hat
übrigen« schon jetzt von selbst aufgelöst, da die Leute nicht mehr gegen die besser bewaffneten und geführten Deutschen kämpfen wollen. Mit Garibaldi und seiner italienischen Legion ist l- ein purer Schwindel. Er hat ein Paar hundert italienischer Abenteurer bei sich, kann sich mit der Regierung in Tour« nicht vertragen, viele Franzosen wollen nicht unter ihm kämpfen; kurz, nicht« wie Unordnung und Anarchie in der ganzen Wirtschaft. Sollte Garibaldi in die Hände unserer Truppen fallen, so werden diese ihn al« einen fremden Abenteurer, der nicht befugt ist, gegen Deutschland zu kämpfen, ohne Weitere« erschießen; einen solchen Zorn hegen sie gegen alle diese ausländischen Banden. Die Verbindung des Werder'schen Corps mit dem Tann'schen Corps in Orleans wird jetzt durch Ca- vallerie-Regimenter hergestellt.
Telegraphische Depeschen.
Charny, 8. (Officiell.) Verduu bat copitulirt. v. Gat) l.
Colmar, 9. November. Montbeliard zur Sicherung der Oer- niruug von Belfort ohne Widerstand heute besetzt und zur Verthel digung eingerichtet. v. Treskow.
Mainz, 6. Nov. 560 Ofsiziere von Metz, darunter General Ladm'rault und zwei Brigadegeneräle, trafen gestern Nachmittag hier ein. Gegen Abend passirten 2000 Mann aller Waffen, von Saarbrücken kommend, hier durch nach Erfurt und Dresden. Die französischen Truppen rücken auf Fußmärschen in star- ken Colonnen bis Saarbrücken, wo sie per Eisenbahn den Internirungsplätzen zu- geführt werben. 1800 Mann sind einstweilen für die hiesige Festung eingetroffen. Die Zahl der Offiziere, welche hier bleiben wollen, ist bereits so bedeutend, daß sie gleichfalls casernirt werden mußten. Unsere Fruchthalle nimmt jetzt die Pferde, Bagage und Bedienung der französischen Offiziere auf. Was englische Berichterstatter von Metz berichten, paßt auf Das, was wir hier sehen, nicht im Min- besten. Die angeblich dort mit Brod gefütterten Pferde der französischen Stabs- offiziere nehmen weder dieses noch die sonst gewöhnliche Nahrung der Pferde; sie sind an Stroh als Futter so gewöhnt, daß sie erst wieder für die Hafer- und Heufütterung erzogen werden müssen. Schöne Pferde wurden hier von den höhe- ren Offizieren zu 60 Francs feilgeboten. Die übel aussehenden Thiere dürfte eine aufmerksame Pflege wieder in besseren Stand bringen. Auch mit den Millionen in der Metzer Kriegskasse ist es nach Versicherungen vieler Offiziere nichts. Einige Regimenter mochten in ihren Cassen noch Vorrath haben; sehr viele hatten jedoch Ebbe. Es ist notorisch, daß selbst unter den höheren Offizieren sehr viele, ohne alle Geldmittel sind und sich durch Pferbeverkäufe erst solche schaffen müssen. — Neben den noch immer starken Munitionstransporten aus den Artilleriedepots 1 wird gegenwärtig hier eine sehr bedeutende Munitionsreserve für den Belagerungs- - park vor Paris gebildet.
Versailles, 8. November. (Officiell.) Die Festung Verdun am 8. November capitulirt. Bei Bretenay zwischen Bologne und Chaumont stießen am 7. Abtheilungen der 9. Infanterie-Brigade auf Mobilgarden; Verlust ded Feindes: 70 Mann todt und verwundet, 40 Gefangene; diesseits 2 Verwundete. v. Podbielsky.
Hamburg, 8. November. (Officiell.) Eine RccognoScirungsfahrt unserer Elbflottillc hat gestern die Anwesenheit frnnzöfischer Schiffe in der Umgegend von Helgoland bestätigt. Man sah sieben Panzerschiffe und vier Holzcorvetlen nord- lich von Helgoland kreuzen.
London, 8. November. Die „Time«" meldet, der Reichsrath werde wahrscheenlich nach Versailles einberufen. — Die „Dail» News" melden, daß 80,000 Preußen unter Manteuffel auf dem Marsche nach Rouen und Amiens seien.
Florenz, 7. Nov. Die „Opinione" meldet, der König werde gemäß eines Beschlusses des Ministerrathes am 30. Nov. nach Rom gehen. In allen Wahl- collegicn herrscht eine starke Wahlbcwegung.
