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Gießener Anzeiger.
Erscheint täglich, mit Ausnahme Montags.
Expedition: Canzleiberz Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.
1870.
Samslng den 5. November
Nr. 1£6.
----T—" “ — — werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch SRcÜßllllitllCit tlllf Den bei allen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.
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tulation des HcereS
4. November.
Der Gedanke, im Kampfe besiegt zu fein, ist den Franzosen so uneriräg. _ . . ■ « • < r < . r. CC. i.i S a h ahm o A tl i m I
Brodpreise vom 3. bis 12. November 1870,
nach eigener Erklärung der Bäcker:
4 PsE g^isch.es Brod 19 kr. 2 Pfund gemischtes Brod 9'/, kr. 4 Pfund Roggenbrod 16 fr. 2 Pfund Roggenbrob 8 fr.
ntU ^So'batte sich denn die fabelhaft. Vorstellung ausgebildet, daß Bazaine's Lage ecke durchaus gesickerte und günstige fei, daß er feine Verbindung mit Dbtonville hergestelli habe und nur auf den günstigen Augenbuck warte, um einige CorvS der CernirungSarrnee über den Haufen zu werfen und mit feinem siegreichen Le re dem bedrängten Paris zu Hilfe zu eilen. Und nun kommt statt der sehn- Uchst erwarteten Nackricht »°n seinem Durchbruä> S-dreckenS und. »°n dem
Metz nur das Resultat eines Verbrechens sein könne, dessen Urheber außerhalb des Gesetzes gestellt werden müßten. Dies ist ein Wort, wie es nur der unsinnigste Haß, der wildeste und zugleich eigensüchtigste Parttifanalismus auSsprechen kann, wie es wohl selten den Erlaß eines Ministers, dir ehe er ächtet, doch zu untersuchen verpflichtet ist, befleckt hat. Es ist eine Infamie, die sich nur daraus erklären laßt, daß der vom Größenwahnsinn ergriffene Terrorist den von den Preußen besiegten Nebenbuhler nun auch sofort moralisch zu vernichten sucht. Verleumdung, Lüge, jedes Mittel ist diesem Menschen recht, durch welches er seine angemaßte Herrschaft, die mit dem Wicdererwachen der gesunden Vernunft, der Einsicht in die Lage der Dinge, in Trümmer fallen würde, verlängern kann.
Und leider ist ja wirklich das Verdächtigungssystem ein sehr wirksames Mittel, um alle Regungen der Besonnenheit niederzuschlagen oder im Keime zu ersticken. Kein Einzelner, keine Partei wagt eS, den Frieden für eine Nothwendigknt zu erklären, weil keine den moralischen Muth hat, der Anklage des Verrathes Trotz zu biekzt. Und diese Furcht vor der überreizten öffentlichen Meinung wird fort- dauern, so lange Paris noch unbezwungen ist.' DerLall y?.n,_Mtz — dafür sprechen bereits einzelne Symptome — wird die Stimmung ernüchtern. Allgemein w«rd die Ueberzeugung von der Vergeblichkeit des Widerstandes aber erst dann werden, wenn das letzte Bollwerk desselben, Paris, gefallen ist. Dann erst wird vas Fr' dcnSbedürfniß sich so mächtig geltend machen, daß Manner von Ansehen es wagen können, das Nothwmdige offen auszusprechen, ohne sich der Gefahr aus- zusetzen, als Derräther an den Pranger gestellt zu werden.
können, wenn er o------ , . -
rntben worden, es geht durch Verrath zu Grunde.
Daß das seit Monaten systematisch über die wahre Lage der Dinge getauschte Publikum so urtheilt, ist nicht zu verwundern. Daß Bazune'S ganzes Streben dabin aina sich in Metz bis nach der Einnahme von Pans zu halten, daß d chrgei/g.u polttifchm Entwürfe tei Marschall« auf der Erhaltung seines Heeres bsirubfrn daß ein vielleicht noch einen Monat lang fortgesetzter Widerstand ihm d D eiatur in °i. Hand? g-spielt haben würde, dass aksa ein V reath von s-mer SUteein Act "de« Wahnsinns gewesen wäre, sieht di- grosse Masse nicht em. Und diejenigen, ^ie es einigen, verschweigen es find, eine Gelegenheit gefunden zu Haden, um i**' Verräther br invmarken zu können.
