Telegraphische Depeschen.
△ Chateau le Piple (vor Paris), 30. Dec. Die 2. und 3. Brigade haben einen Ausfall siegreich zurückgeschlagen und den Feind nach Creteil hinein- geworfen. Derselbe verlor 300 Mann Gefangene. Der Verlust der württem- bergischen Felddivision wird beziffert auf: 6 Offiziere todt, 34 verwundet, 700 Mann todt und verwundet. (Das GffechtS-Terrain ist auf der Südostseite von Paris zu suchen. D. Red.)
/X Arras, 30. Nov. Officieve Depesche des Commandirenden der Nordarmee an die Platzcommandanten von Calais, Boulogne und St. Omer: „Die Nordarmee befindet sich auf dem Rückzug auf Doullens. Haltet alle Truppen- directionen nach Arras zurück. Organisirt die Dertheidigung, so gut Ihr könnt. Das Wohl des Vaterlandes ist mehr als zuvor in den Händen der Franzosen. Stimulirt die Bevölkerung durch alle möglichen Mittel. Mögen Alle sich erheben V1
△ Dünkirchen, 30. Nov. Die Handelskammer macht bekannt, daß zwischen hier und Bordeaux ein regelmäßiger Postcampferdienst eröffnet worden ist.
△ Brüssel, 1. Dec. Die „Jndependance" schreibt: Die Nachricht der „Times" von einem Friedensvertrag, unter welchen der Mann von Sedan seine Unterschrift gesetzt hätte, so unwahrscheinlich sie uns schien und für so unmöglich wir die Verwirklichung einer solchen Idee hielten, sollte sie dennoch mehr Begründung haben, als wir voraussetzen zu dürfen glaubten? Einer unserer Londoner Correspondenten giebt uns über diese Angelegenheit Details, welche er aus guter Quelle erhalten haben will. Obgleich dessen Mittheilungen, so viel uns bekannt, meistens authentischen CharacterS sind, so geben wir dieselben doch dies- mal mit aller Reserve: Er schreibt und, daß die Regierung, um sich bei dem König von Preußen präsentiren zu lassen, keine bessere Wahl als Odo Rüssel hätte treffen können, dessen Antecedentien seine diplomatischen Talente genügend dargelegt. Doch habe ihn nicht allein der anglo-russische Zwischenfall nach Vcr- sailleS geführt. Bei den FriedenSvorschlägen des Grafen Bismarck soll, wie das Gerücht gebt, bei einem beabsichtigten Einschieben eines Länderkeiles zwischen Frankreich und Deutschland, welchen Belgien schon theilweise von Vervieres bis Luxemburg bildet, dieses Land eine wichtige Rolle spielen. Seit einigen Tagen wäre zwischen Preußen und Napoleon ein FriedenSvertrag unterzeichnet. Derselbe hätte die Verzichtung Deutschlands auf Lothringen gegen die Schleifung von Metz und die Abtretung des Elsasses durch Frankreich zur Basis, nachdem Preußen angedeutet habe, daß diese Provinz von dem Congreß, der die neuen Territorial- zustände zu legalisiren habe, neutralisirt werden könne. Außerdem würden an Terri- torlalveränderungen noch Hessen und die Pfalz betheiligt sein. Eine der wesentlichsten Elemente dieses zwischen Frankreich und Deutschland zu bildenden Zwischen- landeS, Vas aus Belgien und der Vogesen-Grenze bestehen würde, wäre die Neu- tralisirung des Elsasses, unter welchen bestimmten Umständen die letztere stattfinde, sei noch nicht bekannt geworden. In Betreff Antwerpens bestände die Absicht, dasselbe zum Freihafen zu erklären. Englands Zustimmung zu diesem Vertrag soll schon erlangt sein, obgleich eine Entschädigung Frankreichs auf Kosten Belgien'S käme, die das Bassin von Charleroi betreffe. Dieses wäre die Gabe, mit welcher die Rückkehr der zu Sedan gefallenen Majestät oder die Errichtung einer Regentschaft ermöglicht würde. Positiv sei, daß schon Schritte, wenn auch ohne Erfolg, geschehen, um eine berühmte militärische Persönlichkeit, welche sich der Achtung aller Parteien erfreue, zur Uebernahme der Regentschaft zu gewinnen. Die Aus- führung des Vertrags hänge von der Uebcrgabe von Paris ab, und bleibe so lang- vertagt, bis diese stattgefunden habe. ,
△ Brüssel, 1. Dec. Ein Consortium von BanquierS in London hat sich, wie wir vernehmen, erboten, die norddeutsche Bundesanleihe von 100 Millionen Thaler zu übernehmen. — Es bestätigt sich, daß General Trochu sich geweigert hat, den Fürsten von Wittgenstein, ruff. Militärattache, die Erlaubniß zu geben, Paris zu verlassen, wenn er dazu von der Regierung keine Bewilligung habe.
