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Feuilleton

nach

und

dem

Antlitz ausgeprägt.

(5s sei, wie Ew. Majestät befehlen, noch heute werde ich einen Boten Schloß Laudemont senden.

Die Königin endigte durch einen Wink mit der Hand dieses Gespräch

schritt zu den Guisen vor.

Ich grüße Sie, meine Herren, und danke Ihnen für Ihren Eifer, mit Sie schon in früher Stunde die Pflicht der Etiquette erfüllen. Sie sehen bleich und angegriffen aus, kein Wunder, wenn die Nacht schlaflos verstrichen, der arme Abbä, ich habe herzlich über die Erzählung seines Mißgeschicks gelacht, indeß hat er mir treulich die Bestellung Sr. Eminenz ausgerichtet. Aber- ten Sie sich, Cardinal, hüten Sie sich, Herzog, auch durch die Mauern und Lhüren dringt der Blick Catharina'S und das Herz bietet sich unverschlossen meinem Auge. Beten Sie, Eminenz, Sie, ein Fels der Kirche, daß jenes Wehe nicht Ihr eignes Haupt treffen möge, das Ihre unkluge Nichte in der verwiche- nen Nacht über ihre Königin rief.

Ohne die Erwiederung der Guise abzuwarten, verließ sie die Stelle, sich zu anderen Gruppen begehend. Heinrich hatte unterdessen sich der Montpensier zu nähern gesucht, allein die Herzogin schien ihn vermeiden zu wollen, und ihr Blick verlor nichts von der Eiseskälte von vorhin, wenn die Augen Beider

sich begegneten.

Catharina hatte ihren Umgang beendet und mit ihm den Empfang. Der Adel zog sich zurück und auch Heinrich beurlaubte sich von seiner Mutter, um sich zu einer Spazierfahrt anklciden zu lassen. Catharina blieb allein. Sie setzte sich unter den Baldachin und versank in tiefes Grübeln. Der Eintritt ihres Secretärs, des Pater Ignaz, erweckte sie-

Majestät, meldete der Geistliche, die Minister harren Ihres Erscheinens.

Ich komme, erwiederte Catharina, sich erhebend, und die Hand auf die Schulter ihres GünstlingS legend, fragte sie in vertraulichem Tone:

Nicht wahr, Ignaz, auch Du nennst den Gärtner verblendet, der einen neuen Auswuchs des Unkrauts auf die gefunden Stämme gepfropft? Auch Du tadelst Deine Königin, die eine Verwandte der Guise an ihren Hof beruft? Sei offen.

Ja, ich fände einen Schritt unweise, Ew. Majestät, entgegnete der Pater, wenn nicht die Weisheit meiner Königin bereits selber die Gründe dafür aus- aejprochen hätte.

O, daß ich allein für Blinde sehen muß, seufzte Catharina. Wisse denn, daß diese Montpensier die Ankunft ihrer Cousine vom Grunde ihres Herz ens wünscht, daß schon in der vergangenen Nacht ein Courier mit einem eigenhän­digen Briese der Herzogin Paris verlassen hat.

Und dennoch

Dennoch, siel ihm die Königin in's Wort, dennoch bescheidc ich sie an meinen Hof. Vergissest Du, daß mein Sohn, der König, eines Spielzeugs bedarf. Nun wohl, ich will ihm diese Guise Hinweisen, wie dem Kinde die Puppe, die es zerstreuen soll, was kümmert es mich, wenn er sein Spiel- * Wie ^fragte der Geistliche fast erschrocken, verstehe ich Ew. Majestät recht?

Ha, welcher Triumph für mich, fuhr Catharina fort, wenn diese stolzen

Guisen erröthen müssen vor der Schmach ihrer Verwandten, wenn Stadt und Land, Hof und Volk den Namen Marguerite de Daudemont kennen wird, wenn

Und wenn nun die Pläne der Guisen weiter gehen? fragte Pater Ignaz,

wenn sie davon träumten, eine ihres Geschlechtes auf den königlichen Thron Frankreichs zu erheben? m _

Noch lebe ich, erwiederte Catharina stolz, und sollte es zum Aeußersten kommen, der Mensch ist sterblich, und über die Tage eines Jeden hängt das Damoklesschwert seines Geschickes, wohl dem, der nicht frevelnd mit eigner Hand jenes Seidenhaar durchfchneivet und sein Geschick herausfordert wider sich.

Mit diesen Worten verließ sie, von dem Secretär gefolgt, das Cabinet ihres Sohnes, um, wie sie es täglich zu dieser Stunde zu thun pflegte, die Geschäfte des Reiches vorzunehmen, während der regierende König, von feinem Gefolge begleitet, den warmen Sonnenschein des Tages in bequemer Carosse genoß.

Drittes Kapitel.

