Dem „C- v. u. f. D-" wird aus Wien geschrieben: Ueber die Haltung Dänemarks werden mir folgende zuverlässige Nachrichten mitgetheilt: Die dänische Regierung hat sich bekanntlich gegen gewisse Zusicherungen zur Neutralität entschlossen. Doch hat dies derselben eine geradezu ihre Existenz bedrohende Lage bereitet. Der französische Vertreter tritt jetzt sehr kategorisch auf und hat hierbei die Massen hinter sich. Er erklärt offen, die nach der Ostsee bestimmte französische Operationsflotte bedürfe unbedingt der freien Verfügung über dänische Häfen und würde sich dieselbe uöthigenfalls zu erzwingen wissen. Eine Ministerkrisis in Kopenhagen ist daher nicht unwahrscheinlich.
Der „Rappel" citirt. nicht zur Unzeit, folgende Stelle aus einer Rede, welche Emile Ollivier in der Sitzung des gesetzgebenden Körpers vom 16. Mai 1868 gehalten hat: „Der Krieg — viele Leute meinen, daß er nöthig, und daß eine Ehrensache zwischen Deutschland und Frankreich auszutragen ist. So wird gesagt, geschrieben und verbreitet. Meiner Meinung nach aber wäre der Krieg ein Verderben. Ich spreche nicht im Namen der Brüderlichkeit, im Namen jener Gefühle, mit denen die Politik nichts zu schaffen hat. Die Erfahrung hat jenen Ausspruch Montesquieu's bestätigt: „Die Männer des Krieges sind es, welche Europa ruüüren." Der Krieg hat niemals etwas entschieden, niemals etwas zu Ende gebracht. Vergebens würden Sie siegreich sein, vergebens hätten Sie Deutschland zurückgeworfen und den Rhein erobert; nach dem Krieg würden Sie noch schwerer abrüsten können, als zuvor. Sie würden genöthigt sein, Ihre Armeen noch zu vermehren, und der unbehagliche Zustand würde in der Welt fortdauern. Der Krieg ist also nur eine unpraktische und verderbliche Lösung, ein empirisches Aushülfemittel. Die wahre Lösung ist der Friede, aber der Friede mit der Abrüstung, aber der Friede mit der Freiheit, ohne welche er weder ruhmvoll noch sicher ist."
Das „Avenir national" beurtheilt das Verfahren des Herrn Benedetti folgendermaßen: „Der von Herrn Benedetti allgegebene Grund, daß Herr v. Bismarck von ihm die Abschrift des Entwurfes verlangt habe, um ihn dem Könige zu unterbreiten, ist albern. Wenn diese Urschrift nur die persönliche» Ansichten des Herrn v. Bismarck enthielt, so hatte dieser die Beihülfe des französischen Gesandten durchaus nicht nöthig, um dem Könige seine Ansichten mitzutheilen. Die Wahrheit an der ganzen Sache ist, daß Herr von Benedetti sich hat lächerlicher Weise an der Nase herumführen lassen. Herr von Bismarck hatte durchaus nicht die Absicht, uns Belgien anznbieten, er wünschte blos ein Document in Händen zu haben, welches er uöthigenfalls gegen die französische Regierung brauchen könnte. Dieses Document hat Herr Benedetti mit beispielloser Einfalt geliefert. Wer weiß, wie viele Fehler derselben Art Herr Benedetti vielleicht begangen hat!"
Die Berliner „Eorresp. Stern" bringt einen gegen England gerichteten Artikel. Sie schreibt: „Glauben die Engländer den Franzosen ungestört Kohlen und Munition zuführen zu können, mit denen sie uns zu vernichten gedenken, und als Lohn dafür von uns, mit unserem Blute, die Erhaltung Belgiens fordern zu dürfen? Wir sagen nicht, daß der Verlust Belgiens für die Grenzen Deutschlands ein geringer sei: wir würden diese Lösung der Frage vielmehr geradezu für eine verhängnisvolle halten; wo es sich aber darum handelt, die Kräfte einer Nation nicht dadurch zu vergeuden, um Kastanien für eincn Fremden — denn die Engländer zeigen sich uns ja als Fremde — aus dem Feuer zu holen, da muß man alle Eombinationen nach und nach in den Vordergrund stellen. Wir sagen den Engländern deßhalb: Belgien ist ein für Deutschland jetzt sich naturgemäß aufdrängendes Compensations-Object, und wir rathen ihnen, ihr Kind selbst zu schützen." Der Artikel schließt Mit den Worten: „Hoffentlich werden die leitenden Staatsmänner Deutschlands dem Treiben der Krämer- Insulaner nicht mehr lange ruhig zuschauen. Mehr Schaden, als uns die Franzosen allein zur See zufügen können, kann uns aus der Feindschaft Englands doch nicht mehr erwachsen; kommt es dann aber einmal zur Abrechnung, so wird der Kanal von Suez und der Weg durch Persien dahin führen, wo Compensations-Objecte für den jetzige« guten Willen Englands anzuweisen sind."
