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von da nach Nancy, einer der größten und schönsten Städte in Frankreich. Wir hatten dort einen Ruhetag und kamen in eine Vorstadt zu liegen, unser zwei Mann, bei der reichsten Herrschaft im Ort. Daselbst war eine der größten Angora­katzen, die ich gesehen, mit 6 Zoll langen Haaren wie von Seide. Sie hatte einen Kopf wie ein Kind und war gutmüthig wie ein Schaf. Die Familie be­stand aus dem Hausherrn, feiner Frau, drei Söhnen und einer Tochter von 18 Jahren, die Söhne noch älter. Einer ist Capitän bei den Jägern in Paris, einer Kammerherr bei Napoleon in Kassel, der dritte war noch zu Hause. Sie sprachen geläufig Deutsch und waren sehr gutmüthig. Des Nachmittags sind wir zusammen nach und durch Nanzig gefahren, haben Wein in den ersten Hausern getrunken, was der Herr bezahite, und es wurde uns das Merkwürdigste der Stadt gezeigt. Der Hauptmann und der Oberst begegneten uns und haben Nase, Mund und die Lorgnetten aufgesperrt, daß wir Beide, die Tochter, Sohn und Herr im offenen Wagen mit zwei Pferden, Kutscher, die Katze auf dem Schooße der Tochter und ein sehr großer Neufundländer nebenher, durch die Stadt fuhren. Mein Nebenmann war ein Sachse."

London, 1. Dec. Aus Calais sind Mittheilungen eingegangen, wonach daselbst per Luftballon folgende Nachrichten aus Paris vom 30. v. M. anlangten: General Trochu und General Ducrot erließen unterm 29. eine Proklamation. General Trochu wirft die Verantwortlichkeit für das vergossene Blut auf Die­jenigen, deren Ehrsucht die moderne Civilisation und Gerechtigkeit mit Füßen tritt. General Ducrot schwört, daß er Paris nur todt oder siegreich wieder be­treten werde. Die Angriffsoperationen begannen gestern Morgen durch National­garden, welche den äußeren Bahnhof von Choisy besetzten; gleichzeitig wurde l'Hay angegriffen. Heute und in letzter Nacht anhaltende Kanonade. Die Schlacht begann auf verschiedenen Punkten. Ducrot überschritt heute Morgen die Marne und besetzte Mont Mesly, welcher Ort Mittags wieder geräumt wurde. Zwischen Champigny, Brie und VillierS war der Kampf besonders heftig. Unsere Truppen überschritten die Marne auf acht Brücken. General Trochu brachte zu verschie- denen Malen den Kampf wieder zum Stehen, indem er die Linien-Jnfanterie durch seine Anwesenheit zu entschiedenerem Vorgehen veranlaßte. Der Kampf wurde durch formidables, unaufhörliches Artilleriefeuer, welches rings um Paris durch die Forts unterhalten wurde und fämmtliche Positionen des Feindes bestrich, unterstützt. Ebenso griffen die Kanonenboote auf der Seine und Marne, sowie gepanzerte Eisenbahnwaggons in den Kampf ein. Nachmittags zog sich das Ge­fecht nach Epinai, dessen sich General La Nonciere bemächtigte. Der Kampf wird morgen auf der ganzen Linie fortdauern. General Renault, Commandirender des zweiten Corps, sowie General La Charviere sind verwundet. Im Süden von Paris hatte General Vinoy ein bedeutendes Gefecht engagirt. Unsere Verluste an Verwundeten betragen etwa 2000 Mann.

London, 3. Dec. Ein hier veröffentlichtes Telegramm des Fürsten von der Moskowa dementirt die Nachricht von dem angeblichen Friedensvertrage zwischen dem Könige von Preußen und dem Kaiser Napoleon.

Telegraphische Depeschen.

ch Darmstadt, 5. Dec. In der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer legte Ministerpräsident v. Dalwigk den Bundesvertrag vor. Das KriegSministe- rium reichte schriftlich eine Anforderung von 3,622,000 fl. behufs Weiterführung des Krieges ein.

