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9.7.1870
 
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zen zeichnen:

Wär' ich noch an den Erdenstaub geschmiedet, Wär' ich, wie er bei Gott, ich bäte nicht, Daß ihr mit Rath und Vorschrift mich beschiedet! Ich träte keck ins Helle Tageslicht, Und spräche: kommt im freien Haus zu wohnen! Die Zeit ist da: die letzte Kette bricht!

Hier soll des Volkes Herrscherwille thronen, Im Fürsten nur sich felbst gespiegelt sehn: Vom Volke kommt die Krone aller Kronen! Hier soll der Gleichheit Bruderfahne wehn! Es werde Licht vom Felsen bis zum Meere! So sei das Recht, die Wahrheit souverän! Kein blinder Eifer knechte mehr die Lehre, Kein Scherge mehr das freie deutsche Wort, Kein Sklavendienst beflecke eure Ehre!

--Und zündend von Tergeste's weitem Port Bis fern zum Rhein erschölle diese Kunde, Und risse siegreich Alles mit sich fort!

Von allen Seiten strömten sie zum Bunde;

Kein Kniff der Selbstsucht hemmte diese Fluth; Denn vor dem Löwen ducken sich die Hunde! Und wenn der Zwietracht Ungewitter ruht, Wenn sich der Freiheit Blüthenkelch entfaltet, In frischer, lichter, sonnenheller Gluth: Wo ist der Feind, so hünenhaft gestaltet, Der neidisch dann den Völkerfrieden bricht, Und spielend mit dem eignen Blute schaltet? Drum prüfet ernst die folgenschwere Pflicht, Eh' ihr die dunkle Schicksalsurne schließet; Vernichtend geht das Fatum ins Gericht!"

den können.

Gießen, den 2. Juli 1870.

Die Pfarrgeschäfte in der nächsten Woche besorgt Pfarrer Dr. Seel-

Du Führer eines irrenden Geschlechts!

O höre, eh' die Rächer dich ereilen, Die Stimme eines gottgesandten Knechts!" Der Geist Cavours entführt den Reiter dieser peinlichen Scene; unter einer Fluth Schimpfreden, die Stahl ihnen nachsendet, schweben sie in die Halle der Seligen: Aus Aether sind die Hallen rings erbaut, Und die da drinnen lichtbegnadet wohnen,

.frifdjöftcfter zu fließen.

Sonntag den 10. Juli. Georg Busch am Kreuz. Daniel Rübl am Rathhaus. Carl Plank in der Wolkengasse.

Klingelhöffer dahier, ehelicher Sohn; und Mathilde Adolfine Conradine Eleonore Auguste Wilhelmine Karoline Völker, des Großh Hofgerichtsraths, August Völker dahier, eheliche Tochter.

Denselben. Johann Heinrich Kahler, Bahnarbeiter dahier, aus Niederrasphe, des verstorbenen dasigen Einwohners, Hein­rich Kahler, ehelicher Sohn; und Katharine Fischer von Groß-Felden.

Den 3. Juli. Johann Philipp Holtz, Bürger und Fabrikant in Darmstadt, des dasigen Bürgers und Wagnermeisters, Hein­rich Jacob Holtz, ehelicher Sohn; und Marie Ernestine Walther, des hiesigen Bürgers und Schmiedemeisters, Philipp Karl Walther, eheliche Tochter.

Den 7- Juli. Dr. Karl Wilh. Eduard Werner, practischer Arzt und Zahnarzt in Darmstadt, des Großh. Leibarztes, Geh. Medicinalraths, Dr. Friedrich Christian . Werner daselbst, ehelicher Sohn; und Jo­hanna Lisette Friederike Luise Stein, des 1 Großh. Realschuldirectors dahier, Dr. Georg Ernst Stein, eheliche Tochter.

Getaufte.

, Den 3. Juli. Dem Bürger und Kupfer­schmied, Georg Vogt, eine Tochter, Johanna Christine Karoline Auguste Katharine Eli­sabeth, geboren den 23. Mai.

Denselben. Dem Ortsbürger in Zah- men und Weichensteller dahier, Balthasar ' Rieß, ein Sohn, Karl Wendel, geboren den - 2. Juni.

Den 6. Juli. Dem Bürger in Daaden . und Kaufmann dahier, Albert Scheel, ein j Sohn, Friedrich Martin Karl Johann Al- . fred, geboren den 19. Mai.

