hiesigen Stadttheater den Platz einer zweiten Sängerin ausfüllte.

Nach dem Namen zu schließen, mußte sie unter dem heiteren Himmel des schönen Italiens das Licht der Welt erblickt haben, oder auch von italienischen Eltern abstammen.

Dem war aber nicht so.

Fräulein Amanda Florini war aus dem Lande gebürtig, wo, nach dem i Sprichworte des Volkes, die hübschen Mädchen auf den Bäumen wachsen. Die vierundzwanzigjährige Sängerin war in irgend einer kleinen sächsischen Stadt geboren. Ihr Dialekt ließ sie ihr Geburtsland nicht verläugnen. Noch mehr aber trat die sächsische singende Redeweise bei der mit ihr zusammenlebenven alten Dame hervor, welche von ihr Tante genannt wurde. Diese würdige Frau, die Tugendwächterin des mit äußerlicher Schönheit begabten Mädchens, betheuerte aber Jedem, der es hören wollte, daß ihre Nichte eine geborene Nea- politanerin, aber mit ihrem seligen Vater, einem berühmten Musiker, früh nach Deutschland gekommen sei und so in der Königsstadt Dresden, wo sie lange mit ihm gelebt, das Italienische verlernt habe. <

In der bescheidenen Stellung, welche Fräulein Florini bei der hiesigen Bühne einnahm, konnte sie kein großes Gehalt beziehen. Sie mußte also an« geerbtes Vermögen besitzen, oder die Tante eine reiche Frau sein. Das Letztere wurde nun von Madame Dunst behauptet. Dieselbe prahlte an der table dhote täglich mit ihrem Reichthum und vertraute den anwesenden Gästen, daß die glänzende Garderobe und der kostbare Brillantschmuck, den ihre Nichte be­säße, Geschenke ihrer mütterlichen Zuneigung zu der Nichte wären, und daß sie als ehrbare Frau niemals dulden würde, daß Amanda von irgend einem Ver­ehrer ihrer Kunst, oder ihrer Schönheit, wie sie lächelnd hinzufügte, ein werth- volles Cadeau annehme.

Wir haben oben Madame Dunst eine Tugendwächterin genannt, und dem Anscheine nach war sie es auch. Keiner der jungen reichen Pflastertreter, welche vorzugsweise die nähere Bekanntschaft hübscher Theatervamen suchen und solche als leicht zy gewinnende Prisen betrachten, durfte die Zimmer ihrer Nichte be­treten. Sie wurden von der kleinen korpulenten Tante schon vor der Thüre mit den Worten abgespeis't:

Fräulein Florini, meine Nichte, ist damit beschäftigt, ihre Gesangrollen zu studiren. Auch thut sie (eene Besuche nid) von jungen Herren annehmen. Wenn dieselben neugierig sein, sie zu sehen, so mögen Sie die Kite haben, in's Theater zu kehen, hier thut nicht der Ort dazu sein." Wie gesagt, jeder junge Dandy, selbst die Söhne hiesiger Millionärs, mußten an den Pforten des Hel- ligthums, das die beiden Damen bewohnten, unverrichteter Sache wieder umkehren. , v .

Anders freilich stand es, wenn sich mitunter em alter reicher Herr tn den Abenden, wo Fräulein Florini nicht im Theater beschäftigt war, anmeldcn ließ. Da Madame Dunst behauptete, daß alte würdige Herrn dem Rufe ihrer Nachte keine Gefahr bringen konnten, so wurde solcher Kunst-Mäcen höflichst angenom­men, und wenn derselbe auch bis Mitternacht in der Gesellschaft der Frauen blieb, die Abendmahlzeit mit ihnen theilte und Champagner servlren liefe, so geschah das doch, wie Madame Dunst sagte, in allen Ehren. Bei einem grauköpfigen Millionär konnte man ja auch keine tadelnswerthe Absichten vermuthen. . A

Der letzte Gast, dessen wir nothwendig erwähnen müssen, hatte em nein es Zimmer im vierten Stocke im Besitze. Es war e n junger Mann von circa vierundzwanzig Jahren mit bleichen aber regelmäßigen Zügen, dunkeln Augen und braunem lockigtem Haare. Er ging sauber und einfach gekleidet. Er war I ein acborner Hamburger, Namens Sander, der aber schon früh seine Eltern durch den Tod verloren hatte und allein in der Welt stand. Er verliefe Mor­gens um neun Uhr das Haus und kehrte Abends um dieselbe Stunde in s Hütei rurü.ck. Besuche empfing er nie. Womit er sein Leben fristete, wußte Niemand, aber er bezahlte pünktlich seine Miethe und so kümmerte man sich nicht darum.

Der Leser hat nun diejenigen Gäste des HotelsZum goldenen Stern kennen gelernt, die in unserer Erzählung handelnd und leidend hervortreten werden. Im nächsten Kapitel werden wir ihn mit dem Wirthe, dessen Familie und vor Allem mit der Person bekannt machen, nach der die Novelle den Titel: Die Geheimnisse einer jungen Mamsell" erhalten hat.

Die Familie deS Wirthes und die HauSmamsel.

Wer Gelegenheit hat, viele Gasthöfe in allen Zonen der Erde zu besuchen, der wird bemerkt haben, daß die Mehrzahl der Wirthe einen gesegneten LeibeS-

Die Natur trägt daran wohl keine Schuld, denn nur selten w^d ein Mensch als ein Wunderkind geboren, das im ersten Monate schon ein Gewicht von fünfzig Pfund erreicht, sondern das leckere, bequeme Leben, das diese Her­ren führen, nnd die wenige Bewegung, die sie sich als Fußgänger machen.

Der WirthZum goldenen Stern«, Herr August Stiller, der zu den reichsten Hütelbesitzern in Hamburg zählte, war im Aeußern dem ästigen Nittcr John Fallstaff ähnlich, wie Shakespeare ihn uns so humoristisch geschildert hat. Herr Stiller trug einen Bauch zur Schau, der seinen kleinen, tn feer des Gesichts versteckten Augen nur mit Mühe gestattete, einen BUck auf die Träger des kolossalen Leibes zu werfen. Im Uebrigen war der fünfzigjahrlge