A Brüssel, 1. Dec. Die „Independance" bringt ein Telegramm aus Lille vom 30. November, Abends. Dasselbe lautet: „Tags über großes Gefecht bei Paris, Spannung hier ungeheuer."
ch Konstantinopel, 30. Nov. Der Conferenzvorschlag ist von der Pforte angenommen worden, die Einberufung der RedifS abbestellt.
Allgemeine
Privatdepesche des Giesiener Anzeigers.
Tours., 30. Nov. Der Pariser Aereonaut Martin brachte 'olgende Depesche: Ducrot's Proklamation: „Wir werden siegen oder nicht mehr nach Paris zurückkehren." Hierauf heute Morgen mächtiger Ausfall, auf acht Brücken die Marne übersetzt; morgen 1/212 Uhr Kampfesfortsetzung. Verwundet: Generale Renauldl, Lacharriere. 2000 Verwundete. Aufregung unbeschreiblich.
Offizielle militärische Nachricht.
Versailles, 1. Dec. Der Verlust der Franzosen bei dem gestrigen mißglückten Ausfälle auf der Süd-Ost-Front von Paris an Todten, Verwundeten und Gefangenen ist sehr bedeutend. Heute wurde von ihnen zur Beerdigung ihrer Gefallenen ein mehrstündiger Waffenstillstand erbeten. Auf unserer Seite beträgt der Verlust bei der württembergischen Division etwa 40 Offiziere und 800 Mann, bei der Brigade du Trossel des 2. Armee-Corps 2 Offiziere und etwa 70 Mann. Sächsischer Verlust noch nicht constatirt. Heute verhielt sich der Feind vollständig ruhig. v. Podbielsky.
Frisch back er ) u Gießen.
Sonntag den 4. December. Emil Noll in der Löwengasse, Louis Keil in den Neuenbäuen und Heinrich Noll in der Neustadt.
E—mmiruiiiiii i
Kirchliche Anzeige
der evangelischen Gemeinde zu Gießen.
Gottesdienst am 4. Scrnnber: j S«!.
Advents - Gottesdienst in der Hospitalkirche:
Mittwoch den 7. December, Nachmittags um 3 Uhr: Pfarrer Dr. Seel.
Die Pfarrgeschäfte für diese Woche (vom 4. bis 10. December) besorgt Pfarrer Landmann.
Börsennachrichten.
1. December 1870.
Actien.
Oest. Creditact. 2411/2 50/0 östr. F. St. E. B. 3613/4 Lombard. Bahn 1693/4 Ludwigsh.-Bexbach 1621/2
Maxbahn 1081/4
Bayer. Ostbahn 1231/2
Hess. Ludwigsb.-Act. 134
Alsenzbahn-Actien 83
Oberhessen „ -66 V2
Wechsel.
