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Oberst, zugleich Vice-Chef des Stabes, bemerkte ernst, daß Feuersteinschlösser besser seien, als gar Nichts, aber die Leute waren anderer Ansicht, und ihnen stimmte General Frappoli bei. Als jedoch auch er seiner Meinung keinen Eingang verschaffen konnte, blieb nichts übrig, als das Diner fortzusetzen. Es dauerte nicht lange, so trat ein Capitän herein.Colonello (so sagte er), die Leute vom zweiten Bataillon sind bereit, selbst mit diesen Gewehren auf Vorposten zu ziehen, aber geben sie uns Zündhütchen, die dazu passen."Ah, das ist zuviel", sagte Oberst Bordone,ich selbst habe sieben versucht, und sie gingen alle los " Dann versuchen Sie diese einmal", und eine Hand voll wurde vor dem Obersten auf den Tisch gelegt, aber keines von ihnen war auf den Piston zu kriegen. Gehen Sie nach der Cavalleriecaserne und sehen Sie, was Sie da bekommey können." Der Capitän ging und kam nach einiger Zeit zurück.Nichts zu be­kommen, Colonello. Das Einzige, was nun zu thun übrig bleibt, ist, alle Minis- Gewehre in der Stadt durch Requisition aufzutreiben. Es sind ihrer etwa achtzig da; mit diesen wollen wir gehen." Und so geschah es denn schließlich.

Es bestätigt sich vollständig, daß die Mitglieder der Regierung, welche am 31. October in die Hände der Insurgenten gefallen waren, arg mißhandelt wur­den. Man hat dieselben an Stühle festgebunden. Auf Jules Favre wurde auch geschossen, die Kugel ging aber fehl. Unter den Personen, welche verhaftet wurden, befindet sich auch Jules Vales, welcher sich einer Mairie bemächtigen wollte. Es ist derselbe Jules Vales, welcher für die allgemeinen Wahlen von 1869 10,000 Franken von der Regierung erhielt, um gegen die Candidatur des Herrn Thiers zu wirken. lieber die Befreiung des Generals Trochu vernimmt man folgende Einzelheiten: Das 106. Bataillon, das diese auSsührte, kam um 6 Uhr auf dem Hotel de Ville an; ohne einen Augenblick zu warten, marschirte es unter Trommelschlag die große Treppe hinauf und fiel in den Saal ein, in welchem sich die Plänkler von Tibaldi und Flourens befanden, welche die Weisung hatten, Niemanden einzulassen. Das 106. Bataillon störte sich aber nicht an die letzteren, drang in den Saal ein und pflanzte seine Fahne auf den Tisch auf, um welchen herum sich die Mitglieder der neuen Regierung, so wie auch die fest- gehaltenen Mitglieder der provisorischen befanden. Flourens stand auf dem Tische und hielt eine Anrede an seine Collegen. Unter den Plänklern sprach man da­von, Trochu zu erschießen, um zu verhindern, daß er durchgehe. Zu gleicher Zeit kamen zwei Bataillone, Anhänger derCommune", auf dem Platze des Hotel de Ville an und forderten bas 106. auf, sich zurückzuziehen. Der Commandant des letzteren, der davon in Kenntniß gesetzt wurde, rief nun aus:Nehmen wir Trochu mit uns!" Sofort trat ein Mann aus dem Bataillon hervor und riß den General von seinem Stuhl weg, nahm ihn in seine Arme und trug ihn nach der Thür zu. Seine Kameraden folgten ihm. Die Belleviller riefen:Schließt die Thüren!" aber die 106. walzten sich mit Ungestüm die Treppe hinab, und es war unmöglich, sie aufzuhalten. Sie hatten außerdem zwei andere Mitglieder der provisorischen Mitglieder in ihre Mitte genommen. Die Belleviller, welche die Mütze des Generals erblickten/ legten auf dieselbe an. Sie verschwand aber plötzlich, und Flourens gab seinen Leuten Befehl, nicht zu schießen. Das Ver­schwinden der Mütze des Generals ist dadurch zu erklären, daß die Nationalgarden sie dem General abnahmen und ihm den Czako eines Nationalgardisten aufsetzten. Inzwischen schrie man immer:Schließt die Thüren!" aber die Belleviller, welche sich auf dem Platze befanden, und die Rufe nicht verstehen konnten, glaubten, daß das 106. Bataillon nur einfach abzöge und ließen es durch. Man holte einen Fiaker und Trochu fuhr sofort nach dem Louvre, wo seine Amtswohnung ist. Jules Favre, eines der befreiten Regierungs-Mitglieder, blieb bei den 106ern, die ihn nach der Wohnung des Generals brachten. Die Rolle, welche Rochefort an dem Tage spielte, war keine besonders glänzende. Als derselbe im Thronsaale erschien, wurde er mit den Rufen:Es lebe Rochefort!"Nieder mit Rochefort!" empfangen. Er bestieg einen Tisch und wollte sprechen. Er sah sehr bleich aus, schien sehr bewegt zu sein und brachte nur folgende Phrasen heraus:Bürger! Die in diesem Augenblicke versammelte Regierung der nationalen Vertheidigung beräth über die Frage Betreffs der Ernennung der CommuneKeine Berathung" so heulte bann die Mengekeine Wahlen! Die Commune! Die Commune! Ihre sofortige Acclamation durch die hier versammelten Bürger." Nieder mit Rochefort!" Ein Zuhörer springt auf den Tisch, erfaßt Rochefort um den Leib, und der Vorstand muß zu seinem Schutz eintreten. Neue Rufe ertönen:Nieder mit Rochefort! Sie sind Mitglied der Regierung; wir wollen Sie nicht mehr, weder Sie, noch die Anderen. Nieder mit den Schläfern! Es lebe die Commune! Es lebe das Volk!" Es wird nun etwas ruhiger, und Rochefort ergreift von Neuem das Wort:Ich bin, wie ihr, vom Volk."Gehe zum Teufel!" (Rochefort hat bekanntlich den Grafentitel.)Wie ihr, bin ich ein Pariser Kind."Du bist ein Aristokrat! Nieder mit Rochefort!"Wie ihr, will ich die Commune, und heute Abend wirb ein Anschlagzettel der Regierung den Tag der Wahlen festsetzen."Keine Wahlen! Keine Wahlen!" Der Lärm nimmt zu, aber Rochefort bleibt fest:Vier fremde Mächte haben dem Bürger Thiers angeboten, mit dem Feinde in Unterhandlung zu treten, um einen Waffen­stillstand zu erhalten." Neuer, furchtbarer Lärm.Keinen Waffenstillstand! Alle gegen den Feind! Nieder mit Thiers! Nieder mit den Schlafmützen!" Nochmals gelingt es Rochefort, sich Gehör zu verschaffen.Ich kenne keineswegs den

