Ausgabe 
11.1.1870
 
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ten, und denen es nicht einfiel, greifen, verließen ihre Sitze und die andere Seite, um in aller sehen, wie die Sache sich dort Brooks aus New-Jork wies jede

Hessen. Darmstadt, 5. Ian. Die groß? Liste unserer Miliiärpensionäre hat sich wiederum, wenn auch jetzt nach nicht um 6 StubSoificiere, welche bereits genannt werden, fo doch Vorlausig um einen derselben vermehrt. Auf Nachsuchen, d. h. auf Ordie von Berlin und alsdann ergangene Aufforderung zu ersterem, ist der Kommandeur der 1. Znfanteriebrigade, Gene­ralmajor Bickel, ein wissenschaftlich gebildeter, praktisch be-

7. Januar.

Kaiser Napoleon sieht fortwährend auf sehr gutem Fuße mit der Exkönigin Isabella. Als derselbe dieser Dame seinen Besuch bei Gelegenheit des neuen Jahres abstattcte, erzählte sie ihm, daß der Herzog von Montpensier ihr Eröffnungen gemacht habe, daß sie dieselben aber zurückgewiesen, um dem Kaiser an* genehm zu sein. Dieser dankte der Exkönigin auf äußerst herzliche Weise und erneuerte ihr den Aus­druck seiner Sympathie.

cenzen und Sympathien? Diese Manifestationen haben in der That nichts Angenehmes für Frankreich, an dessen Unglück man sich erinnert, noch für Oesterreich, das zuletzt die Kosten des Ruhmes der preußischen Armee hat bezahlen müssen. Weshalb läßt man diese Erinnerungen nicht lieber ruhen?"

In Sachen, des Repudiation-Antrags im Congreß der Vereinigten Staaten wird jetzt Näheres aus New-Iork gemeldet: Der' Copperhead - Demokrat Mungen aus Ohio machte seinen Gefühlen Luft, in­dem er unverholen der Repudiation das Wort redete. Allgemeine Sensation, welche unter den Demokraten die Gestalt des Aergers und der Verlegenheit, unter den Republikanern die des Ergötzens annahm. Die Republlkaner, die sich in keiner Weise betheiligt fühl-

8. Januar.

Bezüglich des Kapitels der Zerstörungswerkzeuge wird derElberf. Ztg." aus Berlin geschrieben: Die Bestimmungen der Petersburger Conferenz über Abschaffung der Spreng- und Brandgeschosse bei der Infanterie-Ausrüstung und für die kleineren Ge­schützkaliber haben zunächst nur die Folge gehabt, daß in allen Armeen den Brandgeschoffen der Ar- tillerie eine erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet wor­den ist. Dasselbe gilt auch von den Kriegsraketen, bei welchen es übrigens zweifelhaft erscheinen möchte, ob dieselben sich nicht in den Beschlüssen der erwähn­ten Conferenz mit inbegriffen befinden. Bekanntlich haben dieselben österreichischerseits neuerdings in Dal­matien die umfassendste Anwendung gesunden, und ebenso wird aus Frankreich von einer neuen in Piü- fung begriffenen Rakete berichtet, die nach den Mit­theilungen darüber in ihrer furchtbaren Wirkung die Infanterie-Spreng- und Brandgeschosse noch weit zu überbieten scheint, welche durch völkerrechtlichen Be­schluß von der Kriegsbenutzung auszuschließen jene Conferenz zusammengetreten war. Auch hier haben vergleichende Versuche mit Brandgranaten stattge^un- den und haben diese, wie überall, auch gegenwärtig noch einen Theil der Artillerieausrüstung. Fernere Versuche mit dem neuen Borrmann'chen Einheitsge­schoß, das neben der Sprengwirkung'zugleich auch als Brandgeschoß zu dienen bestimmt ist, stehen noch bevor, und thatsächlich stellt sich demnach die jSatJ* läge derart, daß sich die in Petersburg gefaßten humanen Bestimmungen bereits wieder durch neue Zerstörungs-Erfindungen überflügelt befinden." Kürz­lich hatte auch ein Berliner Korrespondent derKöln. Z." dieser gemeldet, die Gußstahlrohre der Artillerie sollten sich nichts weniger als bewähren und man wende feine Aufmerksamkeit wieder der früher allge­mein gebrauchten Bronce zu, dre neben anderen Vor­theilen auch den der Oekonomie biete.