Amsterdam k. S. 100
Augsburg k. S. 99%
Berlin k. S. 1043/16
Bremen k. S. 96% Cöln k. S. 1043/4
Hamburg k. S. 88
Leipzig k. S. 104i%e
London k. S. 119%
Lyon k. S. —
Paris k. S. —
Wien k. 8. 96
ditto m. S. —
ditto 1. S. —
Disconto 4% G.
Preuss. 41/2°/o Oblig. 91% Frankf. 3%% Obi. 77% Nass. 41/2 0 0 Obi. 90% Kurhess. 40/q r 82 % Gr. Hess. 5% Obi. —
» . 4O/o „ 92%
„ n 31/30/0 „ -
Bayer. 5°/0 r 95%
» 41/2 % 1jährige 911/2
„ 4% 1/2 jährige 91% Würtemb. 4%% Obi. 903/< Baden 41/2% obL c- E- L- 91 Oesterr. Silberrente 533/4
„ Papierrente 451/2
„ 5% M. steuerf. —
Amerik. Bonds 1881 r 963/g „ 1882r 943/4
„ „ 1885r 933/4
„ „ 1887r 9376
Spanier, neuest. 3°/o 30%6
Prioritäten.
30/0 oster. Stsb.-Prior. 553/4
3% öst. s. Lombard 46
3% Livorneser 31
5°/0 Toscaner —
5% Elisabeth.-Prior. 78
do. II. Emiss. 733/4
«Geldsorten.
Pr. Cassen-Sch. 1 443/4-45
Sachs. „ —
Div. Cassen-A. —
Pr. Friedrdor 9 58—59
Pistolen . . 9 45—46
„ doppelte 9 45 — 46
Holl. fl. 10 St. 9 55
Ducaten . . 5 36—38 20 Frankenst. 9 32%—33%
Engi. Sover. 11 57—59 Russ. Imper. 9 48—50
Dollar in Gold 2 26%—27%
Anleliensloose.
Kurh. 40 Thlr. Loose 64'/2 Nassau 25 fl. 381 /2
40/0 bayr. Präm.-Anl. 107% Ansbacher 7 fl. —
40/0 badische Loose 106 Badische fl. 35 Loose 59% Oestr. fl. 250 v. 1839 — 1858r Prioritätsloose 152% 1860r Loose 763% 1864r „ 112%
Braunschweiger Iß3^ Stadt Madrid 22
Actien.
Frankf. Bank 131 Vö Frankf. Vereins-Kasse —
Darmst. Bankact. 320
Wien Bankactien 701
Galizien 2314/2
MH W IIMim—B—
r Anzeigen.
Besondere Bekanntmachungen.
aufge-
daher
13)
14)
15)
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1)
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Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag
stimmt sind.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.
Gießen, den 2A November 1870.
Der Rechner der Spar- und Leihkasse: Kehr.
„ 8. :?
" 15 : 17.
„ 20- " 2A- „ 22. " 24' :£ „ 29. „ 31.
werden
17) _ . „
Die Interessenten -------- - -
fordert, die Zahlung an diesen Tagen m Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren.
Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Stadt Gießen, dagegen die auf Dienstag, Mittwoch und Samstag fallenden Zahltage für die Auswärtigen be-
5044) Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leih- kasse angelegten Capitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und Zwar:
•* - " den 3. December,
5070) Die Gerichtstage für das Geschäftsjahr 1871 werden in dem Gemeindehause zu Rodheim in der bisher eingeführten Weise an folgenden Tagen abgehalten:
am 15., 16. und 17. December 1870,
„ 12., 13. „ 14. Januar 1871,
„ 9., 10. „ 11- Februar „
„ 9., 10. „ 11. März „
„ 13., 14. „ 15. April
„ 11., 12. „ 13. Mai
„ 8., 9. „ 10. Juni,
„ 6., 7. „ 8. Juli
7 8. „ 9. September „
,, 12., 13- „ 14. October „
„ 9 , 10. „ 11. November „
Die Geschäftsstunden sind Donnerstags von Nachmittags 2 bis 7 Uhr, Freitags von Vormittags 8 bis 1 Uhr und von Nachmittags 3 bis 6 Uhr, Samstags während derselben Zeit bis 5 Uhr festgesetzt.
