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Preis vierteljährig 1 fl. 12 Er. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 fr.

, Erscheint täglich, mit Aus« nähme Montags.

Expedition: Canzle i-b er g E 6it. B. Nr. 1.

Nr. 124,. Dienstag den 11. Oktober 1870.

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bet allen Post-Expedltionen und den Land-Postboten entgegen genommen. Die bereits erschienenen Nummern werden nachgeliefert.

Abonnenten, »velche den Anzeiger bei der Erpedition abholen lassen, erhalten denselben pro IV. Quartal 1870 zu 1 fl.

Amtlicher Theil.

Nr. 38 deö Bundes-Gesetzblattes des Norddeutschen Bundes, ausgegeben zu Berlin am 5. October 1870, enthält:

(Nr. 569.) Verordnung, betreffend die Aufhebung des Verbots der Ausfuhr und Durchfuhr von Hafer und Kleie. Vom 3. Oktober 1870.

(Nr. 570.) Die Ernennung eines Vieekonsuls deS Norddeutschen Bundes zu Bradford.

Gießen, den 7. October 1870. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

__________________________________________________________________________Or. G o l d m a u n.

Bekanntmachung.

Der landwirthschaftliche Bezirksverein für den Kreis Gießen wird

Donnerstag den 13. l. Mts., Vormittags 10 Uhr, zu Staufenberg in dem Gasthause des Herrn Fink eine Generalversammlung halten, zu welcher alle Mitglieder des Vereins und alle Freunde der Landwirthschaft, insbesondere die Herren Ortsvorftände und Lehrer eingeladen werden.

Tagesordnung: 1) Verwendung der dem Verein zur Verfügung stehenden Mittel.

2) Ueber die Bedeutung der Schafhaltung für die Landwirthschaft der hiesigen Gegend.

Sollten einzelne Mitglieder noch andere Gegenstände zur Berathung ausgesetzt wünschen, so wird gebeten, dies vor Beginn der Ver­handlung dem Unterzeichneten mitzutheilen.

Die Herren Bürgermeister werden gebeten, von dieser Einladung den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins speciell Kenntnis zu geben.

Gießen, den 4. October 1870. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins für den Kreis Gießen:

Dr. G o l d m a n n.

NB. Nach der Versammlung findet ein gemeinschaftliches einfaches Mittagessen statt.

Politisch

11. October.

Die Eile, welche Minister Delbrück hat, von den Resultaten der in München stattgehabten Ministerbesprechungen Mittheilungen im Hauptquartier zu machen, läßt darauf schließen, daß daselbst die Absicht herrscht, dem deutschen Volke zw gleich mit dem Frieden die deutsche Einheit zu bescheeren. Die hierauf bezüg­lichen Arbeiten werden mit dem größten Eifer betrieben. Jedenfalls nehmen die Vorbereitungen mehr Zeit in Anspruch, als schließlich die Zusammentragung ihrer Resultate erfordern wird.

Alle Versionen, welche über diese Arbeiten cursiren, stimmen darin überein, daß der Abschluß von Verträgen n tt den Süddeutschen auf Grund des in der Nordbundverfaffung vorgesehenen Artikels 79 so gut wie gesichert ist. 3n Württem­berg mit seinem in der That national gesinnten König und Herrn v. Mittnacht an der Spitze war man nach leicht beseitigtem Widerspruch schnell dazu bereit. Baven hat längst seinen bedingungslosen Eintritt in den Nordbund aus eigener Intention beantragt; Hessen steht bereits mit einem Fuße in demselben, es bleibt also nur noch Bayern übrig, welches freilich durch die mächtigen clelicalen In» triguen dem Einigungswerke solche Schwierigkeiten entgegengesetzt haben soll, daß man darauf und daran war, den Bund ohne Bayern zu schließen. Nach einer Berliner Correspondenz derN. Fr. Pr." soll noch jetzt Vie Möglichkeit nicht ausgeschlossen sein, daß es zu Separatverträgen mit Baden, Hessen und Württeiw berg kommt und Bayern so zu sagen ausgehungert und schließlich zum Hinzu­treten genöthigt wird. Man giebt zu, daß lediglich die Ultramontanen die Hemm schuhe der nationalen Bewegung in Bayern bilden und glaubt umsomehr, zur Ausübung eines moralischen Druckes berechtigt zu sein. Mittnacht geht in das Hauptquartier, ebenso der badische Minister Jolly; Graf Bray dagegen hat sich soeben auf das Land zurückgezogen; er scheint also nicht selbst an den Verhand­lungen sich betheiligen zu wollen, die jedenfalls im Hauptquartier geführt werden. Ihre Resultate, d. h. die abgeschlossenen Verträge, werden dem Reichstage und den süddeutschen Kammern unterbreitet, und nach der Annahme soll es dann zu allgemeinen Wahlen zum ersten deutschen Reichstage kommen.