(W i e d e r h o l t.)
Vom Kriegsschauplatz sind folgende Nachrichten eingelaufen:
Aus Berlin, 3. August, wird officiell gemeldet: Am 2. August, Vormittags 10 Uhr, ist bas kleine Detachement in Saarbrücken angegriffen und die Stadt mit 23 Geschützen beschossen worden. Um 12 Uhr wurde die Höhe des Exercier- platzes, um 2 Uhr die Stadt von dem Detachement geräumt und der Rückzug zum nächsten Soutien angetreten. Die Verluste sind verhältnißmäßig gering. Nach der Aussage eines Gefangenen war der Kaiser um 11 Uhr vor Saar- brücken eingetroffen.
Ein in Amsterdam, 3. Aug., eingetroffenes Telegramm aus Metz vom 2. meldet, daß Saarbrücken durch die Franzosen besetzt worden sei. Es scheint sich mehr um einen französischen Theatercoup für Paris, als um eine militärische Action gehandelt zu haben. Der Kaiser und der kaiserliche Prinz wohnten der Operation bei. Die Preußen betrachteten von vornherein Saarbrücken als keinen militärisch wichtigen Punkt, da dort nur einige Compagnien standen.
L,er Kronprinz von Preußen hat folgenden Armeebefehl erlaffen: Hauptquartier, den 30. Juli 1870.
Armeebefehl.
Soldaten der dritten Armee!
Von Seiner Majestät dem König von Preußen zum Oberbefehlshaber der 3. Armee ernannt, entbiete ich den von heute ab unter Meinem Befehl vereinigten Königlich Preußischen, Königlich Baierischen, Königlich Württembergischen und Großherzoalich Badischen Truppen Meinen Gruß.
Es erfüllt Mich mit Stolz und Freude, an der Spitze der aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes vereinten Söhne für die gemeinsame nationale Sache, für deutsches Recht, für deutsche Ehre gegen den Feind zu ziehen.
Wir gehen einem großen und schweren Kampfe entgegen, aber in dem Bewußtsein unseres guten Rechts und im Vertrauen auf Euere Tapferkeit, Ausdauer und Mannszucht ist uns der siegreiche Ausgang gewiß.
So wollen wir denn festhalten in treuer Waffenbrüderschaft, um mit Gottes Hülfe unsere Fahnen zu neuen Siegen zu entfalten für des geeinigten Deutschlands Ruhm und Friede. (gez.) Friedrich Wilhelm,
Kronprinz von Preußen.
Berlin, 4. Aug. Offi cielle Nachrichten. In der letzten Nacht von der Armee elngegangene Details über das Gefecht bei Saarbrücken lauten- Ungeachtet des Feuers einer bedeutenden Artillerie verblieben unsere Vorposten m ihrer Stellung bis zur vollen Entwickelung des Gegners; erst als dieser drei Dtvisionen formirt hatte und vorging, räumte die schwache preußische Vorposten- abthcilung die Stadt und nahm dicht nördlich derselben eine neue beobachtende Stellung. Der diesseitige Verlust in diesem Vorpostengefecht beträgt zwei Offiziere und 70 Mann, trotz der Chassepotö, Mitrailleusen und zahlreichen Artillerie. Der Feittv scheint bedeutende Verluste zu haben. — An demselben Tage den 2. August, ging der Feind bei Reinheim, östlich von Saargemünd mit einer starken Colonne über die Grenze und eröffnete auf die kleinsten diesseitigen Pa- troulllen ein heftiges Tirailleurfeuer ganzer Compagnien, wobei nur ein Pferd gestreift wurde. Vor Anbruch der Nacht ging der Feind wieder zurück. Unsere Truppe n bewährten sich in allen diesen kleinen Gesechtcn herrlich.
Aus Metz wird der „Jndependance" „positiv" (?) versichert, daß die erste Begegnung der beiden Armeen zwischen dem 6. und 8. August erwartet werde
Darmstadt. Der hiesige Handelsstand wendet sich in einer warmen Ansprache an seine Mitbürger, um vor übertriebenem Mißtrauen zu warnen, das so weit geht, durch überängstliches und übermäßiges Ansammeln der für ein gesundes Geschäftsleben und einen lebhaften Handelsverkehr unentbehrlichen Zahlungsmittel in der doppelt verschlossenen Geldkiste Sicherheit gegen jede Gffahr Mit Recht wird dagegen geltend gemacht, daß wir insgesammt verpflichtet sind, „nicht in kopflosem Schrecken unsere Geschäftsfreunde, Nachbarn und Mitbürger durch übertriebenes Mißtrauen zu schädigen, sondern mit dem alten Vertrauen und in fester Zuversicht auf den glänzenden Sieg unserer ge- rechten Sache unsere Geschäfte fortzutreibcn, unsere Verbindungen aufrecht zu halten, unsere eigenen Verbindlichkeiten zu erfüllen und hiermit, so wie auf sonstige Weise nach Möglichkeit zur Erfüllung fremder Verbindlichkeiten durch Dritte mitzuwirken."