Aus New-Bork vom 3. Nov. meldet der Telegraph: „Gestern rückten mit dem Steuer-Inspektor Butcher 2000 Mann Infanterie aus und zerstörten mehrere gesetzwidrige Branntweinbrennereien in Brooklyn. Der Pöbel warf mit Steinen nach den Truppen, doch machten diese von ihren Waffen keinen Gebrauch. — Der Kreisgerichtshof von New-Nork hat entschieden, daß das neue nationale Wahlgesetz der Constitution einverleibt werden solle.
Prag, 3. November. Verfassungstreue Landvereine fassen Resolutionen für dirccte Reichsrathswahlen und eine Alliance mit dem neu constituirten Deutschland.
Petersburg, 6. November. Der Kaiser hat den Generalstabs. Chef der II. und III deutschen Armee, v. Stichle und v. Blumenthal, den GeorgSorben vierter Klasse verliehen.
Telegraphische Depeschen.
A Stuttgart, 8. Nov. Unsere Münchener Quelle vervollständigt ihre Mittheilungcn vom 1. Nov. über die Verhaftungen in Versailles und berichtet ferner: Die süddeutschen Staaten treten vollständig in den deutschen Bund auf Grundlage der Nordbunoverfaffung ein. Sie acceptiren das zu erweiternde deutsche Oberhandelsgericht in Leipzig, die allgemeine Freizügigkeit sowie freie Wahl der Kriegsdienstpflichtigen über den Ort der Ableistung derselben, norddeutsches (noch zu ergänzendes) Strafgesetzbuch. Die nordb. Gesetze vom 13. Mai 1870, doppelte Stcuerlelstung betreffend, vom 16. Juni 1870 über die Ausgabe von Pa- piergeld, vom 10. Juni 1869 über Wechselstempelsteuer, ferner vom 14. Juni 1868, schleswig-holsteinische Pensionen betreffend, vom 3. März 1870, Elbzölle betreffend, sowie über allgemeine deutsche Marine-Anleihe sollen sofort in Kraft treten, deßgleichen die Bundesgesetze vom 1. Juli 1868 über Aufhebung der Spielbanken, vom 7. April 1869 über Maßregeln gegen die R-nderpest, vom 1. Juni 1870 über Flößerei-Abaaben und endlich das Gesetz vom 3. Juli 1869 über die Gleichberechtigung der Confessionen. Gemeinsames Nationalindigenat soll auf dem Wege der Deutschbundesgesetzgebung alsbald eingeführt werden; Wahlen zum deutschen Vollparlament dürften in Kurzem angeordnet werden.
Tours, 7. Nov. Es geht hier das Gerücht, daß General Cluseret in Marseille verhaftet worden sei. — Ein Corps von 5000 Mann ist nach Marseille abgegangen, um die Autorität von Alphonse Gent wieder herzustellen. Man soll auch beabsichtigen, die Entwaffnung der Garde civique in Marseille vorzu- nehmen. Der Commandant hat die formellsten Befehle. Er hat den Auftrag, rhe er handelt, mit dem Commandanten der Nationalgarde in Einvernehmen zu treten.
Paris, 3. Nov. Die Regierung hat die Absetzung von fünf BataillonS- chefs der Nationalgarde verfügt. Es sind: Gronnier vom 74. Bataillon, Bar- beret vom 79., Dietsch vom 19., Louguet vom 248., Chassin vom 252. Ba-
• wttdcn S“8 b<t '6nr Ersatzmänner soll noch bekannt gemacht ' Brüssel, 8. No». Die „Corr. HavaS» meldet: „Die nachfolgend genann- ’ Journale nethen ihren Wählern mit Ja zu stimmen, d. h. zu Gunsten der > Aufrechterhaltung der Regierung der nationalen Vertheidigung. Es sind- Le : Temps, Avenir national, Seele, DebatS, Cloche, Berits, Electeur libre, Opinion ■ nationale Lwcrts, Presse, Journal de Pari«, National, France, Constetutionnel, > Gazette de France, Son, Peuplc fran?ais, Gauloi«, Pans-Journat, Figaro Fran<^ais. Die folgenden Journale riethen mit Nein, d. h. zu Gunsten einer re°olu wnaren Commune: Reaeil, Combai, Patrie en Langer und Tribüne. Der Rappel neth einen Mumcipalrath zu verlangen und mit Ja zu stimmen. — Die Regierung ließ 1,500,000 Zettel mit Ja und 500,000 mit Nein verteilen."