/V Berlin, 5. Dec. Wie man aus gutunterrichteter Quelle erfährt, ist man der Ueberzeugung, daß der König von Preußen auf Wunsch der deutschen Fürsten/ indem er den Titel eines Königs von Preußen fortführt, den Kaisertitel als Bezeichnung der höchsten Würde in Deutschland annehmen werde. Die Re­gierung soll jede sachliche Abänderung der Verträge mit den süddeutschen Staaten als eine totale Verwerfung betrachten und zurückweisen. Bezüglich der voraus­gesetzten Betheiligung Frankreichs an der Conferenz vernimmt man, daß die Re­gierung in Tours eine eigne förmliche Anerkennung nicht verlange.

£ Berlin, 5. Dec. Das Schreiben des Königs von Bayern an den König Wilhelm lautet wie folgt:Nach dem Beitritt Süddeutschlands zum VerfassungS- bündniß werden die Ew. Majestät übertragenen Präsidialrechte über alle deutschen Staaten sich erstrecken. Ich habe mich zu deren Vereinigung in einer Hand in der Ueberzeugung bereit erklärt, daß dadurch den Gesammtintereffcn des deutschen Vaterlandes und seiner verbündeten Fürsten entsprochen werde, zugleich aber im Vertrauen, daß die dem Bundespräsidium nach der Verfassung zustehenden Rechte der Wiederherstellung eines deutschen Reiches und der deutschen Kaiserwürde als Rechte bezeichnet werden, welche Ew. Majestät im Namen des gesummten deutschen Vaterlandes auf Grund der Einigung seiner Fürsten ausüben. Ich habe mich daher an die deutschen Fürsten mit dem Vorschläge gewendet, gemeinschaftlich mit mir bei Ew. Majestät in Anregung zu bringen, daß die Ausübung der Präsidial- rechte mit Führung des Titels eines deutschen Kaisers verbunden werde. Sobald mir Ew. Majestät und die verbündeten Fürsten ihre Willensmeinung kundgegeben haben, werde ich meine Regierung beauftragen, das Weitere zur Erzielung der entsprechenden Vereinbarungen einzuleiten."

Mannheim, 5. Dec. Auf dem hier versammelten Fabrikantentag sind nur Zolloereinsfirmen vertreten. Das Präsidium führen Moll und Eminghaus. Allgemein macht sich das Verlangen eines neuen französischen Handelsvertrages auf paritätischer Grundlage geltend.

ch Dresden, 5. Dec. Ein Telegramm des Prinzen Georg an den König von Sachsen meldet den am 4. d. erfolgten Rückzug des Feindes hinter die Marne, sowie die Räumung von Brie und Champigny. . Eine weitere Offensiv- bewegung sei unwahrscheinlich. Der Gesammtverlust am 30. Nov. und 2. Dec. betrage 76 Offiziere 2100 Mann.

Bologna, 25. Nov. In der Aemilia verspürt man heftige Erdstöße; sehr viele Landbewohner flüchten vor dem Erdbeben in die Nachbarstädte. Der Haupt- Herd desselben ist zwischen Forli und Cesena, die Ausdehnung erstreckt sich bis Casteibolognese und Rimini. In Forli sind mehrere Häuser eingestürzt; es herrscht außerordentliche Bestürzung und Furcht vor einer längeren Dauer des Erdbebens, weil ein sehr hoher Thermometerstand beobachtet wird.

Officielle militärische Nachrichten.

Versailles., 5. Dec. Der Königin Augusta in Berlin. Orleans ist noch in dieser Nacht besetzt worden, also ohne Sturm. Gott sei gedankt. Wilhelm.

Versailles., 5. Dec. General-Feldmarschall Prinz Friedrich Karl hat nach dreitägigen stets siegreichen vorschreitenden Kämpfen und nach Erstürmung des Bahnhofes und der Vorstädte von Orleans am Abend des 4. und in der Nacht zum 5. die Stadt Orleans be­setzt. An 40 Geschützen und viele Tausend Gefangene befinden sich bis jetzt in unseren Händen. Der Feind wird unausgesetzt verfolgt. Dicffeitige Verluste verhältnißmäßig gering, von Podbielsky.