Die Ortsvorstände werden ersucht, Vorstehendes im -Interesse ihrer Ortsangehon- gen bekannt machen zu lassen und ein Ver- zeichniß der betr. Tage an dem Gemeindehause auszuhängen.
Rodheim, am 25. November 1870.
Der Bürgermeister: Bender.
BeixstsigkruMgew.
Die Vergebung von Fuhr- und Handarbeit bei der Stadt Gießen. 5081) Montag den 5. December 1870, des Morgens 9 Uhr,
sollen die Arbeiten der Verebenung der Schulstraße, veranschlagt za 100 fL, auf
dem Nathhause dahier an den Wenigstfor- dernden vergeben werden.
Gießen, den 1. December 1870.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _______________Vogt._____________
Versteigerung von Sauarbeiten.
5031) Die bei dem Umbau der Brücke über die Lahn bei Ruttershausen vorkom- menben Arbeiten und zwar: fL kr.
Zimmerarbeit, veranschlagt zu 6207 17 Schlosserarbeit, „ „ 926 4
Erd - u- Chaussirarbeit „ „ 25 —
sollen auf dem Submissionswege vergeben werden. Pläne, Voranschläge und Bedingungen können vom 1. December d. I. in unserm Büreau eingesehen und die Offerten von da an bis zum 6. December daselbst eingereicht werden. Dieselben müssen verschlossen und mit der Aufschrift: „Submission für die Lahnbrücke bei Ruttershausen", unter Bezeichnung der betreffenden Arbeit, versehen sein.
Zur Eröffnung der Submissionen wird Termin auf
Dienstag den 6. December, Nachmittags 1 Uhr, auf unserem Büreau anberaumt, welchem die Interessenten anwohnen können. Nach diesem Termin einlaufende Offerten finden keine Berücksichtigung.
Ruttershausen, den 26. Novbr. 1870.
Großherzogliche Bürgermeisterei Ruttershausen.
__________Klinkel.________
5082) Dienstag den 6. December, Vormittags 10 Uhr, lasse ich in meiner seitherigen Wohnung i auf dem Kreuz eine große Parthie Offen,
Heerde, sowie Fenster, Thüren, Treppen, sämmtliche Fußböden und einen kupfernen Waschkffsel meistbietend gegen gleich baare Zahlung versteigern.
Gießen, den 2. December 1870.
August Weidig.
5089) Montag den 5. December, Vormittags von 9 bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 4 Uhr, werden in der Neumühle des L. Weimar dahier nachbenannte Mobiliargegenstände öffentlich versteigert, nämlich:
1 Partie Waizen-, Gries - und Kornmehl, Kleie, 100 Ctr. Heu, 30 Ctr- Grummet, einige Fuder Waizen - und Haferstroh, Kartoffeln und Dickwurzeln, 1 Pferd, 5 Wagen und einzelne Wagen- theile, Pferdegeschirr, Sattel und Zaum, 1 Fegemühle, 1 Strohschneidmaschine, 1 Haufen Dünger, 1 Comptoirpult, 2 Schränke, Tische, Stühle, 1 Partie Werk- und Brennholz und sonstiger Hausrath.
Zugleich werden alle Diejenigen, welche Eigenthumsrechte an den im Besitz des L> Weimar vorgefundenen Mobilien gellend machen können, aufgefordert, ihre Rechte vor dem Versteigerungstermin zu wahren.
Gießen, den 2. December 1870
M. Pilger.
FeiltzevoreUeS
4960) Zwei Papageien (australische Nymphen) nebst schönem Käfig sind zu verkaufen. Wo? sagt Ausg. d. Bltts.


