Gießener Anzeiger
Samstag den 10. Deccmber
1870
Macht vorhanden war, welche die Stärke besäße, Frankreich im Zaume zu halten und feiner Einmischungslust und Eroberungssucht feste Schrecken zu setzen.
D" Erbitterung Der Franzosen über die preußischen Erfolge des Jahres 1866 war daher sehr erklärlich. Frankreich erkannte, daß an der Stelle, an welcher es mit besonderer Borliebe Die Hebel für seine diplomatischen Umtriebe und militärischen Abenteuer ongesetzt hatte, eine starke Macht sich zu bilden im Begriffe stehe; es sah ein, daß diese Macht, am Ziele ihrer inneren Entwickelung angelangt, ihren Beruf darin sehen würde, jeden französischen Uebergriff zurückzu- weuen. Ader Der GeDanke, Denselben Existenzbedingungen sich unterwerfen zu muffen, wie alle übrigen Völker Europa'-, Der GeDanke, nicht mehr nach Belieben Europa in Unruhe erhalten zu können, empörte die französische Eitelkeit. Frankreich trachtete seitdem nur noch Danach, sein Uebergewicht über Deutschland» Durcp die That zu erweisen und Den Bau Der deutschen Macht zu zertrümmern, bevor der letzte Schlußstein in da- kräftig vorschreitende Weik eingesetzt sein werde. Frankreich stürzte sich in den Krieg gegen Deutschland, um sich auch für die Zukunft Die Freiheit zu bewahren, jeder Zeit Den Frieden Der Welt bedrohen zu können.
Preis vierteljährig l fl. 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.
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Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1.
Brodpreife vom 10. bis 17. Deccmber 1870,
. m Ä nach eigener Erklärung der Bäcker •
2°V; h. - Pfund gemischte« Brod 10% fr. 4 Pfund Roggenbrod 17>/, kr. 2 Pfund R°ggenbr°d 8% fr.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kieken.
Nr. 178 '
kleines Keffer mit mehreren Klingen, ein großer Schlüssel mehrere
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----------------- ^^ßberzoglrche Polizei-Verwaltung der Prooinzialhauptstadt Gießen _______ N o v e r-
Noch ist ter große Völkerkamps, in dem Deu^lm unb^Sni'd) threleiner (8Janfr','*Ä' "er Sieg Deutschlands ist die Morgenröihe
Kräfte Mit einander messen, nicht beendigt, noch harrt das deutsche Siniaunas «bL ? "‘'’n Europa hat feinen natürlichen Schwerpunet wieder-
werf feines staatsrechtlichen Abschlusses und schon ist es dem neuen Deutschland baNeu m f~Pll,tfn Allianeespsteme da« Gleichgewicht zu er-
vergönnt, sein Dasein durch ein aufrichtiges und, »re boZtürfen»rb u S , ( $,e lu"I°se Macht, deren nervöse, kronkhafte Un-
sames Eintreten für Erhaltung des Weltfriedens zu bethäligen " ' fnttrnottonÄ.n^ 3" ",e S-stigkeil aller
Der Vorschlag de« Grafen Bismarck, die Pontusfraa? auf dem Weae einerLe b»b 2' n Vrziehungen beständig ,n tfrage stellte, ist gedemüthigt und ihre« Konferenz zu regeln, hat allgemeine Zustimmung gefunden Es wird zwar »on Rrena 5 .""^."liebende, im internationalen Sinne
etniarn Seiten der Zusammentritt der Conferenz noch von der Erledigung gewisser budnnde S ll? Ä’ T« "‘l'Hj!“ CUrü"‘,lfd,,n Sta-tens-stem ge- Vorfragen abhängig gemacht; da indessen bereits an die Stelle der ersten Aus. aeaen ffrnnfr.fÄ ?, ®li"e,^erfle£lun9 Deutschland«, die stch nur im Kampfe regung ruhige Erwägung getreten ist, da sich die Urb r eug ng von e Noch u a ,*? i<n,r 8'°^n W-ndepune.e, die ein
WenVigfeft eine« allseitigen Entgegenkommens Bahn gebrochen ha, so läßt sich Ab r ns'7 - ^Esch.chte .inleiten
mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, daß da« P^ert on den Vorverdand iu brin en Krank» » ">uß vollständig fein, um ter Welt die gehofften Früchte lungen nicht scheitern werde; ist aber die Conftrenz einmal zusommenqelrtttn JL DeutM^nh hÄ L JU clnem "»'Uten Attentat beraub, wer-
wird ohne Zweifel eine Einigung über die Haup,frage er iel, wechen dinaun^t- u Ufrlf ™ r bef,E8,t" G-gner die Be-
Wie komnit es, daß grade ein von dem vielfach wegen übergreifender Ten- iMiokettlumuen“äben , s°>bst sur noihig Hali, um demselben die Lust und denzen, wegen Neigung zu einer Gewoltpolilik geschmähten kriegführenden Prem -alisch Ev fode ^ettröo die orten-
ßen ausgegangener Vorschlag von ollen Seilen mit so unverünnbarem Wohl. E nmischuna in re äSL« 'ie 4 ^uttolen von der Unzulässigkeit einer wollen ausgenommen ist? wie komm- es, daß grade England, die von dem ge. ' Abrechnung mit Frankreich zu überzeugen,
fürchteten Zusammenstoß am empfindlichsten berühr,e Mach, sich an die norddeutsche --
BunDeSregierung gewandt hat, um Deren gute Dienste in Der aeaenwärtiaen Ver-1 Heber di- >. o ■ ,,
Wickelung in Anspruch zu nehmen? 3 L- hfpn r Vorgänge an Der Loire, welche nach vielfachen heißen Einzeln-
Die Ursache dieser merkwürdigen Erscheinung ist nich, schwer zu finden bl ck neuere'S^ri^"?^ »°" führten, liegen bis zu diesem Augen- Sie liegt in dem Vertrauen, welche« Europa zu der Ausrichtigkeil der preußisch. Deleaation in J* ""r .“n". ’1U' eln Pa,.Br stelle Mittheilungen der
deutschen Politik hat, in der Ueberzeugung, daß Deulschlond-Bestrebunarn au iÄo7a nüa b5i.7 klar daß jene vorbereitenden Kämpfe
Erhaltung, nich, auf Störung des Weltfriedens aerichiet sind "In m8 mfl batten, um nicht nur in militärischen, sondern auch in den Kreisen
kritischen Augenblicke widerlegt die europäische Politik durch ihr IhaUächlicheS Vtt am 2 ^3 °°üstand,gste Verwirrung bervorzurufen. Nach den
halten die gegen Preußen« angebliche kriegerische Tendenzen aerich,^ " fe echten, ,n »e rben General Aurelles den Unseren
tigungen und Beschuldigungen- Beschuldigungen deren Verbreilung sich doch oradr morfcki Shu sr ^8 jU b°"kn meinte, obgleich er anerkannte, daß sie den Vor-
Seit länger al« 200 Jahren ist Europa durch die Ländergier und Händel- eigungÄ Paris"an de^Loir^übeknommen hotte' h” r
AurellcS hatte sich unterDeß besonnen und Den Entschluß gefaßt, Orleans zu ver- theiDigen, was trotz Der ungeheuren Streitkräfte, Die ihm zu Gebote stanDen, Das bekannte Rrsultut herbeiführte unD aufs Deutlichste bewies, wie weife er gehanDelt haben wurde, wenn er feinem ersten Entschluß bis zur Ausführung treu geblieben lrare- ~ welcher Art General Aurelles seinen Rückzug bewerkstelligt haben mag, laßt sich auch heut noch nicht entscheiden; nur scheint soviel gewiß zu sein, daß er nicht in allzugroßer Ordnung von Statten gegangen sein wird, Da in officiellen Telegrammen von Der vollstänDigen Versprengung Der Loire-Armee die Rede ist. Ob Das X. Corps, welches seine Stellung bei Beaune-la-Rolande so tapfer errang und hielt, nicht bestimmt gewesen ist, bei Diesem Rückzüge eine hervorragende Rolle zu spielen, werden wir balD erfahren. Jedenfalls ist zu con- statiren, Daß Daffelbe an Den beiden letzten Schlachttagen nicht engagirt gewesen zu sein scheint, und daß Die Heerstraße von LaDon nach Chateauneuf offen vor ihm Daliegt. Die bereits aus Argeuil gemeldeten Kämpfe Der I. Armee, welche lam 5. sich erneuerten, führten an Demselben Tage noch zur Besetzung von Rouen jdurch Das VIII. Corps unter General v. Goeben unD Der noch am 5. aus Lille