Argueil, 5. Dec. Von der ersten Armee hat das 8. Armee- Corps am 4. verschiedene glückliche Gefechte nordöstlich Rouen gehabt. 1 Geschütz und 400 unverwundete Gefangene genommen. Diesseitiger Verlust 1 Todter und 10 Verwundete. von Sperling.

Privatdepesche des Gießener Anzeigers.

Brüssel, 6. Dec. DasEcho du Parlament meldet aus Tours, daß bei den Sonntagskämpfen drei Viertheile der Papst- zuaven aufgerieben wurden.

Die Loire-Armee wich bis Blois zurück.

General Manteuffel hat Rouen besetzt._______________

Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.

(Sine schwere, aber überaus glückliche Rettung Schiffbrüchiger ist durch das Boot der Station Baltrum am 14. v. M. ausgeführt worden.

Morgens 7 Uhr wurde im Westdorf bekannt, daß ein Schiff mit Nothflagge in den Scheben, nämlich auf der Höhe nordwestlich von Baltrum auf der f. g. Tello-Plate sich befinde. Das ganze Dorf war durch das gegebene Signal in fünf Minuten beim Station-schuppen versammelt; mit Hurrah gingS dem West- ftrande zu und um 7i/2 Uhr war das Boot schon zu Wasser gelassen. Das Boot (20' lang) wurde mit 8 Mann bemannt; so ging es zum Schiffe hinaus.

Die Seen liefen sehr hoch bei Ebbezeit und stürmischem SW.-Winde; der erste Theil der Fahrt verlief ziemlich gut; aber ungefähr 1000 Schritt Entfernung vom Schiffe stand Vie Brandung so hoch, daß es nicht möglich war, eine Hand­breit vorwärts zu dringen; dazu schlugen alle Wogen in das Boot, dasselbe war halb voll Wasser.

Wir beriethen uns, so meldet der Vormann, ob es wohl menschenmöglich sei, weiter vorwärts zu kommen, aber Niemand wagte den Ausschlag zu geben; wir sahen ja die Schiffbrüchigen mit offenen Armen uns erwartend. Immer aus's Neue legten wir uns in die Riemen und thaten," -m Vertrauen auf Gott, unser Bestes. Um 9 Uhr waren wir denn auch beim Schiffe, wir warfen den Draggen aus und ließen uns so fieren, den Schuner unter Lee. Mit großer Vorsicht nahmen wir die Besatzung von 8 Personen in'S Boot. Jeder mußte auf sein Commandowort gespannt achten, sonst waren wir sämmtlich verloren. Alles ging gut; aber als wir unter Lee an dem Schiffe vorbei kamen, hatten wir noch eine furchtbare Brandung auszustehen. Keiner von den 16 Personen, die im Boote waren, glaubte, daß wir das Leben retten würden, aber es gelang."

Um 10y4 Uhr wurden die Schiffbrüchigen am Strand von Baltrum ge­landet, alle wohlbehalten. Gegen 111/2 Uhr trieben schon Schiffstrümmer und Ladungstheile an den Strand. Kurze Zeit darauf war das Schiff vollständig wrack.

Das verunglückte Schiff war die holländische SchunerbriggV e r w i ss c l i n g", Kapt. Tap. Dieser Kapitän, sowie der Steuermann, bezeugen, daß sie und die Ihren das Leben, nächst Gott, der Mannschaft der Baltrumer Station zu danken haben, die mit außerordentlicher Schnelligkeit und Energie Hülfe gebracht und unter den schwierigsten Umständen mit der Brandung gerungen habe. Das Gleiche bezeugt die Verwaltung de- ostfriesischen Bezirksvereins, eine außerordentliche Ehren* gäbe für die «Station Baltrum beantragend.