Es war spät am Abend. Ein balsamischer Blumenduft erfüllte den Garten, der sich unabsehbar hinter dem alten grauen Schlosse der VaudemontS ausstreckte, auf dessen Zinnen, von keinem Lüstchen bewegt, eine schwarze Trauerfahne schlaff hernieder hing. Aus keinem Fenster des massiven Gebäudes schimmerte ein Lichtstrahl, ernst und traurig, wie eine versteinerte Klage steht es da inmitten der üppig prangenden Natur. ... . m i

Unter einem Hvllunderbusch ruhte auf einer MooSbaiik die zarte Gcsta einer Jungfrau, in ein schwarzes Gewand gehüllt, es war Marguerite de Vau- demont, die Tochter des verstorbenen Schloßherrn.

Eugenie hatte ihre Schilderung nicht übertrieben, man konnte sich nichts

Reizenderes denken, als die Zartheit des Antlitzes dieses Mädchens , als diesen schlanken, elastischen Bau der Glieder. In ihrer Hand hielt sie ein Schreiben, das sie eifrig zu lesen schien, der Thränen nicht achtend, die sich ab und zu ihrem Auge entstahlen und unter dem Schutz der Dunkelheit unbemerkt auf den duftigen Rasen herniederrollten. , .

Das junge Mädchen hatte den Brief beendet und versank in em tiese- Nachdenken, ihre Lippen bewegten sich, als hielte sie Zwiesprache mit sich selber.

Plötzlich horchte sie auf. Aus der Ferne her tönte der gestreckte Galopp eines Pferdes und eine hohe Röthe überflog ihr Antlitz.

Sollte er es sein? flüsterte sie vor sich hin, sollte ihn mir em günstiges Geschick gesandt haben, daß ich ihn noch einmal sehe, ehe ich auf lange von ihm scheide? Aber nein, still, thöricht Herz, Raoul ist in weiter Ferne, nur unse­ren Seelen und Gedanken ist es vergönnt, einander zu finden.

Und dennoch lauschte sie, und jetzt erhob sie sich lebhaft. Der Reiter kam naher und näher und jetzt hielt er an dicht vor den Mauern der Gartens; mit pochendem Herzen vernahm sie dar Oeffnen einer Pforte und im nächsten Augenblicke lag sie mit einem Ausruf des Jubels an der Brust des cintreten. den Mannes, der feinen Mantel fallen ließ und in der Tracht einer Reiterofsi. ziers im matten Strahl des Mondes dastand.

Der junge Soldat war von vollendeter Schönheit. Bon mittelgroßem, schlankem Wuchs, mit leichtgclocktcm, dunkelblondem Haar und großen braunen Augen, in denen sich Intelligenz und Herzensgute spiegelte. Es war Raoul von Saverne, einst der nachbarlich- Gespiele, jetzt der Verlobte Marguenta s.

Hand in Hand ließen sich die beiden Siebenten, nachdem da« erste Ent- rücken des Wiedersehens verrauscht war, auf die Rasenbank nieder.

Raoul, begann dar junge Mädchen nach einer Weile, ist es nicht Sunde, mein Herz von Freude bewegen zu lassen, während erst vor wenig Tagen mein theürer Vater seine Augen schloß? O, wie gern hätte ich Dich m dieser Stunde des Leidens an meiner Seite gewußt, um an Deiner Brust meinen Schmerz auszuweinen, denn ich habe ja Niemand auf der großen GvtteSwelt, als einmal Dich allein, mein Raoul.

Der junge Offizier zog Vas Mädchen an sich. ,

Gott weiß, wie oft ich die lästige Pflicht des Dienstes «erwünschte, d.e sich unübersteialich zwischen uns stellte. Aber länger litt -S mich Nicht von Dir entfernt, da ich vernahm, welch harter Schlag Dich betroffen, und mein Oberst war großmüthig genug, mir Urlaub zu erlheilen. Ach, nur wenige Stunden ist es mir vergönnt, in Deiner beseligenden Nahe zu weilen, laß uns sie benutzen, um unserer Zukunft zu gedenken; ein Jahr noch und Du bist mem Weio, Marguerite. Meine gränzenlose Liebe mögen Dir jene Erdenschatze ersetzen, hie «di Dir nimmer zu bieten vermag.

Das junge Mädchen sah den Geliebten mit einem Blick des Vorwurfs an.

Du solltest mich besser kennen, Raoul, sagte sie ernst. Mem Sinn steht nicht nach Ehre und Neichthum. Still ausgewachsen, lernte ich wohl die Liebe, aber nimmer jenen Schein und Prunk kennen, der die Sinne umgaukelt, aber unser Herz kalt läßt und leer. Ein stilles bescheidenes Häuschen, eine schattige Laube, Dich zu umfangen, wenn Du heimkehrst von den Muhen Demes Dien­stes das ist Alles, was ich bedarf an Gütern dieser Erde.

' O mehr verdienst Du, Du Engel an Schönheit und Gute! rief Raoul feurig. ' Werth wärst Du einer Krone, würdig zu Slänzen unter den Sternen des Hofes, unter den ersten Namen Frankreichs, und docy willst Du dein Schicksal theilen mit dem unbekannten, schmucklosen Krieger?

