bei dieser Gelegenheit Prinz Arthur, der kurz darauf in seine Garnison nach Woolwich zurückkehrte, das Geleit.
Die „Wjeb. mo-k." will aus sicherer Quelle wissen, daß Paris in wenigen Lagen ohne Schwertstreich in die Hände der Deutschen gelangen werde. Das Blatt findet darin, daß König Wilhelm die Stadt mit einem Bombardement verschont habe, allerdings ein Verdienst, läßt aber deutlich genug merken, einen wie großen Antheil an diesem Verdienst man dem Kaiser Alexander zuerkennen müsse, der wegen Schonung der Stadt beim König von Preußen sich besonders verwendet habe, ohne jedoch irgend vermittelnd eingetreten zu sein. 3nvem die „Wjeo." diesen Derdienstantheil Rußlands an der Erhaltung der französischen Hauptstadt ans Licht zu ziehen sucht, fügt sie gleichzeitig die Bemerkung hinzu, daß Frankreich einen solchen indirekten Dienst von Seiten Rußlands nicht verdiene, die Humanität des Kaisers aber über solche Rücksichten hinwegsehe.
KriegSnachrichten.
Eine Depesche aus Tours vom 5. November meldet: „Die Preußen stehen zwischen Orleans und Beaugencp. Der Herzog von Lupnes wurde im gestrigen Kampfe -etödtet."
Die neuesten Briefe aus Tours melden: .Die arabische Cavallerie, die an den Gefechte« vor Orleans Theil nahm und sich gut schlug, schnitt den Todten und Verwundeten die Köpfe ab und brachte sie als Trophäen in das verschanzte Lager von Orleans zurück. Mehrere derselben waren im Besitz von fünf bis sechs Todtenköpfen." (K. Z.)
Garibaldi ließ am 28. November folgende Depesche abgehen: An meine liebe Tochter, Frau Teresita Garibaldi Canzio.
Autun, 28. Nov., 9 Uhr 40 Min.
Gestern, 2 Uhr Nachmittags, griff der Feind unsere Stellungen bei Lan. tenoy an. Er wurde von dem ganzen Plateau verjagt und bis Dijon verfolgt. Wir haben Abends 8 Uhr einen Sturm auf Dijon gemacht und zogen uns zurück, da die feindlichen Streitkräfte zu bedeutend waren. Wir sind alle in bester Gesundheit.
Amiens, 5. Dec. Bei näherer Durchsuchung der ausgedehnten Gefechtsfelder, auf denen am 27. und 28. November vor Amiens gekämpft wurde, sind jetzt noch 9 Geschütze und über 600 Gewehre gefunden worden, welche die Franzosen bei ihrem eiligen Rückzüge, Der zuletzt in eine unordentliche Flucht ausartete, zurückgelaffen haben. Unsere Caoallerie-Patrouillen bringen noch täglich viele französische Gefangene, die sich in der Umgegend versteckt gehalten haben, ein. Diele Mobilgardisten stellen sich freiwillig, liefern die Waffen ab und bitten, daß man sie nach Hause gehen lasse, da sie nicht mehr gegen uns kämpfen wollen. Nur die Furcht, in Gefangenschaft zu gerathen treibt viele Mobilgardisten jetzt noch zum Kampfe, und ich bin überzeugt, würde man bekannt machen, baß alle Mobilgardlsten, welche sich freiwillig jetzt bei uns stellten und die Waffen ablie- ferten, nach ihrer Heimath zurückkehren dürften, so würden dies Tausende benutzen, so überdrüssig ist die französische Landbevölkerung jetzt des Krieges. — Unter den bei Amiens gefangenen Feinden sollen sich einige Dutzend desertirte belgische Sol- daten und Unterosficiere befinden. Man wird solche wohl an Belgien abliefern.
Telegraphische Depeschen.
A Frankfurt, 9. Dec. Die „Frankfurter Nachrichten" bringen Folgendes : „Wie verlautet, wird nach Feststellung des neuen Reichsverbandes mit „Kai- fer und Reich" im Reichstage der Antrag gestellt werden, Frankfurt am Main zur Reichsstadt und zum Sitz der Bundesbehördc zu ernennen. Sowohl die historische Erinnerung, als die Lage mitten im Centralpunkte des Reiches, sprechen dafür. Auch die Krönung des Kaisers dürste hier int altehrwürdigen Kaiserbome stattfinden und Frankfurt somit wieder Tage historischen Glanzes erleben.