.^rlin, 1. August. Wie wir hören, ist der König gestern vor seiner Abreise von Berlin durch eine direkt vom Kaiser von Rußland an ihn gerichtete telegraphische Depesche verständigt worden, daß die Neutralität Oesterreichs unter allen Umstanden als gesichert betrachtet werden könne. Durch eine zwischen dem Czaren und dem Kaiser von Oesterreich über diesen Gegenstand gepflogene Verhandlung ist dieses Resultat erzielt worden. Die nächste Folge davon ist, daß derjenige Theil des fünften und sechsten Armeccorps, welcher bisher noch in Schlesien zu verbleiben bestimmt war, um für alle Eventualitäten diese Provinz zu decken^ nunmehr anderweit verwendet werden kann. (Rh. Ztg )
L B e* l' n , 3. Aug. Se. Maj. der König hat auf die Bundesanleche'eine halbe Million zeichnen lassen, auch die Königin und andere Mitglieder des kö- mglichen Hauses haben sich an dem patriotischen Unternehmen betheiligt An der heutigen Börse fand die Anleihe die lebhafteste Betheiligung.
Hamburg, 3. Aug. Hier ist die Bethellignng an der Zeichnung auf die Bundesanleihe bedeutend und erzielt allgemein ein höchst befriedigendes Re- sultat. Man erwartet, daß auch viele kleine Zeichnungen stattfinden.
Brussel, 2. August. Bei den Wahlen in den Senat wurden 24 Klerikale und 11 Liberale gewählt. Das Resultat der Wahlen in Brüssel, Lüttich Bruegge und Charleroi ist noch unbekannt, jedoch ist der Sieg der Klerikalen nicht zweifelhaft.
Rom, 31. Juli. Cardinal Antonelli empfiehlt dem Papste das Einver- nehmen mit Florenz als einzig mögliche Politik; es herrscht große Bewegung ?°LUur der Franzosen. Der Gesandte Englands bietet dem
Papst Malta als Asyl an. Man versichert: der Papst habe abgelehnt. (A. Z.)
Telegraphische Depesche vom Kriegsschauplatz.
(Officielle Mittheilung.)
Glänzender aber blutiger Sieg der Kronprinzlichen Armee unter des Kronprinzen Augen bei Erstürmung von Weißenburg und des dahinterliegenden Geisberges durch Regimenter vom 5. und 11. preußischen und 2. bayerischen Armeecorps.
Französische Division Douay vom Corps Mac Ma hon unter Zurücklassung ihres Zeltlagers in Auflösung zurückgeworfen. General Douay todt. Ueber 500 unvcrwundete Gefangene, darunter viele Turcos und 1 Geschütz in unseren Händen. Unsererseits General Kirchbach leichten Streifschuß. Grenadiere vom 50. Regiment starke Verluste.
Verwischtes.
Gießen, 5. August. Heute Mittag um 2 Uhr find die ersten gefangenen französischen Soldaten worunter sich auch TurcoS befanden, mit preußischer Bedeckung per Eisenbahn hier durchgebracht worden. ' '
Speyer, 25. Juli. Heute Nachmittag um 2 Uhr brach hier einer der arößten Brände aus, die unsere Stadt seit vielen Jahren gesehen. Der ganze Häusercompler M sogenannten schwarzen Nonnenklosters, gegenüber dem Velten'schen Garten, stand, als die Feuerglocke ertönte bereits in hellen Flammen. Die Häuser waren mit Frucht gefüllt und ein starker Ostwind trug die Flammen mit Blitzesschnelle über die Dächer der alten, eng und winkelig gebauten Häuser, ^en heldenmuthigen Anstrengungen unserer wackeren Feuerwehr gelang es trotz des heftigen Windes, das verheerende Element von den ebenfalls dicht bewohnten und meist mit Feldfrnchten gefüllten Nachbarhäusern zurückzudrängen; doch ist der Schaden noch immer sehr bedeutend und rascke Hülfe thut dringend noth. Wenigstens 60 bis 70 Menschen verloren in diesen wenigen Minuten ihr Obdach, ihre Ernte und den größten Theil ihres sonstigen EigenthnmS. Gin Kind wrrd noch vermißt und auch einiges Vieh soll verbrannt sein.
. *§.?vrc/n28 Auli. Heute Nacht ist durch eine furchtbare Feuersbrunst ein Quartier
unserer Stadt fast vollständig zerstört worden, darunter mehrere große Fabriken. Verluste an Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu beklagen; dagegen wird der materielle Schaden so- weit er sich schon jetzt tariren läßt, nicht unter 2 Mitt. FrcS. sein. Die Baumwollenmanufactur des Herrn Merlw-Lefevre, die gleichfalls abgebrannt find, war mit V2 Mitt. Frcs. beim „Phünir"
Redaction, Druck unk Verlag der Brühl'schen Univ.-Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