DerKarlsr. Ztg." wird aus Wien vom 4. Jan. geschrieben: Ich glaubte gestern von einem gemein- samen warnenden Schritt sprechen zu dürfen, welchen Frankreich der immer klarer sich auSpragenden Rich­tung des Coneils gegenüber vorbereite oder vielleicht schon gethan habe. Die österreichische Regierung scheint sich demselben nicht zugesellen zu wollen. Sie vertritt die Anschauung, daß, so lange nicht formu- lirte Beschlüsse vorhanden, die weltliche Gewalt mög­licher Weise gegen Windmühlen kämpfe, daß aber auch, wenn solche Beschlüsse gefaßt worden, dieselben bis dahin zu ignoriren wären, wo der Versuch ge- macht würde, ihnen praktische Geltung zu geben, dann aber einem derartigen Versuch, wie, wo und von wem immer er unternommen werden möchte, eventuell mit der ganzen Autorität der staatlichen Gesetze zu begegnen sei.

DieRevue des deux Mondes" schreibt über das gute Einvernehmen zwischen Preußen und Rußland: Das friedliche politische Leben Europas ist gegen Ende des Jahres durch ein leichtes Geräusch im Norden einigermaßen erregt worden. Es war feine bedeutende Angelegenheit. Nur ein Austausch von Höflichkeiten zwischen dem Czaren und dem König von Preußen. Bei Gelegenheit eines Ordens-Jubi­läums vom heiligen Georg hat der Kaiser Alexander seinem Onkel eine Decoration ersten Ranges einge- sandt und König. Wilhelm hat sich beeilt, dieselbe durch den preußischen Orden pour le mdrite zu er- wiedern. Das ist ganz in der Ordnung und so un­schuldig, wie eine deutsche Idylle. Aber die Mo­narchen haben sich nicht auf den Austausch von diesen mit Brillanten verzierten Dekorationen beschränkt, sie haben auch Telegramme gewechselt, in denen sie sich gegenseitigan die große Epoche, wo ihre vereinten Armeen für eine gemeinschaftliche heilige Sache kämpften,"" erinnert haben. Diese Epoche ist 1813 und diese heilige Sache ist ter Krieg gegen Frankreich! Außerdem hat der russische Gesandte auf einem Bankett in Berlin geäußert, daß man in dieser, dem Könige von Preußen verliehenen Auszeichnung einen neuen Beweis der freundschaftlichen Bezie­hungen zwischen den beiden Monarchen, den beiden Nationen und den beiten Armeen erkennen müsse."" Was soll dieser Luxus von militärischen Nennnl's-

das Wort zu er- begaben sich auf Gemüthlichkeit zu entwickeln werde. Verantwortlichkeit

für das von feinem Collegen aus Ohio Gesagte von sich, versicherte, derselbe habe nur als Vertreter seiner selbst gesprochen und entledigte sich des Kernspruches: Die Nationalschuld ist nie repudiirt worden, kann und wird nie repudiirt werden. Jeden Cent derselben werden wir genau Nach Äaßgabe des Contraetes be­zahlen, und unter einem besseren milderen Steuer­system werden wir ebenso leicht mit ihr fertig wer- den, wie mit der Schuld von 1812." Karr pro- teftirte im Namen der demokratischen Partei des Landes gegen die Grundsätze Mungen'S. Slocum fa^te:Der Herr aus Ohio repräsentirt auf der Welt Gottes nichts weiter als sich selbst." Randal!: Ich bin durchaus gegen jede Repudiation, unter welcher Form und in welchem Deckmantel sie auch r aifftreten möge." Potter:Ich und meine Wähler- wollen nichts von Repudiation wissen." Cox:So lange nicht die Greenbacks in Gold eingelöst werden, bezeichne ich die Republikaner als 'Repunaloren; meine Paktes ist frei'von dieser Sünde. Unser Cre- dit mu^ß "unverletzlich sein, darin sind ipir Alle ein* verstaüden." Woodward:'Da to.tr einmal am Beich­ten sind, will ich nicht unterlassen, haß ich als Richter die ersten Rcpudia(oren in Pennsylvanien auf ein Jahr in's GefangmA geschicht habe." Ward.:Das geschah ihnen recht." Der unglückliche Müngen war in Verzweiflung fortgclaufen und kehrte nicht wieder. Garfield stellte folgenden Antrag:Jeder Vorschlag, direct oder'indirkct, eins« Theil der öffentlichen Schuld der. Verewigten.Staateck zu repudiiren, ist unverträg­lich, mit der "Ehre 'und dem guten Namen der Ration, und das Haus'.drückt hiermit, ohne Unterschied der Parteistellüng, das Sietzel der Verdommniß auf alle solche. Vorschläge." Angenommen ohne toeitere Dis- 1 'öussion mit allen Stimmen gegen eine. Diese eine ' Stimme gehörte "Herrn,Jones aus Kentucky, und als dieser fein Ne,in gesprochen hatte, fügte' er Die Er­klärung hinzu, er sei nie für Repudiation gewesen und werde wohl auch nie Dafür, fein; nur Die Form ter Resolution sei ihm zu hart für seinen Collegen aus Ohio gewesen.