Und ^doch hän^t cs nur von Dir ab, mein Raoul, Deine Geliebte unter diesen Namen zu wissen. Von Deiner Entscheidung wollte ich die Antwort dieses Briefes meiner Verwandten, der Herzogin von Montpensier, abhang N '"^"Si^r-iLte^b-m Geliebten die eben erhaltenen Zeilen Eugcnie's, aber da» Antlitz Raoul's nahm einen düstern Ausdruck an, als er vollendet hatte.

Marguerite, sagte er, so sind wir Menschen einmal. Wir hegen Wunsche, die uns unmöglich scheinen, und doch, tritt die Gewährung an uns ^un , (o ciraut uns fast und gern nähmen wir das rasche Wort zuruck. Ein kalter Hauch weht mir aus diesen Zeilen entgegen. Fast wie eine Warnungöstimme rufen mir diese Buchstaben zu: Folge uns nicht!

Und warum nicht, mein Raoul? fragte Marguerite, ^tehe ich doch sonst allein da, ohne Ruhe, ohne Schutz. Unser Caplan »st gestern in das Küster seines Ordens getreten, Dich selber hält Deine Dienstpflicht von uns fern, willst Du, daß ich allein und verlassen weile, ein armes, schutzloses Mädchen m rauher, ^^Der^OWer erwiederte nichts, in starrem Sinnen blickte er vor sich nieder.

Uno dann, fuhr Marguerite schmeichelnd fort, dann laß es Dir gestehen, mein Raoul, verleugne ich nicht mein Geschlecht. Nach Parts, um zu schauen jene glänzenden Feste, jene prächtigen Toiletten veö HofcS, )enes Wogen und Drängen ^der berühmten Stadt, von der mir die Herzogin, meine Verwandte Wunderdinge erzählte, o, Raoul, dahin steht mein Sehnen; zürne mir nicht, mein Freund. ,

Traurig richtete der jung< Offizier fein Auge auf sie.

Marguerite! sagte er mit ernster Stimme, vergissest Du, daß zede Meile, die Dich der verführerischsten der Städte näher dringt, Dich von Licmem R^Dich'Einfachen Worte wirkten auf das junge Mädchen. Sie ergriff die Aanh des Freundes und preßte sie innig.

Verzeih, verzeih, mein Raoul, flüsterte sie, ich bin ein thörichtes Mädchen. Nein, ich will nicht nach Paris. Hier an dieser Stätte, die Zeuge unserer Iuaend Zeuge unserer reinen Liebe war, da will ich um Erlauvmß bet dem neuen Besitzer des Schlosses meiner Väter bitten, mir eine Hütte bauen zu lasse», klein und gering; dort will ich jenen Tag erwarten tu Demuth und süßer Hoff­nung, der uns vereint auf immerdar.

Nicht so, Marguerite, erwiederte der Offizier. Du wirst ziehen muffen ch jener Stadt der Ueppigkeit, um Dich anzulehnen an eine verwandte Brust. Aber Leit ich di- Nothwcnvigkcit tiefe« Schrittes cinjehe, cben. m

Kann ich den Gedanken ertragen, Dich allein in jener verführerischen Stadt zu wissen wo das Lasier in tausend wechselnden Gestalten ockend vor De Seele trM? Soll 'ich daran denken, Dich die weiche Lust jene« «ofe. em° h. men zu lassen, wo Tugend und Unschuld zum Spott herabsank. (Forts, folgt.)

Aus blutiger Zeit.

Historische Novelle von Hermann Hirschfeld.

(Fortsetzung.)

Die Herzogin hatte diese Worte mit großem Eifer gesprochen und ihren fast flehenden Blick dabei auf Catharina gerichtet.

Die Königin dachte eine Weile nach, dann schien sie ein Gedanke zu durchblitzen. ,

Sie schildern Ihre Verwandte schön und geistreich, Herzogin? fragte sie lauernd.

Ich fürchte, sie wird manche Verwirrung am galantesten Hofe Europa'S anrichten, Majestät, erwiederte Eugenie lächelnd, und manches schöne Augenpaar wird sich ihrethalben trüben.

Die Königin erhob sich lebhaft.

Sie sind gefangen, Herzogin, rief sie, da Sie den Wunsch äußerten, die Vaudemont an unserem Hofe zu sehen, flößte Ihnen die Eifersucht die Hoffnung ein daß ich Ihnen Ihre Bitte verweigern würde. Aber es fei, ich lade Sie ein ium Wettkampf der Schönheit, meine Edlen, wandte Sie sich an die Anwesen­den. Lassen Sie Ihre Verwandte kommen, Herzogin, Eugenie oder Marguerite sei die Losung.

Die Herzogin verbeugte sich, ein Zug geheimen Grolles lag in ihrem