Einzelbild herunterladen

Gießener Anzeiger

Mnzerge- und Amtsblatt für den Kreis Hießen

1870

Mittwoch dm 9. November

8. November.

Krieasminister v. Succow sich in keine Stellung begeben kann, die den Jnte- _ D . ' - . , -r« e.\ rCrtMAöfftAn hip nn SHnhprrr

Nr.

Preis vierteljährig 1 fl. 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Montags.

Expedition: Canzleiberg

Lit. B. Nr. 1.

............ riv....... Misanthrope" wieder eröffnet; die Schau- svieltt H'n in -habil de ville und in gelben Handschuhen auf. DerGauloiS", dem roh diese Angaben entlehnen, fügt hinzu :Da« Thslltre Fran?a,S bat vor

" - - * w- iTarlaffe' vor der Königin von

zur terroristischen Beeinflussung der Wähler nicht fehlen lassen, und nichts fallt dem Franzosen so schwer, als dem Beamtcnterrorismus kräftigen Widerstand ent- aeaenrustellen. Will daher die provisorische Regierung wirklich den Frieden, so hat sie sich vor Allem von Gambrtta's Einfluß zu emancipiren und das Ministe­rium de- Innern einem Manne von Einsicht und Festigkeit anzuvertrauen. Bleibt Gambetta in seiner Stellung, so müssen wir entweder an dem guten Millen der provisorischen Regierung oder an ihrer Macht, die gesunde Vernunft zur Geltung zu bringen, zweifeln. Die Beseitigung der Fanatiker ist die einzige moralische Garantie, welche die Machthaber uns zu bieten vermögen. Bieten sie uns diese Garantie nicht, so müssen wir uns darauf gefaßt machen, daß wir den Kampf bi» zur völligen Vernichtung der letzten Widerstand-mittel Frankreichs fortzusetzen haben to(rten,I)it ,.Südd. Presse" schreibt:Die Zurückkunst der bayrischen Minister au- dem preußischen Hauptquartier wird nächste Woche stattfinden. Es soll dann sofort der Landtag unberufen werden; unsere Kammern sollen gleichzeitig nut dem norddeutschen Reichstag versammelt sein. Bei dcn Verhandlungen über die künftige ReichSversassung habe man sich dahin geeinigt, daß Bayern die selbstständige Verwaltung seiner Post- und Eisenbahnen, aber auf Grund eine- gemeinsamen DerkehrsgesetztS, sowie der Malzausschlag und die Branntweinsteuer »erbiet-

ressen des würtembcrgischen Volkes entspricht, jede Concession, die an Bayern aemacht wird, trifft sonach selbstverständlich auch Würtemberg. Es wird sich aber dann eiaenthümlich ausnehmen, wenn Baden seinen Opfermuth so gewaltig bethätiat, daß cs die ungeheuren Lasten für das Militärbudgetfreudigen Herzens" trägt, während die Nachbarstaaten hiefür Millionen zu ersparen in per Lage find....."

Am 3. Nov. sollte in Pari« die große Oper wieder eröffnet werden: man will (fonctrlt und Schauspiele geben, besonder« Symphonien von Rossini und Meyerbeer: der Tan, ist ausgeschlossen; die Preise sind bedeutend ermäßigt sOrchester, Amphitheater und die ersten Seitenlogen 100 Sou«, die zweiten 0 F.., der Rest 20 Sou«); die Beleuchtung findet nut Oellawpen und im Nothfalle mit Talglichter Statt; die Frauen haben in herausgehenden ~ - Die Comävie Fran^atse ward am