Börsennacbrichten.

5. December 1870.

Aetien.

Oest. Creditact. 2403/4

50/0 östr. F. St. E. B. 373 Lombard. Bahn 174Vr Ludwigsh.-Bexbach 163 Va

Maxbahn IO8V4 Bayer. Ostbahn 124*/2 Hess. Ludwigsb.-Act. 134 Alsenzbahn-Actien 86 Oberhessen 67

Prioritäten.

30/g öster.Stsb.-Prior. 555/$

3°/0 öst. s. Lombard 46

30/g Livorneser 311/4

5% Toscaner 49

5% Elisabeth.-Prior. 773/4 do. II. Emiss. 74Vr

Anlehensloose.

Kurh. 40 Thlr. Loose Nassau 25 fl. 383/4

40/g bayr. Präm.-Anl. 106V 4 Ansbacher 7 fl. 113/4 40/g badische Loose 106 Badische fl. 35 Loose Oestr. fl. 250 v. 1839 1858r Prioritätsloose 152Vr 1860r Loose 76Vs 1864r

Braunschweiger 167/s Stadt Madrid 22

Wechsel.

Amsterdam k. S. 1003/g

Augsburg k. S. 997/g

Berlin k. S. 104,5/16

Bremen k. S. 96J/fi

Cöln k. S. 1047/s

Hamburg k. S. 883/16

Leipzig k. S. 10413/16

London k. S. 1197/16

Lyon k. S.

Paris k. S.

Wien k. S. 96?/g

ditto in. S.

ditto 1. S.

Disconto 40/g G.

Geldaorten.

Pr. Cassen-Sch. 1 443/<45

Sachs.

Div. Cassen-A.

Pr. Friedrdor 9 58V2-59V2 Pistolen . . 9 4749 doppelte 9 48 50 Holl. fl. lOSt. 9 5456 Ducaten . . 5 3739 20 Frankens!. 9 33 34 Engi. Sover. 11 5612 Russ. Imper. 9 4850 Dollar in Gold 2 2728

Preuss. 4>/zO/o Oblig. 91 '/z Frankf. 3 Vs % Obi. 78y2 Nass. 4Vs°o Obi. 91V« Kurhess. 40/0 83 Gr. Hess. 5% Obi.

n n 4O/o 925/8

n 3>/s% , - Bayer. 5% 95>/r

4Vr 0/0 jährige 911/2 n 4% Vz jährige 85 V«

Würtemb. 4Vz % Obi. 903/< Baden 4 V2°/o Obi. c. E. L. 91 Oesterr. Silberrente 54

Papierrente 46

5% M. steuerf.

Amerik. Bonds 1881 r 96 Vs

1882r 945/8

_ 1885r 93%

1887r 933/s

Spanier, neuest. 30/g 30Vig

Aetien.

Frankf. Bank 131 Vs

Frankf. Vereins-Kasse 101 > 4

Darmst. Bankact. 322

Wien Bankactien 702

Galizien 234V<

Allgem einer An zeig e r.

Besondere Bekanntmachungen.

6030) Die Auslassung der Haupt- und Ergänzungs-Geschworenen für das Schwur­gericht der Provinz Dberhessen vom ersten Quartal 1871 soll

Montag den 12. December l I., Vormittags 11 Uhr,

in öffentlicher Sitzung Großherzoglichen Hof­gerichts in dem Hofgerichtsgebäude vorge- noinmen werden.

Gießen, am 5. December 1870.

In Verhinderung des Präsidenten Großh. Hofgerichts der Provinz Oberhessen: Weber.

▼t. Scharmann-

6031) Herborn- Der Weihnachts­markt wird Freitag den 23 d. Mt s. und der Neujahrsmarkt Freitag den 30. d. Mts. dahier abgehalten.

Herborn, den 3. December 1870.

Der Bürgermeister Todt.

5044) Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leih- fasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und zwar:

1) Mittwoch den 7. December,

2) Donnerstag 8.

3) Samstag 10.