Beerdigte.

Den 2. Juli. Heinrich Hust aus Allen- dorf, Kreis Biedenkopf, des dasigen Orts­bürgers und Zimmermanns, Kaspar Hust, ' ehelicher Sohn, alt 20 I. 5 M. 12 T-, ge-

3196) Hierdurch zeigen wir einem verehrten Publikum ergebeust au, daß wir das von unserem sel. 'Vater betriebene Schreinergeschäft für unsere Rech­nung fortführen werden. Das demselben erwiesene Wohlwollen bitten wir auch auf uns zu übertragen und wird es unser eifrigstes Bestreben sein, das­selbe durch reelle und prompte Bedienung uns zu erhalten.

Hochachtungsvoll

G e b r. M e n g e l.

kirchliche Anzeigen.

Evangelische Hemeinde zu Hießen.

Gottesdienst.

Am 10. Juli.

Morgens: Pfarrer Dr. Seel.

(Feier des heil. Abendmahls.)

Nachmittags: Mitprediger-Vikar Drescher.

Kopulirte.

Den 25. Juni. Karl Victor Klingel- hösfer, Großh. Districtseinnehmer in Groß- Karben, des Großh. Justizraths, August

In <5. Scriba's Buchhandlung in Friedberg ist soeben erschienen: Datterich, l'ocalyoffc in der Mundart der Darmstädter. Bicrtc Auflage.

Preis 36 kl?.

Schon das Erscheinen dieser 4. Auflage liefert den Beweis von der unvergäng­lichen Lebenskraft des Datterich; dieses köstlichen, von Humor strotzenden Büchleins, das in seiner Art classisch genannt werden darf und dessen aus dem Leben gegriffene Scenen nicht nur in Darmstadt, sondern überall wo noch Sinn für heitere Laune sich erhalten hat, mit Vergnügen gelesen und wieder gelesen werden. Die neue Auflage hat, trotz freundlicherer Ausstattung den seitherigen Preis beibehalten.

Literarisches.

DieAugsburger Allg. Zeitung" enthält folgende interessante Kritik über das neueste Werk von Ernst Eckstein:Schach dcr Königin", welche wir unseren^ Lesern umsoweniger vorenthalten dürfen, da Eckstein, ein geborner Gießener, mit die­sem Epos sich rasch einen bedeutenden Namen erworben hat. Dieselbe lautet:

Die Gespenster von Varzin

Groteskes Nachtstück von Ernst Eckstein.

Die Veröffentlichung dieses Werkes war ein im höchsten Grad kecker, man kann sagen verwegener Wurf. Die herkömmlichen Kunstgesetze des Epos, welche auch das Humoristische nicht ganz verleugnen darf, waren hier auf den Kopf gestellt: statt einer objectiven Ruhe, welche die Individualität des Dichters bescheiden zurücktreten läßt, auf jeder Seite dcr Uebermuth einer sprudelnden Subjectivität; statt einer zusammen­hängenden Erzählung ein Kaleidoskop lose verbundener, in sich selbst keineswegs abge­rundeter Einzelbilder, unterbrochen durch unaufhörliche Parabasen, und doch das Ganze erfüllt von einer Ursprünglichkeit der Poesie, von einem Reichthum der Einbildungs­kraft, einer Gewalt der Sprache und einer Herrschaft über Vers und Reim, die Jedem, auch dem Widerstrebenden, das Gcständniß abnöthigte, daß er es hier mit einer wirk­lichen und wahrhaften Dichternatur zu thun habe, die das Vermögen zu ganz hervor­ragender Leistung in sich trage.

Das vorliegende Schriftchen ist eine national-politische Standrede, gekleidet in eine Vision des Grafen Bismarck, dem bei einem Nachtritt auf Varzin allerlei Ge­spenster-erscheinen, um ihm über Vergangenheit und Zukunft seiner Politik Vorhalt zu machen. Als Sprecher der christlich-germanischen Romantik, deren hoffnungsvollster Jünger einst Bismarck gewesen ist, erscheint der Geist des seligen Stahl, um ihm sein Sündenregister vorzuhalten und ihn zur Umkehr, zur Buße aufzufordern:

Hab' ich umsonst geflochten und gewoben Am Priesterkleid des gottentflammtcn Rechts, Daß seine Pracht so frühe schon zerstoben?