4- Berlin, 9. Dec. Sitzung des Reichstages. Präsident Simson theilt ein Schreiben, welches vom Bundeskanzler eingegangen ist, mit. Nach demselben hat der Bundesrath tm Einverständniß mit den süddeutschen Staaten beschlossen, überall statt „deutschen Bund", „deutsches Reich" in der Verfassung zu setzen. Ferner den Artikel 11 Der Verfassung des Deutschen Reiches zu fassen: „Das Bundespräsidium steht Dem Könige von Preußen zu, Der den Namen „Deutscher Kaiser" führt. (Lebhafter Beifall.)
4- Berlin, 9. Dec. Am 14, 15. und 16. Dec. finden in London und hier die Zeichnungen auf die neue Bundesanleihe statt; in London im Betrage von 3 Millionen, hier im Betrage von 4^/, Millionen Pfund. Die Wahl zwischen Pfund- und Thalerstücken ist freigestellt. Der Sudscriptionspreis ist hier auf 951/4 festgesetzt.
A Lille, 7. Dec. Alle Verbindungen zwischen Havre und dem übrigen Frankreich sind unterbrochen. — Man signalisirt ein Treffen bei Warcy (Aisne.)
A Tours, 7. Dec., 11 Uhx Nachts. Der General Ballieres führt das Commando des Centrums der Loirearmee; ein neuer Obercommandanl ist noch nicht ernannt.
A Orleans, 8. Dec. Dem von Gambetta abgesandten Parlamentär, Der einen Waffenstillstand zum Zwecke Der Einberufung einer Constituante erbat, wurde freies Geleit nach Vfrsaillcs ohne Unterbrechung Der FeinDseligkeiten ange- boten. Der Parlamentär reiste nach Tours zurück.
A Brüssel, 9. Dec. Eine am 6. Dec. in Havre an Der Börse angeschla- gene Proclamation, von dem CommanDanten, dem SouSpräfecten und Dem Maire unterzeichnet, fordert zum Kampfe auf'S Aeußerste auf, um das reiche und brave
Havre vor Plünderung und Erniederung zu bewahren. Die Preußen waren noch 20 Kilometer von der Stadt entfernt.
A Amsterdam, 9. Dec. Das „Handelsblad" veröffentlicht die Worte der Notifikation des Grafen Bismarck. Sie lauten: „Da Luxemburg trotz mehrfacher ihm von französischer Seite zugefügten Gebietsverletzungen niemals dagegen pro- testirt habe, betrachte sich Preußen an diese Neutralität gleichfalls nicht mehr gebunden."
Officielle militärische Nachrichten.
Versailles, 9. Dec. Der Königin Augusta in Berlin. Großherzog von Mecklenburg hatte gestern und vorgestern vor Beau- gency ernste Gefechte mit dem verstärkten Reste der Loirearmee aus Tours, die siegreich bekämpft und die Stadt besetzt wurden, dabei 1500 Gefangene und 6 Geschütze. Eben vergleichen Reste verfolgt die 2. Armee in geringerer Stärke auf der Straße nach Bourges.
Wilhelm.
Versailles, 9. Dec. Nach dem siegreichen Gefechte am 7. Dec. setzte die 17. und 22. Division mit dem 1. bayerischen Corps am 8. den Vormarsch gegen Beaugency fort. Der Feind entwickelte zwischen diesem Orte und dem Walde von Marchenoir außer den am ersten Tage engagirt gewesenen Truppen mindestens noch 2 Armeecorps der nach divergirenden Richtungen von Orleans zurückgewichenen Loirearmee und suchte mit allen Kräften das Vordringen unserer Truppen aufzuhalten. Nichtsdestoweniger gewannen diese stetig Terrain und nahmen successive Cravant, Messas und demnächst auch Beaumont. 6 Geschütze und über 1000 Gefangene fielen dabei in unsere Hände. Am 9. wurden dem Feinde dann weiter die von ihm noch besetzt gebliebenen Ortschaften Bonvalet, Villorceau und Cernby entrissen, wobei abermals viele Gefangene gemacht wurden. Der wichtige Eisenbahnknoten Vierzon ist von diesseitigen Truppen besetzt.
v. Podbielsky.
Meung, 9. Dec. Heute wieder lebhafter Kampf des Großherzogs, der Feind wurde aus seiner starken Stellung am Foret de Marchenoir geworfen und viele Gefangene gemacht. v. Stosch.
Loeal-Notizen.
4 Gießen, 10. Dec. Heute morgen schwörten unsere jungen Rekruten zur Fahne im Os- wald'schen Garten. Tags zuvor räumten ihre rothhoflgen Waffenbrüder den Platz vorn Schnee, damit diese keine naksen Füße bekommen. — Probatum esl.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
a. Evangelische Gemeinde.