Brussel, 8. Nov. Die „Corr. HavaS" meldet: Ernest Picard wollte nicht allem, daß man über die Regierung abstimmte, er verlangte auch aufs Formellste, ' DQB namentlich über jedes ihrer Mitglieder abstimmte. Seine College» haben ' er Art der Abstimmung, welche durch die Zahl der Stimmen die gegenwärtigen ' Mitglieder der Negierung gewissermaßen clafsificirt hätte, ihre Genehmigung ver- sagt. — Die „Cloche" berichtet ein seltsames Factum: Man hat im Stadthaus, nach dem Abzug der Ruhestörer, eine chiffrirte preußische Depesche gefunden. Dieses kleine Stuck Papier, welches ein Agent des Grafen Bismarck dort liegen ließ, wird dort aufbewahrt. — Der „Electeur libre" will wissen, daß der Fürst Wittgenstein, von König Wilhelm berufen, nach Paris gekommen sei. — Die Riegel, welche auf das Elgenthum des ehemaligen Geheimsecretärs des Kaisers, FranceSchini Pietri, gelegt worden waren, sind weggenommen worben. Ein reicher Schatz von seltenen Correspondenzen wurde bei ihm entdeckt, darunter zahlreiche Autographen von mehr oder weniger berühmten Persönlichkeiten. Das Zimmer welches Pietri bewohnte, enthielt außerdem eine Menge von Gegenständen, Haupt- sachlich Gemälde, welche unseren Museen entnommen waren, wohin sie nun wieder zuruckgebracht werden. Die erwähnten Briefschaften sollen zur Veröffentlichung gelangen. — Der Handelsminister Magnin hat angeordnet, daß alle Beamte, welche unter 2000 FrcS. Gehalt beziehen, während der Dauer des Kriegs eine !entsprechende Entschädigung erhalten.
Brüssel, 8. Nov. Die „Etoile belge" schreibt: „Man theilt UNS aus Vcr- vlerS mit, daß dort eine Petition in Circulation gesetzt werden soll, in welcher von der Abgeordnetenkammer verlangt werde, den bonapartistischen Agenten den Aufenthalt im Lande nicht zu gestatten." Das Blatt mißbilligt dieses Vorhaben, als den Grundsätzen der belgischen Neutralität und Gastfreundschaft wider-
Allgemeiner Anzeiger.
Besondere Bekanntmachungen.
4770) Der auf den 29. und 30 November d. I. der Stadt Gießen bewilligte Vieh- u. Krämermarkt wird an diesen Tagen abgehalten.
Gießen, den 7. November 1870.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
__Bogt._____
Oeffentliche Aufforderung.
4655) Forderungen aller Art an den oncursfälligen Nachlaß des zu Paris oer- jprbenen Johannes Becker II. von Staufenberg sind in dem Termin
Donnerstag den 29. December l. I., Vormittage 10 Uhr, bei Vermeidung stillschweigend eintretenden Ausgusses von der Concursmasse anzu-
Imelden und mit etwaigen Vorzugsrechten zu begründen.
Gießen, den 25. October 1870.
Großherzogliches Landgericht Gießen. Bötticher.
Bekanntmachung.
4781) Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kennt- niß, daß vom 10. d. M. an die Züge No. I und II unseres dermaligen Fahrplans,
Abgang von Frankfurt Morgens 4 Uhr und bezw. von Cassel Morgens 4 Uhr 30 Minuten für den Personen-Ver-
kehr bis auf Weiteres ausfallen.
Cassel, den 7. November 1870.
Königliche Direction der Main Weser-Bahn
Versteigerungen.
4766) Dienstag den 15. November d. I., Nachmittags 2 Uhr,
soll auf dahiesigem Rathhause die Hofraithc
des Verwalters Georg Kuhlmann dahier: Flur Nr. cnKlftr.
Vi48 9 Hofraithe in der Wolkengasse,
V150 11 Hofraum, Scheuer u. Mist
stätte daselbst,
Visi 4 Hofraum, Stall daselbst, nochmals meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 7. November 1870. Grobherzogliches Ortsgericht Gießen. _______® em ml er, Ortsgerichtsmann.
Main - Weser - Bahn.
4707) Die Anfertigung und Lieferung von 100 Stück Fußwärmer für Personenwagen soll im Wege der Submission vergeben werden und sind Offerten bis Freitag den 11. November d. I. an den Unterzeichneten, durch welchen auf portofreie Anfrage die näheren Bedingungen übersandt werden, einzureichen.
Cassel, den 3. November 1870.
Der Obermaschinenmeister: Büte.
!4775) Dienstag den 15. Novbr., Vormittags 11 Uhr, werden in dem Geschäftszimmer des Unterzeichneten 3 alte einläufige Flinten und 1 Wachtelgarn versteigert.
Gießen, den 7. Novbr. 1870. Großherzogliches Forstamt Gießen.
D r a u d t.
Holzversteigerung im Gießener Stadtwalde.
4771) Montag den 14. November d. I., von Vormittags 9 Uhr an,
soll in dem Gießener Stadtwaldc, Distrikten Neuhege und Heingesboden, nachvcr- zeichnetes Holz öffentlich versteigert werden, als:
207V2 Stecken Nadel-Prügelholz,
77V» „ „ Stockholz,
2205 Wellen „ Neisholz.
, Die Zusammenkunft ist am alten Anne- röder Weg ast der 1. Schneiße.
Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1. April 1871 gestattet