II. heißt es darin, daß wir die Versammlung gestört hatten, was wir immer thäten, wenn wir nicht allein agitiren könnten. Aber dabei schlägt sich Einsender selbst ins Gesicht, indem er weiter sagt, daß ihr Referent Schmidt seinen Vortrag beendet hatte und erst Joseph Schneider in der Mitte seines Vortrags gestört worden sei, also folglich nicht wir Lassalleaner, sondern die social-demokratische Arbeiterpartei die- Störung hervorgerufen hat und zwar dadurch, daß Einberufer der Versammlung, K. Orbi g, während Schneid er's Vortrag umherging, um Unterschriften zu sammeln. Da Einzcichnungen doch erst nach gepflogenen Debatten stattfinden können, so wurde Orbig durch den Vorsitzenden zur Ordnung verwiesen; aber feine Anhänger, die wahr­scheinlich keine parlamentarische Ordnung kennen, fingen an Scandal zu machen, wo­bei sich B- Schwan und L- Müller (beide Schreiner) besonders hervorthaten.

III. ist es eine ganz fade Bemerkung desVolkstaats", wenn cs heißt, wir be­trachteten Las alle als Gott ja, wir schätzen ihn hoch, denn er hat sich um die Ar­beitersache verdient gemacht, darum Ehre dem Ehre gebührt. Aber betrachten wir einmal, ob nicht die Volksparteiler all ihre Weisheit aus den Schriften Lasalle's schöpfen, natürlich sagen sic nur das, was gerade in ihren Kram paßt. Ob Dr. o. Schweitzer von Bis arck's Gnaden ist, können wohl diejenigen, welche die ReichtagS- und Zoll- parlaments-Verhandlungen gelesen haben, am besten beurteilen, aber wo waren denn die Vertreter der social - demokratischen Arbeiterpartei, Liebknecht und Bebel, in beiden gesetzgebenden Körpern?

IV. seien wir persönlich Feind von Allen, welche nicht zu unserer Partei ge­hörten. Dieses ist eine Unwahrheit, denn wir sind nicht persönliche, sondern prin­zipielle Feinde, weil alle anderen Parteien nur eine reactionäre Masse gegen die Arbei­ter bilden. Was die persönlichen Angriffe anbelangt, lassen wir dieselben unbeant­wortet, denn es mögen die Massen, welche anwesend waren, darüber urteilen.

Aber noch eine Frage, wo bleibt denn derehrliche" Schmidt mit seinem Ehrenwort, welches er gegeben hatte, als die Versammlung des Tumults halber geschlossen und auf Montag Abend vertagt wurde; warum zog er es denn vor, das Hasenpanier zu ergreifen, wie es die ganzen Führer und Agitatoren der Partei machen, wenn sie Gegner finden. Dieses ist unsere erste und letzte Erwiderung.

Das Ausstellungs-Comitö:

K e k u l e. F. Gail

Gewerbe-Ausstellung zu Gießen

im Jahre 1870.

3166) Die Frist zur Anmeldung ist bis zum 20. Juli d. I. verlängert wor­ben. Da von diesem Tage ab mit der definitiven Verteilung des Raumes begonnen werden muß, ist es fraglich, ob später einlangende Anmeldungen Berücksichtigung fin-

Erkoren sich das Vaterland zur Braut."

Da sitzen Arndt, Friedrich her Große, Joseph II., Palm und Stein. Aus des letztern Rede heben wir die Verse heraus, die den Geist, die Tendenz des Gan-

storben den i. Juli.

Den 3. Juli. Katharine Wilhelmine Elisabeth Plaum, des Ortsbürgers in Har­tenrod und Kutschers dahier, Johannes Plaum, eheliche Tochter, alt 1 I. 7 T., ge­storben den 2. Juli.

Den 4. Juli. Margarethe Franz, geb. Dietz, des verstorbenen Bürgers und Schuh­machermeisters, Balthasar Franz I., Wittwe, alt 66 I. 2 M. 17 D, geft den 2. Juli.

Den 5. Juli- Georg Jacob Martin Köhler, des Bürgers und Fabrikanten, Ludwig Köhler, ehelicher Sohn, alt 3 M- 1 T-, gestorben den 3. Juli.

Denselben- Katharine Schmidt, geb. Ort, des Bürgers und Gärtners, Heinrich Schmidt, Ehefrau, alt 57 I. 2 M- 7 T-, gestorben den 3. Juli.