VxAs f;n so emvsindlicher^ Schlag für ihre matzio,e vjuchvu, vuB, ivmu ■
mehr gelingen will. dieRl-lMng- durch eine lügenhafte Darstellung in eenen I Seeg zu verwandeln, man nichts Wichtigere- zu thun hat. als eenen Einzelnen ausfindig zu machen, dem man für da- von Allen verschuldete Pießgescheck ver- antwortUch machen kann. Begnügt man sich Anfang«, die Ungeschicklichkeit der Führer anzullagen, so bleibt man, wenn ein Unglucksscklag dein andern folgt, bei dieser verhälinißmässig milden und harmlosen Beschuldigung neckt sthen: es folgt der Vorwurf der Feigheit und cndleck der schimpflichste von allen, der des Verrathes. Ist dies Wort einmal ausgesprochen, so wettert man überall Ver- rä her: jeder höhere Oificier ist verdächtig; der Soldat meßtraut eenen Borge, senten und sieht sich als ein Opfer an, vas nutzlos zur Schlachtbank geführt wird' die Bande der Disciplin lösen sich, der Mangel an Vertrauen zu den »übr'ern bat die äusserste Zuchtlosigkeit zur unmittelbaren Folge. , ,
Auch der tapfere und ehrenwerthe Uhrich, kern seine standhafte Vertheivi- auna auch die Achtung des feindlichen Siegers erworben hat, isti der Anschuidr- gung des V-rrathe- nicht entgangen; er sieht sich, wahrend Offictere, die ihr Ehrenwort gebrochen haben, in ganz Frankreich als Helden und Patrioten ge- feiert werden, gcnöthigt, gegen die nichtswürdrgstcn Verleumdungen sich zu !h'idige7, Verleumdungen? die überall m,t Wohlgefallen geh rt und nut Ei,er verbreitet werden. Man ist eben in der Begriffsverwirrung so wert gekommem dass man lieber die tüchtigsten Männer, die man aufzuwetscn hat, Mit bewirft als sich zu dem Geständniß bequemt, dass mau von einer stärkeren Macht im ehrlichen Kampfe überwunden ist. Dass man darnrt der ganzen Nation, in d" die Saat der Ehrlosigkeit und de« Verrathes so upp'g wuchern kann, einen unauslöschlichen Schandflecken anbeftet, dafür hat man kerne Empfindung. M t einer Art von Wollust der Selbsterniedrigung stellt man fl® und ganz Frankreich an den Schandpfahl, man opfert die Ehre, um die Eitelkeit zu retten.