Im Amtsblatt für die Provinz Hannover, in denBremer Nachrichten"! rc., hat Generalgouverneur Vogel von Falckenstein folgenden Gouvernementsbefehl veröffentlichen lassen:

Das Braunschweiger Manifest vom 5. September und die Königsberger Versammlung vom 14. September hatten mich veranlaßt, im militairischen Inte­resse durch meinen Gouvernementsbefehl vom 24. September die Volksversammlungen der social-demokratischen Partei zu verbieten.

Dieses Verbot wird aufgehoben.

Dagegen erwarte ich, daß die zur Ueberwachung solcher Versammlungen 1 bestimmten Polizeibehörden in dem mir untergebenen Bezirk nicht verabsäumen 1 werden, diejenigen Personen zu meiner Kenntniß zu bringen, welche durch öffent ! liche Kundgebungen Frankreich in seinem Widerstande gegen die von Deutschland |

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gestellten Friedensbedingungen ermutigen, mithin der feine lieh en Kriegsführung : zum Nachtheil der vaterländischen wesentliche Dienste leisten, um solche Personen auch ferner in geeigneter Weise für die Dauer deS Kriegszustandes unschädlich machen zu können."

Hannover, 5. Oktober 1870.

Der General Gouverneur.

(gez.) v. Falckenstein.

Seit dem Einzuge der italienischen Truppen in Rom hat sich zwischen d^n Cabinettkn von Berlin und Florenz ein ungewöhnlich lebhafter Verkehr entwickelt; doch würde man fehlgehen, wenn man glaubte, daß die römische Angelegenheit allein die Veranlassung zu demselben gegeben hat. Es handelte sich neben der Zukunft des Popstthums noch um ganz andere Dinge. Die Proclamirung der Republik in Paris und die Wendung der Lage an der Tiber haben der italieni­schen Actionspartei unverkennbar neue Kraft verliehen. Krone und Ministerium spielten hier während der römischen Krise eine wahrhaft klägliche Rolle; vom Könige weiß man, daß er ganze Tage unter Tyrämn und Handenngen verbracht hat; so unheimlich wurde ihm bei dem Gedanken, nun endlich doch dem Papste von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen zu müssen. In den Regterungskreffen herrscht eine süße Anarchie: man geht mit dem Strome, ohne sich verhehlen zu können, daß derselbe direkt zum Sturze der Monarchie führt. Victor Emanuel steht nicht mehr an der Spitze, sondern im Schlepptau der Bewegung, und in dem Augenblicke, da der höchste Wunsch seines Ehrgeizes sich gleichsam spielend erfüllt, ist er nur noch der Schatten des Königs von Italien, ein machtloses Werkzeug der Parteien, heute noch als solches gebraucht, um schon bei der nächsten Gelegenheit auf die Seite geworfen zu werden.

DieTimes" enthält folgende Depesche:

Wilhclmshöhe, 6. Octbr. Verschiedene Journale haben ein Document, unterzeichnet Na­poleon unv bdtiit Wilhelmshohe, 26. Sept., veröffentlicht. Dieses Document ist apokryph, und Eie werden mich verbinden, indem Sie ihm widersprechen.

Der Geheimsecretär des Kaisers Napoleon: F. Pie tri.

! , Der Moniteur zeigt an, daß die Mission von Thiers ihre heilsamen Wirkungen zeigen werde, nur müsse man sich von den unmittelbaretl Folgen keine übertriebenen Vorstellungen machen. Dalloz schreibt im Moniteur Va­riationen über Nichard's 111. Aeußerung:Mein Königreich für ein Pferd!" indem er ruft:Alle unsere Arme, alle unsere Herzen für einen Mann, der uns mit einem festen und unwiderstehlichen Plane in die Schlacht führt." Der Constitutionnel spricht mit nicht mehr verhohlenem Grimme von der Unfähig­keitvon etlichen Deputirten der Linken, die vor nun schon einem Monate die Leitung der Staats-Angelegenheiten in die Hand genommen", aber bis jetzt nur Stellen vergeben, nur demolirt und dabei die Zeit vergeudet hätten:Sie haben gewirthschastet wie im dicksten Frieden, Präfecten- und Souspräfecten- stellen an alle Ueberläufer von der Presse und Nichterstellen <ui Advocaten ver-