Ausgabe 
6.1.1870
 
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Fürsten der fernere Bezug der JahreS-Subvention abhängt." (Der Fürst Nikita bezieht von Rußland jährlich 8000 Ducaten.) Der russische Consul in Ragusa, fügt VieTriester Ztg." hinzu, habe sich alle Mühe gegeben, den Intentionen seiner Regierung Geltung zu verschaff.n, doch habe ihm der Fürst, von Oesterreich und der Pforte eingeschüchtert, zur Antwort gegeben,wenigstens vorläufig" müsse Mon­tenegro, wenn eS nicht seine Selbstständigkeit ver« lieren wolle, fich einer stengen Neutralität befleißigen.

AuS Konstantinopel wird officiös gemeldet, der Sultan verlange die Auslieferung von 200,000 Ge­wehren und sechs Panzerfregatten von dein Khedive laut einem-Versprechen desselben.

Die Vereinigten Staaten von Nordamerika sind, nach dem neuesten Bericht des Kriegsministers, in militärischer Beziehung in 12 Departements und 3 Distrikte getheilt, welche wieder in 4 große Ab­teilungen zerfallen. Die Armee besteht gegenwärtig aus 25 Regimentern Infanterie, 10 Regimentern Kavallerie, 5 Regimentern Artillerie, 1 Jngenieur- bataillon und dem Cadettencorps. Der comman- dirende General empsiehlt eine andere Organisation der Jnfanterieregicmenter, durch welche die gegen­wärtige Stärke der Armee von 52,224 auf 42,650 Mann, die Effektivstärke von 34,842 aus 29,752 Mann vermindert werden würde.

5. Januar.

DieBerliner Börsenztgt." schreibt: Einige Auf­merksamkeit erregt es, daß zum neuen Jahre die diplomatischen^Vertreter Preußens an den Süddeut­schen Höfen ihre Beglaubigungsschreiben als gleich­zeitige Gesandte des Norddeutschen Bundes abgeben. Bekanntlich wurden, als vor einem Jahre die Preu­ßische Diplomatie im Auslande mit dem Charakter der Bundesdiplomatie bekleidet wurde, eine Ausnahme nur für die Südstaaten gemacht, und wurde dieses Verfahren dahin aufgefaßt, daß Süddeutschland ge- genüber^dem Norddeutschen Bunde nicht der Charakter des Auslandes beigelegt werden sollte. Die Stellung Süddeutschlands zu Norddeutschland sollte in Rück­sicht auf die dereinst zu schaffende internationale Ver­bindung als eine engere betrachtet bleiben. Dem ent­sprechend wird der Schritt, welcher gegenwärtig ge­schieht, dahin interpretirt, daß der Norddeutsche Bund den Gedanken der Schaffung eines weiteren oder engeren internationalen Bandes zwischen Norden und Süden einstweilen aufgiebt und zwischen den Süd­staaten und dem Auslande fernerhin keinen Unter­schied zu machen gedenkt. Andere Conjecturcn kom­men zu dem entgegengesetzten Schluffe und wollen in der Beglaubignng der Preußischen Gesandten als Bundcsgesandte ein Anzeichen dafür sehen, daß der Bund für die nächste Zukunft eine aclivere Einfluß­nahme auf die politischen Verhältnisse der Südstaaten anstrebt. Der Berliner Correspondent derElberf. Ztg." hält beide Conjecturen nicht für zutreffend und glaubt, wohl mit Recht, daß der einzige Grund zu dieser Maßregel in den preußischen Etatsverhältnissen zu suchen ist. Da mit dem 1. Januar 1870 der Etat des preußischen Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten auf den Bund ü ergeht, so erfordert es ebensowenig die Gleichförmigkeit, als tas Interesse der preußischeu Finanzen, jene Gesandtschaftsposten nicht auf dem preußischen Etat zu belassen. Poli­tische Schlüsse dürfen aus diesem Umstande vorerst nicht zu ziehen sein.