Bürger Thiers, und will ihn nicht kennen. Es ist mir unbekannt, ob die Ne­gierung ihn mit einer Mission betraut hat, oder er es über sich genommen hat,

zu tnteroeniren." Hier war es für Rochefort unmöglich, weiter zu sprechen. Das Geschrei wird immer furchtbarer:Nieder mit ThierS; man muß ihn verhaften! Man muß ihn aufhängen!" Rochefort giebt es auf, weitere Versuche zu machen, um sich Gehör zu verschaffen, und verschwindet. So diese Scene. Die Insur­genten bewiesen im Ganzen wenig Muth. (K. Z.)

Man schreibt der K. Z. aus London: Die letzte Sendung australischer Zeitungen, welche die Post hieher brachte, ist mit bedeutender Heiterkeit empfangen worden. Es ist aus dem Inhalt derselben nämlich ersichtlich, daß die Colonisten von Victoria beim Ausbruche des jetzigen Krieges ohne Weitere« den Schluß machten, baß England auch in denselben verwickelt werben müsse und daß somit auch ihren Küsten ber fremde Dränger leicht einen Besuch machen könne. Für den Fall wird man Ihrer britischen Majestät Untertanen in Victoria wenigstens vorbereitet finden, denn die zeitige Warnung ist nicht in den Wind geschlagen worden. Der letzte englische Soldat war aus Victoria abgezogen, ehe die Nach- richt vom Ausbruche der Feindseligkeiten anlangte, aber die Colonisten dachten: Selbst ist der Mann", und taten sofort die nötigen Schritte, um die Strand- batterieen in Hodsons Bay in VertheidigungSzustand zu setzen. Gleichzeitig schickte man sich an, ein permanentes Artillerie-Corps aus gedienten Leuten zu bilden und die Freiwilligen, im Ganzen gegen 4000 Mann, zu Miliztruppen umzuformen. Ueberdies fing die Marinebrigade alsbald an, mit der größten Rührigkeit an

Bord des Uebungsschiffe« Nelson sich auf blutige Kämpfe zu rüsten und die aus diesem einen Fahrzeuge bestehende Seemacht der Colonie zu großen Thaten her- zurichten.