9. Januar.

Wie dieSchlesw. Nachr." hören, ist auch über die Behandlung derjenigen Wehrpflichtigen in Nord­schleswig, welche ihren Uebertritt nach dem Nachbar- staate erst erklären, nachdem sie von der zuständigen Behörde die definitive Weisung zum Eintritt in das stehende Heer oder die Kriegsmarine erhalten haben, ein Einverständniß der preußischen mit Der dänischen Regierung erzielt. Danach sind Die Betreffenden, Der Erklärung des Ueberlritts in Den Nachbarstaat unge­achtet, zum Dienst heranzuziehen und ihre Entlassung erfolgt erst, sofern sie Die Absicht Der Auswanderung nach geschehenem Diensteintritt noch einmal erklären, in Preußen zum nächsten allgemeinen Entlaffungs- termin, in Dänemark, sobald sie Die erste militärische Ausbildung erhalten haben.

Der Wiener officiöse Correspondent derKarlsr. Ztg." schreibt: Der Vicekönig von Egypten bat es berichtigen sich darnach Die verschieDenen allarmi- renDen Meldungen von neuen Verwickelungen in Konstantinopel officiel anzeiqen lassen, Daß er die Befehle des Größherrn hinsichtlich der Zeit erwarte, wo es ihm gestattet fein werde, demselben Die Ver­sicherungen seiner Ehrfurcht und Ergebenheit persön­lich zu Füßen zu legen.

fähigier und körperlich ganz rüstiger Officier, unter Stellung zur Disposition in den Ruhestand versetzt worden. Gegenwärtig sind: Generallieutenant« activ 2, pensionirt 6; Generalmajore Pens. 8: Oberste act. 6, Pens. 21; Oberstlieutenants act. 4, Pens. 11; Majore act. 18, Pens. 23. Außerdem zahlen zu den Pensionären 39 Hauptmänner, 27 Militärbeamte rc. Vom Major auswärts sind nur 3*0 Ofsicire im activen Dienst, in der Pensionsliste dagegen 69 zu finden.

Preußen. Berlin, 5. Jan. Das Obertribunal hat heule die Nichtigkeitsbeschwerde Zastrow'S gegen das Urtheil deS Schwurgerichts zurückgewiesen.

Bayern. München, 7. Jan. Der König empfing heute Nachmittag den Gesandten des Norddeutschen Bundes Frhr.n v. Weither^ in feierlicher Audienz und nahm das Be­glaubigungsschreiben desselben entgegen.

Sachsen. Chemnitz, 5. Jan. Die vorgestern von den Arbeitervereinen nach Mittweida berufene Volksversammlung wurde aufgelöst und dabei der Rechtsanwalt Stück von Mann­heim verhaftet

Leipzig. 5. Jan. Der allgemeine deutsche Arbeiterverein hat gegen seinen des Amtes enthobenen Präsidenten Herrn v. Schweitzer wegen Unterschlagung und Betrug Anklage er­hoben. Herr v. Schweitzer soll nämlich 500 Thaler, angeblich zur Unterhaltung seines Blattes (Social-Demokratt"/, der Kasse des Vereines eigenmächtig und statutenwidrig entnommen, in der Hamburger Generalversammlung aber die Genehmigung zur Entnahme weiterer 500 Thaler nur gegen einen Schuld­schein über die Gesammtsumme von 1000 Thaler erlangt haben, welche er in 10 Monaten zurückzuzahlen versprach, dies Ver­sprechen aber nicht hielt,, und sich äußerte, überhaupt nichts zurückzahlen zu wollen.

Frankreich. Paris, 5. Jan.Gaulois" bringt fol­gendes Telegramm aus Madrid: ES liegt im Plan, dem Regenten souveräne Gewalt zu übertragen; jedoch findet dieses äußerste Mittel in der Majorität der Cortes großen Widerstand. Die Parteigänger deS Herzogs von Montpensier machen erneute Anstrengungen.

Paris, 6. Jan. Der Bischof von Angers ist gestorben^ Monseigneur Angebanlt war ein Original; Oberst eines Dra­goner-Regiments und von riesiger Grobheit, nahm er erst in reiferen Jahren die geistlichen Weihen. An dem Tage, da er in Saint-Sulpice Priester wurde, fand er die Kirche gedrängt voll Menschen. Sehr höflich rief er mit seiner Stentorstimme : Meine Damen und meine Herren, bitte, gönnen Sie uns ein wenig Raum, mir haben sonst keinen Platz zumManövriren!" Kaum konnten sich die Anwesenden des Lachens enthalten. Monsignore Angebault soll aber ein so evangelisches Leben ge­führt haben und ein so eremplarischer Bischof gewesen sein, daß selbst- seine oft in der That erstaunliche Grobheit seiner Würde . und seinem. Ansehen keinen Eintrag gethan haben soll.