Statt eines Rückblickes auf das vergangene Jahr bringt das Siecle eine Uebcrsicht dessen,was für 1870 versprochen wurde." Diese Zusagen sind: 1) Stellung der Presse unter das einfache gemeine Recht, Abschaffung des Stempels und der Caution: 2) Reform nicht bloß der Preßgesetze, sondern auch des Gesetzes über die Wahlen; 3) Aufhebung des Artikels 75 und Herstellung ter persönlichen Ver- antworilichkeit der Beamten; 4) Ersparnisse im Bud­get; 5) eine strenge Revision der Finanzgesetze; 6) ein gutes Municipalgesktz; 7) ein wirksames Gesetz über den unentgeltlichen Unterricht mit Schulzwang, da­mit der schimpfliche Mangel an Volksbildung, der jetzt bei einem Fünftel von Frankreich vorhanden, aushört. Wenn diese Gesetze ehrlich und redlich zu Stande gebracht werden und ins Leben treten,so kann 1870 noch ohne Stürme vorübergehenim anderen Fallewürde Frankreich sich nothgetrungen dem Unbekannten in die Arme werfen."

Wie die MadriderPolltica", übrigens ein dem Herzoge von Montpensier ergebenes Blatt, versichert, hat Prim eine schriftliche Depesche von Montcmar aus Florenz empfangen, welche die Benachrichtigung enthält, daß der König Victor Emanuel zu der Can- didatur seines Neffen Thomas seine Genehmigung nicht ertheilen könne, indem das italienische Minlste- riumdem Plane einhellig entgegentrete.

Die Italien. Pr-sse widmet ihre Aufmerksamkeit zur Zeit vornehmlich dem öeumenischen Concil. Besonders

Redaction, Druck i

eingehend beschäftigt fich dieJtal. Corresp." mit dem jüngsten Vorgehen des apostolischen Stuhls, welcher einerseits durch den Erlaß neuer Bestimmungen in Betreff der Exkommunikationen lalae sententiae, an­dererseits durch Anordnung einer militärischen Revue über die päpstlichen Truppen zu Ehren der in Rom versammelten Kirchenväter den Zorn des hochofficiö- sen Blattes gereizt hat. lieber die neue Bulle Pius IX. urtheilt dasselbe, folgendermaßen:Dieses Ak­tenstück hat eine Tragweite, die nicht unbeachtet blei­ben darf; es präjudicirt einem Dogma, welches erst verkündet werben sollte, dem von der päpstlichen Un­fehlbarkeit, und schmuggelt in den katholischen Glau­ben die absurden Verurtheilungen des Syllabus ein. Es präjudicirt der Unfehlbarkeit, denn der Papst pro- mulgirt diese neue Constitutionaus eigenem Antriebe, aus seinem untrüglichen Wissen und aus der Fülle seiner apostolischen Machtvollkommenheit. Ist nun dies Alles nicht bereits die persönliche Unfehlbarkeit, vom Papste selbst verkündet?" Der von der Regierung inspirirte Artikel schließt mit folgenden Worten:Ei­nem Feinde, der mit solchen Waffen vorgcht, muß man mit Waffen derselben Art begegnen. Da er die Theologie zum Angriffsfelde wählt, muß man sich auf demselben vcrtheidigen. Will man Italien durch eine mit dem Modelle asiatischer Despotismen gegründete Kirche vernichten, so gibt es zur Vcrtheibigung nur Ein Mittel: die Gründung der Kirche auf dem ent­gegengesetzten Principe."

Civilta caltolica" bringt einen längeren Artikel über die Stellung der Regierungen gegenüber jdem Concil, in welchem gegen Rußland die stärksten In- vectiven geschleudert werden. Das Blatt sagt: Die Regierungen haben das Coucil weder begünstigt noch demselben geradezu Hindernisse bereitet, ausgenommen das schismatische Rußland, welches dem einzigen pol­nischen Bischöfe, der noch nicht ermordet oder nach Sibirien deportirt wurde, verboten hat, nach Rom zu kommen, um von den Leiden einer Nation von Märtyrern zu erzählen. Eine einzige Regierung, die des großherzigen Frankreich, welchem die ganze ka­tholische Welt zu Danke verpflichtet ist, zeigte sich wohlwollend, indem sie in den päpstlichen Staaten die Besatzung ließ, welche eine sehr starke Garantie für die Aufrechterhaltung der Ruhe während des Concils ist.