Kriegsnachrichten.

* Alt-Breisach, 10. Nov. Neu-Breisach hat die weiße Fahne aufgezogen und da« Feuer eingestellt. (F. I.)

Tours, 6. Nov. IuleS Favre erließ ein Circularschreiben an die französi­schen Gesandten im Auslande bezüglich des Scheiterns Der Verhandlungen über den Waffenstillstand. Das Rundschreiben geht davon aus, daß Preußen vorgebe, zur Fortsetzung des Krieges gezwungen zu sein durch die Weigerung Frankreich«, zwei Provinzen abzutrcten, von welcher Weigerung Frankreich weder abgehen könne, noch wolle. IuleS Favre führt alsdann aus, daß Preußen einen Waffen­stillstand von fünfunbzwanzigtägiger Dauer und die Wühlen, obwohl mit Beschrän­kungen für den Elsaß und Lothringen, zugegeben, die Verproviantirung von Pari« aber zuruckgewiesen habe. Daran seien Die Verhandlungen gescheitert, Denn der Waffenstillstand ohne die Verproviantirung sei die Herbeiführung der Capitulation innerhalb Der bestimmten Zeit. Hierdurch sei auch das Zusammentreten Der Na­tionalversammlung vereitelt worDen. Europa werDe Diese Politik in richtiger Weise würdigen. Wir haben alles Mögliche gethan, um als Männcr von Ehre dem Kampfe Einhalt zu thun, doch jeder Ausweg ist verlegt, nur unseren Muth haben wir jetzt noch zu Rathe zu ziehen, indem wir Die Verantwortlichkeit für weiteres Blutvergießen auf Die werfen, welche systematisch jeDe TranSaction ver- hinDern. Die Note ruft Die neutralen Mächte zu Zeugen gegen jene inhumane Politik auf; sie hebt schließlich hervor, Daß Die Regierung Alles thue zur Herbei­führung eines würdigen Friedens, aber ihr seien Die Mittel genommen, um Frank­reich zu Rathe zu ziehen. Die Regierung habe inzwischen Paris befragt und Die ganze Stadt habe sich in Waffen erhoben, um zu zeigen, was ein Volk vermag, das für feine Unabhängigkeit kämpft.

Bern, 9. Nov. Wie DerBunD" meldet, hat Garibaldi sich mit Den Franctireurs überworfen.

/ Altbreisach, 8. Nov. Heute Vormittag hat die DeSarmirung der schweren Batterien nördlich von der Stadt am Rheindamm (60-Pf.-Mörser, 24» und 12- Pf.-Kanonen) begonnen. Die leichte Batterie vom Schloßberg befindet sich bereit» in Der UnterstaDt. 9. Nov., Nachm. 5 Uhr. General v. Schmeling ist hier. Er sprach soeben unserer braven baDischen Artillerie seinen Dank und seine Aner­kennung für ihre Leistungen gegenüber Fort Mortier aus. Er freue sich, sie zu begrüßen. (Karlsr. Z.)

Der General Cosfiniöres de Nordeck, Der währenD Der Belagerung von Metz Den Oberbefehl in Der Festung führte, richtet folgenDes Schreiben an die Independance Beige:

Hamburg, 6. November 1870.