1 !

Vermischtes.

Essen.' In der Kruppschen Fabrik erfolgte am 4. d. M. die Erplöfion eines Dampfkessels, wodurch die Gebäude zerstört wurden und Tobte nebst vielfachen Verwundungen vorkamen. Auch die benachbarten Hauser haben Schäden erlitten. Gleich nach der Katastrophe wurden von der Krupp'schen Feuerwehr und massenhaft requirirten Arbeitenr die umfassendsten Rettungs- un'b Räumungsarbeiten bewerkstelligt. Wie viele Verunglückte zu beklagen find, ist noch nicht festgeftellt.

Kassel. Eine ganze, auS 12 Personen bestehende Gesell­schaft von Herren, zum Theil von hier, welche als Jagdgäste des Herrn Domänenpächterö Krüger einem größeren Treibjagen beiwohnten und beim Frühstücke von einer frischen sehr wohl­schmeckenden Cervelatwurst aßen, liegt seit 14 Tagen an der Trichinose darnieder. ES sind nunmehr zusammen mit dem frssher erkrankten Dienstpersonal auf der Domäne 19 solcher Fälle vorgekommen, doch sollen die Personen der Jagdgesell­schaft weit schwerer, als die ersten Patienten erkrankt sein.

Wien, 31. Dec. Der mit dem heutigen Tage eingetretene Ablauf des Termins, bis zu welchem die alten Silberfechser als gesetzliches Zahlungsmittel angenommen werden müssen, hat seit einigen Tagen eine völlige Ueberschwemmung dieser Geld­sorte am hiesigen Platze zur Folge gehabt. Aus den Provinzen und in noch stärkerer Weise aus Bayern sind massenhafte Sen­dungen von Silbcrsechsern hierher dirigirt worden, und wo irgend eine Zahlung heute fällig war, da suchte man gewiß sich mit seiner Schuld auch der alten Sechser zu entledigen. Geradezu erschwert wurde auf diese Art der Verkehr an der heutigen Fruchtbörse, wo die Zahlungsverbindlichkeiten fast aus­schließlich in dieser Münzsorte ausgeglichen wurden, so daß viele Gedreidehändler von einzelnen Müllern Beiträge von 15002000 fl. in Sechsern in Empfang nahmen, die dann durch Dienstmönner weitergeschleppt wurden. Ein ähnlicher Münzandrang zeigte sich auch bei dm Specereibändlern deS hiesigen Platzes und vielen anderen Detailgeschäften.

Triest, 3. Jan. lieber die Katastrophe, welche laut tele­graphischer Meldung die Insel und Stadt Santa Maura be­troffen hat, liegen nunmehr die ersten, wiewohl noch spärlichen Einzelheiten in hiesigen und italienischen Blättern vor. Der Oss. Triest/' schreibt : Die betrübende Meldung von dem Erd­beben auf Santa Maura bestätigt sich; die Erschütterung scheint jedoch nicht, wie gestern gemeldet wurde, die ganze Stadt * betroffen zu haben. Ein vom 30. December au6 Coifu datirtcs Telegramm lautet:Die Erschütterung auf Santa Maura war ungemein stark; die halbe Stadt ist vernichtet; 15 Personen sind von den Trümmern erschlagen." Bekanntlich ist Santa Maura auch im Jahr 1825 von einem Erdbeben schwer heim­gesucht worden. DieCorr. Jtal." meldet des Näheren: Am 28. December um 5 Ubr Morgens wurde auf den jonischen Inseln eine heftige Erderschütternng verspürt. Die Stadt Corfu hat keine schweren Beschädiguugen erlitten, aber Santa Maura ist nach wiederholten Stößen fast ganz zerstört worden. (Sin griechischer Regierungsdampfer ist sofort von'Corfu mit Sol­daten, Ingenieuren, Rettungswerkzeugen und Lebensmitteln ab- gegangen. Der italienische Consul hat der unglücklichen Be­völkerung ebenfalls Lebensmittel zugeschickt.

Paris, 6. Jan. Wie es heißt, bat man gestern einen Mann verhaftet, den man für einen Mitschuldigen Traupmann's hält. Derselbe kam nach dec Polizeipräfectur und meldete sich als Vagabunden. Als man ihn ausfragte, gab er sehr ver­legene Antworten und nannte den Namen Traupmann. Man brachte ihn in Folge dessen sofort nach Mazas. Traupmann bleibt übrigens immer dabei, daß er Mitschuldige habe.

Redaktion, Truck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.