Preußen. Berlin, 24. Dec. Die Stadtverordneten von Berlin haben am 21. b. einen Beschluß von allgemeinem Jntcreffe und großer Tragweite gefaßt, nämlich ihrerseits den Paragraphen der preußischen Verfassung, welcher die Unent- geldlrchkeit deS VolkSunterrichls verheißt, vom 1. Januar 1870 an in s Leben treten zu lassen. Da dieser Beschluß nur die Bestätigung eines von der gemischten Deputation der Com^ munalbehörden unterbreiteten Antrages, der bereits vom Magi­strat genehmigt worden ist, so wird vom 1. Jan. an kein Schulgeld mehr für den elementaren Volksunterricht, weder in den Eommunalschulen noch in den Privatschulen Berlin'S, in­soweit in dieselben Kinder von den städtischen Schulcommissionen gesandt werden, erhoben werden.

Berlin, 29. Dec. In der Frage wegen Zulassung von Realschul Aditurienten zu den akademischen Fachstudien hat vor Kurzem auch die Universität Halle ihr Gutachten abgegeben. Wie verlautet, sind sämmtliche Facultäten derselben einmuthig gegen die Zulassung. DaS Votum dieser Universität enthält namentlich den Ausspruch, daß die auf Realschulen erlangten Kenntnisse meistens lückenhaft seien und daß den Realschülern diejenige allgemeine wissenschaftliche Vorbildung fehle, welche nicht allein für die Facultätsstudien, sondern auch für die spätere Lebensstellung der Studirenden sich als eine Nothwen- digkeit erweise. Für die Zulassung der Realschul-Abiturienten zu Universiiätsstudien hat sich in Königsberg die medicinische Facultät einstimmig, die philosophische mit großer Majorität ausgesprochen. Innerhalb der letzteren namentlich Prof. LehrS, der bekanntlich einer der ersten jetzt lebenden Philologen ist. Von den anderen bisher bek'unt gewordenen Gutachten der Universitäten lauten die von Bonn und Breslau unbedingt ab­lehnend; in Greifswald hat sich die medicinische Facultät un­bedingt für Zulassung, die philosophische für Zulassung zu dem Studium der mathematischen, Natur-, Staats-, Eameral- und Gewerbswiffenschaften ausgesprochen.

Düsseldorf, 26. Dec. DerEssener Ztg." zufolge ist vorgestern die Verhaftung deS Stabsarztes deS 39. Regiments, Fr-- wegen Betheiligunq an den Bochumer Untersuchungen be­treffend Beihulfe zur unerlaubten Befreiung vom Militär erfolgt. Es sollen jetzt im Ganzen 29 Verhaftungen von Militärärzten in dieser mehr wie trüben Angelegenheit erfolgt sein.

Württemberg. Waldsee, 2. Jan. Eine VcMSUN- lupfl der deutschen Partei deS oberschwäbischen Gaues, die in Waldsee tagte, hat erklärt: 1) Die nationale Einigung Eüd- deutschlandS mit dem Norddeutschen Bund ist nöthlg zur Siche­rung der Zusammengehörigkeit und zur Gesundheit im Innern; 2) mit dem KiiegSdienfigesetz von 1868 ist b:e deutsche Partei völlig einverstanden, weil eS Deutschland sicherstellt und die Rückkehr veralteter Zustände hindert; 3) die Pflicht der Regie­rung eS, unzweideutige Stellung gegen alle undeutschen Be­strebungen zu nehmen.

Frankreich. Paris, 31. Dec. DaSJournal ofsiciel" hat gegen Erwarten noch keine Liste deS neuen Ministeriums gebracht. Traupmann ist durch den Spruch des Gerichtes zum Tode verurtheilt worden.