Herr Redakteur! Ich wurde sehr peinlich überrascht, als ich bet meiner Ankunft in Hamburg in einem so ernsthaften Journal, wie Independance Beige, böswillige und vollständig irrige Anklagen las, welche gegen mich gerichtet sind. Jedes Mai, wenn ich berufen wurde, meine Ansicht auszusprechen, behauptete ich fest: daß der Platz Metz von Denen Der Rheinarmee verschieDene Interessen habe, und Daß eine jeDe politische Nebensorge beseitigt werden müsse, um nur an Die Nothwendigkeiten Der VertheiDigung zu Denken. Nach langen und sehr belebten Diskussionen, in welchen ich Der Einzige meiner Ansicht war, und nachdem ich zwei Mal meine Entlassung eingereicht, beugte ich mich nur vor Der entgegenge­setzten Meinung, welche im KriegSrathe Die OberhanD gewonnen, vor der voll- stänDigen Erschöpfung unserer Nahrungsmittel und besonders vor Dem förmlichen Befehl des Oberbefehlshabers. Was Den Proviant anbelangt, so genügt es, um zu beweisen, daß er ausreichend war, zu sagen, daß Der Platz Metz, welcher in normalem Zustande eine Bevölkerung von 90100,000 Seelen, die Garnison mit einbegriffen, enthalten sollte, 240,000 Mann während 21/2 Monat ernähren konnte. Ich bin sicher, später und bis zur Evidenz darzuthun, Daß ich auf loyale Weise meine Pflicht als SolDat und Bürger erfüllt habe; einstweilen bitte ich Sie, jede perfide Insinuation bei Seite zu lassen und mein Schreiben in eine Ihrer nächsten Nummern einzurücken.

Genehmigen Sie rc. General CoffiniöreS De NorDeck.

Der CorrefponDent DerInDepenDance" in Metz bringt nachfolgend Einzel­heiten über die letzten Momente Der Rheinarmee in Der Festung:

Von zehn Uhr früh an sah map von der EsplanaDe Durch Den strömenden Regen Die Deutschen herankommen, Deren schwarze Schatten nach und nach au« Dem Nebel hervortraten, um Dann in Den Forts St. Quentin, Queulen, Saint- Julien unD Plappeville zu verschwinden. In Metz harrte Die Armee, schon ohne Waffen, auf ihre Bestimmung; aus Anlaß Der gewollten Erschöpfung, in Die unsere brave Armee verfallen ist, schlenDerten Die Soldaten unter Den Fenstern auf und ab, entlang Den hungrigen, trügerischen Mauern, unD Die Fenster wurDen ihnen zu Tischen Der Reichen unD alle Hände spendeten Brod diesen armen La­zarus. Was ist schmerzlicher, als der Anblick Dieser kräftigen Gestalten, Dieser SolDaten, welche selbst es offen aussprechen, Daß sie verrachen seien, welche meinen, wenn sie Den Sieger in Die StaDt einziehen sehen, welche 160,000 Mann nicht haben beschützen, vertheiDigen können! Die sichere Folge Dieser traurigen Noth- wendigkeit war Insubordination, unD in ihrem Mißvergnügen, in ihrem erhabenen Patriotismus ließen sie sich hinreißen, Das Betragen ihrer Führer zu kritisiren und Dieselben zum ersten Male zu verachten, Die unfähig, ihre Truppen zu einer besseren Bestimmung zu führen! Die Zuaven besonDers zeigten offenen Wider- ftand. Schon am VorabenD hatten sie ihre Fahne zerrissen, Damit Jeder ein ge­heiligtes Stück des theuren Banners besäße. Vier Officiere, ganz junge Leute, Söhne Der Truppe, hatten sich Dem General GirauD vorgestellt:General, wir wollen Die Fahne retten!"Meine Kinder, es ist Befehl Des Marschalls, sie in» Arsenal abzuliefern."Nein, lieber zerreißen wir sic unD theilen uns in ihre Fetzen." Und heute früh noch empfing General GirauD seine Ernennung zum BrigaDegeneral. Aber er ist auch Schwager Des verstorbenen Herrn Troplong. In allen Regimentern war übrigens Diese Liebe zur Fahne Veranlassung zu rüh- renDen Scenen. Der Oberst vom 84. Regiment machte Dem Oberbefehlshaber seine Aufwartung; Dieser weigerte sich anfangs, ihn zu empfangen, enDlich mußte er ihn aber Doch vorlassen. Der Oberst zeigte seinen festen Entschluß an, seine Fahne nicht ausliefern zu wollen.Es ist dennoch nöthig," antwortete Bazaine, sie in Das Arsenal abzuliefern."Niemals! ich und mein Fahnenträger werden uns unter ihren Falten tbDten." Die GarDeartillerie bringt ihre Fahne zum Arsenal und fordert zugleich, daß man sie auf Der Stelle verbrenne.Alles zu (einer Zeit!" sagt man.Sofort und vor unseren Augen!"Nein, Alles zu