rem Könige von Preußen belagerten Parisern denMisanthrope". Utber die am 29. Oct. im Quartier von Grenelle in die Luft gepflogene Schußbaumwoll- Fabrik eifahren wir aus demGauloiS", daß die Explosion in Paris Entsetzen erregte und im ersten Schrecken den Preußen zugeschncben wurde. Vier Per­sonen kamen dabei um. Eine zweite Explosion fand in Paris in einer Fabrik für Orsini Bomben Statt, wobei rer Vorstand des Geschäftes, Lagin, umkam. Da die Pariser voraussetzen, daß sic den Preußen noch viele Kanonen abnehmen werden, ober zu befürchten steht, daß sie dieselben au- Mangel an Pferden nicht mitnchmen können, das Vernageln dieselben aber durch eine neue Maschine leicht wieder beseitigt werden kann, so hat die Commilsion des Genie eine neue Erfin­dung geprüft, wodurch mittels einer kleinen Torpille, die in den Schlund der Kanone gebracht wird, ein langer Riß in das Rohr gemacht und die Kanone dadurch unbrauchbar gemacht werden soll. In einigen Tagen will die Regie- tuna auch die neuen Fahnen der Republik auf dem Eintrachtsplatze vertheilen. Trochu beabsichtigt, in nächster Zeit das in Paris vorhandene bewegliche -intc- rial der Elfenbahn-GestVschasten bei seinen Ausfall-Operationen zu verwenden; die Eisenbahn-Gestllschäften haben Befehl erhalten, die nöthigen Vorbereitungen an den Waggons vorzunehmen. Auch hat der Stab der Nattonalgarde ein In- atnieurcorpö gebildet, das unter Trochu's Leitung in den ihm zugethrilten neun Lectivnen bombens-ste Zufluchtsstätten bauen soll. In Folge des Futtermangels wurden zwei LuxuSpferde, die 5000 Francs gekostet hatten, zu 500 Francs ver-

Ucbcr die Verhandlungen in Versailles betreffs der deutschen Verfasiungs- fraae schreibt derPfalz. Bote" aus Heidelberg 3. Nov.:Wie wir aus guter Quelle erfahre», gehen die Verhandlungen in Versailles über die deutsche Frage nicht so glatt vorwärts, als uns die Nationalliberalen glauben wachen wollen. §>r Allem ist die Militärfrage, welche von bayerischer Seite auf s entschiedenste in der Weise bekämpft wird, daß nicht der im Storbbnnb geuvte Militarismus mit seinen unsäglichen Opfern an Menschen und Geld auf Bayern Anwendung findet. Und dies ist ja gerade für Preußen die Hauptfrage. Der bayerische Kriegsminister v. Prankh, dem Bayern seine jetzige vortreffliche Armee verdankt, tritt bei den Verhandlungen als ein Mann auf, dem sem den standen gegebenes Wort heilig ist; er beharrt unerschütterlich auf der fortgesetzten Mi­litärhoheit des Königs von Bayern, auf den den Standen bezüglich des Mili­tär-Aufwandes zustehenden Rechten. Folge hiervon ist, daß der würtembergische

werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B-1, als auch

dllt den Giefzenee AlNZeWee bei allen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpeditiou abholen lassen, erhalten denselben für die Monate November und December 1870 zu 40 kr.

Daß mit den gegenwärtigen französischen Machthabern ein definitiver Friede 1 oar nicht abgeschlossen werden kann, ist unbestreitbar; die neutralen Machte denken j über die Jncompetenz der pariser Regenten und ihrer Delegation in Tours nicht anders als die preußische Heerleitung, und auch die provisorische Regierung selbst ist von'ihrer moralischen und thatlächlichen Unzulänglichkeit für diese Aufgabe > vollkommen überzeugt' DaS Ziel, welche» sie sich gesteckt, ist d e Vereidigung , des Landes, der Widerstand; ist sie mit ihren WiderstandSM'tteln zu Ende, so , muß sie auch ihre ihr von der pariser Democratie Übertragene, da- heißt un Grunde auf eigene Hand Übernommene Mission a!» beendet ansehem Eine Voll- macht von der Ration hat sie überhaupt nicht erhalten, am wenigsten die Voll- wacht, durch einen Friedensschluß endgiltig über das LooS de» Landes zu ver- Mgen Sie ist eine Rothregierung, die zur Rechtfertigung ihrer Existenz nur das E-'ne anführen, daß doch irgend Jemand die dem Kaiser kntschlupsten Zugel aufheben mußte Die Proclamat.on der Republik ging bereits über das Maß dessen hinaus, was die Lage der Dinge noch dem Tage von Sedan forderte^ denn jeder Eingriff in die VcrfassungSfrage war ungerechtfertigt und konnte nur zur Verwirrung und Zersetzung führen und die Saaten des Bürgerkrieges au-, streuen Das Mandat, welches den provisorischen Regenten naturgemäß zukam, war eben nur, die von der Lage der Dinge erheischten dringenden Maßregeln zu treffen; int Uebrigen aber dursten sie dem Willen der Nation in keiner Weist vororeifen - sie hätten vielmehr Alles aufbieten muffen, um die Nation mog ichs- rasch Übe/ihren eigenen Willen zu befragen, damit sie sich einer Verantwortung entledigten, die zu übernehmen sie recbilich gar nicht befugt waren und die nm ter Drang der Umstände ihnen ausgenöthigt hatte.