Paris. Ein Herr E. F. Gambon, früher Richter und nach dem 2. Dec. deportirt, einer der radikalsten Redner der öffentlichen Versammlungen, hat auf eine an ihn ergangene Vorladung ein in den Annalen der Justiz gewiß beispiellos da- st.hendeS Schreiben erlassen, dem wir folgende Stellen ent­nehmen : Ich werde ebenso wenig Ihrer Vorladung Folge leisten, als dem vorangegangrnen nicht motivirten Be- ld Verlag der Brühl'fchen Unio.-Druckerei (Fr. Chr. P

fehl des Untersuchungsrichters, Herrn v. Lucry. Ich liebe weder die geheimen Untersuchungen, noch die Debatten bei ver­schlossener Thür. Als Republikaner stelle ich mich nie­mals freiwillig den Richtern Louis Bonaparte's, des Meineidigen vom December, deS AufreizerS vom 20. Juni, des Meuchel­mörders von Ricamarie und Aubin. So viel Ehrfurcht ich vor den Richtern Frankreichs habe, ebenso wenig neige ich mich vor den Richtern eines Menschen und eines solchen Menschen! AlS Bürger erkenne ich Sie nicht als meine Richter an. Gegenwärtig haben Sie nicht mehr das Recht, Uriheile zu sprechen. Ihre Verfassung hat, nachdem sie von den ergebenen Dienern des Senats verändert, von Ihrem Herrn aber am 26. October zerrissen worden, zu bestehen aufgehört.--

Italien. Florenz, 1. Jan. Auf die Glückwünsche zum Jahreswechsel, welche dem Könige eine Deputation des Parlaments darbrachte, erwiederte der König, er hege den Wunsch, daß die finanziellen Schwierigkeiten durch ein gemein­schaftliches Einvernehmen gelöst werden möchten. In der Deputation war die Linke durch zahlreiche Mitglieder vertreten.

Vermischtes.

Aus dem Kreise Groß-Gerau, 20. Dec. Die Gemeinde Biebesheim hat 3 Schulen. Die beiden ersten Lehrer find Männer in den 70er Jahren und zählt der ältere Roth bereits 56 Dienstjahre, die er zum größten Theile in der Gemeinde verlebte. Nunmehr möchte der würdige Veteran seinen langjährigen und gesegneten Wirkungskreis verlassen und den Rest seiner Tage in Ruhe verleben. Auf eine dieSfallfige Anfrage Seitens des Großh. Kreisrathes erklärte fich der Orts- vorstand sofort und gern bereit, ihrem alten treuen Lehrer Woh­nung und vollen Gehalt als Pension zu belassen, wogegen der­selbe dem an seine Stelle ernannt werdenden Vikar nur ein Stübchen rinräumen möge.. Ehre der Gemeinde Biebesheim! Möchten sich andere Gemeinden, so lange wir ein PenfionSge- setz entbehren, an ihr ein Vorbild nehmen!

W Friedberg. Am 1. Jan. Abends 11 Uhr wurde hier ein . prachtvolles Nordlicht beobachtet, welches etwa 10 Minuten lang, bald stärker, hald schwächer, den nördlichen Himmel in dunkclem Roth beleuchtete; einmal, fast mit dem Glockenschlage eilf, sah man, jedoch nur auf einen Moment, gleich einer ent­fernten riesigen Rakete, eine Helle Lichtgarbe aus dem dunkeln Roth des Nordlichtes hoch in den Nachthimmel emporstrahlen.

Frankfurt, 3. Jan. Am Neujahröabend wurde einem hiesigen Familienvater die Wiege gestohlen; das Kind jedoch wurde vom Diebe nicht annectirt.

Am NeujahrSabend prügelte auf dem Judenmarkt ein Mann seine Frau zum JahreSabschied und als Willkomm im neuen Jahre dermaßen durch, daß sie aller Wahrscheinlichkeit nach das eine Auge einbüßen wird. Die Reue über die That kam zu spät, da eine Untersuchung im Gange ist. Ist daS ein Neujahrsgeschenk?