Den 6. Juli. Ein ungetauft verstorbe­ner Sohn des Bürgers und Kaufmanns, Karl Wenzel, alt 3 T-, geft. den 5. Juli.

Den 7. Juli. Peter Georg aus Allen- dorf a. d. Ulm, alt 59 I., geft. den 5. Juli-

Denselben. Marie Georgine Katharine Christiane Kissel, geb. Reit, des Bürgers in Zwingenberg und Postbediensteten dahier, Johann Jacob Kissel, Ehefrau, alt 24 I. 10 M- 13 T-, gestorben den 6. Juln

| Turnverein.

Generalversammlung

'im Darmstädter Haus, Montag den 11. Juli, 8 Uhr Abends. Tagesordnung: Wahl von Abgeordneten für den mittelrbein. Turntag zu Wiesbaden. NB. Diejenigen Mitglieder, welche das am 31. Juli und 1. August zu Wiesbaden stattfindende Krcisturnfcst besuchen wollen, sind gebeten, sich bis Montag den 11- Juli spätestens in die bei den Herren L. Stohr und Äug. Reyher bereitliegenden Listen einschreiben zu wollen. Der zu entrichtende Festbeitrag beträgt 48 fr.

D er Vorstand.

Katholische Hemeinde.

Getaufte.

Den 15. Mai. Dem Bürger m Godes­berg und Locornotivführer bei der Cöln- Gießener Eisenbahn, Anton Fröbes, eine Tochter, Agnes, geboren den 2. Mai.

(E i n g e s a n d t.)

Der Zweck heiligt die Mittel", ist die bekannte Loosung der Jesuiten; auch die social-demokratische Arbeiterpartei scheint sich dieses zum Wahlspruch gemacht zu haben, denn nachdem sie in der Versammlung vom 26. Juni eine Niederlage erlitten, greift sie zu den niederträchtigsten Mitteln, benützt die öffentlichen Zeitungen, um Lügen und Verläumdungen unter das Publikum zu schleudern. So lesen wir in dem Gießener Anzeiger Nr. 77 einen eingesandten Artikel, der von Lügen strotzt, doch jeder denkende Leser wird eingesehen haben, wie sich Verfasser dieses Artikels selbst widerspricht.

I. lesen wir, daß der Vorsitz durch Intriguen in unsere Hände (des allgemeinen deutschen Arbeilcrvercins) gekommen sei, und muß doch jeder, welcher der Ver­sammlung beiwohnte, bezeugen, daß der Vorsitzende mit Majorität gewählt wurde und kein Zweifel dabei obwaltete.

Pfiur- Conferenz

der Decanate Gießen und Groß-Linden künftigen Mittwoch den 13. Juli, Vormit­tags um 10 Uhr.

Gießen und Groß-Buseck.

____________Landmann. Strack.

Für die Brandbeschädigten der Vorstadt Pera in Constantinopel sind weiter ein­gegangen :

von Herrn Vigelius 1 fl-, von Frau Ru­dolph 2 fl., von H. Ganß in Burk­hardsfelden 18 fr., im Ganzen 3 fl. 18 fr., hierzu die früher angezeigten 22 fl. 24 fr-, ist gleich 25 fl. 42 fr.

Weiteren Gaben sieht entgegegen die Exped. d. Gieß. Anz.

3207) Ein Glacier wird zu laufen ge­wünscht durch Elias Meier.

3141) Ein möblirtes Zimmer, am lieb­sten mit Cabinet, möglichst außerhalb der Stadt zwischen Gärten gelegen, wird von einem fremden sehr ruhigen Herrn gesucht- Gefällige Offerten an W. B., Cafe Ebel, einzusenden._____________________

3163) Die Unterzeichnete empfiehlt sich bestens als Hebamme.

Marie Franck, wohnhaft in dem Balser'schen Hause in __________den Neuenbäuen.

2760) Junge Leute, welche sich der Hand­lung widmen wollen, finden Engagement.

Näheres bei Flick & Kröll-

für ein gemischtes Waa- f ren-Geschäft, wird zum baldigen Eintritt, unter annehmbaren Be­dingungen, gesucht- Von wem? sagt die Exped. d. Bltts.__________________(2540)

3206) Ter Pfandschein Nr. 2163 ist ver­loren gegangen Der Finder wird gebeten, denselben in hiesiger Leihanstalt abzugeben.

(Hierzu eine Beilage.)