fratte Paris also mit dem Ka.serthum gebrochen, so war die schleunigste Berufung einer constituirenden Versammlung geradezu eine Existenzbedingung. Mochte man zum äußersten Wicerstande gegen die siegreichen deutschen Heere ent- toMfin, rnvchi- man »cn °°r Nvthwenvigk-i. -in-r rnsch.n Beendigung de« Kn-g-« L,r,ellt s,j , in ttm einen wie in Lern antern Falle war tl tie Pflicht btfon- nener g^wissenhasttr StaaiSmanner, dir Nation in die Lage ,u versetzen, ihren ^^°"mer°dn Fanati«rnuS Garnbetia'S, der als Dictator gebieieri und> ohnc Controle über Frankreich« Geschick verfügen wollte, trug über die Erwägung n tet Besonnenheit, denen sich ein Theil seiner Collegen nicht gan| ,nli'6in fonntt, ten Sieg davon Die Berufung der Eonstttuante wurde vertagt und wieder vertag». Der Fall »°n Tou! , S.raßeurg, So.sson«, Metz, die Capi,ula.,°n der Armee Baraine's die wiederholten Niederlagen der in der Bildung begriffenen Reserv - krme-7, die Auflösung aller staatlichen Ordnung, der sociale Krieg, da« waren die Eraebnisse rer Gambetla'schen Wlderstandspolitik. , m

Der Fall von Metz besonder« bat die Nothwendigkett der u"grsaum,ei> Be-

St,!,,,. «,

Krieg'« hoffnungslo« i|t, uw «', A, »le Bereinbwung über- Ranglogen 3 Fr., der Rest 20 Sons'); d Kreist» da« B.rlangen nach nner G walt gel n°, (d)tDennnb im Nothfalle mit Talglichter Statt; l

ganz Europa erwartet m,t athemloser Spannung ta« E-g-bmtz der m ^--1« 3üEjten'in Baden-Baden einmal den ..

gepflogenen Negotiationen. nx, die Breitsten in aelben Handschuhen gespielt; man gibt in demselben Anzuge den von

8P' Wa« über dieselben verlaute,, ist noch unb.st.mrnt und unsicher, und d. Pr-ufim ° $rlftrn ttnMisanthrop-". - lieber di-

umlauf.nt(n Gerücht- bl-t-n noch keine sichere Grundlage für eine e Ng-,en°- Betrachtung. So viel scheint indessen gewttz zu setN, dasi der uubedtng c Wtd r^ stand gegen jede Gebietsabtretung, wenn auch nicht volltg gebrochen, doch mach g «schüt r. 'st , un° daß also eine unau-süllbar. Klus, zwischen dem wa« D-ntsch- land zu ordern ha. und U. wa« Frankreich bewilligen will mcht mehr b-steh^ w-nn^auch d>e Zahl der urtheilssähigen Staatrmann-r, die bereit sind, sich «'» Geboten der Nothwenoigkeit zu unterwerfen, vorläufig noch gering sein m st­ift tabtx auch nicht unwahrscheinlich, daß man sich über d>e Beoingungen eines Waffenstillstanvs einigen wird und daß nach Abschluß desselbenl dte a>^en zur

Constituante sofort werden ausgeschrieben. Die Bewilligung eines ff1 P J von langer Dauer ist allerdings Nicht wahrscheinlich, da v-r Win er herannah und die deutsche Heeresleitung doch unter allen Umstanden die Möglichkeit ins Auge fassen muß /dass die Eonsti.uante sich für ein. Forsetzung de« 5r..ge- nt- schadet. 3n diesem Falle aber würde eine lange Waffenruhe nur den Franzosen von (r(tg,rif4 otet friedlich Stfl"N»e Versammlung

bervorgeb-n wird, darüber lassen sich noch keine B-rmulhungen ausst-ll-n. Soviel aber ist Hai , daß, wenn tu Leitung der Wahlen (und ohne °'^'ile Le-Iung lassen sich Wablen in Frankreich gar nicht denken) dem fana'tschen Gambetta fällt die Aussichten auf einen dem Frieden günstigen Ausfall der eiben mch f b groß sind. D?nn Gambetta wird es an der Anwendung der äußersten Mittel