Paris, 28. Dec. Der Zudrang des Publikums zum Justiz­palast, wo heute der Pr«ceß gegen Traupmann begonnen hat, war anfänglich nicht sehr bedeutend. Unter den Personen, welche sich dort eingefunden, befand fich ein Bauer in blauem Kittel. Derselbe begehrte auch Einlaß und erhielt ihn zum Erstaunen Aller, obgleich er nickt als Zeuge vorgeladen war, noch eine Karte hatte. Man berücksichtigte nämlich sein Begehren, weil et eS war. welcher den Acker, auf welchem die schreckliche That verübt wurde, auf Befehl der Justiz umgepflügt hatte. DaS innere deS Saales war schon lange vor 10 Uhr vollstän­dig angefüllt; eine große Anzahl Personen fanden keinen Ein­laß mehr, obgleich sie Karten hatten. Beim Eintritt in den Saal fielen sofort mehrere große Tische auf, die sich inmitten deS Saales befanden und auf denen die UeberführungSgegen- stände aufgelegt sind. Man bemerkte die Kleider der Madame Kinck und ihrer seckS Kinder, darunter die der kleinen Hortense, dann das Stück Brod und die Wurst, welches die Kleine noch in den Händen hatte, als man sie aus der Grube hervvczog: ferner die Schaufel, die Art und das Messer, mit welchen der Mörder sein Verbrechen auöübte. Diese Gegenstände, beson­ders die Kleidungsstücke der sieben oder vielmehr acht Opfer, machen einen tiefen Eindruck auf die Anwesenden, besonders auf die sehr zahlreich anwesenden Frauen, von' denen viele sich die Thränen aus den Augen wischten. Das Gedränge im Saale wurde nach 10 Uhr furchtbar, besonders als sich eine Anzahl Advocaten mit Gewalt eindrängte. ES entstand ein Tumult, der fich erst legte, als der Hof eS war halb 11 Uhr angekündigt wurde. Der kaiserliche General-Procura- tor Grandperret und der General-Advocat Merveilleur Duvig- naur, so wie der Vertheidiger Advocat Lachaud nahmen zu gleicher Zeit ihre Plätze ein. Gegen 11 Uhr wurde der Ange­klagte eingeführt. Seine Ankunft erregte eine immense Sen­sation. Alle Welt erhob sich, um ihn besser zu sehen. Traup­mann ist von kleiner Statur, mit schmächtigen und jugendlichen Gliedern. Sein Gesicht ist mager und abgemattet, sein Teint t»otzdem nicht sehr bleich; die Ohren sind an den Rändern ge- rölhet. Sein Blick, ohne scheu zu sein, ist nicht eben fest, da Aller Augen auf ihn gerichtet sind. Am häusigsten läßt er seinen Blick zu den Gesch)vorenen hinüberschweifen. Von vorn betrachtet, steht et wie ein Knabe aus, aber fein Profil zeugt von Energie. Seine feingeschnittene Adlernase springt kühn mitt der gewölbten Stirn hervor und fein Auge ist im Profil von großer Festigkeit. Der untere Theil seines Kopfes ist ordinär. Der Unterkiefer hängt am Kopfe wie der eines wilden Thieres. Sein dichtes Haar ist über die Stirn weg- und hinter die Ohren gekämmt. Auf der Oberlippe sproßt ein wenig Bart, wie auch ein Flaum das Gefickt umgiebt. Gekleidet ist er wie ein Arbeiter, trägt einen etwas abgenutzten schwarzen Ueberrock, eine dunkle Sammtweste und eine Halsbinde mit umgeschlagenem Hemdkragen. Sein Halö ist'stark und ziemlich lang. Sechs GenSd'armen bewachen ihn. Der Greffier lieft hierauf den Anklageakt vor. Der Angeklagte hört denselben ruhig an und bleibt selbst bei den gehässigsten Stellen desselben vollständig gleichgültig. Nur scheint er verwirrt und wird bleich, als von der Jntrigue die Rede ist, die er gemacht, um sich dos Geld auf der Post von Guebwiller zu verschaffen. Die Geschworenen betrachten den Angeklagten sehr aufmerksam, aber derselbe giebt s.lbft nicht einmal ein Zeichen der Aufregung, als von den Einzelheiten der Ermordung der Mutter und der Kinder die Rede ist und erzählt wird, wie die KleinenMama! Mama!" gerufen haben. Nach dem Aufrufe der Zeugen beginnt das Verhör Traupmann'S. (Da wir unseren Lesern die hauptsäch­lichsten Punkte deS Anklageactes schon mitgetheilt haben, so glauben wir, daß damit daS Gesammtbild der scheußlichen Thaten Traupmann'S genügend gezeichnet ist, und wir im Interesse der Moralität die daS Gemüth nur peinlich aufregenden Verhand­lungen übergehen können. Etwaiges Neue, sowie die Endresul­tate diese« traurigen Prozesses werden wir kurz mittheilen.

ietsch) in Gießen-