Es liess sich mit Sicherheit erwarten, dass auch di^VerMdiger^on-Mtz A tEt Festung und der Capitulation der grossen Armee dem Vor>
würfe de« Verraths nicht entgehen würden. Man hatte in Frankreich das Ein- treten diese- gewaltigen Ereignisses schlechterdings sür unmöglich gehalten. Baza.ne batte davon war in Frankreich Jedermann überzeugt, am 14., 16. und 8. Auaust glänzend gesiegt und sich nur au« strategischen Rücksichten in seine «t-l- luna bei Metz begeben. Als man endlich zu der Einsicht gelangt war, daß sem Verweilen in seiner Position denn doch kein sreiwillig-S sei, da ließ man sich bereitwillig durch die Lügenberichte täuschen, die von d.r Regierung über v wiederholten siegreichen Ausfälle BazaineS, über die glanzenden Erfo ge, d - r über die Armee des Prinzen Friedrich Karl davvngetragen habe, in Umlauf ge- etzt wurden Lie Regierung und ihre Organe, , B. der GrafKerairp schreck,en vor den abentcueriichsten Lügen nicht zurück; sie kannten ihr Publikum und muß >n, bn6 mün um Effect zu machkN, Vie Farben stark auftragen muffe. Ein kleiner Erfolg hätte.keinen Eindruck hervorgebracht; Vie Vernichtung von 20 preusschchcii Bataillonen war dagegen wohl geeignet, den ermattenden KriegSerier im Volke
treter und Vorkämpfer der Nationen und Racen wäre. Jede Race oder Juuo- nalitat konnte wenigstens eine gefühlvolle Berücksichtigung beanspruchen, und auch noch mehr, wenn sie dafür bezahlen konnten. Und >etzt ficht Frankreich elbst ur Gebiet und gegen die Race. Ein König nach alter Art konnte z anz g Mann daran wagen und v-elleicht eine Million Seite«, um e.ne gepun9, einen Fluß oder einen Streifen Landes zu erobern; schließlich geichlagcn, . kann zurückgezogen sein und Frieden gemacht haben. Das Volk von Frankreich es' weil sie sehr zufrieden damit von Milliö7en/°mii^inem ^Worte," AlleE^nerst"^ °ni7 hinreichend ^»8^^ >"» wl" ■" sä'» "Ä* W?« L
Der Staats-Anzeiger schreibt: „In der Rheinprovinz und Westfalen, so wie im Elsaß und Deutsch-Lothring-n ist die Kartoffelernte m diesem Jahre nn- günstig ausgefallen. Da der drückenden Theuerung dieses nothwendlgen Leben«, mittels nur durch Ermöglichung reicher Zufuhren aus denjenigen LandeStheilen, in welchen eine bessere Ernte erzielt worden ist, begegnet werden kann, so hat der Handels-Minister Veranlassung genommen, auf den preußischen Staats-Eisenbahnen die Fracht für Kartoffeln in Wagenladungen, welche nach Westfa en, der Rheinprovinz, dem Elsaß und Deutsch-Lothringen bestimmt sind, einstweilen biS zum 1. Mai k. I. auf den geringen Betrag von 1 Pf. pro Centn er und Meile nebst einem festen Zuschlag- von 1 Thlr. pro 100 Elr. »u ermäßigen. Derselbe Satz soll auf den occupirten Bahnen der genannten französischen Landestheile zur Anwendung kommen. Außerdem ist den Verwaltungen der p^^^n Privat- Eisenbahnen anempfohlen worden, auch für ihre Bahnen eine gleiche Frachtermäßigung für Kartoffeln eintreten zu lassen.- _ , .
Die Times sieht die Lage Frankreichs als ganz verzweifelt an; sie fragt, was bleibt den Franzosen noch übrig, um dafür zu kämpfen? „Sie wissen selbst nicht, was. Sie sind nicht länger ein Volk oder eine politische (Sm^it nut ge- meinsamem Bewußtsein, Zusammenhang und Absicht. haben gefochten für den Ruhm, für Eroberungen, sür eine Idee, wie sie sich schmeicheln, „für da« Prestige", für was nickt alles; und in allen düsen luftigen Gefechten haben sie sich selbst verloren. Sie jagten einer Folge von Schatten nach und »trlcr'n darüber die Sache selbst. Seit einem Jahrhundert hat Frankreich sem Dasein verspirli im Haschen nach einem besseren Selbst- Der Erfolg ist ein allgemeine« t Zusammenbrechen. Der Kaiser konnte nicht leiten die auf «'nander folgenden ' Regierungen konnten nicht regieren, die öffentliche Meinung kannte k in s tz, ff»«, m kjö srjrss Sä ää»*
Und doch ist Bazaine in allen Kämpfen siegreich ßewefen > er ^atu ? jüler Verarösieruna die nur für Könige paßten, abweisend, der besondere Ver-
können, wenn ee gewollt hätte .folglich M « nicht gewollt; Frankreich ist ver. Vergrößerung, die wäre. Jede Race oder Ratio-