Getaufte
Den 4. December. Dem Bürger und Todtengräber, Jakob Noll, eine Tochter, Helene Mathilde, geboren den 17. October.
Denselben. Dem Ortsbürger in Nieder-Asphe und Bahnhofsarbeiter dahier, Johann Heinrich Kahler, eine Tochter, Anna Katharine Eulalia, geboren den 31. October.
Denselben. Dem Bürger im Darmstadt und Hautboistcn 1. Classe bei dem Großherszoglichen II. Infanterie-Regimente dahier, Heinrich Klippstein, eine Tochter, Auguste Marie Dorothea Christine, geboren den 15. November.
Denselben. Dem Bürger und Bäckermeister, Heinrich Kuhn, ein Sohn, Karl Johann Emil, geboren den 8. October.
Denselben. Dem Bürger und Gastwirth, Karl Plank, eine Tochter, Christiane Emilie Elisabeth, geboren den 27. September.
Den 7. December. Ein unehelicher Sohn von hier, Karl, geboren den 17. November.
Denselben. Dem Bürger und Gastwirth, Wilhelm Mosler, ein Cohn, Rudolph Georg Heinrich Karl, geboren den 4. November.
Den 8. December. Dem Bürger und Kaufmann, Johann Georg Adami, ein Sohu, Johann Georg, geboren den 12. Oktober.
Beerdigte.
Den 1. December. Christian Scherer, Schneider, des verstorbenen Bürgers und Schneiders, Johann Georg Scherer, ehelicher Sohn, alt 45 I. 5 M. 7 T-, gestorben den 30. November.
Den 3. December. Anna Margarethe Emilie Zurbuch, des verstorbenen Bürgers und Kaufmanns, Wilhelm Zurbuch, eheliche Tochter, alt 19 I. 11 M. 25 T., gestorben zu Wendelsheim, vrete Alzei, den 28 November.
Denselben. Dorothea Elifabethe Stich, geborne Schneller, des Bürgers und Schriftsetzers, Johann Peter Stich, Ehefrau, alt 67 I. 10 M., gestorben den 1. December.
Denselben. Jakob Kröll, Heizer an der Köln-Gießener Bahn dahier, des verstorbenen practischen Arztes und Kreisphysikus zu Amöneburg, Dr. Heinrich Kröll, ehelicher Sohn, alt 27 I-, gestorben den 1. December.
Den 6. December. Johann Konrad Müller, Bürger und Fuhrmann, alt 62 I. 4 M. 22 T-, gestorben den 5. December.
Den 8. December- Johannette Christiane Charlotte Holzapfel, geborne Dietz, des verstorbenen Großherzoglichen Kreisbaumeisters, Johannes Holzapfel, Wittwc, alt 77 I. 9 M. 26 T-, gestorben den 6- December.
Denselben. Johann Maximilian Berg, des Bürgers und Lohndieners, Friedrich Berg II., ehelicher Sohn, alt 6 M- 11 T-, gestorben den 6. December.
b. Katholische Gemeinde.
Nichts angemeldet.
Allgem einer Anzeiger.
B et#etgeriiugeii.
Steinbruch-Verpachtung.
6096) Der mit Ende d. Mts. leihfällig werdende Steinbruch in der Steinrutsche soll Samstag den 17. December er.,
Vormittags 9 Uhr, im Rathhause öffentlich auf weitere 6 Jahre in Pacht gegeben werden.
Gießen, den 9. November 1870.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Vogt.
Holzversteigerung.
6050) Im Licher Stadtwalde, District Großehäuserberg, kommen den 14. und 15. d- Mts. nachoerzeichnete Holzsortimente zur Versteigerung:
Mittwoch den 14. December:
60 Fichten-, Elsbeer-, Linden- u. Fichten- Stä "ime von 6 bis 25 Zoll Durchs messer und 15 bis 50 Fuß Länge,
300 Buchen- und Eichen - Wagnerstangen, 20 Stecken Eichen-Werkholz.
Donnerstag den 15. December:
230 Stecken Buchest-, Eichen-, Weichholz- Prügel,
125 Stecken desgl. Stockholz,
10480 Wellen.
Der jedesmalige Anfang ist Morgens
9 Uhr am Häusergericht.
Lich, den 5. December 1870.
Großherzogliche Bürgermeisterei Lich.
H e l in.
6090) Die auf Montag den
12. December d. I. im Gießener
! Stadtwalde, Districten Strangs- wiefe und Bruderwinter, anbe- raumte Holzversteigerung wird des eingetretenen Schneewelters wegen nicht abgehalten.
Gießen, den 9. December 1870. Großh. Bürgermeisterei Gießen.
Vogt.


